452 Prozessrecht. N° 56.
weil es für dessen Gelten imachung zur Zeit an der not-
wendigen Voraussetzung, nämlich an einem Beschlusse
des Kleinen Rates, der die Konzession als verwirkt er-
klären würde, fehlt.
Demnach
hat das Bundesgericht
erkannt:
Auf die Klage wird nicht eingetreten.
56.
Orteil der II. Zivilabteilung vom 4. Juli 1917
i. S. Wyss gegen Bern.
Unzulässigkeit der zivilrechUichen Beschwerde gegenüber
Entscheiden über Bewilligung oder Verweigerung des
Armenrechts.
Die vorliegende, unter Berufung auf Art. 87 ZifT. 1 OG
eingereichte Beschwerde richtet sich gegen einen, angeb-
lich
um 25. Mai 1917 vom Appellationshof des Kantons
Beru gefällten, der Beschwerde nicht beigelegten Ent-
scheid über ein von der Beschwerdeführerin in einem
Vaterschaftsprozesse gegen Joseph
Pinchet gestelltes
Armenrechtsgesuch. Nach
der Behauptung der Beschwer-
deführerin
hat der Appellationshof das Armenrechtsgesuch
mit folgender Begründung abgewiesen : Aus den Akten
scheint sich zu ergeben, dass zur Zeit der Konzipierung
des in Frage stehenden Kindes die aussereheliche
Mutter und auch der Schwängerer in Mailand domizi-
l liert waren. Gemäss Art. 2 Niederlassenengesetz -
der auf den vorliegenden Fall per analogiam anzu-
) wenden ist -wäre das Recht des Wohnsitzstaates
massgebend (vergl. BG Praxis 2, Nr. 246), also das
italienische Recht, nach welchem ein günstiger, Apsgang
des von den Gesuchstellern anzuhebenden Va:terschafts-
) prozesses nicht als wahrscheinlich bezeichnet werden
) kann, weil die im italienischen Codice civile statuierten
Prozessrecht. N° 5 1.
diesbezüglichen Voraussetzungen in casu Hieht zu-
treffen.
Das Bundesgericht zieht
inErwägung:
Nach Art. 87 Ziff. 1 OG ist ai zivilrechtliche Be-
schwerde wegen Anwendung kantonalen oder auslän-
dischen
anstatt eidgenössischen Rechts zulässig gegen
letztinstanzliche, der Berufung nicht unterliegende
Entscheide
in Zivilsachen . Nun ist zwar durch den
bundesgerichtlichen Plenarentscheid vom 16. November
i. S. Siegenthaler gegen Stofer (AS 41 II Nr. 101) der
hier verwendete Ausdruck.
Entscheide in Zivilsachen
dahin interpretierl worden, dass es sich nicht um einen
Entscheid der sog. streit.igen Gerichtsbarkeit zu handeln
brauche, sondern dass die Beschwerde
auch gegen Ent-
scheide der sog. freiwilligen Gerichtsbarkeit, sowie genell
Administrativentscheide zulässig sei. Daraus folgt lll-
dessen nicht, dass auch blosse prozessleitende Dek:ete, als
welche die Beschlüsse über Bewilligung oder VerweIgerung
des
Annenrechts erscheinen, als Entscheide in Zivil-
sachen
im Sinne des Art. 87 OG zu betrachten SeieIl.
Der Begriff des Entscheides in einer Zivilsache sntzt
voraus, dass, wenn auch nicht notwendig in Form e.mes
gerichtlichen Ur t eil s , so doch immerhin ber emen
z i v i
Ire c 11 t 1 ich e 11 A 11 S P r u c h entschIeden wor-
den sei (wie
z. B. in dem angeführten Falle : über den v?
Beschwerdebeklagten erhobenen Anspruch auf wIlh
gung eines Notwegrechts). Ein Entscheid übe:' BewIlhgun
oder Verweigerung des Armenrechts stellt sIch lUn aber
nicht als Entscheid über einen z i
v i Ire c h t 11 ehe n ,
sondern höchstens als solcher über einen
pro z e s s -
I' e c h t I ich e II Anspru,ch dar. Er erscheint. daher
ebensowenig als ein
Entscheid in Zivilsachen , w.
1e
z. B.
nach BGE
42 II NI'. 83 die Bewilligung oder VerweIgerung
der definitiven oder provisorischen R e c 11 t .s ö.f nun g.
Dass dabei zivilrechtliche Fragen von
präjudIZIeller Be-
AS 43 II -1 117
-154
deu tung sein können (wie z. B. gerade der vorliegel1dc
I'all zeigt) ändert nichts an der Natur des Entscheides als
solchen.
Demnach
hat das Bundesgericht
erkannt:
uf die Beschwerde wird nicht eingetreten.
57.
Arrit de 1a. IIrne Seetion civile du 4 juillet 1917
dans Ia cause dame BosaUe Zwahlen-Bartlome,
demanderesse, eontre Hans Zwahlen, defendeur.
OJF art. 56 ct SS. -Inadmissibilile d'un recours en reforme
interjete par Ie plaideur auquel I'instance cantonale a
accorde toutes ses conclusions. -Application de ce prin-
'ipe en matiere de divorce.
A. -Par jugement du 5 mai 1917 depose le 12 du meme
mois, le Tribunal cantonal de Neuchätel a prononce, aux
torts du defendeur, Ie divorce entre la recourante dame
Hosalie
Zwahlen ure Bartlome au Locle et son mari
Hans
Zwahlell, restaurateur eIl' cette ville; ce dernier
avait du reste acquiesce aux conclusions prises par sa
femme. Les trois enfants issus du mariage
ont ete remis
leur nHnrc a laquelle le defendeur etait condamne a
payer une pension alimentaire de 20 fr. par mois et par
l'ufant. Le 15 mai 1917, soit quelques jours apres le depöt
du
jugement au greffe, Ie defendeur Hans Zwahlen est
(hncede a Lohnstorf (eanton de Berne).
B. --Par memoire du 29 mai 1917, dame Rosalie
Zwahlen
IHne Bartlome adepose au greife du Tribunal
nl.lltonal de Neuchatel une (declaration ecrite de recours
t'1l röfol'me au Tribunal ft'.dcral dans laquelle elle expose
que k th'ces dc Zwahlen rend impossible Ia confirmatioll
du jugemcnl a l'egard d'un conjoillt decede et qu'elle
ades inlerets d'ordre finallcier el moral a ce que le mariage
prenne fin plutöt par la mort de son cOlljoint que ar le
divoree. Elle annonce en eonsequellce aUaquer le Juge-
ment du 5 juin ( avant qu'il soit devenu definitif et
demande au Tribunal federaI de reconnaltre qu'iI n'y a
pas lieu de confirmer la rupture des liens matrimoniaux
par le divorce, le mariage etant dissous par la mort .du
defendeur. Sur demande du President de la IIe seCbOll
civile du Tribunal federal, la recourante a annonce, par
leUre du 11 juinl917, que sa declaration doit etre inter-
prHee comme impliquant desistement des. eonclusinns
en divorce renfermees dans sa demallde mtroducbve
d'instanee.
Statuant sur ces faits ct eonsidcrant
en droit:
- -Le but et la raison d'etre du re co urs en reformc
est de permettre a Ia partie dont les conclusions n'ont
pas ete admises en totalite par la derniere instance canto-
nale, d'obtenir du Tribunal
federal une decision plus
favorable. 11 ne peut done etre interjete que par celle donl
les pretentions ont He ecartees au moins cu partie (voir
WEISS Berufung page 79 et SV., HO VII p. 376). Tel n'esl
pas le eas de dame Zwahlen, puisqu'elle a obtenu du Tri-
bunal cantonal I'adjudieation de
toutes ses conclusioIlS,
le divorce ayant He prononce aux torts de son mari, les
enfants lui
ayant ete adjuges et leu!' pere ayant He
condamne a lui verser pour ces derniers Ia pension ali-
mentaire qu'elle recIamait ; le reeours
en reforme inter-
jete ne rcpond par consequenl pas aux exigenees prevues
aux art. 56 et sv. OJF. -Le recours en reforme de dame
ZwahIen n'etant pas recevable, sa declaration de desiste-
ment ne peut pas non plus eire prise en considcration ;
sans doute l'execution
d'un jugement cantonal susccp-
tibIe
d' etre porte devant le Tribunal federal par la voie du
recours
en reforme est suspendue de plein droit pendant Je
. delai de vingt jours prevu arart. 65 a1. 1 OJF et, quand un
recours cst' depose, jusqu'au pronone( sur rclui-ci; mais