Damage claim for blocked cheese removal dismissed

BGE 18 I 334Recueil officiel du Tribunal fédéral (ATF) / Volume I3 mai 1892Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

Thomann appealed a Zurich appellate judgment dismissing his CHF 3,200 damage claim against the Hegnau dairy cooperative. He alleged the cooperative unlawfully prevented him from removing cheeses he had produced and sold. The Federal Court found no evidence of physical obstruction or threats; the cooperative merely conditioned removal on deposit of the cheese value. Because Thomann did not challenge the demand by proceeding with removal, no delictual wrongful act was established. A contractual basis was also rejected, as the cooperative had performed its obligations under the milk purchase and lease agreements. The appeal was dismissed and the cantonal judgment confirmed.

Regeste Omnilex

Deliktsrecht; Haftung wegen angeblich verhinderter Warenabfuhr; eine blosse, rechtlich allenfalls unbegründete Auffassung oder Forderung der Gegenpartei begründet für sich allein keine unerlaubte Handlung. Erforderlich ist ein tatsächlicher Eingriff oder eine sonstige rechtswidrige Schädigung; wer eine beanstandete Forderung nicht bestreitet und sich passiv verhält, kann den daraus entstehenden Nachteil nicht der Gegenseite zurechnen. Ein vertraglicher Anspruch scheidet aus, wenn die vertraglichen Pflichten nach den tatsächlichen Feststellungen erfüllt sind (consid. 1-2).

Texte intégral

  1. Urtheil vom 4. Juni 1892 in Sachen Thomann gegen Sennereigesellschaft Hegnau. A. Durch Urtheil vom 3. Mai 1892 hat die Appellations kammer des Obergerichtes des Kantons Zürich erkannt: Die Klage wird abgewiesen; demzufolge wird die provisorische Rechtsöffnung vom 22. Januar dies Jahres als eine endgültige erklärt. B. Gegen dieses Urtheil ergriff der Kläger die Weiterziehung an das Bundesgericht. Bei der heutigen Verhandlung beantragt der Vertreter des Klägers Gutheißung des Rekurfes und der Klage, indem er rücksichtlich des Quantitativs der Entschädigung alle vor den kantonalen Instanzen aufgestellten Behauptungen und gemachten Beweisanerbieten aufrecht hält. Dagegen beantragt der Anwalt der Beklagten Abweisung der gegnerischen Beschwerde und Bestätigung des angefochtenen Urtheils. Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
  2. Der Kläger hatte die Sommermilch der beklagten Käserei gesellschaft Hegnau für 1891 gekauft und deren Sennhütte, sowie eine Wohnung gemiethet. Die von ihm erhobene Schadenersatz forderung von 3200 Fr. stützt sich darauf, daß die Beklagte ihn im November 1891 rechtswidrig gehindert habe, die von ihm im Sommer und Herbst 1891 produzirten und bereits ver kauften Käse abzuführen, bevor er den Werth derselben deponirt habe. In Folge dessen sei sein Käufer vom Vertrage zurückge treten und sei ihm zufolge des nachher eingetretenen Sinkens der Käsepreise und der Nöthigung weiterer Besorgung der Käse ein Schaden im angegebenen Betrage erwachsen.
  3. Die Klage ist aus den bereits von den Vorinstanzen an geführten Gründen ohne Weiters abzuweisen. Nach den that sächlichen Feststellungen der Vorinstanzen liegt nicht vor, daß die beklagte Sennereigesellschaft gegenüber einem Versuche des Klägers, seine Käse abzuführen, thätlichen Widerstand geleistet oder angedroht hätte, es liegt vielmehr einzig vor, daß die Be klagte gemäß ihrem Schreiben vom 13. November 1891 an den Kläger am 12. gleichen Monats beschlossen hat, dem Kläger die Käseabfuhr zwar zu gestatten, jedoch müsse, bevor die Käse abfuhr geschehen könne, der Betrag des Werthes der Käse bei dem Gesellschaftskassier deponirt werden. Heute hat zwar der An walt des Klägers eine andere Darstellung der Sache gegeben, wonach der Kläger durch die thätliche Dazwischenkunft einiger handfester Angehöriger der beklagten Gesellschaft an der Abfuhr der Käse verhindert worden wäre. Allein diese Darstellung findet in den Feststellungen der Vorinstanzen und überhaupt in den Akten keinen Anhalt. Die beklagte Gesellschaft hat also einfach der rechtlichen Meinung Ausdruck gegeben, daß der Kläger ohne Bezahlung oder Sicherstellung seiner Milchschuld nicht befugt sei, seine Käse abzuführen. Darin liegt, auch wenn diese Meinung eine rechtlich nicht begründete gewesen sein sollte, offenbar keine solderrechtliche unerlaubte Handlung. Der Kläger war durch die Ertlärung der Gesellschaft in keiner Weise gebunden; hielt er

dieselbe für eine rechtlich unbegründete, so konnte er sie bestreiten und mit der Abfuhr der Käse beginnen, wobei sich denn heraus stellen mußte, zu welchen rechtlichen oder thatsächlichen Maß nahmen die Gesellschaft schreiten werde. That er dies nicht, son dern verhielt er sich einfach passiv, so kann er für die Folgen dieses Verhaltens die Beklagte nicht verantwortlich machen. Ist die Klage schon aus diesem Grunde abzuweisen, so bedarf es eines Eingehens auf die weitern von der Beklagten erhobenen Ein wendungen nicht. Wenn der klägerische Anwalt heute noch ange deutet hat, der klägerische Anspruch sei als ein vertraglicher be gründet, so ist dieser Gesichtspunkt nicht näher ausgeführt worden und es ist denn auch klar, daß es sich in der That nur um einen Deliktsanspruch handeln kann. Denn die ihr aus dem Milchkauf und Miethvertrage obliegenden Pflichten hat die beklagte Gesell schaft unzweifelhaft erfüllt. Demnach hat das Bundesgericht erkannt: Die Weiterziehung des Klägers wird als unbegründet abge wiesen und es hat demnach in allen Theilen bei dem angefochtenen Urtheile der Appellationskammer des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 3. Mai 1892 sein Bewenden.

Mots-clés

damagestortcontract claimcausationpassive conductcheese deliverywrongful act

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the cooperative committed a wrongful act by preventing removal of the cheeses unless their value was deposited.

Solution extraite

No wrongful act was shown; the cooperative only stated a legal position and did not physically obstruct the removal on the record before the lower courts.

Motifs extraits

The factual findings showed no physical resistance or threat, only a request for prior deposit as security. The plaintiff remained passive instead of challenging the demand and proceeding with removal.

Question juridique clé

Whether the damage claim could succeed as a contractual claim rather than a tort claim.

Solution extraite

No; the cooperative had fulfilled its obligations under the milk purchase and lease agreements, so only a delictual claim remained, which failed.

Motifs extraits

The court held that the contractual duties arising from the milk purchase and tenancy were undisputedly performed, leaving no contractual basis for liability.

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