No standing for private complainant in racial discrimination case

BK 2019 208Tribunal supérieur / Chambre des recours14 mai 2019Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Bern criminal appeal chamber held that the complainant lacked standing to challenge a prosecutorial non-entry decision in a racial discrimination matter. Relying on the Federal Supreme Court’s case law on group discrimination, the court found that individual group members are not directly injured and therefore cannot qualify as injured persons or private complainants. The appeal was therefore not entered into as manifestly inadmissible. The request for free legal aid was denied because the appeal was hopeless, and the appellant was ordered to pay CHF 100 in costs. No compensation was awarded to the accused.

Regeste Omnilex

Art. 115, 118, 382, 393, 396 and 428 StPO; standing of a private complainant in proceedings concerning racial discrimination against a group; individual members of the affected group are not directly injured merely by virtue of group membership and therefore lack the status of injured person and private complainant unless a direct infringement of their own legal interests is shown. Without standing, the appeal against a non-entry decision is inadmissible. A request for free legal aid must be refused when the appeal is manifestly devoid of prospects; unsuccessful appellants bear the appeal costs (consid. 2-3).

Texte intégral

BesetzungOberrichterin Schnell (Präsidentin), Oberrichter J. Bähler, Oberrichterin Falkner

Gerichtsschreiberin Beldi

VerfahrensbeteiligteA.________

Beschuldigter

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstrasse 10, Postfach 6250, 3001 Bern

B.________

Strafkläger/Beschwerdeführer

GegenstandNichtanhandnahme

Strafverfahren wegen Rassendiskriminierung

Beschwerde gegen die Verfügung der Regionalen Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland vom 28. März 2019 (BJS 18 14832)

Erwägungen:

1. Mit Anzeige vom 23. Februar 2019 wurde A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) vorgeworfen, sich der Rassendiskriminierung gemäss Art. 261bis des Schweizerischen Strafgesetzbuchs (StGB; SR 311.0) schuldig gemacht zu haben. Am 28. März 2019 nahm die Regionale Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) das Verfahren gegen den Beschuldigten nicht an die Hand. Dagegen erhob B.________ (Privatkläger; nachfolgend: Beschwerdeführer) am 2. Mai 2019 Beschwerde. Gleichzeitig ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, unter Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistands.

2. Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft kann bei der Beschwerdekammer in Strafsachen innert 10 Tagen schriftlich und begründet Beschwerde geführt werden (Art. 393 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 396 Abs. 1 der Strafprozessordnung [StPO; SR 312], Art. 35 des Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1] i.V.m. Art. 29 Abs. 2 des Organisationsreglements des Obergerichts [OrR OG; BSG 162.11]). Zur Beschwerde legitimiert ist jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheids hat (Art. 382 Abs. 1 StPO). Dies trifft unter anderem auf die Privatklägerschaft zu. Als Privatklägerschaft gilt die geschädigte Person, die ausdrücklich erklärt hat, sich am Verfahren als Straf- oder Zivilkläger zu beteiligen (Art. 118 Abs. 1 StPO; Guidon, Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung, 2011, Rz. 261 ff.). Als geschädigte Person gilt diejenige Person, die durch die Straftat in ihren Rechten unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 StPO). Unmittelbar verletzt und damit geschädigte Person im Sinn von Art. 115 StPO ist, wer Träger des durch die verletzte Strafnorm geschützten oder zumindest mitgeschützten Rechtsguts ist (BGE 141 IV 454 E. 2.3.1, 141 IV 380 E. 2.3.1 S; BGE 138 IV 258 E. 2.2).

Hinsichtlich des Vorwurfs der Rassendiskriminierung hat das Bundesgericht in BGE 143 IV 77 entschieden, dass bei Diskriminierung einer Gruppe von Personen den einzelnen Gruppenangehörigen mangels unmittelbarer Betroffenheit keine Geschädigtenstellung zukommt (E. 4 des erwähnten Urteils). Der Beschwerdeführer kann sich somit im von ihm zur Anzeige gebrachten Verfahren nicht als Privatkläger konstituieren und ist auch nicht zur Beschwerdeführung legitimiert.

Auf die Beschwerde ist demnach wegen offensichtlicher Unzulässigkeit nicht einzutreten. Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels kann verzichtet werden (Art. 390 Abs. 2 StPO e contrario).

3. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Als unterliegend gilt auch die Partei, auf deren Rechtsmittel nicht eingetreten wird oder die das Rechtsmittel zurückzieht (Art. 428 Abs.1 StPO). Der Beschwerdeführer ersuchte jedoch um unentgeltliche Rechtspflege. Dieses Gesuch wird abgewiesen, da die Beschwerde von vornherein aussichtslos war. Die Verfahrenskosten werden somit dem Beschwerdeführer auferlegt.

Dem Beschuldigten ist mangels entschädigungswürdiger Nachteile keine Entschädigung auszurichten.

Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

Das Gesuch um Erteilung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abgewiesen.

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 100.00, werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

Zu eröffnen:

dem Strafkläger/Beschwerdeführer

dem Beschuldigten

der Generalstaatsanwaltschaft

Mitzuteilen:

der Regionalen Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland, Staatsanwalt C.________

Bern, 14. Mai 2019

Im Namen der Beschwerdekammer in Strafsachen Die Präsidentin: Oberrichterin Schnell

Die Gerichtsschreiberin: Beldi i.V. Gerichtsschreiberin Lustenberger

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden durch die Beschwerdekammer in Strafsachen in Rechnung gestellt.

Rechtsmittelbelehrung

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.

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Mots-clés

standingprivate complainantracial discriminationnon-entry decisionlegal aidcostsgroup discrimination

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the complainant had standing as a private complainant to challenge the non-entry decision in a racial discrimination case

Solution extraite

The complainant lacked standing because, in a group-discrimination case, individual group members are not directly injured and thus are not injured persons under Art. 115 StPO.

Motifs extraits

For racial discrimination against a group, the protected legal interest is not directly infringed for each individual group member; therefore the complainant could neither join as private complainant nor appeal.

Question juridique clé

Whether the appeal should be entered into despite the standing defect

Solution extraite

No; the appeal was manifestly inadmissible.

Motifs extraits

Because the appellant had no legally protected interest and no procedural standing, the court refused to enter into the appeal and dispensed with written submissions.

Question juridique clé

Whether free legal aid and appointed counsel should be granted

Solution extraite

Denied because the appeal had no prospects of success from the outset.

Motifs extraits

The manifest inadmissibility of the appeal meant the legal-aid request failed the requirement of non-frivolousness.

Question juridique clé

Who bears the costs of the appeal proceedings

Solution extraite

The appellant must bear the costs, fixed at CHF 100.

Motifs extraits

Under Art. 428 Abs. 1 StPO, a party whose appeal is not entered into is treated as unsuccessful.

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