Dismissal of detention release request during measure extension

BK 2018 371Tribunal supérieur / Chambre des recours6 sept. 2018Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The criminal appeals chamber dealt with an applicant’s request for release from custody after the Regional Court had extended his inpatient therapeutic measure. The chamber held that it was competent to decide the request under Art. 233 StPO. It further held that the applicant was not in security detention or pre-execution, but in an immediately enforceable measure extension, since the appeal had no suspensive effect. As a result, the detention release request was dismissed. Procedural costs of CHF 300 were imposed on the applicant, while appointed counsel’s compensation was reserved for a later determination.

Regeste Omnilex

Art. 233 StPO, Art. 387 StPO; competence and admissibility of detention release requests in appeal proceedings against enforceable post-judgment measures. The procedural chair of the appellate court is competent to decide a request for release from detention. In proceedings concerning independent post-judgment decisions, the appeal mechanism is analogous to appellate procedure. An appeal does not suspend enforcement absent a statutory exception or an express order granting suspensive effect. Where an extension of a measure is immediately enforceable, the liberty deprivation rests on the measure statute and is not to be assessed as ordinary security detention; a release request is therefore unavailable unless suspensive effect has been granted (consid. 2-3).

Texte intégral

BesetzungOberrichterin Schnell (Präsidentin)

Gerichtsschreiberin Lustenberger

VerfahrensbeteiligteA.________

a.v.d. Rechtsanwältin B.________

Verurteilter/Gesuchsteller

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstrasse 10, Postfach 6250, 3001 Bern

GegenstandHaftentlassungsgesuch vom 28. August 2018

Erwägungen:

1. Am 12. Juni 2018 verlängerte das Regionalgericht Bern-Mittelland (nachfolgend: Regionalgericht) die gegen den Gesuchsteller angeordnete stationäre psychotherapeutische Massnahme gemäss Art. 59 Abs. 4 StGB um fünf Jahre, rückwirkend ab 2. Oktober 2017 (Ziffer 1). Am 22. Juni 2018 reichte der Gesuchsteller, amtlich vertreten durch Rechtsanwältin B.________, Beschwerde ein. Zudem beantragte er am 28. August 2018 die sofortige Freilassung aus der Sicherheitshaft. Die Generalstaatsanwaltschaft liess sich am 31. August 2018 vernehmen und beantragte die Abweisung des Haftentlassungsgesuchs, soweit darauf einzutreten sei. In seiner Replik vom 5. September 2018 hielt der Beschwerdeführer an seinem Haftentlassungsgesuch fest.

2. Gemäss Art. 233 StPO entscheidet die Verfahrensleitung über Haftentlassungsgesuche. Diese Bestimmung bezieht sich zwar auf das Berufungsgericht, muss aber auch bei der Beschwerdeinstanz zur Anwendung kommen, zumal bei den selbstständigen nachträglichen Entscheiden ein der Berufung angenähertes Verfahren zum Tragen kommt (BGE 141 IV 396 E. 4.4). Die Verfahrensleitung der Beschwerdekammer ist folglich zuständig für die Beurteilung des Haftentlassungsgesuches.

3. Entgegen der Auffassung der Parteien befindet sich A.________ derzeit weder in Sicherheitshaft noch im vorzeitigen Massnahmenantritt, sondern in der vollstreckbaren Massnahmenverlängerung. Zu verweisen ist diesbezüglich auf das Urteil des Bundesgerichts 6B_1390/2016 vom 22. Dezember 2016 E. 3.2:

„Das Regionalgericht ordnete am 9. September 2016 die Verlängerung der stationären Massnahme um vier Jahre an. Diesen Beschluss ficht der Beschwerdeführer zwar mit Beschwerde an. Strafprozessuale Rechtsmittel haben aber nach Art. 387 StPO keine aufschiebende Wirkung. Vorbehalten bleiben abweichende Bestimmungen der StPO oder Anordnungen der Verfahrensleitung der Rechtsmittelinstanz. Wird gegen einen Entscheid ein nicht suspensives Rechtsmittel wie etwa die Beschwerde nach Art. 393 ff. StPO erhoben, ist er sofort vollstreckbar, soweit die Verfahrensleitung nichts Gegenteiliges anordnet (VIKTOR LIEBER, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 1 f. zu Art. 387 StPO). Mithin wurde der erstinstanzliche Beschluss mangels Suspensivwirkung mit der Eröffnung vollstreckbar. Der mit dem Aufenthalt im Zentrum für stationäre forensische Therapie Rheinau einhergehende Freiheitsentzug hat damit eine gesetzliche Grundlage im Massnahmenrecht (Art. 59 und Art. 90 StGB).“

Das bedeutet in casu, dass eine Haftentlassung auf Gesuch hin gar nicht möglich ist. Der Hafttitel könnte nur dann entfallen, wenn der Beschwerde die aufschiebende Wirkung erteilt worden wäre. Das ist nicht der Fall.

Das Haftentlassungsgesuch ist folglich abzuweisen.

4. Die Kosten dieses Verfahrens werden auf CHF 300.00 bestimmt und dem Gesuchsteller auferlegt. Die Entschädigung der amtlichen Verteidigerin wird am Ende des Verfahrens durch das Gericht festgesetzt.

Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

Das Haftentlassungsgesuch wird abgewiesen.

Die Kosten des Verfahrens, bestimmt auf CHF 300.00, werden dem Gesuchsteller auferlegt.

Die Entschädigung der amtlichen Verteidigerin wird am Ende des Verfahrens durch das Gericht festgesetzt.

Zu eröffnen:

dem Verurteilten/Gesuchsteller, a.v.d Rechtsanwältin B.________

der Generalstaatsanwaltschaft

Mitzuteilen:

den Bewährungs- und Vollzugsdiensten

dem Regionalgericht Bern-Mittelland, Gerichtspräsident C.________

der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland, Staatsanwalt D.________

Bern, 6. September 2018

Im Namen der Beschwerdekammer in Strafsachen Die Präsidentin: Oberrichterin Schnell

Die Gerichtsschreiberin: Lustenberger

Die Kosten des Verfahrens werden durch die Beschwerdekammer in Strafsachen in Rechnung gestellt.

Rechtsmittelbelehrung

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.

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Mots-clés

detention releasesuspensive effectinpatient measureappeal competenceenforceabilityprocedural costs

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the procedural chair of the criminal appeals chamber was competent to decide the detention release request.

Solution extraite

Yes; under Art. 233 StPO the procedural chair decides detention release requests, and this also applies in appeal proceedings for independent post-judgment decisions.

Motifs extraits

The appeal procedure in such post-judgment matters is analogous to an appeal, so the chair has competence to rule on the request.

Question juridique clé

Whether the applicant was entitled to release because he was allegedly in security detention or pre-execution of the measure.

Solution extraite

No; he was in an enforceable extension of the measure, not in security detention or pre-execution, so release on request was not available.

Motifs extraits

The measure extension was immediately enforceable because appeals under Art. 387 StPO do not have suspensive effect unless expressly granted; without suspensive effect the deprivation of liberty rests on the measure law basis.

Question juridique clé

Whether the detention release request should be granted.

Solution extraite

No; because no suspensive effect had been granted and the detention title therefore remained in force, the request had to be refused.

Motifs extraits

Without an order suspending enforcement, the measure extension remained executable and provided a lawful basis for the deprivation of liberty.

Question juridique clé

Allocation of procedural costs and counsel compensation.

Solution extraite

Costs of CHF 300 were imposed on the applicant; compensation for appointed counsel would be fixed by the court at the end of the proceedings.

Motifs extraits

The chamber ordered the ordinary procedural cost consequences and deferred counsel compensation to a later decision.

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