Timeliness and referendum on Bern special financing regulation

100 2016 83Tribunal administratif12 août 2016Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Bern Administrative Court dismissed A.________’s appeal against the Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland. It upheld the lower authority’s view that the appellant’s challenge to the city council’s decisions on the special-financing regulation, the deposit into the special financing, and the additional credit was time-barred, because the reconsideration in September 2015 concerned only the referendum question. On the merits, the court held that the City of Bern was under no duty to submit the regulation to a popular vote. The request for suspensive effect was moot. The appellant was ordered to pay CHF 1,500 in court costs; no party compensation was granted.

Regeste Omnilex

Art. 67 VRPG, Art. 36 und 46 GO Bern; timeliness of appeal and no obligation to hold a popular vote on a municipal regulation. A reconsideration decision must be interpreted according to its actual scope; only the part expressly reopened is affected, while final decisions remain subject to the ordinary appeal period. An allegedly misleading publication does not restore time unless it caused actual detriment and the party was genuinely misled under the principle of good faith. Municipal provisions empowering the council to submit matters to the electorate are permissive, not mandatory, and do not create a duty to call a vote. Subsidiary declaratory relief requires a special declaratory interest; otherwise it is inadmissible or too late. In voting matters, costs may be imposed where the appeal is mutwillig or where the matter is not a free voting case, consid. 2-4.

Texte intégral

100.2016.83U

HAT/RAP

Verwaltungsgericht des Kantons Bern

Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 12. August 2016

Verwaltungsrichter Burkhard, Abteilungspräsident

Verwaltungsrichter Häberli

Gerichtsschreiberin Gschwind

A.________

Beschwerdeführer

gegen

Einwohnergemeinde Bern handelnd durch den Gemeinderat, Erlacherhof, Junkerngasse 47, Postfach, 3000 Bern 8

Beschwerdegegnerin

und

Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland Poststrasse 25, 3071 Ostermundigen

betreffend Beschlüsse des Stadtrats vom 27. August 2015 und 10. Sep­tember 2015 betreffend die Spezialfinanzierung von Investitionen in Eis- und Wasseranlagen mit einem ökologischen Nutzen (Entscheid des Regierungsstatthalteramts Bern-Mittelland vom 23. Februar 2016; gbv 25/2015)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12.08.2016, Nr. 100.2016.83U, Seite 1

Sachverhalt:

A.

Am 27. August 2015 hat der Stadtrat von Bern das Reglement über die Spezialfinanzierung von Investitionen in Eis- und Wasseranlagen mit einem ökologischen Nutzen (Spezialfinanzierungsreglement Eis und Wasser; RSEW) genehmigt. Gleichzeitig beschloss er eine Einlage von gut 30 Mio. Franken in diese Spezialfinanzierung sowie einen Nachkredit von rund 14 Mio. Franken «in der Dienststelle 610 Finanzverwaltung». Dabei ver­zichtete er – in Abweichung vom Antrag des Gemeinderats – darauf, das RSEW den Stimmberechtigten der Einwohnergemeinde (EG) Bern zur Ab­stimmung vorzulegen. Allerdings wurde in der Folge ein Wiederer­wä­gungsantrag der SVP-Fraktion angenommen, wonach über die Frage der Volksabstimmung über das RSEW erneut Beschluss zu fassen sei. An seiner nächsten Sitzung vom 10. September 2015 bestätigte der Stadtrat den Beschluss, auf die Durchführung einer solchen zu verzichten. Die Stadtratsbeschlüsse vom 27. August 2015 wurden im Anzeiger Region Bern vom 4. September 2015 und der Beschluss vom 10. September 2015 in jenem vom 18. September 2015 publiziert.

B.

Am 19. Oktober 2015 gelangte A.________ gegen die Beschlüsse vom 27. August 2015 und vom 10. September 2015 betreffend Spezialfinanzie­rung an das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland (RSA), das seine Beschwerde mit Entscheid vom 23. Februar 2016 abwies, soweit es darauf eintrat.

C.

Hiergegen hat A.________ am 23. März 2016 Verwaltungsgerichtsbe­schwerde erhoben und folgende Rechtsbegehren gestellt:

«1. Der Entscheid des Regierungsstatthalteramtes Bern-Mittelland in der Beschwerdesache gbv 25/2015 vom 23. Februar 2016 sei auf­zuhe­ben.

2. Das Reglement über die Spezialfinanzierung von Investitionen in Eis- und Wasseranlagen mit ökologischem Nutzen sei aufzuheben.

3. Evtl. sei das vorgesehene Reglement der obligatorischen Volks­ab­stimmung zu unterbreiten, unter Weglassung "mit einem ökologi­schen Nutzen" im Titel.

4. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen.

5. Die Einlage von Fr. 30'749'564.05 in die Spezialfinanzierung sowie der vom Stadtrat beschlossene Nachkredit von Fr. 14'550'382.75 in der Dienststelle 610 Finanzverwaltung der Rechnung 2014 seien auf­zuheben.

6. Es sei von der Auferlegung von Verfahrenskosten abzusehen.»

Mit Beschwerdeantwort vom 17. Mai 2016 schliesst die EG Bern auf Ab­weisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Das RSA hat sich am 26. April 2016 vernehmen lassen, ohne förmlich Antrag zu stellen.

Am 9. Juni 2016 hat A.________ und am 1. Juli 2016 die EG Bern unauf­gefordert eine weitere Eingabe gemacht.

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 74 Abs. 2 des Ge­setzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) kantonal letztinstanzlich unter anderem Beschwerden betref­fend kommunale Erlasse (Bst. b), betreffend kommunale Wahl- und Ab­stimmungssachen (Bst. c) sowie betreffend weiterer kommunaler Be­schlüsse im Sinn von Art. 60 Abs. 1 Bst. b Ziff. 3 VRPG (Bst. d). Der Be­schwerdeführer macht geltend, das RSEW müsse zwingend dem Volk zur Abstimmung vorgelegt werden, weshalb insoweit eine kommunale Abstim­mungssache gemäss Art. 74 Abs. 2 Bst. c VRPG vorliegt (vgl. BVR 2011 S. 314 E. 1.1.3). Gleichzeitig verlangt er die Aufhebung des RSEW, wofür sich die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts aus Art. 74 Abs. 2 Bst. b VRPG ergibt. Soweit er zudem die Aufhebung der Beschlüsse des Stadt­rats betreffend die Einlage in die Spezialfinanzierung und den Nachkredit beantragt, ist das Verwaltungsgericht gestützt auf Art. 74 Abs. 2 Bst. d i.V.m. Art. 60 Abs. 1 Bst. b Ziff. 3 VRPG zuständig (vgl. VGE 2009/34 vom 2.6.2009, E. 1.1.2 mit Hinweisen).

1.2 Das RSA hat das Rechtsmittel des Beschwerdeführers insoweit materiell behandelt und abgewiesen, als dieses gegen den Beschluss des Stadtrats gerichtet war, auf die Durchführung einer Volksabstimmung in Bezug auf das RSEW zu verzichten (kommunale Abstimmungssache). So­weit das RSEW sowie die Einlage in die Spezialfinanzierung und der Nach­kredit angefochten wurden (kommunaler Erlass bzw. kommunale Be­schlüsse), ist es auf die Beschwerde nicht eingetreten. In Bezug auf diesen Nichteintretensentscheid ergibt sich die Beschwerdebefugnis des Be­schwerdeführers für das verwaltungsgerichtliche Verfahren unmittelbar aus dem negativen Prozessentscheid (vgl. BVR 2015 S. 301 [VGE 2014/130/131 vom 8.1.2015], nicht publ. E. 1.1, 2006 S. 481 E. 1.2; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 79 N. 3, Art. 65 N. 6). Hinsichtlich der materiell beurteilten Abstim­mungssache resultiert die Beschwerdebefugnis des Beschwerdeführers aus dem Umstand, dass dieser einerseits in der EG Bern stimmberechtigt ist (Art. 79b Bst. b VPRG) und andererseits am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen hat, durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung hat (Art. 79b Bst. a i.V.m. Art. 79 Abs. 1 VRPG).

1.3 Allerdings übersieht der Beschwerdeführer, dass insoweit, als das RSA auf sein Rechtsmittel nicht eingetreten ist, Prozessthema des nachfol­genden Beschwerdeverfahrens bloss die Frage bilden kann, ob zu Recht kein Sachentscheid gefällt wurde. Dem Verwaltungsgericht ist es in solchen Fällen regelmässig verwehrt, sich mit der materiellrechtlichen Seite der Streitigkeit zu befassen (vgl. BVR 2008 S. 352 [VGE 23028 vom 24.9.2007], nicht publ. E. 1.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 51 N. 14). Deshalb ist auf die Beschwerde, soweit die Rechtsbegehren 2 und 5 betreffend, nicht einzutreten; diese zielen auf eine materielle Beurteilung jener Anträge ab, auf die die Vorinstanz nicht eingetreten ist.

1.4 Die Beschwerde ist fristgerecht eingereicht worden; damit sie auch formgerecht ist, muss sie von Gesetzes wegen einen Antrag und eine (rechtsgenügliche) Begründung enthalten (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 Abs. 2 VRPG). An die Beschwerdebegründung werden praxisgemäss keine hohen Anforderungen gestellt. Es reicht aus, wenn ersichtlich ist, inwiefern und weshalb der angefochtene Entscheid beanstandet wird. Die Begrün­dung braucht nicht zuzutreffen, muss aber sachbezogen sein. Sie hat sich wenigstens in minimaler Form mit dem angefochtenen Entscheid aus­einanderzusetzen und muss sinngemäss darauf schliessen lassen, inwie­fern dieser unrichtig sein soll. Rechtliche Überlegungen sind dabei nicht notwendig, weil das Verwaltungsgericht das Recht von Amtes wegen an­zuwenden hat (Art. 20a Abs. 1 VRPG). Es ist indes unzureichend, bloss zu behaupten, der angefochtene Entscheid sei falsch (BVR 2006 S. 470 E. 2.4.1). Diesen (relativ tiefen) Anforderungen vermag die Beschwerde zu genügen, auch wenn nicht alle vom Beschwerdeführer vorgetragenen Überlegungen verständlich sind.

1.5 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 VRPG).

2.

Der Beschwerdeführer beanstandet ausdrücklich, dass die Vorinstanz auf sein Rechtsmittel teilweise nicht eingetreten ist (Beschwerde, S. 4 f.). Mit­hin liegt, obschon (fälschlicherweise) eine materielle Beurteilung dieser Aspekte der Streitigkeit verlangt wird (vorne E. 1.3), auch in Bezug auf das teilweise Nichteintreten eine rechtsgenügliche Begründung der Be­schwer­de vor (vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 32 N. 14). Es ist des­halb zunächst zu prüfen, ob das RSA zu Recht nicht auf das Rechts­mittel des Beschwerdeführers eingetreten ist, soweit sich dieses gegen das Re­glement und die Einlage in die Spezialfinanzierung und den Nachkredit richtete.

2.1 Das RSA hat erwogen, der vom Stadtrat anlässlich der Beratungen vom 27. August 2015 angenommene Wiedererwägungsantrag habe einzig den Beschluss betroffen, das RSEW nicht den Stimmberechtigten zu unterbreiten; die Einlage in die Spezialfinanzierung und der Nachkredit so­wie die Genehmigung des RSEW seien davon nicht erfasst worden. Dies möge zwar am 4. September 2015 in der amtlichen Publikation der Stadt­rats­beschlüsse nicht unmissverständlich zum Ausdruck gekommen sein, als Mitglied des Stadtrats müsse sich der Beschwerdeführer jedoch über die beschränkte Tragweite der Wiedererwägung im Klaren gewesen sein. Fer­ner sei spätestens im Moment, als der Stadtrat am 10. September 2015 in Wiedererwägung beschlossen habe, die Spezialfinanzierung nicht einer Volksabstimmung zu unterstellen, klar zum Ausdruck gekommen, dass nur über diesen Aspekt des Geschäfts erneut zu beschliessen war. Deshalb sei die am 19. Oktober 2015 erhobene Beschwerde zwar rechtzeitig einge­reicht worden, soweit sie sich gegen den in Wiedererwägung gezogenen Beschluss richtete, auf eine Volksabstimmung zu verzichten, der am 18. September 2015 amtlich publiziert worden sei. Bezüglich der Einlage in die Spezialfinanzierung und des Nachkredits sowie der Genehmigung des RSEW sei die Beschwerde indes verspätet, sodass insoweit nicht darauf einzutreten sei (angefochtener Entscheid, Ziff. II/3). Weiter ist das RSA auf ein Begehren nicht eingetreten, das der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 15. Februar 2016 nachträglich gestellt und mit dem er die Feststellung verlangt hatte, die Einlage in die Spezialfinanzierung und der Nachkredit seien wegen fehlender Rechtsgrund­lage «hinfällig» geworden (angefochte­ner Entscheid, Ziff. II/6). – Der Be­schwerdeführer wendet ein, entgegen den Erwägungen des RSA habe die Wiedererwägung das ganze Geschäft beschlagen, auch wenn man vorab die Frage der Volksabstimmung habe diskutieren wollen. Im Übrigen habe er auf die Richtigkeit der amtlichen Publikation der Stadtratsbeschlüsse vertrauen dürfen, gemäss der die Wie­dererwägung das gesamte Geschäft der Spezialfinanzierung erfasse. Er könne als Parlamentsmitglied nicht schlechter gestellt werden als die übri­gen Stimmberechtigten, weshalb der angefochtene Entscheid gegen Treu und Glauben sowie gegen das Will­kürverbot verstosse (Beschwerde, S. 3 f.).

2.2 Aus dem Protokoll der Stadtratssitzung vom 27. August 2015 ergibt sich zweifelsfrei, dass der Antrag auf Wiedererwägung nur den Beschluss betraf, auf eine Volksabstimmung zu verzichten. Er wurde damit begründet, dass Teile der SVP-Fraktion die konkrete Fragestellung nicht richtig ver­standen hätten. Weil ein Minderheitsantrag der vorberatenden Kommission für Finanzen, Sicherheit und Umwelt (FSU) vorlag, wonach – anders als der Gemeinderat beantragt hatte – auf eine Volksabstimmung zu verzich­ten sei (vgl. vorne Bst. A), musste «Nein» stimmen, wer eine Volksabstim­mung bejahte, was einige Fraktionsmitglieder übersehen hatten. Der Frak­tionssprecher der SVP machte ausdrücklich Folgendes geltend: Bezüglich des RSEW sind wir «uns politisch alle einig», dass es «ein gutes Regle­ment ist; es geht lediglich um die Frage demokratiepolitischer Art, ob man das Geschäft zur Volksabstimmung bringen möchte oder nicht» (Protokoll Nr. 15, S. 825; einsehbar unter https://ris.bern.ch/Sitzungen.aspx). In der Folge stimmte der Stadtrat diesem Antrag zu, sodass das Geschäft bei der nächsten Sitzung am 10. September 2015 erneut zur Beratung kam. Dabei wurde dem Rat nicht etwa auch die Genehmigung des RSEW sowie die Einlage in die Spezialfinanzierung und der Nachkredit, sondern einzig und allein der «FSU-Minderheitsantrag» ein zweites Mal unterbreitet, die Spezi­alfinanzierung nicht den Stimmberech­tigten vorzulegen (Protokoll Nr. 16, S. 875; einsehbar unter https://ris.bern.ch/Sitzungen.aspx). Bei diesen Gegebenheiten steht fest, dass die Genehmigung des RSEW sowie die Einlage in die Spezialfinan­zierung und der Nachkredit bereits am 27. Au­gust 2015 endgültig be­schlossen und nicht in Wiedererwägung gezogen worden sind.

2.3 Damit ist die Behauptung des Beschwerdeführers widerlegt, die Wiedererwägung habe alle Beschlüsse des Stadtrats betreffend Spezial­finanzierung erfasst. Daraus folgt, dass die Vorinstanz zu Recht erwogen hat, die Genehmigung des RSEW sowie die Einlage in die Spezialfinanzie­rung und der Nachkredit vom 27. August 2015 hätten innert dreissig Tagen ab ihrer Publikation im Anzeiger vom 4. September 2015 angefochten wer­den müssen (vgl. Art. 67 VRPG), sodass die Beschwerde vom 19. Oktober 2015 insoweit verspätet sei. Weiter ist dem RSA zuzustimmen, dass der Beschwerdeführer bezüglich seiner Säumnis nichts aus einer allenfalls missverständlichen Formulierung des publizierten Wiedererwägungs­beschlusses im Amtsanzeiger abzuleiten vermag, gemäss der – ohne dass die Beschränkung auf die Frage einer Volksabstimmung erwähnt würde – der Stadtrat einer Wiedererwägung zustimmt und «das Geschäft am 10. Sep­tember 2015 nochmals beraten» wird:

2.3.1 Eine fehlerhafte behördliche Angabe muss ungeachtet ihrer Einord­nung als Eröffnungsmangel (vgl. Art. 44 Abs. 6 VRPG) oder als Frist­wiederherstellungsgrund (vgl. Art. 43 Abs. 2 VRPG) kausal für den einge­trete­nen Nachteil sein (BVR 2014 S. 130 E. 3.3, 2006 S. 470 E. 3.1; BGE 134 III 92 E. 1.6; vgl. auch Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 43 N. 13). Wer durch einen gerügten Mangel nicht irregeführt wird und dem­zufolge auch nicht benachteiligt ist, kann aus der behördlichen Fehlleistung nichts zu seinen Gunsten ableiten. Ob die betroffene Partei durch den ge­rügten Mangel tatsächlich irregeführt wurde, ist stets aufgrund der konkre­ten Umstände des Einzelfalls zu prüfen. Richtschnur für die Beurteilung ist dabei der Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 9 der Bundesverfassung [BV; SR 101]; Art. 11 Abs. 2 der Verfassung des Kantons Bern [KV; BSG 101.1]), in dem die Berufung auf Formmängel nicht nur ihre Stütze, sondern gleichzeitig auch ihre Grenze findet (BVR 2014 S. 130 E. 3.3, 1999 S. 137 E. 4; BGE 135 III 374 E. 1.2.2.1, 122 I 97 E. 3a/aa).

2.3.2 Es kann ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer durch einen allfälligen Mangel in der Publikation des Wiedererwägungsbeschlus­ses irregeführt wurde. Er war persönlich im Stadtrat anwesend, als der Fraktionssprecher der SVP den Antrag stellte, in Bezug auf die Durchfüh­rung einer Volksabstimmung erneut Beschluss zu fassen (Protokoll Nr. 15, S. 778), und hat sich auch an der betreffenden Abstimmung im Rat beteiligt (Anhang zum Protokoll Nr. 15, Namensliste der Abstimmung Nr. 072). Er musste sich also von Anfang an der beschränkten Tragweite der Wieder­erwägung bewusst sein. Dass dem so war, zeigt denn auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer am 10. September 2015 anlässlich der erneu­ten Abstimmung über die Frage der Volksabstimmung über das RSEW keine Einwände erhob, als nur über diesen Aspekt der Spezialfinanzierung und nicht auch über die Genehmigung des RSEW sowie die Einlage in die Spezialfinanzierung und den Nachkredit erneut Beschluss gefasst wurde (vgl. Protokoll Nr. 16, S. 875). Wäre er irrtümlich davon ausgegangen, das gesamte Geschäft der Spezi­alfinanzierung werde am 10. September 2015 erneut behandelt, so hätte er sicherlich im Rat das Wort verlangt und auf die seines Erachtens unrichtige Beschränkung auf die Frage der Volks­abstimmung aufmerksam gemacht.

2.3.3 Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer auch nach der erneuten Beschlussfassung im Stadtrat am 10. September 2015 noch über aus­reichend Zeit für eine Anfechtung der Genehmigung des RSEW sowie der Einlage in die Spezialfinanzierung und des Nachkredits verfügte. Die dreis­sig­tägige Beschwerdefrist, die erst am 4. September 2015 mit Publikation der Beschlüsse zu laufen begann, war selbst im Moment der Publikation der Beschlüsse vom 10. September 2015 im Anzeiger vom 18. September 2015 erst knapp zur Hälfte verstrichen. Bei diesen Gegebenheiten hat der Beschwerdeführer den ungenutzten Ablauf der Beschwerdefrist bezüglich der Beschlüsse vom 27. August 2015 allein seiner eigenen Nachlässigkeit zuzuschreiben. Zum einen bewirkte die al­lenfalls missverständliche Publi­kation des Wiedererwägungsbeschlusses beim Beschwerdeführer keinen Irrtum. Zum andern verfügte dieser – selbst wenn er sich zunächst ge­täuscht hätte – nach der Klärung der Tragweite der Wiedererwägung am 10. September 2015 und der Publikation des neuen Beschlusses am 18. September 2015 noch über mehr als drei bzw. mehr als zwei Wochen Zeit, um rechtzeitig Beschwerde zu führen.

2.4 Aus dem vom Beschwerdeführer eigens angerufenen Grundsatz von Treu und Glauben (vgl. BGE 130 I 26 E. 8.1) ergeben sich vorliegend keine weitergehenden Rechtspositionen (vgl. vorne E. 2.3.1). Ferner kann nach dem Gesagten keine Rede davon sein, dass die Vorinstanz durch ihren Nichteintretensentscheid das Willkürverbot verletzt hätte (BGE 140 III 16 E. 2.1, 138 I 49 [Pra 101/2012 Nr. 72] E. 7.1), hält dieser doch der vorliegenden Rechtskontrolle stand. Im Übrigen wird der Be­schwerdeführer hinsichtlich der Anfechtung der fraglichen Stadtrats­beschlüsse nicht etwa schlechter gestellt als die übrigen Stimmberechtig­ten, denen eine persönliche Kenntnis von entscheidwesentlichen Umstän­den genauso angerechnet würden wie hier dem Beschwerdeführer. Mithin erweist sich die Beschwerde als offensichtlich unbegründet, soweit sie sich gegen das teilweise Nichteintreten des RSA auf das Rechtsmittel des Be­schwerdeführers richtet.

2.5 Gleiches gilt hinsichtlich des nachträglich gestellten Feststellungs­begehrens, auf das die Vorinstanz ebenfalls nicht eingetreten ist: Feststel­lungsbegehren sind gegenüber Leistungs- und Gestaltungsbegehren sub­sidiär, was bedeutet, dass sie grundsätzlich nur dann gestellt werden kön­nen, wenn solche ausgeschlossen sind. Voraussetzung ist insoweit ein besonderes Feststellungsinteresse (vgl. BVR 2010 S. 337 E. 3.2; Merkli/ Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 49 N. 20). Weshalb der Beschwer­de­führer, der bereits die gesamte Spezialfinanzierung einschliesslich Einlage in die Spezialfinanzierung und Nachkredit angefochten hatte, darüber hinaus ein besonderes Interesse an einer Feststellung der «Hinfälligkeit» der Kredite gehabt haben sollte, ist weder ersichtlich noch dargetan. Hinzu kommt, dass die EG Bern zu Recht auf die offensichtliche Verspätung des erst mit Eingabe vom 15. Februar 2016 formulierten nachträglichen Be­gehrens hinweist, müssen doch Antrag und Begründung einer Beschwerde vor Ablauf der dreissigtägigen Be­schwerdefrist vorliegen (Art. 33 Abs. 3 VRPG).

3.

3.1 In der Sache hat das RSA erwogen, das RSEW zähle nicht zu den Geschäften, die gemäss Art. 36 der Gemeindeordnung der Stadt Bern vom 3. Dezember 1998 (GO; SSSB 101.1) der obligatorischen Volksabstim­mung unterliegen. Weiter sei der Beschluss des Stadtrats, ein Geschäft, über das er (allenfalls unter Vorbehalt des fakultativen Referendums) in eigener Kompetenz beschliessen könne, nach Art. 46 GO freiwillig den Stimmberechtigten zum Entscheid vorzulegen, politischer Natur. Da im Zusammenhang mit dem RSEW keine Einlagen in die Spezialfinanzierung getätigt oder Kredite gesprochen wurden, die in die Zuständigkeit der Stimmberechtigten fallen, sei es dem Stadtrat freigestanden, ob er – dem Antrag des Gemeinderats folgend – eine Volksabstimmung betreffend das RSEW durchführen wolle oder nicht. Im Umstand, dass er (nach Wieder­erwägung) mit Beschluss vom 10. September 2015 darauf verzichtet habe, liege keine Rechtsverletzung (angefochtener Entscheid, Ziff. III/2). Obschon das RSA auf die Beschwerde gegen die Einlage in die Spezial­finanzierung und den Nachkredit nicht eingetreten ist, hat es – im Hinblick auf mögliche künftige Streitigkeiten – ferner geprüft, ob der Beschluss über den Nachkredit in die Zuständigkeit der Stimmberechtigten falle. Es ver­neinte dies, weil der Globalkredit der betroffenen Dienststelle einen Haupt­kredit darstelle, zu dem der Stadtrat einen Nachkredit beschliessen könne (Art. 52 Abs. 2 GO; angefochtener Entscheid, Ziff. III/3). – Der Beschwer­deführer ist demgegenüber der Auffassung, es fehle im Budget 2014 an einem Hauptkredit für die streitige Spezialfinanzierung, weshalb der Stadt­rat keinen Nachkredit habe beschliessen können. Eine Vorfinanzierung einzelner Vorhaben, wie sie durch das RSEW bezweckt werde, verstosse gegen Art. 70 des Gemeindegesetzes vom 16. März 1998 (GG; BSG 170.11) bzw. gegen Art. 84 f. der Gemeindeverordnung vom 16. De­zember 1998 (GV; BSG 170.111), weil die Fachempfehlung des Schweize­rischen Rechnungslegungsgremiums für den öffentlichen Sektor (SRS-CSPCP) missachtet würde. Zudem sei der Titel des RSEW irrefüh­rend, da neue Sportanlagen keinen ökologischen Nutzen brächten (Be­schwerde, S. 6 ff.).

3.2 Der Beschwerdeführer setzt sich höchstens am Rand mit den ent­scheidwesentlichen Erwägungen der Vorinstanz auseinander; er bean­standet vorab deren Ausführungen zur kommunalen Finanzordnung und Rechnungslegung, denen vor dem Hintergrund des Nichteintretensent­scheids bloss die Bedeutung eines obiter dictum zukommen. Dabei be­streitet er zu Recht nicht, dass der Erlass des RSEW kein Geschäft dar­stellt, das gemäss Art. 36 GO dem obligatorischen Referendum untersteht. Allerdings wird aus seinen Ausführungen, soweit sie überhaupt sachbe­zogen sind, auch kaum verständlich, weshalb der Verzicht auf eine Volks­abstimmung dennoch Recht verletzen sollte. Jedenfalls ist nicht zu bean­standen, dass die Vorinstanz einen Verstoss gegen Art. 46 GO ebenfalls verneint hat: Gemäss dieser Bestimmung kann der Stadtrat Geschäfte, die in seine Zuständigkeit fallen (mit Ausnahme von Wahlen), den Stimmbe­rechtigten zum Entscheid vorlegen. Inwiefern sich aus der entsprechenden Kompetenz des Stadtrats, Geschäfte auf die Stimmberechtigten zu über­tragen, im vorliegenden Zusammenhang die Verpflichtung ergeben könnte, eine Volksabstimmung über das RSEW durchzuführen, ist nicht ersicht­lich. Soweit der Beschwerdeführer eine Verletzung von kantonalen Be­stim­mungen über die Finanzordnung geltend macht (Art. 70 GG enthält die Grundsätze des kommunalen Finanzhaushalts und Art. 84 f. GV regeln die Abschreibungen), wendet er sich gegen die Einlage in die Spezialfinanzie­rung und den Nachkredit sowie gegen das RSEW, obschon diese Aspekte der Spezialfinanzierung weder vom RSA noch vom Verwaltungsgericht materiell zu prüfen sind. Weshalb sich aus dem Umstand, dass das RSEW – jedenfalls gemäss Rechtsauffassung des Beschwerdeführers – gegen höherrangiges Recht verstossen könnte, eine Verpflichtung zur Durchfüh­rung einer Volksabstimmung ergeben soll, wird nicht nachvollziehbar vor­gebracht. Mithin erweist sich die Beschwerde auch in der Sache als offen­sichtlich unbegründet, ohne dass auf die konkreten Ausführungen der Ver­fahrensbeteiligten zur Finanzordnung bzw. zu den Grundsätzen, nach de­nen Ausgaben zu budgetieren, Abschreibungen zu machen und Kredite zu sprechen sind, näher eingegangen zu werden bräuchte. Diese Vorbringen betreffen das RSEW sowie die Einlage in die Spezialfinanzierung und den Nachkredit, die nicht Gegenstand des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens bilden. Offen bleiben kann schliesslich, ob der angeblich irreführende Titel des Reglements für eine Volksabstimmung anzupassen gewesen wäre.

3.3 Soweit das gestellte Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wir­kung (Rechtsbegehren 4) überhaupt Sinn machen konnte (vgl. insb. Art. 82 VRPG), erübrigt sich seine Beurteilung mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache (vgl. BVR 2012 S. 314 E. 5.4; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 28 N. 5).

4.

4.1 Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde sowohl in Bezug auf den Nichteintretensentscheid (vorne E. 2.4 f.) als auch in der Sache (vorne E. 3.2) als offensichtlich unbegründet und ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten wird. Das Verwaltungsgericht beurteilt solche Fälle in Zweierbesetzung (Art. 56 Abs. 3 des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).

4.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be­schwerdeführer aufzuerlegen, obschon dieser auf Kostenlosigkeit schliesst (Rechtsbegehren 6):

4.2.1 Zwar erhebt das Verwaltungsgericht in Beschwerdeverfahren in kommunalen Wahl- und Abstimmungssachen vorbehältlich mutwilliger oder leichtfertiger Prozessführung keine Verfahrenskosten (Art. 108a Abs. 1 VRPG). Vorliegend hat der Beschwerdeführer jedoch keinerlei tauglichen Einwände gegen die abschlägige Beurteilung seines Antrags erhoben, die Spezialfinanzierung einer Volksabstimmung zu unterstellen; vielmehr ist weitgehend unverständlich geblieben, weshalb diesbezüglich überhaupt eine Rechtsverletzung vorliegen sollte. Eine derart leichtfertige Beschwer­deführung ist als mutwillig zu bezeichnen und hat eine ausnahmsweise Kostenpflicht zur Folge, obschon es sich um eine Abstimmungssache han­delt.

4.2.2 In Bezug auf die Anfechtung des teilweisen Nichteintretens steht keine (kostenlose) kommunale Abstimmungssache in Frage (vgl. BVR 2015 S. 263 E. 6). Mithin wird der Beschwerdeführer aufgrund seines diesbezüglichen Unterliegens kostenpflichtig (Art. 108 Abs. 1 VRPG).

4.3 Ersatzfähige Parteikosten sind nicht angefallen (Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG; vgl. auch BVR 2015 S. 581 E. 7.3).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'500.--, werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3. Es werden keine Parteikosten gesprochen.

4. Zu eröffnen:

-dem Beschwerdeführer

-der Einwohnergemeinde Bern

  • dem Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland

Der Abteilungspräsident:Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung

Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün­dung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.

Mots-clés

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Question juridique clé

Whether the appeal was admissible against the regulatory authority’s partial non-entry decision on the regulation, special financing deposit, and additional credit.

Solution extraite

The appeal was admissible only to review whether the lower authority rightly refused to decide on the merits; the appellant could not use this proceeding to obtain a substantive ruling on issues on which the lower authority had not entered.

Motifs extraits

The lower authority had only decided the referendum question on the merits, but had not entered on the regulation and financial measures because the objections were late. On appeal, the court could examine only the legality of that non-entry decision.

Question juridique clé

Whether the city council’s reconsideration covered the whole financing package or only the referendum question, making the later appeal timely for all measures.

Solution extraite

The reconsideration concerned only the question whether the regulation should be submitted to a popular vote; the regulation, deposit, and additional credit had been finally decided on 27 August 2015 and were not reopened.

Motifs extraits

The minutes showed that the reconsideration request addressed only the referendum issue. The appellant was present, knew the limited scope, and still had sufficient time after publication to challenge the other decisions within the 30-day deadline.

Question juridique clé

Whether the city council was required to submit the regulation to a mandatory or otherwise obligatory popular vote.

Solution extraite

No such obligation existed; the city council was free to decide not to submit the regulation to the electorate.

Motifs extraits

The regulation did not fall within the categories subject to mandatory referendum. The municipal rule allowing the council to submit matters to voters was permissive, not mandatory, and created no duty to call a vote.

Question juridique clé

Whether the request for a suspensive effect and the later declaratory request had to be dealt with separately.

Solution extraite

The request for suspensive effect became moot with the decision on the merits, and the declaratory request lacked a special declaratory interest and was in any event late.

Motifs extraits

A declaratory request is subsidiary to ordinary relief and requires a specific interest; no such interest was shown. The later request was also filed after expiry of the appeal period.

Question juridique clé

Costs of the appellate proceedings.

Solution extraite

The appellant had to bear the court fee because the appeal was partly frivolous/mutwillig and partly concerned a non-exempt issue; no party compensation was awarded.

Motifs extraits

Although municipal voting matters are generally cost-free, an exception applies in cases of mutwillige or leichtfertige litigation. The challenge to the non-entry decision was not a free voting matter, so costs were in any event payable.

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