Foster care money disputes require ordinary civil proceedings

XBE.2013.47Tribunal civil / Chambre de protection de l'enfant et de l'adulte28 oct. 2013Inadmissible

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The complainant challenged points related to foster care money and the child’s care arrangement. The court held that foster care money under Art. 294(1) ZGB is a contractual, not maintenance-law, claim and therefore does not need authority approval under Arts. 287/288 ZGB. Any dispute about its existence or scope must be brought in ordinary civil proceedings. Because the complaint was not within the court’s subject-matter jurisdiction, it was not entered upon.

Regeste Omnilex

Art. 294 Abs. 1 ZGB; Pflegegeld als schuldrechtlicher Anspruch und sachliche Zuständigkeit im Beschwerdeverfahren: Das Pflegegeld ist, obwohl familienrechtlich geregelt, kein Unterhaltsvertrag im Sinne von Art. 287/288 ZGB, sondern dient dem Ausgleich der Leistungen der Pflegeeltern. Es bedarf deshalb keiner behördlichen Genehmigung; Streitigkeiten über Bestand, Umfang oder Inhalt des Pflegegeldes sind im ordentlichen Zivilprozess auszutragen und nicht im Kindesschutzbeschwerdeverfahren zu entscheiden. Bei behördlich aufgehobener elterlicher Obhut sind Vertragsparteien des Pflegeverhältnisses die Pflegeeltern und das Gemeinwesen. Prozesserfordernisse und Sachzusammenhang können eine umfassende Beurteilung im Scheidungsverfahren nahelegen (vgl. Art. 315a Abs. 1 ZGB).

Texte intégral

2013 Zivilrecht 369

3.2.

Die vom Beschwerdeführer angefochtenen Punkte stehen mit der Frage des Obhutsentzugs in so engem Zusammenhang, dass deren separate Beurteilung im Beschwerdeverfahren nicht sinnvoll erscheint. Ausserdem hat das Bezirksgericht infolge der seit dem 2. Mai 2013 rechtshängigen Scheidung der Kindseltern ohnehin über die Beziehung zwischen A. und ihren Eltern zu befinden. Sachzusammenhang und Prozessökonomie legen es daher nahe, die Eltern-Kind-Beziehung umfassend im Rahmen des Scheidungsverfahrens zu beurteilen. Dies entspricht auch der Idee, die hinter der gerichtlichen Zuständigkeit für Kindesschutzmassnahmen steht und die in Art. 315a Abs. 1 ZGB Ausdruck findet (BGE 125 III 401 E. 2. b/dd). 64 Art. 294 Abs. 1 ZGB; Abmachungen über das Pflegegeld sind schuldrechtlicher Natur und keine Unterhaltsverträge im Sinne von Art. 287/288 ZGB, weshalb sie keiner behördlichen Genehmigung bedürfen. Vertragsparteien sind bei erfolgter behördlicher Aufhebung der elterlichen Obhut die Pflegeeltern und das Gemeinwesen. Ein allfälliger Rechtsstreit ist auf dem ordentlichen Zivilprozessweg auszutragen. Aus dem Entscheid des Obergerichts, Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz, vom 28. Oktober 2013 in Sachen L. G. (XBE.2013.47). Aus den Erwägungen

2.2.

Kommen Pflegeeltern für die Pflege und Erziehung sowie für die Beherbergung des Kindes auf, haben sie Anspruch auf ein angemessenes Pflegegeld, sofern nichts Abweichendes vereinbart ist oder sich eindeutig aus den Umständen ergibt (Art. 294 Abs. 1 ZGB). Dieser Anspruch der Pflegeeltern ist, obwohl im Familienrecht geregelt, schuldrechtlicher Natur und dient dem Ausgleich der wirtschaftlichen Leistungen der Pflegeeltern. Das Pflegeverhältnis berührt die

370 Obergericht, Abteilung Zivilgericht 2013 Unterhaltspflicht der Eltern gemäss Art. 276 ZGB nicht. Abmachungen über das Pflegegeld sind daher nicht Unterhaltsverträge im Sinne von Art. 287/288 ZGB und bedürfen keiner behördlichen Genehmigung (C YRIL HEGNAUER, in: Berner Kommentar, Band II, 2. Abteilung, 2. Teilband, 1. Unterteilband, 1997, N. 8 und 20 zu Art. 294 ZGB). Ein allfälliger Rechtsstreit über Bestand, Umfang oder Inhalt des Pflegegeldes ist demzufolge auf dem ordentlichen Zivilprozessweg auszutragen (K ARIN ANDERER, Das Pflegegeld in der Dauerfamilienpflege und die sozialversicherungsrechtliche Rechtsstellung der Pflegeeltern, in: Schriften zum Sozialversicherungsrecht, 2012, N. 99, S. 35). Auf die Beschwerde ist somit mangels sachlicher Zuständigkeit nicht einzutreten.

2.3.

Im Übrigen gilt es festzuhalten, dass die Kindsmutter durch die behördliche Aufhebung der elterlichen Obhut (Art. 310 ZGB) ihre Befugnis über die Pflege, Erziehung und das Aufenthaltsrecht des Kindes zu bestimmen verloren hat. Vertragsparteien des Pflegevertrags sind daher die Pflegeeltern W. und das Gemeinwesen (R OELLI/ MEULI-LEHNI, in: Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, 2. Auflage 2012, N. 2 zu Art. 294 ZGB; K ARIN ANDERER, a.a.O., N. 272 ff., S. 97 f.). 65 Art. 401 Abs. 1 ZGB; Wenn von der betroffenen Person eine Vertrauensperson vorgeschlagen wird, ist diesem Vorschlag gemäss Art. 401 Abs. 1 ZGB nachzukommen, wenn die vorgeschlagene Person für die Beistandschaft geeignet und zu deren Übernahme bereit ist. Nicht erforderlich ist dabei, dass die vorgeschlagene Person die geeignetste unter mehreren möglichen Betreuungspersonen ist. Die Erwachsenenschutzbehörde ist verpflichtet, die betroffene Person auf das Vorschlagsrecht aufmerksam zu machen, und begeht eine formelle Rechtsverweigerung, wenn sie dies unterlässt. Das neue Recht gewichtet das Selbstbestimmungsrecht der betroffenen Person stärker als das bisherige. Aus dem Entscheid des Obergerichts, Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz, vom 11. November 2013 in Sachen I. S. und S. S. (XBE.2013.65).

Mots-clés

foster care moneysubject-matter jurisdictionchild protectioncustodyordinary civil proceedingsparent-child relationship

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether disputes over foster care money can be reviewed in the complaint proceedings before the child and adult protection chamber.

Solution extraite

No; claims concerning foster care money are contractual and must be pursued in ordinary civil proceedings, so the complaint court lacks subject-matter jurisdiction.

Motifs extraits

Art. 294(1) ZGB gives foster parents an entitlement to appropriate foster care money, but this claim is of contractual nature and not a maintenance agreement under Arts. 287/288 ZGB. Accordingly it does not require approval by the authority and any dispute must be litigated in the ordinary civil process.

Question juridique clé

Whether the appeal points should be decided separately from the custody issue.

Solution extraite

No; because they are closely connected to the custody withdrawal and to the divorce proceedings, the matter should be assessed comprehensively within the divorce case.

Motifs extraits

Substantive overlap and procedural economy favored a full assessment of the parent-child relationship in the divorce proceedings; this also matches the logic of court jurisdiction over child protection measures under Art. 315a(1) ZGB.

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