Attorney’s duty to protect postal secrecy; no breach found

AVV.2015.48Autre juridiction / Chambre des avocats20 juin 2016Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Aargau Bar Commission examined a supervisory complaint against lawyer Y after registered attorney mail had been delivered by the post office to X AG. It held that Y had not instructed X AG to receive registered mail and that the delivery was a one-off postal mishap. Because Y promptly arranged that X AG would no longer accept such mail once he learned of the incident, the commission found no breach of the duty of care under Art. 12 lit. a BGFA.

Regeste Omnilex

Art. 12 lit. a BGFA; duty of care in handling attorney correspondence; a lawyer must take organizational measures to ensure that legal mail does not come into the hands of unauthorized third parties. However, a breach is not established where the mail was delivered to a third party by the postal service without the lawyer’s instruction, the third party lacked authority to receive registered mail, and the lawyer, once informed, immediately took effective steps to prevent recurrence (consid. 3.3–3.4).

Texte intégral

2016 Anwaltsrecht 387 I. Anwaltsrecht

71 Art. 12 lit. a BGFA Ein Anwalt hat sicherzustellen, dass Anwaltspost nicht in die Hände unberechtigter Dritter gelangt. Vorliegend Verstoss gegen das BGFA verneint. Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 20. Juni 2016 (AVV.2015.48), i.S. Aufsichtsanzeige Aus den Erwägungen

3.3.

Im Rahmen einer sorgfältigen und gewissenhaften Berufsausübung und der daraus resultierenden Pflicht zur Führung einer Kanzlei hat der beanzeigte Anwalt dafür besorgt zu sein, dass Anwaltspost, vorliegend Post von Behörden, ihm zugestellt wird und diese nicht in die Hände von unberechtigten Dritten, respektive Personen, die nicht dem Anwaltsgeheimnis unterstehen, gelangt. (...)

3.4.

Gestützt auf die getätigten Abklärungen ist davon auszugehen, dass der beanzeigte Anwalt Y seine Anwaltspost nicht durch unbeteiligte Dritte entgegennehmen lassen wollte. Die X AG führte denn auch aus, dass die Initiative, das Paket bei ihr abzugeben, von dem Postboten der Post ausgegangen und nicht auf Wunsch des beanzeigten Anwalts Y erfolgt sei. Dass im Einzelfall Büromaterial bei der X AG abgegeben worden war, ist unproblematisch, da es sich dabei nicht um eigentliche Anwaltspost handelte. Sowohl der beanzeigte Anwalt Y als auch die X AG führen aus, dass die X AG nicht mit Vollmacht ermächtigt worden sei, eingeschriebene Post entgegenzunehmen. Demnach hätte die Post die eingeschriebene Postsendung gar nicht bei der X AG abgeben dürfen. Vorliegend handelte es sich

388 Anwaltskommission 2016 offenbar um den ersten Fall, gemäss welchem die Post eingeschriebene an den beanzeigten Anwalt Y adressierte Anwaltspost bei der X AG abgab. Der beanzeigte Anwalt Y hat in der Folge nach Mitteilung des hängigen Aufsichtsverfahrens bei der Anwaltskommission des Kantons Aargau umgehend mit der X AG schriftlich vereinbart, dass diese inskünftig keine eingeschriebene Postsendung, welche an Y adressiert sei, entgegennehmen dürfe. Indem der beanzeigte Anwalt Y nach Kenntnisnahme vom konkreten Vorfall umgehend reagierte und eine künftige Postannahme seitens der X AG unterbunden hat, ist ihm keine Sorgfaltspflichtverletzung im Sinne von Art. 12 lit. a BGFA vorzuhalten.

72 Art. 12 lit. a BGFA Ein Rechtsanwalt, der trotz mehrfacher Aufforderung seitens der Staatsanwaltschaft und trotz Androhung eines Strafverfahrens die ihm überlassenen Akten nicht zurückschickt, verstösst gegen die Berufsregeln. Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 16. August 2016 (AVV.2015.54), i.S. Aufsichtsanzeige Aus den Erwägungen

2.

2.1.

Der beanzeigte Anwalt hat unbestrittenermassen die Frist zur Rücksendung der Verfahrensakten X an die Staatsanwaltschaft Y verpasst. Weiter musste der Ordner Nr. 16 von der Polizei in den Räumlichkeiten des beanzeigten Anwalts abgeholt werden. Es stellt sich die Frage, ob es sich dabei um ein grobfahrlässiges Verhalten handelt, welches auf eine unverantwortliche Berufsausübung schliessen lässt.

Mots-clés

disciplinary lawattorney secrecymail handlingduty of careunauthorized third party

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether lawyer Y violated Art. 12 lit. a BGFA by allowing attorney mail to be received by an unauthorized third party.

Solution extraite

No disciplinary breach was established. After learning of the incident, Y immediately arranged in writing that X AG must no longer accept registered mail addressed to him, and the isolated incident did not show a lack of due care.

Motifs extraits

The duty of diligent practice requires lawyers to ensure that attorney mail does not reach persons not bound by attorney-client secrecy. On the facts, Y did not instruct X AG to accept the mail; the postal service had delivered it there on its own initiative, and X AG had no authority to receive registered mail. Y reacted promptly once informed, which excluded a breach of the duty of care.

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