Institutional placement of a minor; jurisdiction and standing

AGVE_2002_59Tribunal administratif / 1re chambre9 juil. 2002Partially Granted

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The administrative court held that the institutional placement of a minor under a custody-removal measure falls within involuntary confinement, and that the term 'institution' is to be understood broadly. It further confirmed that the administrative court is competent to hear complaints against such placements and that children aged 16 or older, as well as close persons, have standing. On the merits, however, the court found that the threatened return of the appellant to station-based therapy lacked a legal basis. Because his condition had stabilized and he had re-established an independent life, the prerequisites for a new involuntary confinement were no longer met.

Regeste Omnilex

Art. 310 Abs. 1, Art. 314a Abs. 1 and 2, Art. 397d Abs. 1, Art. 405a Abs. 3 ZGB; §§ 52 Ziff. 14 VRPG, 67o EG ZGB: placement of a minor in a non-family institution under a custody-removal measure; competence and standing. The concept of 'institution' in the child-protection and involuntary-confinement provisions is broad and includes residential care facilities in which personal care is provided under deprivation of liberty. Such placement is to be treated as involuntary confinement, so that the special judicial review route applies and the administrative court has jurisdiction. Children who have reached the age of 16, as well as close persons, are entitled to seek judicial review. A threatened return to institutional therapy without statutory basis is unlawful if it would in substance constitute a new involuntary confinement requiring a fresh commitment procedure under the full conditions of Art. 397a ZGB (consid. 1 and 2).

Texte intégral

194Verwaltungsgericht2002 strafrechtliche Begriff "ambulante Massnahme" dahingehend ausgelegt werden müssen, dass eine Rückführung des Beschwerdeführers in eine stationäre Therapie bei Nichteinhalten der Weisungen ohne weiteres ermöglicht werden soll. Die Androhung einer Rückführung in eine stationäre Therapie der Klinik Königsfelden entbehrt einer gesetzlichen Grundlage. Da sich der Zustand des Beschwerdeführers weiterhin stabilisiert hat, konnte er aus der stationären Therapie und somit aus der Anstalt PKK entlassen werden. Zudem hat er sich zwischenzeitlich eine eigene Wohnung genommen, und er geht einer geregelten Arbeit nach, was zusätzlich dafür spricht, dass der Beschwerdeführer ein selbständiges Leben führen kann. Es sind somit offensichtlich nicht mehr alle Voraussetzungen einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung gegeben. Eine Vollstreckung der angedrohten Rückführung in eine stationäre Therapie der Klinik Königsfelden hingegen würde einer neuen fürsorgerischen Freiheitsentziehung gleichkommen, welche jedoch nur zulässig ist, wenn sämtliche Voraussetzungen gemäss Art. 397a ZGB erfüllt sind. Beim Beschwerdeführer würde dies bedeuten, dass - unabhängig von der Einhaltung der Weisungen - eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes eintreten müsste, so dass erneut eine stationäre Behandlungsbedürftigkeit entstehen würde und zusätzlich die Zwangseinweisung verhältnismässig wäre. Dies hätte jedenfalls in einem neuen, ordentlichen Einweisungsverfahren durch die zuständige Einweisungsbehörde - unter Einhaltung sämtlicher Verfahrensvorschriften - geprüft zu werden (AGVE 2000, S. 191). Somit ergibt sich, dass Dispositiv Ziff. 2, so wie sie die Vorinstanz auf Grund ihrer eigenen Begründung materiell verstanden hat und verfügen wollte, mangels Rechtmässigkeit aufzuheben ist. 59 Anstaltseinweisung eines Unmündigen; Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts; Beschwerdelegitimation.

  • Die Unterbringung eines Unmündigen in einer Anstalt im Rahmen eines Obhutsentzugs gilt als fürsorgerische Freiheitsentziehung (Erw. 1/a).
  • Die Unterbringung eines Kindes in einer nicht Familienstruktur aufweisenden Institution gilt als Anstaltseinweisung (Erw. 1/b).

2002Fürsorgerische Freiheitsentziehung195

  • Das Verwaltungsgericht ist zuständig für Beschwerden gegen Anstaltseinweisungen von Unmündigen (Erw. 2/a).
  • Kinder, welche das 16. Altersjahr zurückgelegt haben, sowie ihnen nahestehende Personen sind zur Beschwerde gegen eine Anstaltseinweisung legitimiert (Erw. 2/c). Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 9. Juli 2002 in Sachen B. u. J.R. gegen Präsidialverfügung der Vormundschaftsbehörde A. Aus den Erwägungen 1. a) Wird ein unter elterlicher Sorge stehendes Kind im RahmeneinesObhutsentzugsnachArt.310Abs.1ZGBvoneinerBehörde in einerAnstaltuntergebracht, so ist dies als fürsorgerische Freiheitsentziehung zu qualifizieren. Gemäss Art. 314a Abs. 1 ZGB gelten diesfalls die Vorschriften über die gerichtliche Beurteilung und das Verfahren bei fürsorgerischer Freiheitsentziehung gegenüber mündigen und entmündigten Personen sinngemäss. Die mit dem Obhutsentzug verbundene Anstaltseinweisung kann deshalb gemäss Art. 397d Abs. 1 ZGB innert 10 Tagen direkt beim Richter angefochten werden; die Vormundschaftsbeschwerde ist durch diesen spezielleren Instanzenzug ausgeschlossen (BGE 121 III 306 ff.; 109 II 388 f. = Pra 73/1984, S. 264 f.; Peter Breitschmid, in: Basler Kommentar ZGB I/1, Basel/Genf/München 1996, Art. 310 N 12 und N 20, Art. 314a N 8; Cyrill Hegnauer, Heimerziehung als Massnahme des Kindesschutzes und der fürsorgerischen Freiheitsentziehung, in: ZVW 1988, S. 54 ff.). (...) b) Der vom Gesetz nicht definierte Begriff "Anstalt" im Sinne von Art. 314a Abs. 1 ZGB ist in einem sehr weiten Sinne zu verstehen. Darunter sind nicht nur diejenigen Einrichtungen zu verstehen, die man im täglichen Sprachgebrauch als Anstalten bezeichnet, sondern alle möglichen "Versorgungseinrichtungen", in welchen Personen ohne oder gegen ihren Willen persönliche Fürsorge unter Entzug ihrer Freiheit erbracht wird (BGE 121 III 308 mit Hinweisen). Wird das Kind statt in Familienpflege in einer nicht Familien-

196Verwaltungsgericht2002 struktur aufweisenden Institution (meist mit sogenannten "Wohngruppen") untergebracht, unterliegt es in der Regel einer strengeren Aufsicht und stärkerer Einschränkung der Kontakte zu Dritten als der Durchschnitt seiner Altersgenossen; es liegt darin die Konkretisierung des gesetzlich nicht definierten Begriffs der Anstalt (Breitschmid, a.a.O., Art. 310 N 12). 2. a) Beschwerden gegen fürsorgerische Freiheitsentziehungen werden durch das Verwaltungsgericht beurteilt (§ 52 Ziff. 14 VRPG; Art. 397d ZGB und § 67o EG ZGB). Für Beschwerden, die sich ausschliesslich gegen die Entziehung der elterlichen Obhut als solche und nicht gegen eine Anstaltseinweisung richten, ist hingegen das Verwaltungsgericht sachlich nicht zuständig; diesfalls wäre Verwaltungsbeschwerde bei der vormundschaftlichen Aufsichtsbehörde gemäss Art. 420 Abs. 2 ZGB zu erheben (BGE 109 II 388 f.; Breitschmid, a.a.O., Art. 310 N 19 f.; Art. 314a N 8). b) (...) c) Gemäss Art. 314a Abs. 2 und Art. 405a Abs. 3 ZGB kann das Kind nicht selber die gerichtliche Beurteilung verlangen, wenn es das 16. Altersjahr noch nicht zurückgelegt hat. Jedoch können die Eltern (bzw. der Vormund) als gesetzliche Vertreter Verwaltungsgerichtsbeschwerde einreichen; allenfalls kann dem Kind bei einer Interessenkollision auch ein Prozessbeistand bestellt werden. Nach Art. 397d Abs. 1 ZGB ist zudem in allen Fällen (unabhängig vom Alter des Kindes) eine nahestehende Person legitimiert, den Richter anzurufen. Nach gefestigter Rechtsprechung gehören dazu nicht nur die engsten Angehörigen (Eltern, Geschwister), sondern auch weitere Bezugspersonen wie Lehrer, Ärzte, Pfarrer oder Sozialhelfer (Eugen Spirig, in: Zürcher Kommentar, Art. 397a - 397f ZGB, Zürich 1995, Art. 397d N 26). 60 Zwangsmassnahme, Abgrenzung freiwillige Medikation/ Zwangsmedikation. -Wird jemand gegen seinen Willen behandelt, wenn er vor die Wahl gestellt wird, entweder in die Medikation einzuwilligen oder auf den Ausgang zu verzichten? (Erw. 5/c/bb)

Mots-clés

child protectioninvoluntary confinementinstitutional placementjurisdictionstandingguardian authoritycommitment procedure

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the placement of a minor in a non-family institution under removal of custody qualifies as involuntary confinement and an institutional placement under the Civil Code

Solution extraite

Yes. Such placement counts as a form of involuntary confinement; a non-family residential institution is an institution within the meaning of the child-protection provisions.

Motifs extraits

The statutory concept of 'institution' is broad and covers all care facilities in which personal care is provided without or against the person's will under deprivation of liberty.

Question juridique clé

Whether the administrative court has jurisdiction over complaints against institutional placements of minors

Solution extraite

Yes. Complaints against involuntary confinement, including institutional placements of minors, are to be decided by the administrative court.

Motifs extraits

The special judicial review path under the Civil Code and implementing cantonal provisions excludes ordinary administrative supervision complaints for the institutional placement itself.

Question juridique clé

Who is entitled to appeal against the institutional placement of a minor

Solution extraite

Children aged 16 or older, and also close persons, are entitled to appeal; if the child is younger, the parents or guardian may act as legal representatives.

Motifs extraits

The relevant Civil Code provisions allow legal review either by the child above the statutory age threshold or by close persons regardless of age.

Question juridique clé

Whether the threatened return to a station-based therapy had a legal basis and could be maintained

Solution extraite

No. The threatened return lacked a statutory basis and would amount to a new involuntary confinement requiring a fresh ordinary commitment procedure under the full statutory requirements.

Motifs extraits

Because the appellant's condition had stabilized, he had been discharged, had obtained his own apartment, and was working regularly, the conditions for involuntary confinement were no longer clearly met; enforcement would therefore require a new commitment review.

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