Competence and hearing in prison-commencement proceedings

AGVE_2002_105Tribunal administratif / 2e chambre4 sept. 2002Annulled

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

H.S. appealed a Regierungsrat decision concerning the commencement of a prison sentence. The Verwaltungsgericht held that such matters are reviewable only under § 53 VRPG, not under § 52 Ziff. 19 VRPG. It further held that there is no general right to an oral hearing under Art. 29 Abs. 2 BV or Art. 6 ECHR. However, the lower authority violated the right to be heard by ignoring a relevant evidentiary request aimed at clarifying whether banks had waived claims. The challenged decision was therefore set aside and the matter remanded.

Regeste Omnilex

§ 53 VRPG; prison-commencement decisions; right to be heard and oral hearing. For decisions concerning the commencement of a prison sentence, review lies only under § 53 VRPG; the prerequisites of § 52 Ziff. 19 VRPG are not met once the matter is governed by cantonal law. The constitutional right to be heard does not include a general entitlement to an oral hearing; neither Art. 29 Abs. 2 BV nor Art. 6 ECHR confers such a right in administrative proceedings. An oral hearing may be ordered at the authority’s discretion. A hearing violation exists, however, where a relevant evidentiary request capable of clarifying decisive facts is disregarded without adequate substitute investigation (consid. I/1, II/1/b, 3).

Texte intégral

426Verwaltungsgericht2002 dieser war bekannt; er sah den Verkauf der meisten Liegenschaften vor, ohne dass damit die Deckung sämtlicher Forderungen sichergestellt gewesen wäre. Für ihren Schluss, die ZKB habe im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids keinen Forderungsverzicht geleistet, fehlten der Vorinstanz irgendwelche zuverlässigen Anhaltspunkte. bb) Die Vorinstanz hätte somit die beantragte, zur Klärung des massgeblichen Sachverhalts taugliche Verhandlung durchführen (oder sie allenfalls durch andere sachbezügliche Untersuchungen ersetzen und dies den Beschwerdeführern mitteilen) müssen. Dies gilt umso mehr, als klare Anhaltspunkte vorhanden waren, dass die Banken substanzielle Verluste erlitten hatten und ein gegebenenfalls ungenügend hoher Forderungsverzicht wohl gegen einen vollständigen, aber keineswegs zwingend gegen einen in § 168 StG ausdrücklich ebenfalls vorgesehenen teilweisen Steuererlass (der sinnvollerweise mit der Zahlung oder Sicherstellung der verbleibenden Steuerschuld verbunden sein müsste) sprach. 3. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den Beweisantrag der Beschwerdeführer unzulässigerweise unbeachtet gelassen und ihnen damit das rechtliche Gehör verweigert hat. Der angefochtene Entscheid ist deshalb aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. 105 Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts. Rechtliches Gehör.

  • Bei Verfügungen betreffend Strafantritt ist nur die Beschwerde gemäss § 53 VRPG zulässig (Änderung der Rechtsprechung von AGVE 2000, S. 127 f.) (Erw. I/1).
  • Rechtliches Gehör. Ein Anspruch aufmündlicheAnhörung besteht nur, soweit er ausdrücklich statuiert ist; er ergibt sich insbesondere nicht direkt aus Art. 29 Abs. 2 BV (Erw. II/1/b).

2002Verwaltungsrechtspflege427 Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 4. September 2002 in Sachen H.S. gegen Entscheid des Regierungsrats. Aus den Erwägungen I/1. Nach der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts ist das Verwaltungsgericht gestützt auf § 52 Ziff. 19 VRPG (Zulässigkeit der anschliessenden Verwaltungsgerichtsbeschwerde ans Bundesgericht) sachlich zuständig, über Beschwerden betreffend Strafantritt zu entscheiden (AGVE 2000, S. 127 f.). Dem entspricht die Rechtsmittelbelehrung im angefochtenen Entscheid. In einem Entscheid vom 18. Februar 2002 in Sachen R.B. (6A.96/2001) hat das Bundesgericht jedoch entschieden, bezüglich Strafantritt werde kantonales Recht angewendet, was die Zulässigkeit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ans Bundesgericht ausschliesse. Danach steht nun fest, dass die Voraussetzungen von § 52 Ziff. 19 VRPG nicht gegeben sind, wenn es - wie im vorliegenden Verfahren - um den Strafantritt geht. Als Folge davon kann das Verwaltungsgericht einzig gestützt auf § 53 VRPG angerufen werden. Zulässige Beschwerdegründe sind demzufolge nur (formelle) Rechtsverweigerung, Rechtsverzögerung sowie Verletzung der Vorschriften über die Zuständigkeit, den Ausstand, das rechtliche Gehör und die Akteneinsicht (zur Praxis vgl. AGVE 1994, S. 476 ff.; 2000, S. 348 ff.; 1989, S. 314 ff.). II/2. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst insbesondere den Anspruch auf Anhörung vor Erlass einer Verfügung oder eines Entscheids (das Recht, sich in Kenntnis des Sachverhalts und der gegen den Verfügungsadressaten lautenden Vorbringen zu äussern [§ 15 VRPG]) sowie den Anspruch auf Behandlung der gestellten Anträge und auf Begründung des Entscheids (AGVE 1981, S. 284; 1997, S. 373 f.). Der Ausdruck "Anhörung" bezeichnet im juristischen Gebrauch nicht notwendigerweise ein mündliches Verfahren mit direkter Anhörung anlässlich einer Verhandlung, sondern bezieht sich ebenso auf die Möglichkeit, sich schriftlich zu äussern. Dies gilt auch im Rahmen von § 53 VRPG.

428Verwaltungsgericht2002 Hinsichtlich des vorliegend in Frage stehenden Rechts auf Anhörung ist festzuhalten, dass sich im Strafvollzugsverfahren aus Art. 6 EMRK kein Anspruch auf mündliche Anhörung ergibt (VGE II/41 vom 20. Juni 2001 in Sachen R.G., S. 10; Ruth Herzog, Art. 6 EMRK und kantonale Verwaltungsrechtspflege, Diss. Bern 1995, S. 109). Ebenso wenig besteht von Bundesrechts wegen ein solcher Anspruch; der in Art. 29 Abs. 2 BV verankerte Grundsatz des rechtlichen Gehörs, der als bundesrechtlicher Minimalstandard zur Anwendung gelangt, sofern das kantonale Recht den Anforderungen des Bundesrechts nicht genügt, sieht keinen Anspruch aufmündliche Äusserung vor (vgl. BGE 122 II 469; 114 Ib 246; VGE II/53 vom 18. Mai 1998 in Sachen S.M., S. 7 f. mit Hinweisen; Ulrich Häfelin/Georg Müller, Grundriss des Allgemeinen Verwaltungs-rechts, 3. Auflage, Zürich 1998, Rz. 1315). Auch aus allgemeinem Verwaltungsverfahrensrecht lässt sich dies nicht ableiten. Die Anordnung einer mündlichen Anhörung liegt demnach im pflichtgemässen Ermessen der zuständigen Behörde (VGE II/15 vom 28. Februar 2000 in Sachen K.B., S. 8 f.). Vorliegend ist nicht ersichtlich, welche zusätzlichen Erkenntnisse aus der mündlichen Anhörung des Beschwerdeführers hätten gewonnen werden können. Seinen Standpunkt konnte er in seinen Schriftsätzen an die Vorinstanz genügend darlegen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör des Beschwerdeführers wurde deshalb durch die Vorinstanz nicht verletzt. 106 Überprüfung von Erlassen (prinzipale oder abstrakte Normenkontrolle).

  • Das Gesuch um Überprüfung von Erlassen kann nicht mit einer Verwaltungsgerichtsbeschwerde (oder einer verwaltungsgerichtlichen Klage) in einer einzigen Rechtsschrift verbunden werden (Änderung der Rechtsprechung).

Mots-clés

prison commencementright to be heardoral hearingjudicial reviewevidentiary request

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

What is the correct remedy and scope of review for decisions on prison commencement?

Solution extraite

For decisions concerning prison commencement, only a complaint under § 53 VRPG is admissible; the previous view based on § 52 Ziff. 19 VRPG was changed.

Motifs extraits

The Federal Court had held that cantonal law applies to prison commencement, excluding federal administrative judicial review; therefore the conditions of § 52 Ziff. 19 VRPG are not met and review is limited to the grounds listed in § 53 VRPG.

Question juridique clé

Was the appellant denied the right to be heard by the refusal of an oral hearing?

Solution extraite

No. There is no general right to an oral hearing under Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 6 ECHR, or general administrative procedure; ordering an oral hearing is left to the authority's discretion, and no additional findings were likely.

Motifs extraits

The appellant had been able to present his position in writing, and the court saw no indication that oral questioning would have produced further relevant information.

Question juridique clé

Did the lower authority unlawfully ignore an evidentiary request and thereby violate the right to be heard regarding the factual clarification?

Solution extraite

Yes. The lower authority should have held the requested hearing or otherwise taken suitable evidence and notified the parties, because the evidentiary request was relevant to clarifying whether the banks had waived claims.

Motifs extraits

The record contained no reliable basis for the lower authority's conclusion on the absence of a claim waiver; the requested evidence was apt to clarify the decisive facts, and the refusal amounted to a denial of hearing.

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