132Bs354/18f•OLG Wien 132Bs354/18f
Das Oberlandesgericht Wien als Vollzugssenat nach § 16a StVG hat durch den Senatspräsidenten Dr. Dostal als Vorsitzenden sowie die Richterin Dr. Vetter und den fachkundigen Laienrichter Oberst Turner als weitere Senatsmitglieder in der Vollzugssache des G***** E***** über dessen Beschwerde gegen den Beschluss des Landesgerichts ***** als Vollzugsgericht vom 13. Juni 2018, GZ 192 Bl 14/*****, nach § 121b Abs 3 StVG in nichtöffentlicher Sitzung den
B e s c h l u s s
gefasst:
Die Beschwerde wird als unzulässig zurückgewiesen.
B e g r ü n d u n g :
Mit dem angefochtenen Beschluss wies das Vollzugsgericht eine Beschwerde des Untergebrachten G***** E***** als unzulässig zurück, da einer Entscheidung das Prozesshindernis der entschiedenen Sache entgegenstehe.
Das Vollzugsgericht führte begründend aus, dass sich G***** E***** mit Eingabe vom 16. Februar 2018 wegen der Ablehnung des Erwerbs dringender medizinischer Hilfs- und Heilbehelfe wie orthopädische Sitzmöbel, ein Standklimagerät und eine UV-Bestrahlungslampe beschwert habe. In weiterer Folge habe die Anstaltsleitung ausgeführt, dass dieser Sachverhalt bereits Gegenstand des Verfahrens 192 Bl 119/***** des Landesgerichts ***** gewesen sei. Tatsächlich habe das Landesgericht ***** am 12. März 2018, AZ 192 Bl 119/, der Beschwerde des G E***** nicht Folge gegeben. Die dagegen erhobene Beschwerde sei mit Beschluss des Oberlandesgerichts Wien vom , AZ ***** als unzulässig zurückgewiesen worden. Weitere Anträge des G E***** auf Genehmigung der angesprochenen Heilbehelfen lägen nicht vor.
Einer nochmaligen Entscheidung stehe das Prozesshindernis der entschiedenen Sache entgegen.
Der Beschluss des Vollzugsgerichts wurde G***** E***** am 3. Juli 2018 ausgefolgt (vgl Rückschein ON 7). Am 15. Oktober 2018 langte eine mit 30. Juli 2018 datierte Beschwerde beim Landesgericht ***** ein, die einen Poststempel vom 12. Oktober (Jahr unlesbar) aufweist.
Gemäß des in § 33 Abs 3 AVG normierten „Postlaufprivilegs“, ist eine verfahrensrechtliche Frist gewahrt, wenn das fristgebundene Anbringen am letzten Tag der Frist – fallkonkret wäre dies der 14. August 2018 - einem zur Übernahme für ein Postamt befugten Postorgan übergeben wurde (zu solchen zählen nach den Verwaltungsgerichtshof bei Häftlingen auch die Anstaltsorgane eines Gefangenenhauses [VwGH 9. September 1993, 93/01/0151; Hengstschläger/Leeb, AVG § 33 Rz 3; OLG Wien 33 Bs 109/16w]).
Wann die von G***** E***** - der eine Übergabe an einen Justizwachebeamten am 30. Juli 2018 annimmt (vgl Eingabe des G***** E***** vom *****) - als „Fristsache“ gekennzeichnete Beschwerde einem Justizwachebeamten übergeben wurde, ist angesichts der eingesehenen Auszüge aus dem Fristenbuch nicht aufzuklären (mehrere Eingaben an das Landesgericht ***** im relevanten Zeitraum, ua am 3. und am 14. August 2018, zudem eine Eingabe an das „LG *****“ am 30. Juli 2018). Zumal weitere Erhebungen bei der Justizanstalt ***** ohne Ergebnis blieben, war im Zweifel von der Rechtzeitigkeit der Beschwerde auszugehen.
Inhaltlich führt G***** E***** aus, dass die (nicht aktenkundige) Entscheidung des VwGH vom 24. April 2016 zu 113/01/0117 nicht anwendbar sei, da schon im Verfahren 192 Bl 119/***** eine sehr wichtige Gesetzeslage – Behindertenschutzgesetz – außer Acht gelassen worden sei. Daher wäre bereits zu 192 Bl 119/***** aufgrund seiner körperlichen Verfassung der Beschwerde stattzugeben gewesen.
Der Beschwerde kommt keine Berechtigung zu.
Nach § 16a Abs 1 Z 1 iVm Abs 2 StVG entscheidet das Oberlandesgericht Wien für das gesamte Bundesgebiet über Beschwerden gegen einen Beschluss des Vollzugsgerichts nach § 16 Abs 3 leg cit wegen Rechtswidrigkeit, wobei Letztere nicht vorliegt, wenn das Vollzugsgericht Ermessen im Sinne des Gesetzes geübt hat.
Vorauszuschicken ist, dass über in Rechtskraft erwachsene Entscheidungen (grundsätzlich) nicht mehr in merito entschieden werden darf, zählt doch die Beachtung rechtskräftiger Entscheidungen zu den Grundsätzen eines geordneten rechtsstaatlichen Verfahrens (vgl VwGH vom 24. März 2016, 2013/01/0117; OLG Wien 33 Bs 404/16b).
Dieser Grundsatz gilt angesichts der in § 17 Abs 2 Z 1 StVG normierten sinngemäßen Anwendung des § 68 Abs 1 AVG auch im Rahmen des Beschwerdeverfahrens nach §§ 16 Abs 3, 16a StVG.
Mit der Rechtskraft ist die Wirkung verbunden, dass die mit der Sache unanfechtbar und unwiderruflich erledigte Sache nicht neuerlich entschieden werden kann. Einer nochmaligen Entscheidung steht das Prozesshindernis der entschiedenen Sache (res iudicata) entgegen (vgl dazu VwGH vom 24. April 2015, 2011/17/0244).
Identität der Sache liegt vor, wenn sich gegenüber der früheren Entscheidung weder die Rechtslage noch der wesentliche Sachverhalt geändert hat, und sich das neue Begehren im Wesentlichen mit dem früheren deckt.
Nachdem der Beschwerdeführer bei nicht erkennbarer Veränderung der Ausgangslage die Überlassung identer Gegenstände einfordert und mit seinem Vorbringen, das zuvor ergangener Erkenntnisse falsch und deshalb unbeachtlich wären, das Wesen der bereits entschiedene Sache übergeht, war spruchgemäß zu entscheiden.
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