Internationales Übereinkommen Nr. 19 über die Gleichbehandlung einheimischer und ausländischer Arbeitnehmer in der Entschädigung bei Betriebsunfällen

0.832.27Multilateral International Treaty01.02.1929

Angenommen in Genf am 5. Juni 19252
Von der Bundesversammlung genehmigt am 9. Juni 19273
Ratifikationsurkunde von der Schweiz hinterlegt am 1. Februar 1929
In Kraft getreten für die Schweiz am 1. Februar 19294

(Stand am 2. September 2010)

Die Allgemeine Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation,
die vom Verwaltungsrate des Internationalen Arbeitsamtes nach Genf einberufen wurde und am 19. Mai 1925 zu ihrer siebenten Tagung zusammengetreten ist,

hat beschlossen, verschiedene Anträge anzunehmen betreffend die Gleichbehandlung einheimischer und ausländischer Arbeitnehmer in der Entschädigung bei Betriebsunfällen, eine Frage, die zum zweiten Gegenstand ihrer Tagesordnung gehört, und dabei bestimmt, dass diese Anträge die Form eines internationalen Übereinkommens erhalten sollen.

Die Konferenz nimmt heute, am 5. Juni 1925, das folgende Übereinkommen an,
das als Übereinkommen über die Gleichbehandlung (Betriebsunfälle) von 1925 bezeichnet wird, zwecks Ratifikation durch die Mitglieder der Internationalen
Arbeitsorganisation, nach den Bestimmungen der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation:

Art. 1
  1. Jedes Mitglied der Internationalen Arbeitsorganisation, das dieses Übereinkommen ratifiziert, verpflichtet sich, den Staatsangehörigen jedes anderen das Übereinkommen ratifizierenden Mitgliedes, die auf seinem Gebiet einen Betriebsunfall erlitten haben, oder ihren Hinterbliebenen die gleiche Behandlung in der Entschädigung bei Betriebsunfällen zu gewähren wie seinen eigenen Staatsangehörigen.
  2. Diese Gleichbehandlung wird den ausländischen Arbeitnehmern und ihren Hinterbliebenen ohne Rücksicht auf ihren Wohnsitz gewährt, soweit indes Zahlungen in Frage kommen, die ein Mitglied oder dessen Staatsangehörige diesem Grundsatze gemäss im Auslande zu leisten hätten, sind die entsprechenden Massnahmen nötigenfalls durch Sonderabkommen zwischen den beteiligten Mitgliedern zu vereinbaren.
Art. 2

Durch besondere Vereinbarung zwischen den beteiligten Mitgliedern kann bestimmt werden, dass auf die Entschädigung bei Unfällen solcher Arbeitnehmer, die nur vorübergehend oder mit Unterbrechungen im Gebiet eines Mitgliedes für Rechnung eines im Gebiet eines anderen Mitgliedes gelegenen Unternehmens beschäftigt sind, die gesetzlichen Vorschriften des letztgenannten Mitgliedes Anwendung finden sollen.5

Art. 3

Die Mitglieder, die dieses Übereinkommen ratifizieren und die noch keine auf Versicherung beruhende oder sonstige Einrichtung für die Entschädigung bei Betriebsunfällen besitzen, erklären sich einverstanden, eine derartige Regelung innerhalb dreier Jahre nach der von ihnen vollzogenen Ratifikation einzuführen.

Art. 4

Die Mitglieder, die dieses Übereinkommen ratifizieren, verpflichten sich, durch gegenseitige Unterstützung die Anwendung des Übereinkommens und die Durchführung der Gesetze und Verordnungen über die Entschädigung bei Betriebsunfällen zu erleichtern. Sie verpflichten sich ferner, alle Abänderungen ihrer Gesetze und Verordnungen über die Entschädigung bei Betriebsunfällen dem Internationalen Arbeitsamte mitzuteilen, das den anderen beteiligten Mitgliedern davon Kenntnis geben wird.

Art. 5

Die förmlichen Ratifikationen dieses Übereinkommens sind nach den Bestimmungen der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation dem Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes zur Eintragung mitzuteilen.

Art. 6
  1. Dieses Übereinkommen tritt in Kraft, sobald die Ratifikationen zweier Mitglieder der Internationalen Arbeitsorganisation durch den Generaldirektor eingetragen worden sind.
  2. Es bindet nur diejenigen Mitglieder, deren Ratifikation beim Internationalen Arbeitsamt eingetragen ist.
  3. In der Folge tritt dieses Übereinkommen für jedes andere Mitglied mit dem Tag in Kraft, an dem seine Ratifikation beim Internationalen Arbeitsamt eingetragen worden ist.
Art. 7

sobald die Ratifikationen zweier Mitglieder der Internationalen Arbeitsorganisation beim Internationalen Arbeitsamt eingetragen sind, teilt der Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes dies sämtlichen Mitgliedern der Internationalen Arbeitsorganisation mit. Auch gibt er ihnen Kenntnis von der Eintragung der Ratifikationen, die ihm später von anderen Mitgliedern der Organisation mitgeteilt werden.

Art. 8

Vorbehaltlich der Bestimmungen des Art. 6 verpflichtet sich jedes Mitglied, das dieses Übereinkommen ratifiziert, die Bestimmungen der Art. 1, 2, 3 und 4 spätestens am 1. Januar 1927 in Geltung zu setzen und die zu ihrer Durchführung nötigen Massnahmen zu treffen.

Art. 9

Jedes Mitglied der Internationalen Arbeitsorganisation, das dieses Übereinkommen ratifiziert, verpflichtet sich, es in seinen Kolonien, Besitzungen und Protektoraten gemäss den Bestimmungen des Art. 35 der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation anzuwenden.

Art. 10

Jedes Mitglied, das dieses Übereinkommen ratifiziert hat, kann es nach Ablauf von zehn Jahren, gerechnet von dem Tag, an dem es zum erstenmal in Kraft getreten ist, durch Anzeige an den Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes kündigen. Die Kündigung wird von diesem eingetragen. Ihre Wirkung tritt erst ein Jahr nach der Eintragung beim Internationalen Arbeitsamt ein.

Art. 11

Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes hat, sooft er es für nötig erachtet, der Allgemeinen Konferenz einen Bericht über die Durchführung dieses Übereinkommens zu erstatten und zu prüfen, ob die Frage seiner gänzlichen oder teilweisen Abänderung auf die Tagesordnung der Konferenz gesetzt werden soll.

Art. 12

Der französische und der englische Wortlaut dieses Übereinkommens sind in gleicher Weise massgebend.

(Es folgen die Unterschriften)

VertragsstaatenRatifikation
Nachfolgeerklärung (N)
Inkrafttreten
Ägypten29. November194829. November1948
Algerien19. Oktober1962 N19. Oktober1962
Angola4. Juni1976 N4. Juni1976
Antigua und Barbuda2. Februar1983 N2. Februar1983
Argentinien14. März195014. März1950
Australien12. Juni195912. Juni1959
Norfolk-Insela8. Februar19968. Februar1996
Bahamas25. Mai1976 N25. Mai1976
Bangladesch22. Juni1972 N22. Juni1972
Barbados8. Mai1967 N8. Mai1967
Belgien3. Oktober19273. Oktober1927
Belize15. Dezember1983 N15. Dezember1983
Bolivien19. Juli195419. Juli1954
Bosnien und Herzegowina2. Juni1993 N2. Juni1993
Botsuana3. Februar19883. Februar1988
Brasilien25. April195725. April1957
Bulgarien5. September19295. September1929
Burkina Faso30. Juni196930. Juni1969
Burundi11. März1963 N11. März1963
Chile8. Oktober19318. Oktober1931
China27. April193427. April1934
Hongkong6. Juni19971. Juli1997
Macaua20. Dezember199920. Dezember1999
Côte d’Ivoire5. Mai19615. Mai1961
Dänemark31. März192831. März1928
Färöer31. März192831. März1928
Grönland31. Mai195431. Mai1954
Deutschland18. September192818. September1928
Dominica28. Februar1983 N28. Februar1983
Dominikanische Republik5. Dezember19565. Dezember1956
Dschibuti3. August1978 N3. August1978
Estland14. April193014. April1930
Fidschi19. April1974 N19. April1974
Finnland17. September192717. September1927
Frankreich4. April19284. April1928
Französisch Guyana22. Februar194822. Februar1948
Französisch Polynesien27. November197427. November1974
Guadeloupe22. Februar194822. Februar1948
Martinique22. Februar194822. Februar1948
Neukaledonien27. November197427. November1974
Réunion22. Februar194822. Februar1948
St. Pierre und Miquelon27. November197427. November1974
Gabun13. Juni196113. Juni1961
Ghana20. Mai1957 N20. Mai1957
Grenada9. Juli1979 N9. Juli1979
Griechenland30. Mai193630. Mai1936
Guatemala2. August19612. August1961
Guinea-Bissau21. Februar197721. Februar1977
Guyana8. Juni1966 N8. Juni1966
Haiti19. April195519. April1955
Indien30. September192730. September1927
Indonesien12. Juni1950 N12. Juni1950
Irak30. April194030. April1940
Iran10. Juni197210. Juni1972
Irland5. Juli19305. Juli1930
Israel5. Mai19585. Mai1958
Italien15. März192815. März1928
Jamaika26. Dezember1962 N26. Dezember1962
Japan*8. Oktober19288. Oktober1928
Jemen14. April1969 N14. April1969
Kamerun3. September1962 N3. September1962
Kap Verde18. Februar198718. Februar1987
Kenia13. Januar1964 N13. Januar1964
Kolumbien20. Juni193320. Juni1933
Komoren23. Oktober1978 N23. Oktober1978
Kongo (Kinshasa)20. September1960 N20. September1960
Korea (Süd-)29. März200129. März2002
Kroatien8. Oktober1991 N8. Oktober1991
Kuba6. August19286. August1928
Lesotho31. Oktober1966 N31. Oktober1966
Lettland29. Mai192829. Mai1928
Libanon1. Juni19771. Juni1977
Litauen28. September193428. September1934
Luxemburg16. April192816. April1928
Madagaskar10. August196210. August1962
Malawi22. März196522. März1965
Malaysia11. November1957 N11. November1957
Mali17. August196417. August1964
Malta4. Januar1965 N4. Januar1965
Marokko13. Juni1956 N13. Juni1956
Mauretanien8. November19638. November1963
Mauritius2. Dezember1969 N2. Dezember1969
Mazedonien17. November1991 N17. November1991
Mexiko12. Mai193412. Mai1934
Montenegro3. Juni2006 N3. Juni2006
Myanmar18. Mai1948 N18. Mai1948
Nauru5. September1968 N5. September1968
Nicaragua12. April193412. April1934
Niederlande13. September192713. September1927
Nigeria17. Oktober1960 N17. Oktober1960
Norwegen11. Juni192911. Juni1929
Österreich29. September192829. September1928
Pakistan31. Oktober1947 N31. Oktober1947
Panama19. Juni197019. Juni1970
Papua-Neuguinea1. Mai1976 N1. Mai1976
Peru8. November19458. November1945
Philippinen26. April199426. April1994
Polen28. Februar192828. Februar1928
Portugal*27. März192927. März1929
Ruanda18. September1962 N18. September1962
Salomoninseln6. August1985 N6. August1985
Sambia2. Dezember1964 N2. Dezember1964
São Tomé und Príncipe1. Juni1982 N1. Juni1982
Schweden8. September19268. September1926
Schweiz1. Februar19291. Februar1929
Senegal22. Oktober196222. Oktober1962
Serbienb24. November2000 N1. April1927
Sierra Leone13. Juni1961 N13. Juni1961
Simbabwe6. Juni1980 N6. Juni1980
Singapur25. Oktober1965 N25. Oktober1965
Slowakei1. Januar1993 N1. Januar1993
Slowenien29. Mai1992 N29. Mai1992
Somaliac18. November1960 N18. November1960
Spanien22. Februar192922. Februar1929
St. Lucia14. Mai1980 N14. Mai1980
St. Vincent und die Grenadinen21. Oktober1998 N31. Mai1995
Südafrika30. März19268. September1926
Sudan18. Juni195718. Juni1957
Suriname15. Juni1976 N15. Juni1976
Swasiland26. April1978 N26. April1978
Syrien30. Oktober1961 N30. Oktober1961
Tansania30. Januar1962 N30. Januar1962
Thailand5. April19685. April1968
Trinidad und Tobago24. Mai1963 N24. Mai1963
Tschechische Republik1. Januar1993 N1. Januar1993
Tunesien12. Juni1956 N12. Juni1956
Uganda4. Juni1963 N4. Juni1963
Ungarn19. April192819. April1928
Uruguay6. Juni19336. Juni1933
Venezuela20. November194420. November1944
Vereinigtes Königreich6. Oktober19266. Oktober1926
Anguilla27. März195015. Juni1974
Bermudas5. September196615. Juni1974
Britische Jungferninseln27. März195015. Juni1974
Falklandinseln27. März195015. Juni1974
Guernsey6. Oktober19266. Oktober1926
Insel Man6. Oktober19266. Oktober1926
Jersey6. Oktober19266. Oktober1926
Montserrat27. März195015. Juni1974
St. Helena27. März195015. Juni1974
Zentralafrikanische Republik9. Juni19649. Juni1964
Zypern23. September1960 N23. September1960
*Vorbehalte und Erklärungen siehe hiernach.
aAnwendbar ohne Änderung.
bAm 24. November 2000, infolge der Aufnahme der Bundesrepublik Jugoslawien in die Internationale Arbeitsorganisation, erklärt die Regierung Jugoslawiens, dass sie durch die Verpflichtung des Übereinkommens gebunden bleibt, dessen Bestimmungen bisher auf ihrem Hoheitsgebiet anwendbar waren.
cDie aus dem Übereinkommen Nr. 19 sich ergebenden Verpflichtungen, die für das frühere Gebiet unter Schutzherrschaft galten, sind auf das gesamte Gebiet von Somalia ausgedehnt worden.

Vorbehalt

Japan

Die Ratifikation Japans bezieht sich nicht auf Korea, Formosa, Karafuto, das Gebiet von Kwantung und die Mandatsinseln im Pazifischen Ozean.

Portugal

Die Ratifikation bezieht sich nicht auf die portugiesischen Kolonien.

Footnotes

  1. Der französische Originaltext findet sich unter der gleichen Nummer in der entsprechenden Ausgabe dieser Sammlung. Die vorliegende deutsche Übersetzung ist zusammen mit dem Internationalen Arbeitsamt festgelegt worden.

  2. Das Übereinkommen wurde von der siebenten Allgemeinen Arbeitskonferenz angenommen und ist vom Vorsitzenden der Konferenz und vom Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes unterzeichnet. Die einzelnen Staaten wurden erst verpflichtet mit der Hinterlegung ihrer Ratifikationsurkunde (Art. 6). Infolge Auflösung des Völkerbundes und Abänderung der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation wurden gewisse Abänderungen an diesem Übereinkommen nötig, um die Durchführung der Kanzleiaufgaben, die ursprünglich dem Generalsekretär des Völkerbundes übertragen waren, sicherzustellen. Diese durch das Übereinkommen vom 9. Oktober 1946 (SR 0.822.719.0 ) vorgenommenen Abänderungen sind im vorliegenden Text berücksichtigt.

  3. Ziff. I Bst. a des BB vom 9. Juni 1927 (BS 14 67)

  4. In der Ratifikationsurkunde hat die Schweiz das Übereinkommen anwendbar erklärt auf Betriebsunfälle, die sich nach dem 31. Januar 1929 ereignen werden.

  5. Die Schweiz hat sich in diesem Sinne mit den Niederlanden verständigt [BS 14 88.SR 0.831.109.636.1 Art. 26 Abs. 1]. Siehe auch die Vereinbarung vom 12. November 1936 zwischen der Schweiz und Deutschland über die Befreiung der beidseitigen Landesbahnen von der Unfallversicherung des andern Landes (SR 0.832.291.362 ).

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