Haager Protokoll über den Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten

0.520.32Multilateral International Treaty15.08.1962

Abgeschlossen in Den Haag am 14. Mai 1954
Von der Bundesversammlung genehmigt am 15. März 19621
Schweizerische Beitrittsurkunde hinterlegt am 15. Mai 1962
In Kraft getreten für die Schweiz am 15. August 1962

(Stand am 25. Juni 2025)

Die Hohen Vertragsparteien haben folgendes vereinbart:

I

1.  Jede Hohe Vertragspartei verpflichtet sich, die Ausfuhr von Kulturgut im Sinne von Artikel 1 des am 14. Mai 19542in Den Haag unterzeichneten Abkommens für den Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten aus einem von ihr während eines bewaffneten Konflikts besetzten Hoheitsgebiet zu verhindern. 2.  Jede Hohe Vertragspartei verpflichtet sich, Kulturgut, das mittelbar oder unmittelbar aus einem besetzten Hoheitsgebiet in ihr Hoheitsgebiet eingeführt wird, in Gewahrsam zu nehmen. Das geschieht entweder von Amtes wegen bei der Einfuhr des Kulturguts oder, falls dies unterblieben ist, auf Verlangen der Behörden des betreffenden besetzten Hoheitsgebiets. 3.  Jede Hohe Vertragspartei verpflichtet sich, bei Beendigung der Feindseligkeiten auf ihrem Hoheitsgebiet befindliches Kulturgut den zuständigen Behörden des früher besetzten Hoheitsgebiets zu übergeben, sofern dieses Gut unter Verletzung des in Ziffer 1 dieses Protokolls niedergelegten Grundsatzes ausgeführt worden ist. In keinem Fall darf solches Gut zur Wiedergutmachung von Kriegsschäden zurückgehalten werden. 4.  Die Hohe Vertragspartei, die verpflichtet war, die Ausfuhr von Kulturgut aus dem von ihr besetzten Hoheitsgebiet zu verhindern, hat den gutgläubigen Besitzer von Kulturgut, das gemäss der vorstehenden Ziffer dieses Protokolls zu übergeben ist, zu entschädigen.

II

5.  Kulturgut aus dem Hoheitsgebiet einer Hohen Vertragspartei, das von dieser in dem Hoheitsgebiet einer anderen Hohen Vertragspartei deponiert wurde, um es gegen die Gefahren eines bewaffneten Konflikts zu schützen, ist von der letzteren nach Beendigung der Feindseligkeiten den zuständigen Behörden des Herkunftsgebietes zu übergeben.

III

6.  Dieses Protokoll trägt das Datum des 14. Mai 1954 und liegt bis zum 31. Dezember 1954 für alle zu der Haager Konferenz vom 21. April bis 14. Mai 1954 eingeladenen Staaten zur Unterzeichnung auf. 7. a) Die Unterzeichnerstaaten haben dieses Protokoll nach Massgabe ihrer eigenen verfassungsmässigen Verfahren zu ratifizieren. b) Die Ratifikationsurkunden sind beim Generaldirektor der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur zu hinterlegen. 8.  Vom Zeitpunkt seines Inkrafttretens an steht dieses Protokoll allen Staaten zum Beitritt offen, die in Ziffer 6 erwähnt sind und das Protokoll nicht unterzeichnet haben, sowie allen anderen Staaten, die von dem Exekutivrat der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur zum Beitritt eingeladen werden. Der Beitritt erfolgt durch Hinterlegung einer Beitrittsurkunde beim Generaldirektor der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur. 9.  Die in den Ziffern 6 und 8 genannten Staaten können bei der Unterzeichnung, der Ratifizierung oder dem Beitritt erklären, dass sie durch die Bestimmungen des Abschnitts I oder die Bestimmungen des Abschnitts II dieses Protokolls nicht gebunden sein werden. 10. a) Dieses Protokoll tritt drei Monate nach Hinterlegung von fünf Ratifikationsurkunden in Kraft. b) Späterhin tritt es für jede Hohe Vertragspartei drei Monate nach Hinterlegung ihrer Ratifikations‑ oder Beitrittsurkunde in Kraft. c) Treten die in den Artikeln 18 und 19 des Haager Abkommens vom 14. Mai 1954 für den Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten vorgesehenen Lagen ein, so werden die Ratifikations‑ und Beitrittserklärungen, die von den in den Konflikt verwickelten Parteien vor oder nach Beginn der Feindseligkeiten oder der Besetzung hinterlegt wurden, sofort wirksam. In diesen Fällen erlässt der Generaldirektor der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur auf dem schnellsten Wege die in Ziffer 14 vorgesehenen Benachrichtigungen. 11. a) Jeder Staat, der bei Inkrafttreten dieses Protokolls Vertragspartei ist, hat für sich alle erforderlichen Massnahmen zu treffen, um seine wirksame Durchführung binnen sechs Monaten zu gewährleisten. b) Für diejenigen Staaten, die ihre Ratifikations‑ oder Beitrittsurkunde nach dem Inkrafttreten des Protokolls hinterlegen, beträgt die Frist sechs Monate, vom Tage der Hinterlegung der Ratifikations‑ oder Beitrittsurkunde an gerechnet. 12.  Jede der Hohen Vertragsparteien kann bei der Ratifizierung oder beim Beitritt oder zu jedem späteren Zeitpunkt durch Notifizierung an den Generaldirektor der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur erklären, dass dieses Protokoll sich auf alle oder auf einzelne der Gebiete erstreckt, deren internationale Beziehungen sie wahrnimmt. Diese Notifizierung wird drei Monate nach dem Tage ihres Eingangs wirksam. 13. a) Jede der Hohen Vertragsparteien kann das vorliegende Protokoll für sich selbst oder für Gebiete, deren internationale Beziehungen sie wahrnimmt, kündigen. b) Die Kündigung erfolgt durch schriftliche Erklärung, die beim Generaldirektor der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur zu hinterlegen ist. c) Die Kündigung wird ein Jahr nach Eingang der Kündigungserklärung wirksam. Ist jedoch die kündigende Partei beim Ablauf dieser Frist in einen bewaffneten Konflikt verwickelt, so wird die Kündigung nicht vor Einstellung der Feindseligkeiten oder vor Abschluss der Rückführung des Kulturguts wirksam, je nachdem welcher Zeitpunkt der spätere ist. 14.  Der Generaldirektor der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur benachrichtigt die in den Ziffern 6 und 8 bezeichneten Staaten und die Vereinten Nationen von der Hinterlegung aller in den Ziffern 7, 8 und 15 vorgesehenen Ratifikations‑ und Beitrittsurkunden oder Annahmeerklärungen sowie von den in den Ziffern 12 und 13 vorgesehenen Notifikationen und Kündigungen. 15. a) Dieses Protokoll kann abgeändert werden, wenn die Abänderung von mehr als einem Drittel der Hohen Vertragsparteien verlangt wird. b) Zu diesem Zweck hat der Generaldirektor der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur eine Konferenz einzuberufen. c) Abänderungen dieses Protokolls treten erst in Kraft, wenn sie von den an der Konferenz vertretenen Hohen Vertragsparteien einstimmig beschlossen und von allen Hohen Vertragsparteien angenommen worden sind. d) Die Annahme durch die Hohen Vertragsparteien von Abänderungen dieses Protokolls, die von der in den Buchstaben b und c erwähnten Konferenz beschlossen worden sind, erfolgt durch Hinterlegung einer förmlichen Erklärung beim Generaldirektor der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur. e) Nach dem Inkrafttreten von Abänderungen dieses Protokolls steht nur der so abgeänderte Text des Protokolls zur Ratifizierung oder zum Beitritt offen. Gemäss Artikel 102 der Satzung der Vereinten Nationen3wird dieses Protokoll auf Ersuchen des Generaldirektors der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur beim Sekretariat der Vereinten Nationen eingetragen.

Zu Urkund dessen haben die gehörig bevollmächtigten Unterzeichneten dieses Protokoll unterschrieben.Geschehen zu Den Haag, am 14. Mai 1954, in englischer, spanischer, französischer und russischer Sprache, wobei alle vier Fassungen in gleicher Weise verbindlich sind, in einem einzigen Exemplar, das in den Archiven der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur hinterlegt wird; beglaubigte Ausfertigungen desselben werden allen in den Ziffern 6 und 8 bezeichneten Staaten sowie den Vereinten Nationen übermittelt.(Es folgen die Unterschriften)

VertragsstaatenRatifikation
Beitritt (B)
Inkrafttreten
Afghanistan12. März2018 B12. Juni2018
Ägypten17. August19557. August1956
Albanien20. Dezember1960 B20. März1961
Argentinien10. Mai2007 B10. August2007
Armenien5. September1993 N21. Dezember1991
Aserbaidschan20. September1993 B20. Dezember1993
Äthiopien31. August2015 B30. November2015
Bahrain26. August2008 B26. November2008
Bangladesch23. Juni2006 B23. September2006
Barbados2. Oktober2008 B2. Januar2009
Belarus7. Mai19577. August1957
Belgien16. September196016. Dezember1960
Benin17. April2012 B17. Juli2012
Bosnien und Herzegowina12. Juli1993 N6. März1992
Botsuana23. August2017 B23. November2017
Brasilien12. September195812. Dezember1958
Bulgarien9. Oktober1958 B9. Januar1959
Burkina Faso4. Februar1987 B4. Mai1987
Chile11. September200811. Dezember2008
China5. Januar2000 B5. April2000
Costa Rica3. Juni1998 B3. September1998
Dänemark26. März200326. Juni2003
Deutschland11. August196711. November1967
Dominikanische Republik21. März2002 B21. Juni2002
Dschibuti9. April2018 B9. Juli2018
Ecuador8. Februar19618. Mai1961
El Salvador27. März200227. Juni2002
Estland17. Januar2005 B17. April2005
Finnland16. September1994 B16. Dezember1994
Frankreich7. Juni19577. September1957
Gabun4. Dezember1961 B4. März1962
Georgien4. November1992 N21. Dezember1991
Ghana25. Juli1960 B25. Oktober1960
Griechenland9. Februar19819. Mai1981
Guatemala19. Mai1994 B19. August1994
Guinea11. Dezember1961 B11. März1962
Haiti19. Mai2025 B19. August2025
Heiliger Stuhl24. Februar1958 B24. Mai1958
Honduras25. Oktober2002 B25. Januar2003
Indien16. Juni195816. September1958
Indonesien26. Juli196726. Oktober1967
Irak21. Dezember196721. März1968
Iran22. Juni195922. September1959
Island5. Dezember2022 B5. März2023
Israel1. April1958 B1. Juli1958
Italien9. Mai19589. August1958
Japan*10. September2007 B10. Dezember2007
Jemen6. Februar1970 B6. Mai1970
Jordanien2. Oktober19572. Januar1958
Kambodscha4. April19624. Juli1962
Kamerun12. Oktober1961 B12. Januar1962
Kanada29. November2005 B28. Februar2006
Kasachstan14. März1997 N21. Dezember1991
Kirgisistan14. April2025 B14. Juli2025
Kolumbien18. Juni1998 B18. September1998
Kongo (Kinshasa)18. April1961 B18. Juli1961
Kroatien6. Juli1992 N8. Oktober1991
Kuba26. November195726. Februar1958
Kuwait17. Februar1970 B17. Mai1970
Lettland19. Dezember2003 B19. März2004
Libanon1. Juni19601. September1960
Libyen19. November195719. Februar1958
Liechtenstein28. April1960 B28. Juli1960
Litauen27. Juli1998 B27. Oktober1998
Luxemburg29. September196129. Dezember1961
Madagaskar3. November1961 B3. Februar1962
Malaysia12. Dezember1960 B12. März1961
Mali18. Mai1961 B18. August1961
Malta12. Februar2025 B12. Mai2025
Marokko30. August1968 B30. November1968
Mauretanien7. Juli2023 B7. Oktober2023
Mexiko7. Mai19567. August1956
Moldau9. Dezember1999 B9. März2000
Monaco10. Dezember195710. März1958
Montenegro26. April2007 N3. Juni2006
Myanmar10. Februar19567. August1956
Neuseelanda17. Oktober2013 B17. Januar2014
Nicaragua25. November195925. Februar1960
Niederlande14. Oktober195814. Januar1959
Niger6. Dezember1976 B6. März1977
Nigeria5. Juni1961 B5. September1961
Nordmazedonien30. April1997 N17. November1991
Norwegen19. September196119. Dezember1961
Österreich25. März196425. Juni1964
Pakistan27. März1959 B27. Juni1959
Palästina22. März2012 B22. Juni2012
Panama8. März2001 B8. Juni2001
Paraguay9. November2004 B9. Februar2005
Peru21. Juli1989 B21. Oktober1989
Polen6. August19566. November1956
Portugal18. Februar2005 B18. Mai2005
Rumänien21. März1958 B21. Juni1958
Russland4. Januar19574. April1957
San Marino9. Februar19567. August1956
Saudi-Arabien6. November2007 B6. Februar2008
Schweden22. Januar1985 B22. April1985
Schweiz15. Mai1962 B15. August1962
Senegal17. Juni1987 B17. September1987
Serbien11. September2001 N27. April1992
Slowakei31. März1993 N1. Januar1993
Slowenien5. November1992 N25. Juni1991
Spanien26. Juni199226. September1992
Syrien6. März19586. Juni1958
Tadschikistan28. August1992 N21. Dezember1991
Thailand2. Mai1958 B2. August1958
Togo24. Januar2017 B24. April2017
Tschechische Republik26. März1993 N1. Januar1993
Tunesien28. Januar1981 B28. April1981
Türkei15. Dezember1965 B15. März1966
Turkmenistan22. Januar2018 B22. April2018
Ukraine6. Februar19576. Mai1957
Ungarn16. August1956 B16. November1956
Uruguay24. September199924. Dezember1999
Vereinigtes Königreich*12. September2017 B12. Dezember2017
Zypern9. September1964 B9. Dezember1964
* Vorbehalte und Erklärungen. Die Vorbehalte und Erklärungen werden in der AS nicht veröffentlicht. Die französischen und englischen Texte können auf der Internetseite der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO):www.u n esco.orgeingesehen oder bei der Direktion für Völkerrecht, Sektion Staatsverträge, 3003 Bern, bezogen werden. a Das Protokoll gilt nicht für Tokelau.

Footnotes

  1. AS 1962 1005

  2. SR 0.520.3

  3. SR 0.120