Abkommen über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Luft, im Weltraum und unter Wasser

0.515.01Multilateral International Treaty16.01.1964

Abgeschlossen in Moskau am 5. August 1963
Von der Bundesversammlung genehmigt am 18. Dezember 19631
Schweizerische Ratifikationsurkunde hinterlegt am 16. Januar 1964
In Kraft getreten für die Schweiz am 16. Januar 1964

(Stand am 17. Juli 2024)

Die Regierungen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, des Vereinigten Königreiches von Grossbritannien und Nordirland und der Vereinigten Staaten von Amerika, die im folgenden als die «Ursprünglichen Parteien» bezeichnet werden,

in Bekundung ihres Hauptzieles, raschestmöglich ein Abkommen über die allgemeine und vollständige Abrüstung unter strikter internationaler Kontrolle in Übereinstimmung mit den Zielen der Vereinten Nationen zu erreichen, das dem Wettrüsten ein Ende bereitet und den Anreiz zur Herstellung und Erprobung aller Arten von Waffen, einschliesslich der Kernwaffen, beseitigt,

in dem Bestreben, die Einstellung aller Versuchsexplosionen von Kernwaffen für alle Zeiten zu erreichen, entschlossen, die Verhandlungen mit diesem Endziel fortzusetzen, und in dem Wunsch, der Verseuchung der Umwelt des Menschen durch radioaktive Substanzen ein Ende zu bereiten,

haben folgendes vereinbart:

Art. I
  1. Jede der Parteien dieses Abkommens verpflichtet sich, jede Atomwaffen-Versuchsexplosion oder jede andere nukleare Explosion an jedem Ort unter ihrer Jurisdiktion oder Kontrolle zu verbieten, zu verhindern und nicht durchzuführen
  1. in der Atmosphäre, jenseits ihrer Begrenzung mit Einschluss des Weltraumes, oder unter Wasser einschliesslich der Territorialgewässer oder der hohen See; oder
  2. in jeder anderen Umgebung, wenn eine solche Explosion radioaktive Ausfälle verursacht ausserhalb des territorialen Bereiches des Staates, unter dessen Jurisdiktion oder Kontrolle die Explosion erfolgt. Es versteht sich in diesem Zusammenhang, dass die Bestimmungen dieses Unterabsatzes den Abschluss eines Abkommens über das dauernde Verbot aller Atomversuchsexplosionen, einschliesslich aller solchen unterirdischen Versuche, nicht präjudizieren sollen, eines Abkommens, dessen Abschluss die Parteien, wie sie in der Präambel des vorliegenden Abkommens erklärt haben, erreichen wollen.

2. Jede der Parteien dieses Abkommens verpflichtet sich ausserdem, Abstand zu nehmen von einem Verursachen, einer Ermutigung oder einer Teilnahme in irgendeiner Form an der Ausführung von Kernwaffen‑Versuchsexplosionen oder irgendwelchen anderen atomaren Explosionen, die an einem der oben erwähnten Orte stattfinden oder die eine in Absatz 1 dieses Artikels erwähnte Wirkung haben könnten.

Art. II
  1. Jede Partei kann Zusätze zu diesem Abkommen vorschlagen. Der Text jedes vorgeschlagenen Zusatzes soll den Depositarregierungen unterbreitet werden, die sie allen Parteien dieses Abkommens zustellen sollen. Sofern es von einem Drittel oder mehr der Parteien verlangt wird, sollen die Depositarregierungen eine Konferenz einberufen, zu der sie alle Parteien einladen sollen, um einen solchen Zusatz zu prüfen.
  2. Jeder Zusatz muss mit einer Mehrheit der Stimmen aller Parteien dieses Abkommens einschliesslich der Stimmen aller ursprünglichen Parteien gebilligt werden. Der Zusatz soll für alle Parteien mit der Hinterlegung der Ratifikationsurkunden seitens einer Mehrheit aller Parteien einschliesslich der Ratifikationsurkunden aller ursprünglichen Parteien in Kraft treten.
Art. III
  1. Dieses Abkommen soll allen Staaten zur Unterzeichnung offenstehen. Jeder Staat, der dieses Abkommen nicht vor dessen Inkrafttreten gemäss Absatz 3 dieses Artikels unterzeichnet, kann ihm jederzeit beitreten.
  2. Dieses Abkommen bedarf der Ratifikation durch die Signatarstaaten. Die Ratifikations‑ und Beitrittsurkunden soffen bei den Regierungen der ursprünglichen Parteien – der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, des Vereinigten Königreiches von Grossbritannien und Nordirland und der Vereinigten Staaten von Amerika – hinterlegt werden, die hiermit als Depositarregierungen bestimmt werden.
  3. Dieses Abkommen soll nach seiner Ratifizierung durch die ursprünglichen Parteien und der Hinterlegung ihrer Ratifikationsurkunden in Kraft treten.
  4. Für die Staaten, deren Ratifikations‑ oder Beitrittsurkunden nach Inkrafttreten dieses Abkommens hinterlegt werden, soll es am Tage der Hinterlegung ihrer Ratifikations‑ oder Beitrittsurkunden in Kraft treten.
  5. Die Depositarregierungen sollen alle Unterzeichnerstaaten und beitretenden Staaten sofort über das Datum jeder Unterzeichnung, der Hinterlegung jeder Ratifikations‑ und Beitrittsurkunde dieses Abkommens, den Tag seines Inkrafttretens, das Eingangsdatum von etwaigen Begehren betreffend Konferenzen oder anderen Mitteilungen unterrichten.
  6. Dieses Abkommen soll gemäss Artikel 102 der Charta der Vereinten Nationen2von den Depositarregierungen registriert werden.
Art. IV

Die Dauer dieses Abkommens ist unbegrenzt.

Jede Partei soll in Ausübung ihrer nationalen Souveränität das Recht haben, vom Abkommen zurückzutreten, wenn sie entscheidet, dass aussergewöhnliche Ereignisse im Zusammenhang mit dem Gegenstand dieses Abkommens die höchsten Interessen ihres Landes gefährden. Sie soll einen solchen Rücktritt allen anderen Parteien des Abkommens drei Monate im voraus ankündigen.

Art. V

Dieses Abkommen, dessen englische und russische Fassung gleichermassen authentisch sind, soll in den Archiven der Depositarregierungen hinterlegt werden. Gehörig beglaubigte Abschriften dieses Abkommens sollen den Regierungen der Unterzeichnerstaaten und beitretenden Staaten durch die Depositarregierungen übermittelt werden.

Zu Urkund dessen haben die gehörig bevollmächtigten Unterzeichneten dieses Abkommens unterzeichnet.Geschehen in Moskau, in drei Exemplaren, am fünften August neunzehnhundertdreiundsechzig.(Es folgen die Unterschriften)

VertragsstaatenRatifikationa
Beitritt (B)
Nachfolgeerklärung (N)
Inkrafttreten
Afghanistan12. März196412. März1964
Ägypten10. Januar196410. Januar1964
Antigua und Barbuda16. November1988 N1. November1981
Äquatorialguinea16. Januar1989 B16. Januar1989
Argentinien14. November198614. November1986
Armenien7. Juni1994 B7. Juni1994
Australien12. November196312. November1963
Bahamas16. Juli1976 N10. Juli1973
Bangladesch12. März1985 B12. März1985
Belarus16. Dezember196316. Dezember1963
Belgien1. März19661. März1966
Benin15. Dezember196415. Dezember1964
Bhutan8. Juni1978 B8. Juni1978
Bolivien4. August19654. August1965
Bosnien und Herzegowina15. August1994 N6. März1992
Botsuana5. Januar1968 N30. September1966
Brasilien15. Dezember196415. Dezember1964
Bulgarien13. November196313. November1963
Chile6. Oktober19656. Oktober1965
Costa Rica10. Juli196710. Juli1967
Côte d’Ivoire5. Februar19655. Februar1965
Dänemark15. Januar196415. Januar1964
Deutschland1. Dezember19641. Dezember1964
Dominikanische Republik3. Juni19643. Juni1964
Ecuador6. Mai19646. Mai1964
El Salvador3. Dezember19643. Dezember1964
Eswatini29. Mai1969 B29. Mai1969
Fidschi18. Juli1972 N10. Oktober1970
Finnland9. Januar19649. Januar1964
Gabun20. Februar196420. Februar1964
Gambia27. April1965 N18. Februar1965
Ghana27. November196327. November1963
Griechenland18. Dezember196318. Dezember1963
Guatemala6. Januar19646. Januar1964
Honduras2. Oktober19642. Oktober1964
Indien10. Oktober196310. Oktober1963
Indonesien20. Januar196420. Januar1964
Irak30. November196430. November1964
Iran5. Mai19645. Mai1964
Irland18. Dezember196318. Dezember1963
Island29. April196429. April1964
Israel15. Januar196415. Januar1964
Italien10. Dezember196410. Dezember1964
Jamaika22. November199122. November1991
Japan15. Juni196415. Juni1964
Jemen1. Juni1979 B1. Juni1979
Jordanien29. Mai196429. Mai1964
Kanada28. Januar196428. Januar1964
Kap Verde24. Oktober1979 B24. Oktober1979
Kenia10. Juni1965 B10. Juni1965
Kolumbien17. Oktober198517. Oktober1985
Kongo (Kinshasa)28. Oktober196528. Oktober1965
Korea (Süd-)24. Juli196424. Juli1964
Kroatien12. Juni1993 N8. Oktober1991
Kuwait*20. Mai196520. Mai1965
Laos10. Februar196510. Februar1965
Libanon14. Mai196514. Mai1965
Liberia19. Mai196419. Mai1964
Libyen15. Juli196815. Juli1968
Luxemburg10. Februar196510. Februar1965
Madagaskar15. März196515. März1965
Malawi26. November1964 N6. Juli1964
Malaysia15. Juli196415. Juli1964
Malta25. November1964 N21. September1964
Marokko1. Februar19661. Februar1966
Mauretanien6. April19646. April1964
Mauritius30. April1969 N12. März1968
Mexiko27. Dezember196327. Dezember1963
Mongolei1. November19631. November1963
Montenegro9. Januar2007 N3. Juni2006
Myanmar15. November196315. November1963
Nepal7. Oktober19647. Oktober1964
Neuseeland10. Oktober196310. Oktober1963
Nicaragua26. Januar196526. Januar1965
Niederlande*14. September196414. September1964
Aruba14. September196414. September1964
Curaçao14. September196414. September1964
Karibische Gebiete (Bonaire,
Sint Eustatius und Saba)
14. September196414. September1964
Sint Maarten14. September196414. September1964
Niger3. Juli19643. Juli1964
Nigeria17. Februar196717. Februar1967
Norwegen21. November196321. November1963
Österreich17. Juli196417. Juli1964
Pakistan3. März19883. März1988
Panama24. Februar196624. Februar1966
Papua-Neuguinea27. Oktober1980 N16. September1975
Peru20. Juli196420. Juli1964
Philippinen10. November196510. November1965
Polen14. Oktober196314. Oktober1963
Ruanda22. Oktober196322. Oktober1963
Rumänien12. Dezember196312. Dezember1963
Russland10. Oktober196310. Oktober1963
Sambia11. Januar1965 N24. Oktober1964
Samoa15. Januar196515. Januar1965
San Marino3. Juli19643. Juli1964
Schweden9. Dezember19639. Dezember1963
Schweiz16. Januar196416. Januar1964
Senegal6. Mai19646. Mai1964
Serbien15. Januar196415. Januar1964
Seychellen12. März1985 B12. März1985
Sierra Leone21. Februar196421. Februar1964
Singapur12. Juli1968 N9. August1965
Slowakei17. Mai1993 N1. Januar1993
Slowenien7. April1992 N25. Juni1991
Spanien17. Dezember196417. Dezember1964
Sri Lanka5. Februar19645. Februar1964
Südafrika10. Oktober1963 B10. Oktober1963
Sudan4. März19664. März1966
Suriname6. Januar1993 B6. Januar1993
Syrien1. Juni19641. Juni1964
Taiwan (Chinesisches Taipei)18. Mai196418. Mai1964
Tansania6. Februar19646. Februar1964
Thailand15. November196315. November1963
Togo7. Dezember19647. Dezember1964
Tonga22. Juni1971 N4. Juni1970
Trinidad und Tobago14. Juli196414. Juli1964
Tschad1. März19651. März1965
Tschechische Republik24. März1993 N1. Januar1993
Tunesien26. Mai196526. Mai1965
Türkei8. Juli19658. Juli1965
Uganda24. März196424. März1964
Ukraine30. Dezember196330. Dezember1963
Ungarn21. Oktober196321. Oktober1963
Uruguay25. Februar196925. Februar1969
Venezuela22. Februar196522. Februar1965
Vereinigte Staaten10. Oktober196310. Oktober1963
Vereinigtes Königreich10. Oktober196310. Oktober1963
Zentralafrikanische Republik22. Dezember1964 B22. Dezember1964
Zypern15. April196515. April1965
* Vorbehalte und Erklärungen. Die Vorbehalte und Erklärungen werden in der AS nicht veröffentlicht. Die englischen Texte können auf den Internetseiten der Depositarregierungen – des Vereinigten Königreiches von Grossbritannien und Nordirland (https://www.gov.uk/government/publications/treaty-banning-nuclear-weapon-tests-in-the-atmosphere-in-outer-space-and-under-water-moscow-581963) und der Vereinigten Staaten von Amerika (https://www.state.gov/limited-test-ban-treaty) – eingesehen oder bei der Direktion für Völkerrecht, Sektion Staatsverträge, 3003 Bern, bezogen werden. a Die Ratifikations- oder Beitrittsurkunden oder die Nachfolgeerklärungen werden bei den Regierungen der Vereinigten Staaten, des Vereinigten Königreichs und der Russischen Föderation, sei es gleichzeitig oder zu verschiedenen Zeitpunkten oder nur bei einer oder mehreren dieser Regierungen. Die in der Liste enthaltenen Daten betreffen die zuerst stattgefundene Hinterlegung.

Footnotes

  1. AS 1964 193

  2. SR 0.120

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