0.142.305•Europäische Vereinbarung über den Übergang der Verantwortung für Flüchtlinge
0.142.305Multilateral International Treaty01.03.1986
Abgeschlossen in Strassburg am 16. Oktober 1980
Von der Bundesversammlung genehmigt am 4. Oktober 19852
Schweizerische Ratifikationsurkunde hinterlegt am 13. Januar 1986
In Kraft getreten für die Schweiz am 1. März 1986
(Stand am 27. Januar 2017)
Präambel
Die Mitgliedstaaten des Europarates, Unterzeichner dieser Vereinbarung,
bedenken, dass es das Ziel des Europarates ist, die Einheit unter seinen Mitgliedern zu stärken;
wünschen, die Lage der Flüchtlinge in den Mitgliedstaaten des Europarates weiter zu verbessern;
wollen die Anwendung des Artikel 28 des Abkommens vom 28. Juli 19513über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und der Absätze 6 und 11 seines Anhanges erleichtern, insbesondere im Hinblick auf den Fall, dass ein Flüchtling seinen Wohnsitz ordnungsgemäss in das Staatsgebiet einer anderen Vertragspartei verlegt;
sind zu diesem Zweck insbesondere bestrebt, in einem liberalen und humanitären Geist die Bedingungen genauer zu regeln, unter denen die Verantwortung für die Ausstellung eines Reiseausweises von einer Vertragspartei auf eine andere übergeht;
halten es für wünschenswert, diese Frage zwischen den Mitgliedstaaten des Europarates einheitlich zu regeln,
und vereinbaren:
Im Sinne dieser Vereinbarung bezeichnet:
Der Zeitraum von zwei Jahren beginnt mit dem Zeitpunkt, in dem der Flüchtling im Hoheitsgebiet des Zweitstaates aufgenommen worden ist oder, wenn dieser Zeitpunkt nicht festgestellt werden kann, mit dem Zeitpunkt, in dem sich der Flüchtling bei den Behörden des Zweitstaates gemeldet hat.
2. Für die Berechnung des Zeitraums nach Absatz 1 dieses Artikels:
3. Der Übergang der Verantwortung gilt auch dann als erfolgt, wenn die Wiederaufnahme im Erststaat aufgrund von Artikel 4 nicht mehr verlangt werden kann.
Nach dem Übergang der Verantwortung erleichtert der Zweitstaat im Interesse der Familienzusammenführung und aus humanitären Gründen die Aufnahme des Ehegatten des Flüchtlings und dessen minderjähriger oder von ihm abhängiger Kinder in seinem Hoheitsgebiet.
Die zuständigen Verwaltungsbehörden der Vertragsparteien können für die Anwendung dieser Vereinbarung direkt miteinander verkehren. Jeder Staat gibt diese Behörden durch eine an das Generalsekretariat des Europarates gerichtete Notifikation zum Zeitpunkt bekannt, in dem er der Verbindlichkeit dieser Vereinbarung zustimmt.
Unbeschadet der Bestimmungen des Artikels 12 gilt diese Vereinbarung für jede der Vertragsparteien unter Berücksichtigung der Einschränkungen und Vorbehalte bezüglich der Verpflichtungen, die sich nach dem Abkommen vom 28. Juli 195110über die Rechtsstellung der Flüchtlinge oder dem Protokoll vom 31. Januar 196711über die Rechtsstellung der Flüchtlinge übernommen hat.
Das Schiedsgericht regelt sein Verfahren selbst. Seine Entscheidungen werden mit der Mehrheit der Mitglieder getroffen. Die Entscheidung ist endgültig.
Der Generalsekretär des Europarates notifiziert den Mitgliedstaaten des Europarates und jedem Staat, der dieser Vereinbarung beigetreten ist:
Zu Urkund dessen haben die gehörig befugten Unterzeichneten diese Vereinbarung unterzeichnet.Geschehen zu Strassburg, am 16. Oktober 1980, in französischer und englischer Sprache, wobei jeder Wortlaut gleichermassen verbindlich ist, in einer Urschrift, die im Archiv des Europarates hinterlegt wird. Der Generalsekretär des Europarates übermittelt jedem Mitgliedstaat des Europarates und jedem Staat, der eingeladen wird, dieser Vereinbarung beizutreten, eine beglaubigte Abschrift.(Es folgen die Unterschriften)
Aufgrund des Artikel 14 Absatz 1 dieser Vereinbarung kann jeder Staat erklären:
| Vertragsstaaten | Ratifikation Unterzeichnet ohne Ratifikationsvorbehalt (U) | In-Kraft-Treten | ||
|---|---|---|---|---|
| Dänemark | 17. Januar | 1984 | 1. März | 1984 |
| Deutschland* | 25. Januar | 1995 | 1. März | 1995 |
| Finnland | 4. Juli | 1990 | 1. September | 1990 |
| Italien* | 8. November | 1985 | 1. Januar | 1986 |
| Niederlandea | 7. März | 1985 | 1. Mai | 1985 |
| Karibische Gebiete (Bonaire, Sint Eustatius und Saba) | 4. November | 2013 | 1. Januar | 2014 |
| Norwegen | 16. Oktober | 1980 U | 1. Dezember | 1980 |
| Polen* | 20. April | 2005 | 1. Juni | 2005 |
| Portugal | 10. März | 1982 | 1. Mai | 1982 |
| Rumänien* | 19. Juli | 2000 | 1. September | 2000 |
| Schweden | 16. Oktober | 1980 U | 1. Dezember | 1980 |
| Schweiz | 13. Januar | 1986 | 1. März | 1986 |
| Spanien* | 21. Mai | 1987 | 1. Juli | 1987 |
| Vereinigtes Königreich* | 1. Oktober | 1986 | 1. Dezember | 1986 |
| Guernsey | 1. Oktober | 1986 | 1. Dezember | 1986 |
| Insel Man | 1. Oktober | 1986 | 1. Dezember | 1986 |
| Jersey | 1. Oktober | 1986 | 1. Dezember | 1986 |
| * Vorbehalte und Erklärungen Die Vorbehalte und Erklärungen werden in der AS nicht veröffentlicht. Die französi- schen und englischen Texte können auf der Internetseite des Europarates: http://conventions.coe.int eingesehen oder bei der Direktion für Völkerrecht, Sektion Staatsverträge, 3003 Bern bezogen werden. | ||||
| a Für das Königreich in Europa. |
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