VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI S 16 50 3. Kammer als Versicherungsgericht VorsitzMoser RichterStecher, Audétat AktuarDecurtins URTEIL vom 15. November 2016 in der versicherungsrechtlichen Streitsache A._____, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. et oec. Christian Thöny, Beschwerdeführer gegen Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, Beschwerdegegnerin betreffend Versicherungsleistungen nach IVG
2 - 1.A., welcher seit dem 1. November 2013 zu 100 % als B. tätig war, meldete sich am 12. August 2015 bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Dabei machte er eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (sog. Schaufensterkrankheit) gel- tend und klagte über taube Füsse sowie Schmerzen und Brennen in den Unterschenkeln. 2.Nach einem gescheiterten Arbeitsversuch beim ehemaligen Arbeitgeber im Oktober 2015 kam die IV-Stelle nach Einsichtnahme in diverse Berich- te der behandelnden Ärzte zum Schluss, dass A._____ seine ange- stammte Tätigkeit als B._____ nicht mehr zumutbar sei. Im Frühjahr 2016 nahm A._____ an einem Einsatzprogramm des Kantonalen Amts für In- dustrie, Gewerbe und Arbeit Graubünden (KIGA) teil, welches auf seinen Wunsch im März 2016 jedoch wieder abgebrochen wurde. Da sich A._____ aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage fühlte, in we- sentlichem Umfang einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, teilte ihm die IV- Stelle am 11. März 2016 mit, dass sie Eingliederungsmassnahmen zurzeit als nicht möglich erachte. 3.Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren wies die IV-Stelle das Leis- tungsbegehren von A._____ mit Verfügung vom 31. März 2016 ab. Im Gegensatz zur bisherigen Tätigkeit als B._____ bestehe in einer adaptier- ten, überwiegend sitzenden Tätigkeit keine Beeinträchtigung der Arbeits- fähigkeit. 4.Hiergegen erhob A._____ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 16. April 2016 Beschwerde ans Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden und beantragte sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Diese sei insofern verfrüht ergangen, als die medizinischen und chirurgi- schen Eingriffe noch nicht abgeschlossen und die therapeutischen Mög- lichkeiten nicht ausgeschöpft seien.
3 - 5.In ihrer Vernehmlassung vom 13. Mai 2016 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Selbst wenn man zur Bestimmung der Ar- beitsfähigkeit in leidensadaptierter Tätigkeit auf die Einschätzungen der behandelnden Ärztin Dr. med. C._____ abstellte, wäre vorliegend kein rentenbegründender Invaliditätsgrad zu ermitteln, weshalb sich die ange- fochtene Verfügung zumindest im Ergebnis als rechtens erweise. Absch- liessend erinnerte sie daran, dass sich der Beschwerdeführer jederzeit wieder für Eingliederungsmassnahmen anmelden könne. 6.In seiner Replik vom 3. Juni 2016 beantragte der nun anwaltlich vertrete- ne Beschwerdeführer, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die IV-Stelle anzuweisen, seinen Gesundheitszustand gutachterlich zu beurteilen und hernach erneut zu verfügen. Eventualiter sei ein gerichtli- ches interdisziplinäres Gutachten einzuholen und auf dessen Grundlage sei anschliessend der Rentenentscheid zu fällen. Subeventualiter sei ihm gestützt auf die vorhandene medizinische Grundlage mindestens eine halbe Rente auszurichten. Dabei legte er dar, inwiefern die IV-Stelle die Einschätzungen seiner behandelnden Ärzte falsch gewürdigt habe und hielt an seiner Auffassung fest, wonach die abschlägige Verfügung der IV- Stelle vorschnell ergangen sei. 7.In ihrer Duplik vom 10. Juni 2016 hielt die IV-Stelle an ihrem Antrag fest und vertiefte ihre Ausführungen zu den ärztlichen Berichten. Auf die weiteren Ausführungen in der angefochtenen Verfügung vom
5 - Fall aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG). Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlungen und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes Valideneinkommen). Der Einkommensver- gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe- tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüber gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdif- ferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Ein- kommensvergleichs; vgl. BGE 130 V 343 E.3.4.2, 128 V 29 E.1). Ein ren- tenbegründender Invaliditätsgrad liegt vor, wenn eine versicherte Person ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern kann, während mindestens ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich zu mindestens 40 % im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich eingeschränkt gewesen ist und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid ist (Art. 28 Abs. 1 IVG). Sind diese Voraussetzungen erfüllt, so steht der versicherten Person nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des An- spruchs, frühestens im Monat der Vollendung des 18. Altersjahres (Art. 29 Abs. 1 IVG), bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % eine Vier- telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % eine Dreiviertels- rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % eine ganze Rente zu (Art. 28 Abs. 2 IVG). b)Um beurteilen zu können, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten einem Versicherten noch eine Erwerbstätigkeit zugemutet werden kann, sind die Verwaltung und das im Beschwerdefall angerufene
6 - Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls an- dere Fachleute zur Verfügung stellen. Dabei besteht die Aufgabe des Arz- tes darin, den Gesundheitszustand zu beurteilen und – wenn nötig – sei- ne Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, d.h. mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der subjek- tiven Beschwerden Befunde zu erheben und gestützt darauf eine Diagno- se zu stellen. Hiermit erfüllt der Arzt seine genuine Aufgabe, wofür die Verwaltung und im Streitfall das Gericht nicht kompetent sind. Bei der Folgeabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt dem Arzt hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr nimmt er zur Arbeitsunfähigkeit Stel- lung, d.h. er gibt eine Schätzung ab, welche er aus seiner Sicht so sub- stanziell wie möglich begründet. Die ärztlichen Auskünfte sind sodann ei- ne wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleis- tungen dem Versicherten konkret noch zugemutet werden können (vgl. BGE 140 V 193 E.3.2, 125 V 256 E.4).
7 - ment eher zu einem konservativen Vorgehen mit regelmässigem Gehtraining rate. Schliesslich setzte sich Dr. med. C._____ detailliert mit den verschiedenen Be- schwerden auseinander und riet allgemein zu einem konservativen Vorgehen (unter dringendem Vermeiden akraler Läsionen) mit regelmässigem Gehtraining. • In seinem Zwischenbericht für Taggeldversicherung nach VVG vom 2. Septem- ber 2015 (IV-act. 33 S. 10 f.) diagnostizierte der behandelnde Hausarzt Dr. med. D., Facharzt für Innere Medizin, eine periphere arterielle Verschlusskrankheit. Nach einer freien Gehstrecke von ca. 150 Metern komme es beidseits zu akuten Wa- denschmerzen, welche den Patienten zu einer Unterbrechung des Laufens zwingen würden. Nach einigen Minuten Pause könne der Weg fortgesetzt werden. Die bishe- rige Tätigkeit könne aufgrund der mit der schweren Arteriosklerose verbundenen kör- perlichen Einschränkungen nicht mehr wahrgenommen werden. Eine sitzende Tätig- keit ohne schwere Belastungen sei in einem reduzierten Mass sicherlich ab Oktober 2015 vorstellbar. Zudem führte er auf die Frage nach leichten, andersartigen berufli- chen Tätigkeiten aus, dass rein sitzende Tätigkeiten ohne schwere körperliche Lasten als Arbeitsversuch <50 % Tagesleistung eventuell ab dem 1. Oktober 2015 möglich seien. In Ergänzung zu diesem Bericht schätzte die Vertrauensärztin der Taggeldver- sicherung, pract. med. E., die Arbeitsfähigkeit des Patienten in adaptierter, sit- zender Tätigkeit auf 50 – 80 % ein, während die Arbeitsunfähigkeit als B._____ daue- rhaft nicht gegeben sei (vgl. Beurteilung vom 23. September 2015 in IV-act. 33 S. 13). • In seinem Arztbericht zu Handen der IV-Stelle vom 3. September 2015 (IV-act. 22) diagnostizierte Dr. med. D._____ wiederum eine arbeitsfähigkeitsrelevante periphere arterielle Verschlusskrankheit sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – ei- ne Hyperurikämie mit rezidivierenden Gichtanfällen. Aufgrund der schweren Arterio- sklerose und den damit verbundenen körperlichen Einschränkungen habe der Patient kaum eine Chance, seine bisherige, besonders körper- und lastintensive Tätigkeit wieder wahrzunehmen. Eine leichte, sitzende Tätigkeit von 6 Stunden pro Tag ohne schwere Lasten und ohne Stresssituationen könne der Patient sicherlich ab sofort bewältigen. • In der Abschlussbeurteilung des Regionalen Ärztlichen Dienstes Graubünden (RAD) vom 7. September 2015 (Case Report S. 9) stellte der fallführende RAD-Arzt Dr. med. F., Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, fest, dass beim Ver- sicherten nach einer Gehstrecke unter 200 Metern Schmerzen aufträten, hingegen in Ruhe keine Schmerzen bestünden. Übereinstimmend mit der Beurteilung des Haus- arztes sei der Versicherte in seiner angestammten Tätigkeit als B. nicht mehr arbeitsfähig, doch bestehe in einer überwiegend sitzenden Tätigkeit keine Beeinträch- tigung der Arbeitsfähigkeit.
8 - • In einem Zwischenbericht für Taggeldversicherung nach VVG vom 9. September 2015 (IV-act. 32 S. 6 ff.) diagnostizierte Dr. med. C._____ ausgedehnte femoro- krurale Arterienverschlüsse beidseits bis distal ICD 7 und berichtete von einer schwerst eingeschränkten Bein- und Fussperfusion links und deutlich eingeschränk- ter Bein- und Fussperfusion rechts sowie Waden- und Fussclaudication nach <100m langsamen Gehens und Einschlafen des linken Fusses bei stehender Tätigkeit. Als B._____ sei der Patient seit dem 16. Juni 2015 arbeitsunfähig, wobei die Dauer die- ser Arbeitsunfähigkeit vom Beschwerdeverlauf abhänge. Gehen sei aufgrund der schweren Durchblutungsstörung mit Schmerzen verbunden und gefährlich für das Bein, sofern Verletzungen am Fuss aufträten. Zumutbar sei jedoch eine leichte, adap- tierte Tätigkeit (sitzend und nur mit geringen Gehdistanzen). • Auf entsprechende Nachfrage der IV-Stelle vom 3. Februar 2016 (IV-act. 69) hielt Dr. med. C._____ in ihrem Bericht vom 20. Februar 2016 (IV-act. 71) – explizit ge- stützt auf nicht aktuelle Untersuchungsresultate – zur Arbeitsfähigkeit des Patienten fest, dass die schwere Durchblutungsstörung zu Schmerzen beim Gehen führe sowie die Gefahr von Verletzungen (mit Amputationsgefahr) berge und dass Kälte- und Nässeexposition wie auch das Tragen von Stahlkappenschuhen wegen schlecht hei- lender Verletzungen gefährlich seien. Eine leidensadaptierte Tätigkeit müsse so aus- gestaltet sein, dass anstrengende körperliche Arbeit sowie Kälte, Verletzungen und Druckstellen vor allem am linken aber auch am rechten Bein vermieden würden. Eine sitzende Tätigkeit in geheizten Innenräumen sollte möglich sein; die Durchblutungs- reserve werde dadurch nicht ausgeschöpft. In Übereinstimmung mit dem Hausarzt sei eine solche Tätigkeit dem Patienten 6 – 8 Stunden pro Tag zumutbar. Dem Pa- tienten müsse genügend Zeit bleiben für sein tägliches Gehtraining von mind. 45 Mi- nuten, damit er – begleitet von regelmässigem Schwimmen – die erreichte Gehfähig- keit und die erarbeitete Kollateralisierung erhalten könne. Dabei bestehe eine ver- minderte Leistungsfähigkeit von 20 – 40 %, damit der Patient trainieren könne und der aktuelle Zustand zumindest stabilisiert und nicht verschlechtert werde. • Mit diesem Bericht konfrontiert, hielt RAD-Arzt Dr. med. F._____ in seiner Beurtei- lung vom 7. März 2016 (Case Report S. 5) an seiner Abschlussbeurteilung fest. 45 Minuten (und auch deutlich mehr) Gehen sowie auch das Schwimmen im Thermal- wasser sei problemlos vor oder nach der Arbeit möglich, weshalb dies keine relevan- te Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründe. Ausserdem spreche auch die Angio- login von unausgeschöpften therapeutischen Optionen (Katheterdilatation), weshalb nach IVG und Rechtsprechung keine Invalidität bestehe.
9 - b)Am 24. März 2016 nahm Dr. med. C._____ eine weitere angiologische Untersuchung vor (vgl. deren Bericht an Dr. med. D._____ in IV-act. 95). Der entsprechende Bericht ging der IV-Stelle jedoch erst im April 2016 zu und konnte in der angefochtenen Verfügung vom 31. März 2016 dement- sprechend nicht berücksichtigt werden. In diesem Bericht hielt Dr. med. C._____ nach durchgeführten klinischen und apparatetechnischen angio- logischen Untersuchungen fest, dass es dem Beschwerdeführ seit dem misslungenen Arbeits-Reintegrationsversuch viel schlechter gehe (deutli- che Verschlechterung seiner freien Gehstrecke mit Wadenschmerzen nach 250 Metern; nächtliche Beschwerden an beiden Beinen). Die ge- klagten Beschwerden seien in Anbetracht der erhobenen Untersuchungs- befunde nicht rein vaskulär erklärbar. Gleiches gelte für die Einschrän- kung der Gehstrecke, da die Messbefunde im Vergleich zum Juli und September 2015 eher verbessert seien. Differenzialdiagnostisch liege ih- res Erachtens eine Ursache im Bewegungsapparat vor, weshalb sie eine zusätzliche entweder rheumatologische oder neurologische Untersuchung (allenfalls mit Liquoruntersuchung wegen allfälliger Borrelieninfektion) empfehle. Ausserdem nahm sie eine eingehende medizinische Beurtei- lung vor, ohne sich jedoch explizit zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerde- führers zu äussern. c)Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichts- beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Da- nach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfas- send und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren be- deutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander wider-
10 - sprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab- stellt (vgl. BGE 125 V 351 E.3a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abge- geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a mit Hinweis). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnah- me als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c mit Hinweisen). Dennoch hat es das Bundesgericht mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimm- te Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Be- weiswürdigung aufzustellen. Danach haben Gutachten versicherungsex- terner Ärzte, insbesondere solche von der interdisziplinären medizini- schen Gutachterstellen (MEDAS) der Invalidenversicherung, vollen Be- weiswert, wenn sie die vorgenannten Anforderungen erfüllen und nicht konkrete Indizien gegen deren Zuverlässigkeit sprechen (vgl. BGE 125 V 351 E.3b/bb). In Bezug auf Berichte von Hausärzten darf und soll das Ge- richt hingegen der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 351 E.3a mit Hinweisen). Auch den Berichten und Gutachten versi- cherungsinterner Ärzte – etwa des RAD – kommt schliesslich Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem Anstel-
11 - lungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf viel- mehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilich- keit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversi- cherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters aller- dings ein strenger Massstab anzulegen (vgl. zum Ganzen BGE 125 V 351 E.3b; 122 V 157 E.1c mit Hinweisen). Stützt sich eine angefochtene Ver- fügung indes im Wesentlichen oder ausschliesslich auf solche Beweis- grundlagen, sind an die Beweiswürdigung höhere Anforderungen zu stel- len. Bestehen in einem solchen Fall auch nur geringe Zweifel an der Zu- verlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, erweist sich das fragliche Gutachten nicht als voll beweiskräftig und es sind weitere Beweiserhebungen zu veranlassen (vgl. BGE 135 V 465 E.4.4; Urteil des Bundesgerichts I 142/04 vom 20. November 2007 E.3.2.1; MÜLLER, Das Verwaltungsverfahren in der Invalidenversicherung, Bern 2010, N. 1730; FLÜCKIGER, in: STEIGER-SACKMANN/MOSIMANN [Hrsg.], Recht der Sozialen Sicherheit, Basel 2014, N. 4.146).
12 - von 6 h pro Tag ohne schwere Lasten und ohne Stresssituationen bewäl- tigen, und zwar ab sofort (vgl. IV-act. 22 S. 3 unten). Sodann geht aus seiner tabellarischen Beurteilung der Einschränkungen in behinderungs- angepasster Tätigkeit hervor, dass eine rein sitzende Tätigkeit ganztags zumutbar sei (vgl. IV-act. 22 S. 5). In seinem Zwischenbericht für die Taggeldversicherung hatte er am 2. September 2015 demgegenüber aber noch festgehalten, dass eine sitzende Tätigkeit ohne schwere Belastun- gen in einem reduzierten Mass sicherlich ab Oktober 2015 vorstellbar sei resp. dass rein sitzende Tätigkeiten ohne schwere körperliche Lasten als Arbeitsversuch <50 % Tagesleistung eventuell ab dem 1. Oktober 2015 zumutbar seien (vgl. IV-act. 33 S. 10 Fragen 8 und 9). Den Ausführungen des Hausarztes lässt sich demnach keine nachvollziehbare und schlüssi- ge Einschätzung der hier umstrittenen Arbeitsfähigkeit des Beschwerde- führers in adaptierter Tätigkeit entnehmen. Gleich verhält es sich mit den Ausführungen der behandelnden Angiologin Dr. med. C.. Soweit diese die Einschätzung des Hausarztes übernimmt und von 6 – 8 h mit 20 – 40 % Leistungseinschränkung ausgeht (vgl. Bericht vom 20. Februar 2016 in IV-act. 71), lehnt sie sich an die in der Anfrage der IV-Stelle an Dr. med. C. vom 3. Februar 2016 formulierte Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit an, wo diese festgehalten hat, dass des Hausarzt eine leich- te sitzende Tätigkeit in einem zeitlichen Umfang von 6-8 Stunden pro Tag ohne Leistungsminderung für zumutbar beurteilt habe (vgl. IV-act. 69). Nicht ersichtlich ist jedoch, ob sie die Arztberichte des Hausarztes auch tatsächlich eingesehen hat. Zudem ist nicht klar, ob sich die festgehaltene Leistungseinschränkung von 20 – 40 % auf ein volles Arbeitspensum oder auf das bereits eingeschränkte Pensum von 6 – 8 h bezieht, mithin ob damit die gleiche Einschränkung der Leistungsfähigkeit zum Ausdruck gebracht wird oder ob diese zusätzlich zu beachten ist. In Bezug auf die angegebene Bandbreite von 6 – 8 h ist immerhin festzuhalten, dass es sich in solchen Fällen nach bundesgerichtlicher Praxis – trotz der Unter- streichung der tieferen Angabe – rechtfertigt, auf den Mittelwert, vorlie-
13 - gend also 7 h, abzustellen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_226/2009 vom 19. August 2009 E.3.2 sowie 8C_163/2015 vom 16. Juni 2015 E.3.2.2, wo es auch um eine solche Hervorhebung durch Unterstreichung eben dieser Dr. med. C._____ ging). c)Soweit die Angiologin die verminderte Leistungsfähigkeit damit begründet, dass "genügend Zeit für das tägliche Gehtraining von mind. 45 Minuten pro Tag begleitet von regelmässigem Schwimmen in thermalen Tempera- turen" bleibt, weist der fallführende RAD-Arzt Dr. med. F._____ wohl zu Recht darauf hin, dass 45-minütiges Gehen sowie auch ein regelmässiger Thermalbadbesuch – auch bei einem vollen Pensum – ausserhalb der Arbeitszeit möglich sei (vgl. Case Report S. 5). Wenn der RAD-Arzt aus der Aussage der Angiologin, wonach eine sitzende Tätigkeit in geheizten Innenräumen möglich sei, zumal die Durchblutungsreserve dadurch nicht ausgeschöpft werde (vgl. IV-act. 71 S. 2), ohne weitere Begründung den Schluss zieht, dass die Durchblutung der Beine in sitzender Tätigkeit nicht eingeschränkt sei und dass in Ruhestellung kein Schmerz bestehe (vgl. Case Report S. 5 und 9), wird er den Beschwerden des Beschwerdefüh- rers und dem offenbar vielschichtigen Beschwerdebild aber nicht gerecht. Wie sich aus dem Bericht der zweiten angiologischen Untersuchung er- gibt, treten die Schmerzen auch nachts und nach achtminütigem Sich- Hinlegen auf (vgl. Untersuchungsbericht von Dr. med. C._____ vom