VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI R 20 39 5. Kammer VorsitzMeisser RichterAudétat und Racioppi AktuarinKuster URTEIL vom 5. Oktober 2021 in der verwaltungsrechtlichen Streitsache Einfache Baugesellschaft, bestehend aus:
A._____ AG,
B._____ AG, C._____ AG, alle vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Reto Crameri, Beschwerdeführerinnen gegen Gemeinde D._____, vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Christian Fey, Beschwerdegegnerin betreffend Baugesuch
2 - I. Sachverhalt: 1.1.Am 13. Juli 2018 reichten die A._____ AG (Bauherrin) und die C._____ AG (Grundstückseigentümerin) ein Baugesuch betreffend den Neubau von zwei Mehrfamilienhäusern auf den Parzellen F._____ und G._____ in der Gemeinde D._____ ein. Mit Entscheid vom 6. September 2018 wies die Baukommission der Gemeinde D._____ das Baugesuch ab. Sie begrün- dete ihren Entscheid im Wesentlichen wie folgt: "[Bei der NGF-Berechnung] unberücksichtigt geblieben sind jedoch die sehr grossen, gedeckten Sitz- plätze zu den Dachgeschosswohnungen, welche baulich allseitig umschlos- sen sind, zu Aufenthaltszwecken genutzt werden können und das in Er- scheinung tretende Gebäudevolumen massgebend prägen. [...] Die ge- deckten Sitzplätze zu den Dachgeschosswohnungen lassen sich aufgrund der Nutzungsmöglichkeit nicht unter die Bestimmungen von Art. 37a Abs. 3 KRVO subsumieren und sind an die Nettogeschossfläche anzurechnen. Die zulässige Ausnützungsziffer wird daher um diese Flächen überschritten." 1.2.Hiergegen erhoben die A._____ AG und die C._____ AG am 19. September 2018 Beschwerde beim Gemeinderat D._____, wobei sie im Hauptbegeh- ren die Aufhebung des Baubescheids und die Erteilung der Baubewilligung für das Baugesuch beantragten. In ihrer Begründung hielten sie im Wesent- lichen fest, es sei nicht korrekt, die Balkone/Terrassen in den Dachgeschos- sen zur Nettogeschossfläche hinzuzurechnen. Zudem seien die Bestim- mungen der KRVO vorliegend nicht anwendbar; massgebend sei aussch- liesslich kommunales Recht (vgl. insbesondere Art. 15 Abs. 4 BauG). Wenn die Baukommission davon ausgehe, dass die Balkone/Terrassen in den Da- chgeschossen allseitig umschlossen seien, liege ein Sachverhaltsirrtum vor: Die Balkone/Terrassen seien gegen Osten hin offen. Es seien grosse Aussparungen in den Fassaden geplant, welche nicht verschlossen wür- den. Zudem würden die geräumigen Terrassen nicht beheizt.
3 - Mit Schreiben vom 23. Oktober 2018 stellte der Gemeinderat D._____ der A._____ AG und der C._____ AG die Abweisung ihrer Beschwerde in Aus- sicht. Er hielt unter anderem fest, dass in den Fassadenplänen jegliche Hin- weise fehlten, dass die ostseitige Öffnung nicht verschlossen sein solle. Wie der Plandarstellung (Grundriss und Fassaden) entnommen werden könne, seien die Fensteröffnungen mit einem transparenten Element verschlossen. Der Gemeinderat D._____ räumte der A._____ AG und der C._____ AG die Möglichkeit ein, ein neues Baugesuch einzureichen (Beschwerderückzug) oder aber einen begründeten und anfechtbaren Beschwerdeentscheid zu verlangen. Dabei wies er insbesondere daraufhin, dass eine Anpassung der ostseitigen "Terrasse" im Minimum Folgendes enthalten müsste (unter an- derem): "Die Fassadenöffnungen der gedeckten Terrasse dürfen nicht bau- lich verschlossen werden, weder durch Fenster, Windschutzverglasungen o.ä. (z.B. müsste auf die Darstellung eines Bauteils in der Leibung verzichtet werden bzw. in den Fassadenplänen könnte explizit eine 'Nicht-Befenste- rung' vermerkt werden. Ferner können die Grundrisse mit dem Hinweis 'nicht beheizt' versehen werden)." Mit Datum vom 30. Oktober 2018 zogen die A._____ AG und die C._____ AG ihre Beschwerde zurück und sie stellten die Einreichung eines neuen, die vom Gemeinderat vorgebrachten Aspekte berücksichtigenden Bauge- suchs in Aussicht. Ansonsten bleibe das Baugesuch unverändert, da es auch von der Baukommission keine weiteren diesbezüglichen Einwendun- gen im Baubescheid vom 6. September 2018 gegeben habe. 2.1.Am 14. Dezember 2018 reichten die einfache Baugesellschaft, bestehend aus der A._____ AG und der B._____ AG, und die C._____ AG ein neues Baugesuch betreffend den Neubau von zwei Mehrfamilienhäusern auf den Parzellen F._____ und G._____ ein, wobei in den Plänen bei den gedeck- ten Dachterrassen "Terrasse nicht beheizt" und bei den Fassadenöffnungen derselben "Nicht-Befensterung" vermerkt wurde. Mit Entscheid vom 14. Mai 2019, mitgeteilt am 6. August 2019, bewilligte die Baukommission der Ge-
4 - meinde D._____ das Baugesuch der einfachen Baugesellschaft und der C._____ AG insbesondere unter folgender Auflage (vgl. Ziff. I.5): Die offenen Dachterrassen sind vor Baubeginn mittels einer öffentlich-rechtli- chen Eigentumsbeschränkung (Dachterrassen dürfen nicht verglast, beheizt oder als Wohnraum genutzt werden) grundbuchamtlich sicherzustellen. Grundbuchanmeldung: Die vorstehende Auflage bezüglich Dachterrassen ist nach Eintritt der Rechts- kraft der Baubewilligung als öffentlich-rechtliche Eigentumsbeschränkung im Grundbuch der Gemeinde D._____ wie folgt anmerken zu lassen: Auf Grundstück Nr. F./G. Die Dachterrassen der beiden Mehrfamilienhäuser dürfen weder verglast, noch beheizt oder als Wohnraum genutzt werden. In ihrer Begründung hielt sie unter anderem fest, dass die gedeckten Dach- terrassen in den Dachgeschossgrundrissen mit "Terrasse nicht beheizt" be- schriftet seien. Zudem seien die Fassadenöffnungen in den Ansichten mit "1" bzw. "Nicht-Befensterung" beschrieben. Ferner lägen die Dachterrassen ausserhalb des Dämmperimeters und es seien keine Schiebetüren zu den traufseitigen, offenen Dachterrassen vorgesehen. Damit müssten die ge- deckten Dachterrassen nicht an die Nettogeschossflächen angerechnet werden (Art. 15 Abs. 1 BauG). Die offenen Dachterrassen (sowie der Aus- nützungstransfer ab der Parzelle H.) würde(n) vor Baubeginn mittels einer öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkung (Dachterrassen dürfen nicht verglast, beheizt oder als Wohnraum genutzt werden) grundbuchamt- lich vermerkt und sichergestellt. Die zulässige Ausnützungsziffer sei einge- halten. 2.2.Hiergegen erhoben die einfache Baugesellschaft und die C. AG am
5 - glast, beheizt oder als Wohnraum genutzt werden) grundbuchlich sicher- zustellen: Grundbuchanmeldung: Die vorstehende Auflage bezüglich Dachterrassen ist nach Eintritt der Rechtskraft der Baubewilligung als öffentlich-rechtliche Eigentumsbe- schränkung im Grundbuch der Gemeinde D._____ wie folgt anzumerken: Auf Grundstücken Nrn. F./G. Die Dachterrassen der beiden Mehrfamilienhäuser dürfen nicht vollver- glast, beheizt oder als Wohnraum genutzt werden. Sofern eine Umnutzung der Dachterrassen nach bau- und raumplanungsrechtlichen Vorschriften zulässig ist, ist die Grundbuchanmerkung von Amtes wegen oder auf An- trag hin zu löschen. In ihrer Begründung hielten sie unter anderem fest, dass die Anmerkung eines Umnutzungsverbots der Dachterrasse im Grundbuch unnötig sei: Gemäss geltendem Baugesetz sei eine Umnutzung aufgrund der erreichten Ausnützungsziffer nicht zulässig. Es sei demgegenüber klar, dass für die Umnutzung ein neues Baugesuch eingereicht werden müsste. Eventualiter sei die Anmerkung anzupassen, sodass nur eine Vollverglasung unzulässig sei, eine Teilverglasung demgegenüber zugelassen werde. Denn es solle möglich sein, eine einfache Windschutzverglasung oder eine Absturzsiche- rung aus Glas bei den überdachten Dachterrassen zu realisieren, ohne dass gegen eine baupolizeiliche Auflage verstossen werde. Es komme hinzu, dass bei einem Minergie zertifizierten Bau gemäss Gesetz eine Drei- fachverglasung erforderlich wäre, um die Norm für Wohnraum zu erfüllen. Alles, was dieser Norm nicht entspreche, sollte vorliegend möglich sein. Aus diesem Grund werde eine Anpassung der entsprechenden Auflage bean- tragt. Mit Entscheid vom 7. Oktober 2019 wies der Gemeinderat D._____ die Be- schwerde ab, soweit er darauf eintrat. Dieser Entscheid erwuchs unange- fochten in Rechtskraft. 3.1.Am 15. Januar 2020 reichten die einfache Baugesellschaft und die C._____ AG ein Projektänderungsgesuch zu der mit Bauentscheid vom 14. Mai 2019 (bzw. mit dem diesen bestätigenden, in Rechtskraft erwachsenen Be-
6 - schwerdeentscheid vom 7. Oktober 2019) unter Auflagen erteilten Baube- willigung ein. Darin ersuchten sie um Erteilung einer Bewilligung für eine Windschutzverglasung nicht isoliert für die Dachterrassen der beiden Mehr- familienhäuser. Mit Entscheid vom 12. Februar 2020 wies die Baukommission der Ge- meinde D._____ das Projektänderungsgesuch der einfachen Baugesell- schaft und der C._____ AG ab. Begründend führte sie im Wesentlichen aus, dass die am 14. Mai 2019 bewilligten Mehrfamilienhäuser die maximal zulässige Ausnützungsziffer praktisch vollständig ausschöpften. Projektän- derungen könnten daher nur bewilligt werden, sofern sie ausnützungsneu- tral seien bzw. keine zusätzlichen Nettogeschossflächen umfassten. Damit die gedeckten Dachterrassen in den Dachgeschossen nicht an die Ausnüt- zung angerechnet werden müssten, habe die Bauherrschaft bzw. Projekt- verfasserin in den bewilligten Fassadenansichten explizit eine "Nicht-Be- fensterung" auf den Eingabeplänen anmerken lassen. Mit der vorliegenden Projektänderung sollten die Fassadenöffnungen zu den Dachterrassen nun mit einer Windschutzverglasung, analog der bewilligten Verglasung der Bal- kone und Sitzplätze, befenstert werden. Die "Nicht-Befensterung" der Fas- sadenöffnungen der Dachterrassen in den Dachgeschossen trage wesent- lich dazu bei, dass die zulässige Ausnützungsziffer eingehalten bleibe. Die nachträgliche Verglasung dieser Fassadenöffnungen stehe daher im Wider- spruch zu den von der Bauherrschaft vor der Erteilung der Baubewilligung geäusserten Absichten. Würde die beantragte Verglasung bewilligt, könnte von aussen nicht mehr überprüft werden, ob es sich um eine Windschutz- verglasung oder um eine unzulässige Isolierverglasung handle. Eine Kon- trolle bescherte der Gemeinde einen unzumutbaren Aufwand. Hinzu komme, dass die Gesamtwirkung der Bauten mit einer Verglasung der sehr grossen Fassadenöffnungen (geschlossene Fassadenwirkung mit Spiege- lungen etc.) gegenüber der Nicht-Befensterung beeinträchtigt würde. Die
7 - nachträgliche Verglasung der Fassadenöffnungen zu den Dachterrassen könne nicht bewilligt werden. 3.2.Hiergegen erhoben die einfache Baugesellschaft und die C._____ AG am
9 - Die vorstehende Auflage bezüglich Dachterrassen ist nach Eintritt der Rechtskraft der Baubewilligung als öffentlich-rechtliche Eigentumsbe- schränkung im Grundbuch der Gemeinde D._____ wie folgt anzumerken: Auf Grundstücken Nrn. F./G. Die Dachterrassen der beiden Mehrfamilienhäuser dürfen nicht vollver- glast, beheizt oder als Wohnraum genutzt werden. Eine reine Wind- schutzverglasung ist zulässig. Sofern eine Umnutzung der Dachterras- sen nach bau- und raumplanungsrechtlichen Vorschriften zulässig ist, ist die Grundbuchanmerkung von Amtes wegen oder auf Antrag hin zu lö- schen. 3.Subeventualiter sei die Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 4.Unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerde- gegnerin. In ihrer Begründung hielten sie im Wesentlichen fest, es handle sich um zwei verschiedene Sachverhalte, welche die Gemeinde D._____ im vorlie- genden Verfahren bzw. im Verfahren vom Oktober 2019 zu beurteilen ge- habt habe. Während es damals um die verfügte Auflage gegangen sei, dass die Terrassen nicht beheizt, verglast oder als Wohnraum genutzt werden dürften, sei Gegenstand des vorliegenden Verfahrens die Frage, ob bei der Dachterrasse eine Windschutzverglasung angebracht werden dürfe. Entge- gen der Ansicht der Vorinstanz handle es sich demnach keineswegs um eine bereits abgeurteilte Sache. Selbst wenn dem aber so wäre, seien die Voraussetzungen für einen Widerruf gegeben. Während der Bauaus- führung und den Verkaufsgesprächen mit verschiedenen Interessenten habe sich herausgestellt, dass eine Verglasung der Dachterrasse einem er- heblichen praktischen Bedürfnis entspreche. Die Windschutzverglasung sei dringend notwendig, damit die Dachterrasse vor Wind, Schnee, Regen etc. geschützt sei. Dabei sei anzumerken, dass es sich hierbei um die Wetter- seite handle und es gerichtsnotorisch sein dürfte, dass in D._____ stets ein zügiger Wind wehe, welcher die Verglasung der Terrasse zwingend erfor- derlich mache. Weiter rügten die Beschwerdeführerinnen eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, weil sich die Vorinstanz mit keinem Wort damit auseinandersetze, ob und wann eine rechtskräftige Baubewilligung abgeändert werden könne.
10 - Sie führe einfach und banal aus, dass es sich um einen rechtskräftigen Ent- scheid handle, weshalb die Beschwerde abgewiesen werde. 5.In ihrer Vernehmlassung vom 16. Juni 2020 beantragte die Gemeinde D._____ (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Be- schwerde, soweit darauf einzutreten sei, unter Kostenfolge zulasten der Be- schwerdeführerinnen. In ihrer Begründung hielt sie im Wesentlichen fest, dass es sowohl im vorliegenden als auch im Verfahren vom Oktober 2019 um die Frage der Vollverglasung der Dachterrassen gegangen sei. Insofern habe sich sachverhaltlich eben gerade nichts geändert. Die Frage der Voll- verglasung der Dachterrassen sei bereits mit dem rechtskräftigen Bauent- scheid vom 14. Mai 2019 definitiv geklärt worden. Werde mittels Projektän- derung versucht, einen bereits rechtskräftig als nicht bewilligungsfähig be- urteilten Zustand nachträglich doch noch als bewilligungsfähig erklären zu lassen, sei der gesuchstellenden Partei die materielle Rechtskraft des ne- gativen Bauentscheids entgegenzuhalten. In einem solchen Fall wäre allen- falls noch das Widerrufsverfahren anwendbar, das allerdings den Voraus- setzungen von Art. 25 VRG unterliege und worauf nur ein gesetzlicher An- spruch bestehe, wenn Widerrufs- bzw. Revisionsgründe geltend gemacht werden könnten, was vorliegend nicht der Fall sei. Weiter hielt die Beschwerdegegnerin unter anderem fest, dass keine Ver- letzung des rechtlichen Gehörs vorliege. 6.Am 19. August 2020 hielten die Beschwerdeführerinnen replicando an ihren bisherigen Rechtsbegehren fest und sie ergänzten und vertieften ihre bis- herige Argumentation. 7.Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Eingabe vom 1. September 2020 auf die Einreichung einer Duplik.
11 - 8.Mit Schreiben vom 28. Juli 2021 ersuchte der Instruktionsrichter die Be- schwerdegegnerin darum, dem Gericht die mit dem Bauentscheid vom
13 - 2.1.In formeller Hinsicht rügen die Beschwerdeführerinnen eine Verletzung ih- res Anspruchs auf rechtliches Gehör. Sie machen gelten, dass sich die Be- schwerdegegnerin mit keinem Wort damit auseinandersetze, ob und wann eine rechtskräftige Baubewilligung abgeändert werden könne. Sie schweige sich darüber schlichtweg aus. Ihrer Argumentation sei nicht zu entnehmen, von welchen Beweggründen sie sich habe leiten lassen. Sie führe einfach und banal aus, dass es sich um einen rechtskräftigen Entscheid handle, weshalb die Beschwerde abgewiesen werde. Insbesondere setze sie sich nicht damit auseinander, ob und wie sich die tatsächlichen Verhältnisse seit ihrem seinerzeitigen Entscheid verändert hätten. Hätte sie diese Prüfung nämlich seriös vorgenommen, hätte sie erkennen können, dass es sich um zwei völlig unterschiedliche Sachverhalte handle. 2.2.Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidge- nossenschaft (BV; SR 101) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Wesentlicher Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist die Begründungspflicht. Die Begründung soll verhindern, dass sich die Behörde von unsachlichen Motiven leiten lässt, und dem Betroffenen er- möglichen, die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. Dies ist nur möglich, wenn sowohl er wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinn müs- sen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständli- chen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Ge- sichtspunkte beschränken (vgl. statt vieler: BGE 133 I 270 E.3.1 m.w.H.). 2.3.Die Beschwerdegegnerin begründet die Abweisung der Beschwerde bzw. des Projektänderungsgesuchs (Windschutzverglasung für die Dachterras- sen der beiden Mehrfamilienhäuser) im Wesentlichen damit, dass es nicht angehe, mittels eines Projektänderungsgesuchs rechtskräftige Bauent-
14 - scheide erneut zur Diskussion zu stellen. Nach Auffassung des streitberu- fenen Gerichts ist es somit durchaus ersichtlich, von welchen Überlegungen sich die Beschwerdegegnerin hat leiten lassen und worauf sich ihr Ent- scheid stützt. Darüber hinaus hat sie sich auch mit der Änderung der tatsächlichen Verhältnisse bzw. der Abänderung rechtskräftiger Bauent- scheide auseinandergesetzt. So hielt sie fest, sie sehe keinen Anlass, auf den Beschwerdeentscheid vom 7. Oktober 2019 zurückzukommen; die Be- schwerdeführerinnen brächten keine neuen und relevanten Aspekte vor, die eine Wiedererwägung des seinerzeitigen Beschwerdeentscheids erforder- lich machen würden. Die Vorbringen der Beschwerdeführerinnen laufen so- mit ins Leere, weshalb sich die Gehörsrüge von vornherein als unbegründet erweist. Der Vollständigkeit halber gilt es zudem darauf hinzuweisen, dass es den Beschwerdeführerinnen durchaus möglich war, den Entscheid vom
19 - rassen der beiden Mehrfamilienhäuser wurde somit bereits rechtskräftig entschieden (res iudicata). 5.Damit bleibt zu prüfen, ob auf den Bauentscheid vom 14. Mai 2019 (bzw. den diesen bestätigenden, in Rechtskraft erwachsenen Beschwerdeent- scheid vom 7. Oktober 2019) zurückzukommen ist. Gemäss Art. 25 Abs. 1 VRG kann eine rechtskräftige Baubewilligung dann widerrufen (geändert oder aufgehoben) werden, wenn sich die Sach- oder Rechtslage gegenüber der ursprünglichen Entscheidungsgrundlage geändert hat (lit. a) und nicht überwiegende öffentliche oder private Interessen dem Widerruf entgegen- stehen (lit. b). Spezialgesetzliche Widerrufsregeln und die Revision bleiben vorbehalten (Art. 25 Abs. 3 VRG). 5.1.Nach Auffassung der Beschwerdeführerinnen sind die Voraussetzungen für einen Widerruf gegeben. Während der Bauausführung und den Verkaufs- gesprächen mit verschiedenen Interessenten habe sich herausgestellt, dass eine Verglasung der Dachterrasse einem erheblichen praktischen Be- dürfnis entspreche. Die Windschutzverglasung sei dringend notwendig, da- mit die Dachterrasse vor Wind, Schnee, Regen etc. geschützt sei. Dabei sei anzumerken, dass es sich hierbei um die Wetterseite handle und es ge- richtsnotorisch sein dürfte, dass in D._____ stets ein zügiger Wind wehe, welcher die Verglasung der Terrasse zwingend erforderlich mache. Weiter führen die Beschwerdeführerinnen in ihrer Replik aus, dass sich die Sach- lage gegenüber dem früheren Beschwerdeverfahren vor dem Gemeinderat insofern verändert habe, als dass sich die Wohnungen mit den Dachterras- sen als unverkäuflich erwiesen hätte. Aufgrund der starken Windgeschwin- digkeiten in I._____ und der Tatsache, dass die Terrassen infolgedessen kaum benutzbar seien, habe die vorliegend gegenständliche Projektände- rung eingereicht werden müssen.
20 - 5.2.1. Die Beschwerdeführerinnen berufen sich also auf eine gegenüber der ur- sprünglichen Entscheidungsgrundlage geänderte Sachlage (vgl. Art. 25 Abs. 1 lit. a VRG). Eine solche ist nach Auffassung des streitberufenen Ge- richts allerdings nicht gegeben, zumal nicht ersichtlich ist, dass sich die Windverhältnisse in D._____ in den vergangenen Jahren geändert hätten. So halten die Beschwerdeführerinnen selber fest, es dürfte gerichtsnoto- risch sein, dass in D._____ stets ein zügiger Wind wehe, welcher die Ver- glasung der Terrasse zwingend erforderlich mache. Nachdem auch nicht ersichtlich ist, dass sich die Rechtslage gegenüber der ursprünglichen Ent- scheidungsgrundlage geändert hätte (vgl. Art. 25 Abs. 1 lit. a VRG), sind die Voraussetzungen für den Widerruf des Bauentscheids vom 14. Mai 2019 (bzw. des diesen bestätigenden, in Rechtskraft erwachsenen Beschwerde- entscheids vom 7. Oktober 2019) von vornherein nicht gegeben. 5.2.2. Soweit ersichtlich sind auch die Voraussetzungen der Revision gemäss Art. 67 Abs. 1 VRG nicht erfüllt. Zwar trifft es zu, dass sich der Gemeinderat D._____ in seinem Beschwerdeentscheid vom 7. Oktober 2019 mit der Frage der Windschutzverglasung für die Dachterrassen der beiden Mehrfa- milienhäuser - trotz entsprechendem Rechtsbegehren von Seiten der Be- schwerdeführerinnen (vgl. Bf-act. 9, Ziff. I.2) - nicht auseinandergesetzt hat (vgl. Bf-act. 8, S. 4 f.). Soweit die Beschwerdeführerinnen darin einen Revi- sionsgrund erblicken (vgl. Art. 67 Abs. 1 lit. e VRG), ist ihnen allerdings ent- gegenzuhalten, dass der Gemeinderat D._____ auf seinen Beschwerdeent- scheid vom 7. Oktober 2019 bereits zurückgekommen ist: So ist unbestrit- ten, dass im Nachgang zum Entscheid vom 7. Oktober 2019 verschiedene Gespräche zwischen den Beschwerdeführerinnen und dem Gemeinderat stattgefunden haben (vgl. Bf-act. 12, 13, 11a und 14). Darin ging es insbe- sondere darum, dass die Beschwerdeführerinnen bei den Dachterrassen eine effektive Windschutzverglasung (gesamte Höhe) anbringen lassen wollten und der Grundbucheintrag bzw. die mit rechtskräftigem Beschwer- deentscheid vom 7. Oktober 2019 bestätigte Auflage gemäss Ziff. I.5 des
21 - Bauentscheids vom 14. Mai 2019 (vgl. Bg-act. 7) entsprechend angepasst werden sollte (vgl. Bf-act. 12). Anlässlich der Sitzung vom 10. Dezember 2019 setzte sich der Gemeinderat schliesslich mit der Frage der Wind- schutzverglasung für die Dachterrassen der beiden Mehrfamilienhäuser auseinander (vgl. Bf-act. 13). Er revidierte seinen Entscheid vom 7. Oktober 2019 allerdings nur dahingehend, dass eine Verglasung im Brüstungsbe- reich zugelassen (siehe SIA-Norm 358 "Geländer & Brüstungen") und der Grundbucheintrag (bzw. die Auflage gemäss Ziff. I.5 des Bauentscheids vom 14. Mai 2019) entsprechend präzisiert werden sollte (vgl. Bf-act. 13; vgl. auch Bf-act. 1); eine Windschutzverglasung lehnte er indessen ab (vgl. Bf-act. 11a und 14). 5.3.Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde somit als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 6.Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten zulasten der unter- liegenden Beschwerdeführerinnen (Art. 73 Abs. 1 VRG). Gestützt auf Art. 75 Abs. 2 VRG rechtfertigt es sich vorliegend, die Staatsgebühr auf CHF 3'000.-- festzulegen. Der in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegen- den Beschwerdegegnerin steht gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG keine Parteien- tschädigung zu. III. Demnach erkennt das Gericht: 1.Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.Die Gerichtskosten, bestehend aus
einer Staatsgebühr vonCHF3'000.--
und den Kanzleiauslagen vonCHF428.-- zusammenCHF3'428.--
22 - gehen je hälftig und unter solidarischer Haftung zulasten der einfachen Bau- gesellschaft - bzw. deren solidarisch für ihren Anteil haftenden Gesellschaf- ter A._____ AG und B._____ AG - und der C._____ AG. 3.Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4.[Rechtsmittelbelehrung] 5.[Mitteilungen] Die an das Bundesgericht erhobene Beschwerde wurde mit Urteil vom 5. April 2022 abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist (1C_670/2021).