9/22 Verfahren PVG 2019 Instanzenzug bei staatshaftungsrechtlichen Fragestellun- gen. –Für öffentlich-rechtliche Entscheidungen mit staatshaf- tungsrechtlichen Fragestellung ist nicht auszuschlies- sen, dass diese einen unmittelbaren Zusammenhang mit Zivilrecht gemäss Art. 72 Abs. 2 BGG aufweisen; weil die Beschwerde in Zivilsachen gemäss Art. 75 Abs. 2 BGG aber eine «double instance» voraussetzt, ist zur Sicher- stellung eines ordnungsgemässen Instanzenzuges in der Rechtsmittelbelehrung (auch) der Rechtsmittelweg an das Kantonsgericht Graubünden gemäss Art. 85b VRG aufzuzeigen (E.8). Vie di ricorso in materia di responsabilità dello Stato. –Riguardo a decisioni di diritto pubblico concernenti que- stioni di responsabilità statale non è dato escludere che queste abbiamo un rapporto diretto con il diritto civile giusta l’art. 72 cpv. 2 LTF. Siccome però giusta l’art. 75 cpv. 2 LTF il ricorso in materia civile presuppone un dop- pio grado di giudizio cantonale, al fine di garantire un corso delle istanze corretto nell’indicazione dei rimedi giuridici occorre illustrare anche la via giuridica al Tribu- nale cantonale dei Grigioni giusta l’art. 85b LGA (consid. 8). Erwägung: 8. Zur Rechtmittelbelehrung sei noch erwähnt, dass das streitberufene Verwaltungsgericht bei Staatshaftungsfragen als erste Gerichtsinstanz fungiert und gegen dessen Urteil innert 30 Tagen die Weiterzugsmöglichkeit an das Kantonsgericht Graubün- den besteht, soweit es sich um einen erstinstanzlichen Endent- scheid in unmittelbarem Zusammenhang mit Zivilrecht im Sinne von Art. 72 Abs. 2 lit. b BGG handelt (vgl. zum Ganzen Art. 85b VRG als Übergangsbestimmung betreffend «doppelter Instanzenzug» im Kanton Graubünden; Botschaft der Regierung an den Grossen Rat zur Teilrevision des Gerichtsorganisationsgesetzes (GOG)/Ge- bietsreform Heft Nr. 7/2015 – 2016, S. 373; laut Kantonsamtsblatt vom 4. Februar 2016 ist Art. 85b VRG rückwirkend per 1. Februar 2016 in Kraft gesetzt worden und gilt auch für die im Zeitpunkt des Inkrafttretens hängigen Fälle vor dem Verwaltungsgericht des Kan- tons Graubünden [Art. 85b Abs. 2 VRG]; VGU U 16 11 vom 15. März 2019 E.7 und U 15 91 vom 13. Juni 2017 E.12). Die Aufzählung in 190 22

9/22 Verfahren PVG 2019 Art. 72 Abs. 2 BGG ist nicht abschliessend und es können auch öf- fentlich-rechtliche Entscheidungen mit staatshaftungsrechtlichen Fragestellungen darunter fallen, sofern sie einen engen Bezug zum Zivilrecht haben, sich also die Haftung nach denselben Grundsät- zen richtet (vgl. Klett/escher, in: Niggli/Uebersax/Wiprächtiger/KNeU- bühler [Hrsg.], Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl., Basel 2018, Art. 72 Rz. 8; vgl. für die Staatshaftung infolge fehler- hafter Behandlung in einem öffentlichen Spital: BGE 139 III 252 und Urteil des Bundesgerichts 4A_546/2013 vom 13. März 2014 E.2.1; siehe auch Urteil des Bundesgerichts 5A.9/2000 vom 22. März 2001 E.3b). Weiter hat das Bundesgericht entschieden, dass sich aus Art. 85 Abs. 1 lit. a BGG nicht zwingend ergebe, dass alle Fragen der Staatshaftung der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange- legenheiten unterliegen (Urteil des Bundesgerichts 4A_546/2013 vom 13. März 2014 E.3.2.2). Die Beschwerde in Zivilsachen setzt je- doch eine «double instance» voraus (Art. 75 Abs. 2 BGG; BGE 139 III 252 E.1.6). Gemäss Art. 22 BGG i.V.m. Art. 36 Abs. 1 und 2 des Regle- mentes für das Bundesgericht (BGerR; SR 173.110.131) bestimmt sich die Zuteilung eines Geschäfts an eine Abteilung danach, auf welcher Rechtsfrage das Schwergewicht der Entscheidung liegt und im Einzelfall kann wegen der Natur des Geschäfts auch von der reglementarischen Geschäftsverteilung abgewichen werden. Dementsprechend ist für die vorliegende Angelegenheit eine Qua- lifikation als öffentlich-rechtlicher erstinstanzlicher Endentscheid mit unmittelbarem Zusammenhang zum Zivilrecht nicht auszu- schliessen und zur Sicherstellung des ordnungsgemässen Instan- zenzuges der Rechtsmittelweg an das Kantonsgericht Graubünden gemäss Art. 85b VRG aufzuzeigen (vgl. aber nunmehr BGE 144 II 281 E.1.1 f., welcher hinsichtlich des Erfordernis einer «double in- stance» als Zulässigkeitsvoraussetzung für die Beschwerde in Zi- vilsachen in Staatshaftungsfällen unklar ist). U 14 100Urteil vom 7. Mai 2019 191

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Schweiz
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Graubünden
Verfugbare Sprachen
Deutsch
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GR_VG_006
Gericht
Gr Gerichte
Geschaftszahlen
GR_VG_006, PVG 2019 22
Entscheidungsdatum
31.12.2019
Zuletzt aktualisiert
25.03.2026