VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI S 22 106 3. Kammer als Versicherungsgericht VorsitzPedretti RichterInvon Salis und Audétat AktuarOtt URTEIL vom 1. November 2022 in der versicherungsrechtlichen Streitsache A._____, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Markus Schmid, Beschwerdeführer gegen Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, IV-Stelle, Beschwerdegegnerin betreffend IV-Rente (Kostenentscheid)
2 - I. Sachverhalt: 1.Mit Urteil 8C_74/2022 vom 22. September 2022 hiess das Bundesgericht die von A._____ am 1. Februar 2022 gegen das Urteil des Verwaltungs- gerichts des Kantons Graubünden S 21 81 vom 16. November 2021 erho- bene Beschwerde teilweise gut. Das Bundesgericht änderte das Urteil des Verwaltungsgerichts vom 16. November 2021 und die Verfügung der IV- Stelle des Kantons Graubünden vom 16. Juni 2021 insoweit ab, als dass es ab dem 1. Dezember 2018 einen Anspruch von A._____ auf eine Drei- viertelsrente feststellte. Im Übrigen wies es die Beschwerde ab (Disposi- tivziffer 1). Die Gerichtskosten des bundesgerichtlichen Verfahrens von CHF 800.-- wurden A._____ sowie der IV-Stelle des Kantons Graubünden je im Betrag von CHF 400.-- auferlegt (Dispositivziffer 2). Ausserdem hat die IV-Stelle des Kantons Graubünden A._____ für das bundesgerichtliche Verfahren reduziert mit CHF 1'400.-- zu entschädigen (Dispositivziffer 3). Schliesslich wies das Bundesgericht die Sache zur Neuverlegung der Kos- ten und der Parteientschädigung im vorangegangenen verwaltungsge- richtlichen Verfahren an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden zurück (Dispositivziffer 4). 2.Mit Schreiben vom 19. Oktober 2022 machte A._____ im Wesentlichen geltend, dass sich die im bundesgerichtlichen Verfahren vorgenommene Kostenverteilung für das verwaltungsgerichtliche Verfahren nicht rechtfer- tige. Am 20. Oktober 2022 wurde das Schreiben der IV-Stelle des Kantons Graubünden zur Kenntnisnahme zugestellt. II. Das Gericht zieht in Erwägung: 1.Heisst das Bundesgericht eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange- legenheiten ganz oder teilweise gut, kann es reformatorisch entscheiden, also in der Sache selbst Anordnungen treffen, oder aber kassatorisch, mit- hin den angefochtenen Entscheid bloss aufheben oder die Angelegenheit an die Vorinstanz oder an die erstinstanzlich verfügende Behörde zur Neu-
3 - beurteilung zurückweisen (Art. 107 Abs. 2 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110]; vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal- tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013, Rz. 1640; DORMANN, in: NIGGLI/UEBERSAX/ WI- PRÄCHTIGER/KNEUBÜHLER [Hrsg.], Basler Kommentar zum Bundesgerichts- gesetz, 3. Aufl., Basel 2018, Art. 107 Rz. 12 ff.). Dabei kann das Bundes- gericht nach Art. 67 und Art. 68 Abs. 5 BGG auch die Kosten und/oder die Entschädigungen des vorangegangenen Verfahrens anders verteilen. Es weist die Angelegenheit dabei entweder an die Vorinstanz zurück, damit diese über die (Kosten-)verteilung entscheidet oder entscheidet selbst (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1658; GEISER, in: NIGGLI/UEBER- SAX/WIPRÄCHTIGER/KNEUBÜHLER [Hrsg.], Basler Kommentar zum Bundes- gerichtsgesetz, 3. Aufl., Basel 2018, Art. 67 Rz. 5 und Art. 68 Rz. 24 f.). Bei einer Rückweisung sind die Vorgaben – insbesondere die entscheid- wesentlichen Erwägungen – des Bundesgerichts für die Vorinstanz ver- bindlich bzw. die mit der Neubeurteilung befasste (kantonale) Instanz hat die rechtliche Beurteilung, mit der die Zurückweisung begründet wird, ihrer Entscheidung zugrunde zu legen (siehe KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1643; DORMANN, in: Niggli/Uebersax/Wiprächtiger/Kneubühler, a.a.O., Art. 107 Rz. 18; vgl. auch BGE 143 IV 214 E.5.3.3 m.H.a. 135 III 334 E.2.1; Urteile des Bundesgerichts 8C_620/2021 vom 14. Januar 2022 E.4.1, 4A_197/2020 vom 10. Dezember 2020 E.3.2.1 f., 8C_824/2017 vom
letzter Satz IVG vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei einem Ob- siegen zumindest dem Grundsatz nach besteht keine spezifische Recht- sprechung des Bundesgerichts, womit sich die Verteilung dieser Gerichts- kosten mangels gegenteiliger Regelungen im Bundesrecht und in Nachachtung von Art. 61 Ingress ATSG nach dem massgebenden kanto- nalen (Verfahrens‑)Recht und somit nach Art. 72 ff. des kantonalen Ge- setzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) richtet (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_176/2020 vom 9. April 2021 E.3, 9C_254/2018 vom 6. Dezember 2018 E.2.1, 8C_304/2018 vom 6. Juli 2018 E.4.2 und 8C_568/2010 vom 3. Dezember 2010 E.4.2; siehe PVG 2020 Nr. 7 E.9 sowie Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] S 20 27 vom 23. Februar 2021 E.12 und S 16 77 vom 18. Dezember 2018 E.11.1). 4.A._____ hat aufgrund der vorstehenden Erwägung somit auch Anspruch auf Ersatz der Parteikosten zu Lasten der IV-Stelle des Kantons Graubün- den. Die Bemessung der Entschädigung erfolgt ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, wobei der zeitliche Aufwand der Rechtsvertretung regel- mässig durch die Schwierigkeit des Prozesses mitbestimmt wird. Im Übri- gen wird die Bemessung der Parteientschädigung gemäss Art. 61 Satz 1 ATSG nach dem kantonalen Recht bestimmt (siehe Urteile des Bundes- gerichts 9C_519/2020 vom 6. Mai 2021 E.2.2, 9C_714/2018 vom 18. De- zember 2018 E.9.2, nicht publ. in BGE 144 V 380, 9C_321/2018 vom 16. Oktober 2018 E.6.1 und 9C_688/2009 vom 19. November 2009 E.3.1.1 f.). Gemäss Art. 78 VRG i.V.m. Art. 2 der Verordnung über die Be- messung des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Ho- norarverordnung, HV; BR 310.250) wird die Parteientschädigung nach Er- messen des Gerichts festgesetzt, wobei es grundsätzlich von dem in der
7 - Honorarnote geltend gemachten (und als angemessen zu betrachtenden) Aufwand sowie (üblichen) Stundenansatz ausgeht. Der Rechtsvertreter von A._____ machte in seiner Honorarnote vom 4. Oktober 2021 für den Zeitraum vom 16. August 2021 bis zum 4. Oktober 2021 einen Aufwand von insgesamt CHF 3'306.30 geltend (13.1 Stunden à CHF 230.-- zuzgl. CHF 56.90 Auslagen [Porto und 78 Kopien à CHF 0.50] und 7.7 % MWST). Das Dokument "Auftrag und Vollmacht" vom 7. November 2013 enthält keine Honorarvereinbarung im Sinne von Art. 4 Abs. 1 HV. Der gel- tend gemachte Stundenansatz von CHF 230.-- überschreitet den Maxima- lansatz von CHF 270.-- gemäss Art. 3 Abs. 1 HV hingegen nicht und liegt auch unter dem bei fehlender Honorarvereinbarung praxisgemäss anzu- wendenden Ansatz von CHF 240.-- pro Stunde (siehe Urteile des Verwal- tungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] S 21 89 vom 7. September 2022 E.8.2, S 22 17 vom 31. Mai 2022 E.7.2, S 20 52 vom 24. März 2022 E.11.3 und S 18 72 vom 5. Oktober 2021 E.8.2.1). Insofern kann praxis- gemäss darauf abgestellt werden. Der zeitliche Aufwand von 13.1 Stunden erscheint angesichts des doppelten Schriftenwechsels und der sich stel- lenden Fragen als angemessen, ebenso die geltend gemachten Auslagen, welche mit einem Betrag von CHF 56.90 weniger als die praxisgemäss anzuerkennenden 3 % Spesenpauschale auf das Honorar von CHF 3'013.-- ausmachen (siehe dazu VGU S 20 52 vom 24. März 2022 E.11.3). Damit hat die IV-Stelle des Kantons Graubünden A._____ im Be- trag von CHF 3'306.30 (inkl. Spesen und MWST; 13.1 Stunden à CHF 230.-- zzgl. CHF 56.90 [Porto und Kopien] und 7.7 % MWST [CHF 236.40]) aussergerichtlich zu entschädigen.
8 - III. Demnach erkennt das Gericht: 1.Die Gerichtskosten für das Verfahren S 21 81 von CHF 700.-- gehen zu Lasten der IV-Stelle des Kantons Graubünden. 2.Die IV-Stelle des Kantons Graubünden entschädigt A._____ für das Ver- fahren S 21 81 aussergerichtlich mit CHF 3'306.30 (inkl. Spesen und MWST). 3.Für dieses Verfahren werden keine Gerichtskosten erhoben. 4.[Rechtsmittelbelehrung] 5.[Mitteilungen]