VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI S 16 91 3. Kammer als Versicherungsgericht VorsitzMoser RichterStecher, Audétat AktuarinBaumann-Maissen URTEIL vom 8. Februar 2017 in der versicherungsrechtlichen Streitsache A._____, vertreten durch AXA-ARAG Rechtsschutz AG, Beschwerdeführer gegen Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, Beschwerdegegnerin betreffend Versicherungsleistungen nach IVG
5 - achtet, sondern anlässlich seines stationären Rehabilitationsaufenthalts in den Kliniken Valens im Juli 2012 auch behandelt habe. Als ehemaliger behandelnder Arzt könnte Dr. med. C._____ befangen sein, weshalb er den Gutachtensauftrag nicht hätte annehmen dürfen. Das Bundesgericht habe mehrfach festgehalten, dass behandelnde Ärzte aus diesem Grund nicht als Gutachter eingesetzt werden dürften. Zusätzlich habe die IV- Stelle bei der Auftragsvergabe die Mitwirkungsrechte des Beschwerdefüh- rers verletzt. Die IV-Stelle hätte dem Beschwerdeführer die Namen der Gutachter unter Angabe der Facharzttitel vorgängig anzeigen müssen. Der Beschwerdeführer habe jedoch erst durch die Kliniken Valens von den Untersuchungsterminen sowie den Namen der Gutachter erfahren. Dadurch habe die IV-Stelle den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt. Der Beschwerdeführer habe diese beiden, formellen Rügen im frühestmöglichen Zeitpunkt vorgebracht, weshalb die Berufung darauf nicht gegen Treu und Glauben verstosse. Da eine Hei- lung dieser Mängel nicht möglich sei, müssten die von der IV-Stelle bei den Kliniken Valens eingeholten Gutachten aus dem Recht gewiesen werden und dürften nicht als Grundlage für die Beurteilung des streitigen Rentenanspruchs dienen. b)Dieser Argumentation hält die IV-Stelle entgegen, der Beschwerdeführer lege nicht dar, inwiefern der Ausgang des streitigen Rentenverfahrens durch den Beizug von Dr. med. C._____ nicht mehr offen gewesen sein solle. Der Beschwerdeführer habe sich vom 4. bis 24. Juli 2012 zur sta- tionären Rehabilitation in den Kliniken Valens aufgehalten. Im Rahmen dieses stationären Aufenthalts sei er durch die Abteilungsärzte, Dr. med. D._____ und Dr. med. E., behandelt worden. Dr. med. C. ha- be den Beschwerdeführer als leitenden Arzt/Chefarzt-Stellvertreter konsi- liarisch mitbetreut. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gelte er nicht als behandelnder Arzt, weshalb die IV-Stelle ihn als Gutachter habe einsetzen dürfen. Selbst wenn jedoch ein Ausstands- bzw. Ablehnungs-
6 - grund gegenüber Dr. med. C._____ vorliegen würde, hätte der Be- schwerdeführer die Pflicht gehabt, diesen unverzüglich nach der Kennt- nisnahme geltend zu machen. Davon habe er abgesehen, weshalb er sich darauf nicht mehr berufen könne. Das gerügte Vorgehen bei der Auf- tragsvergabe für das bidisziplinäre Gutachten an die Klinken Valens ent- spreche im Übrigen der Praxis der IV-Stelle und stehe im Einklang mit den gesetzlichen Vorgaben.
9 - Dr. med. C._____ im vorliegenden Fall tatsächlich als behandelnder Arzt anzusehen wäre, der aus diesem Grunde als Gutachter keine hinreichen- de Gewähr für eine ergebnisoffene Prüfung der Arbeitsfähigkeit des Be- schwerdeführers bieten würde (vgl. dazu Urteile des Bundesgerichts 8C_212/2015 vom 10. Juli 2015 E.3.3.2, 8C_978/2012 vom 20. Juni 2012 E.5.3.2, 9C_1012/2012 vom 4. Juni 2013 E.3.2). Das bidisziplinäre Gut- achten der Kliniken Valens vom 26. März 2014 ist folglich nicht wegen Verletzung der massgeblichen Ausstands- bzw. Ablehnungsgründe als unverwertbares Beweismittel aus dem Recht zu weisen. d)Soweit der Beschwerdeführer im Übrigen geltend macht, die IV-Stelle hät- te ihm die Namen der Sachverständigen bekannt geben müssen, ist ein- zuräumen, dass der Versicherungsträger den Parteien die Namen der beauftragten Sachverständigen gemäss Art. 44 ATSG bekannt zu geben hat. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung fordert Art. 44 ATSG indessen nicht, dass die Namensnennung gleichzeitig mit der Anordnung der IV-Stelle über die durchzuführende Begutachtung zu erfolgen hat. Ein Zusammenlegen der beiden Mitteilungen ist zwar zweckmässig und ratio- nell, jedoch im Rahmen der Begutachtung durch eine Gutachtensstelle – wie der vorliegend infrage stehenden – aus sachlichen Gründen oftmals nicht praktikabel. Es muss daher genügen, wenn die Namen der Gutach- ter den Parteien unter Bekanntgabe der Facharzttitel erst zu einem späte- ren Zeitpunkt eröffnet werden. Dies erfolgt zweckmässiger Weise durch die Gutachtensstelle selber, da diese die Namen der mit der Abklärung befassten Gutachter kennt und sie zusammen mit dem konkreten Aufge- bot oder jedenfalls möglichst frühzeitig bekannt geben kann. Die Parteien können ihre Einwände gegen die als Gutachter vorgesehenen Personen alsdann gegenüber der IV-Stelle geltend machen, welche darüber noch vor der eigentlichen Begutachtung zu befinden haben wird (BGE 132 V 376 E.8.4; KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf, Art. 44 N. 33). Diese Vorgaben hat die IV-Stelle im vorliegenden Fall unstreitig
10 - beachtet (vgl. vorstehende Erwägung 3c) und Art. 44 ATSG damit respek- tiert. Die gegenteilige Auffassung des Beschwerdeführers erweist sich als unzutreffend. Der prozessuale Antrag des Beschwerdeführers, das von der IV-Stelle eingeholte psychiatrische Teilgutachten vom 22. November 2013 sowie das bidisziplinäre Gutachten der Kliniken Valens vom
11 - gliederungsmassnahmen durch eine ihm zumutbare Tätigkeit bei ausge- glichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zu dem Erwerbseinkommen, das er erzielen könnte, wenn er nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Ein- kommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen auf zeitidentischer Basis zif- fernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüber gestellt werden, worauf aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad be- stimmt wird (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E.3.4.2, 128 V 29 E.1). b)Die Verwaltung und das im Streitfall angerufene Sozialversicherungsge- richt haben den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen festzu- stellen (Art. 43 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Diese Untersuchungspflicht dauert so lange an, bis über die für die Beurteilung des streitigen An- spruchs erforderlichen Tatsachen hinreichend Klarheit besteht oder alle zur Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts zur Verfügung stehen- den Beweismittel ausgeschöpft wurden. Um die medizinischen Voraus- setzungen eines geltend gemachten Leistungsanspruchs beurteilen zu können, bedarf es verlässlicher medizinischer Entscheidungsgrundlagen. Deren Beweiswert hängt rechtsprechungsgemäss davon ab, ob sie für die streitigen Belange umfassend sind, auf allseitigen Untersuchungen beru- hen, die geklagten Beschwerden berücksichtigen, in Kenntnis der Vorak- ten (Anamnese) abgegeben wurden, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchten sowie in den daraus gezogenen Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag- gebend für den Beweiswert von medizinischen Beurteilungen ist deshalb grundsätzlich weder deren Herkunft noch die Bezeichnung der einge- reichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahmen als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a, 122 V 160 E.1c). Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Be-
12 - weiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdi- gung aufzustellen. Danach kommt Gutachten versicherungsexterner Ärz- te, wie dem vorliegend in Frage stehenden, voller Beweiswert zu, wenn sie die vorgenannten Anforderungen erfüllen und nicht konkrete Indizien gegen deren Zuverlässigkeit sprechen (BGE 125 V 353 E.3b/bb). Nur wenn die Schlüssigkeit eines versicherungsexternen Gutachtens in we- sentlichen Punkten zweifelhaft erscheint, sind ergänzende Beweisvorkeh- ren in Betracht zu ziehen und nötigenfalls anzuordnen. Andernfalls ist ih- nen voller Beweiswert beizumessen, womit darauf bei der Beurteilung der strittigen Leistungsansprüche abgestellt werden kann (vgl. BGE 121 Ia 146 E.1c). Bei der Würdigung von Arztberichten behandelnder Ärzte hat das Gericht ausserdem der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau- ensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zugunsten ihrer Patienten aus- sagen dürften (BGE 125 V 351 E.3b/cc). Allein die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einer- seits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits lässt es nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgut- achten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzun- gen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige - und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende - Aspekte benen- nen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt ge- blieben sind (Urteile des Bundesgerichts 9C_24/2008 vom 27. Mai 2008 E.2.3.2, I 514/06 vom 25. Mai 2007 E.2.2.1).
14 - beidseits, Rückenschmerzen, Kniebeschwerden und eine erhebliche Symptomausweitung festgestellt worden. Trotz erheblicher Hinweise für Selbstlimitierung zeige der Versicherte in ergonomischen Tests eine Leis- tungsfähigkeit für eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit mit Hantieren von Gewichten bis maximal 10 kg. Aufgrund der klinischen Befunde und der radiologisch noch nicht wesentlich fortgeschrittenen degenerativen Veränderungen sei aber aus medizinisch-theoretischer Sicht davon aus- zugehen, dass dem Versicherten bei ausreichendem Effort eine Tätigkeit in einem leicht bis mittelschweren Leistungsniveau mit Hantieren von Las- ten bis maximal 15 kg zugemutet werden könne. Dabei dürften Arbeiten über Schulterhöhe, Stehen vorgeneigt, Kriechen, Knien, Hockeposition, wiederholte Kniebeugen und Treppensteigen nur manchmal (maximal drei Stunden pro Tag) vorkommen. Eine solche Tätigkeit sei dem Versicherten ganztags zumutbar bei einer verminderten Leistungsfähigkeit im Umfang von zwei Stunden pro Tag (IV-act. 71 S. 45 f.). Aus interdisziplinärer Sicht bestehe demzufolge eine 75%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensadap- tierten Tätigkeit (IV-act. 71 S. 46). Die angestammte Tätigkeit sei als sehr schwere körperliche Tätigkeit einzustufen, die vom Versicherten nicht mehr ausgeübt werden könne (IV-act. 71 S. 44). Die Entwicklung der Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit sei rückwirkend nur schwer nachvollziehbar. Es sei davon auszugehen, dass bei stabilem Gesundheitszustand ab Frühjahr 2012 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten bestanden habe. Auch nach der Rehabilitation im Juli 2012 könne aus rheumatologischer Sicht noch keine Arbeitsfähigkeit bestätigt werden. Mit Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit in bescheidenem Rahmen ab Dezember 2012 sei zumindest von einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen, die im Rückblick auf eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit zu veranschlagen sei. Spätestens ab dem Zeitpunkt der Erstellung des Gut- achtens (Oktober 2013) sei alsdann von einer 75%igen Leistungsfähigkeit
15 - in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit auszugehen. Auch in einem leichteren Belastungsniveau bestehe aufgrund der verminderten Arbeits- ausdauer und der schmerzhaften Reaktion im Rahmen von Belastungen eine vermehrte Kurzpausennotwendigkeit im Umfang von zwei Stunden. Diese Arbeitsfähigkeit könne im Zuge jederzeit möglicher Exazerbationen entzündlicher Aktivierungen der Gelenke im Rahmen der entzündlichen Grunderkrankung zu kurzzeitigen, vollständigen Arbeitsunfähigkeit führen, die aber nie anhaltenden Charakter haben sollte (IV-act. 71 S. 46). b)Diese Beurteilung wird vom Beschwerdeführer lediglich insofern bean- standet, als er der Meinung ist, seit dem 6. Februar 2012 bis zum 31. Ja- nuar 2015 vollständig arbeitsunfähig gewesen zu sein. Die gegenteilige Auffassung der Gutachter sei nicht begründet und könne nicht nachvoll- zogen werden. Die Untersuchungen seien vom 16. bis am 30. Oktober 2013 durchgeführt worden. Das Gutachten datiere vom 26. März 2014. Die Gutachter hätten die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers indes- sen rückwirkend per Dezember 2012 festgelegt. Nach der bundesgericht- lichen Rechtsprechung seien solch rückblickende Aussagen der Gutach- ter zur Arbeitsfähigkeit zurückhaltend zu gewichten und besonders auf die Übereinstimmung mit echtzeitlichen Akten zu überprüfen. Dr. med. C._____ habe dem Beschwerdeführer im Austrittsbericht vom 21. August 2012 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Aufgrund dieser echtzeit- lichen Beurteilung müsse als erstellt gelten, dass der Beschwerdeführer zum damaligen Zeitpunkt vollständig arbeitsunfähig gewesen sei. Der Ar- beitsversuch beim Arbeitgeber sei aus therapeutischen Gründen erfolgt. Eine verwertbare Arbeitsleistung habe der Beschwerdeführer nicht er- bracht, weshalb daraus in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwer- deführers nichts gefolgert werden könne. Zur Arbeitsfähigkeit in ange- passter Tätigkeit bestünden sodann keine echtzeitlichen Aussagen. Wor- auf die Gutachter ihre entsprechende Beurteilung stützen, sei nicht nach- vollziehbar. Damit sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in
16 - der Zeit vom 6. Februar 2012 bis zum 30. Oktober 2013 vollständig ar- beitsunfähig gewesen sei. Die Einschätzung der Gutachter vermöge im Übrigen auch insoweit nicht zu überzeugen, als sie ab dem Untersu- chungszeitpunkt (Oktober 2013) von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit in ei- ner leidensadaptierten Tätigkeit ausgingen. Der Beschwerdeführer sei entsprechend der Beurteilung der behandelnden Ärzte bis zum 31. Januar 2015 vollständig arbeitsunfähig gewesen. c)Gegen diese Argumentation wendet die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung ein, die behandelnden Ärzte der Kliniken Valens hätten dem Beschwerdeführer zwar eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert, sich dabei aber offensichtlich auf die angestammte Tätigkeit bezogen. So hielten sie im Beiblatt zum Arztbericht vom 22. August 2012 alle Tätigkei- ten, ausser Über-Kopf-Arbeiten, ohne Heben/Tragen und ohne Lei- tern/Gerüste steigen für zumutbar. Im Übrigen habe der Hausarzt des Be- schwerdeführers, Dr. med. G., dem Beschwerdeführer verschie- dentlich eine Arbeitsfähigkeit in anderen Tätigkeiten (administrative Tätig- keiten) attestiert. Die behandelnden Ärzte hätten dem Beschwerdeführer in den echtzeitlichen Arztberichten folglich keine durchgängige, vollstän- dige Arbeitsunfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit bescheinigt. Die echtzeitlichen Arztberichte liessen damit keine zuverlässige Einschät- zung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer leidensadaptier- ten Tätigkeit zu. Dr. med. C. halte denn auch fest, die Entwicklung der Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit könne im Rück- blick nur schwer nachvollzogen werden. Die von ihm diesbezüglich getrof- fenen Annahmen überzeugten indessen und würden durch die vorliegen- den Arztberichte nicht erschüttert. Darauf könne folglich abgestellt wer- den. d)Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der bi- disziplinären Beurteilung vom 26. März 2014 (IV-act. 71 S. 22-53) sowie
17 - die Ausführungen von Dr. med. F._____ im psychiatrischen Teilgutachten vom 20. November 2013 (IV-act. 71 S. 1-21) sind für die Beurteilung der streitigen Arbeitsfähigkeit umfassend. Als Fachärzte für Innere Medizin und Rheumatologie einerseits bzw. Psychiatrie und Psychotherapie ande- rerseits verfügen die Gutachter ausserdem über die erforderliche Fach- kompetenz, um die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zuverlässig festlegen zu können. Ihre Beurteilung beruht sodann auf einer persönli- chen Untersuchung des Beschwerdeführers, den relevanten medizini- schen Vorakten und erfolgte in Berücksichtigung der vom Beschwerde- führer in der EFL erzielten Resultate sowie des dort gezeigten Verhaltens (vgl. Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit vom 4. November 2013 [IV-act. 72]). In ihren Ausführungen setzen sich die Gutachter über- dies mit allen relevanten medizinischen Aspekten der streitigen Arbeits- fähigkeit auseinander und begründen objektiv, in sich schlüssig und nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer zwar in seiner ange- stammten Tätigkeit seit Februar 2012 zu 100 % arbeitsunfähig ist, seit Dezember 2012 jedoch für leichte Tätigkeiten zu 50 % und seit dem Un- tersuchungszeitpunkt (Oktober 2013) für leichte bis mittelschwere Tätig- keiten zu 75 % arbeitsfähig ist. aa)Die dieser Beurteilung zugrunde liegende Umschreibung der gesundheit- lichen Verfassung des Beschwerdeführers stimmt grundsätzlich mit jener der behandelnden Ärzte überein, wobei diese je nach Fachdisziplin mehr die Alteration des jeweiligen Gelenks bzw. die systemische Betrachtung als Grundlage für die Diagnosestellung heranziehen (vgl. bidisziplinäre Beurteilung vom 26. März 2014 [IV-act. 71 S. 43]). Hinsichtlich der daraus resultierenden Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit sind sich die behan- delnden Ärzte und die Gutachter alsdann insofern einig, als sie den Be- schwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit, die sie als körperlich schwere Tätigkeit einstufen, seit dem 6. Februar 2012 für vollständig ar- beitsunfähig erachten (vgl. etwa IV-act. 14 S. 3, IV-act. 21 S. 2). In Bezug
18 - auf die hier streitige Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer lei- densadaptierten Tätigkeit liegen dagegen divergierende Beurteilungen vor, wobei mitunter fraglich ist, wozu sich die behandelnden Ärzte äusse- ren. So attestierten die behandelnden Ärzte der Kliniken Valens, Dr. med. D._____ und Dr. med. C., dem Beschwerdeführer im Austrittsbe- richt vom 21. August 2012 (IV-act. 23 S. 3) eine vollständige Arbeitsun- fähigkeit. Im IV-Arztbericht vom 22. August 2012 wird diese Beurteilung dahingehend präzisiert, als die Ärzte der Klinik Valens dem Beschwerde- führer in der angestammten Tätigkeit seit Februar 2012 bis auf weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigen (IV-act. 21 S. 2). Befragt danach, welche Arbeiten dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung seiner gesundheitlichen Einschränkungen in einer behindertenangepass- ten Tätigkeit zumutbar seien, hielten sie dagegen fest, der Beschwerde- führer könne rein sitzende, stehende und wechselbelastende Tätigkeiten ausüben, vorwiegend im Gehen arbeiten, sich bücken, kauern, Knien, Ro- tationen im Sitzen/Stehen ausführen und Treppensteigen kann. Lediglich Arbeiten über Kopf, das Heben und Tragen von Lasten sowie das Arbei- ten auf Gerüsten schlossen sie aufgrund der gesundheitlichen Beschwer- den als unzumutbar aus. Im Übrigen bejahten sie die Fahrfähigkeit des Versicherten und dessen uneingeschränktes Konzentrations- und Anpas- sungsvermögen sowie die unbeeinträchtigte Anpassungsfähigkeit und Be- lastbarkeit (IV-act. 21. S. 4). Daraus kann nicht auf eine vollständige Ar- beitsunfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit geschlossen werden. Diese Schlussfolgerung wird bestätigt durch die Auffassung des Hausarz- tes des Beschwerdeführers, Dr. med. G., Facharzt für Allgemeine Medizin, der den Beschwerdeführer im Arztbericht vom 14. März 2012 für administrative Tätigkeiten (zumindest teilweise) als arbeitsfähig einstufte (IV-act. 14 S. 3) und im Arztbericht vom 5. September 2012 eine adminis- trative Tätigkeit ohne schulterbelastende Arbeiten allenfalls als sinnvoll bezeichnete (IV-act. 23 S. 13). Schliesslich verneinte die behandelnde Psychiaterin des Beschwerdeführers, Dr. med. H._____, Fachärztin für
19 - Psychiatrie und Psychotherapie, im IV-Arztbericht vom 3. Oktober 2013, dass die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht beeinträchtigt sei (IV- act. 63 S. 2 ff.). Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers wird ihm von den behandelnden Ärzten folglich keine durchgängige vollständi- ge Arbeitsunfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit attestiert. bb)Im Gegenteil attestierte nur Dr. med. G._____ dem Beschwerdeführer im Arztbericht vom 30. November 2012 (IV-act. 32) eine 100%ige Arbeitsun- fähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit, die angesichts seiner an- derslautenden Beurteilung im Arztbericht vom 5. September 2012 nach dem 5. September 2012 eingetreten sein muss. Im Arztbericht vom
20 - cc)Soweit Dr. med. G._____ die 100%ige Arbeitsunfähigkeit des Beschwer- deführers im Übrigen mit dessen psychischen Beschwerden begründet, ist festzuhalten, dass der begutachtende Psychiater, Dr. med. F., im psychiatrischen Teilgutachten vom 22. November 2013 (IV-act. 71) keine psychische Krankheit mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit dia- gnostizierte. Zur Begründung führte er aus, der Versicherte definiere sich seit vielen Jahren über seinen Arbeitsplatz bei der B. AG. Über sei- ne vermeintlichen und wahrscheinlich auch tatsächlich guten Arbeitsleis- tungen habe er bisher nicht nur sein Erwerbseinkommen, sondern auch sein Selbstwertempfinden generiert. Als der Versicherte damit habe rech- nen müssen, seine Arbeitstätigkeit nicht mehr ausüben zu können und seine Stelle zu verlieren, habe er eine Anpassungsstörung entwickelt (IV- act. 71 S. 17). Zwischenzeitlich sei diese Anpassungsstörung weitgehend überwunden. Es persistierten jedoch sogenannte psychologische Wir- kungsfaktoren, insbesondere in dem Sinne, dass sich der Versicherte nicht vorstellen könne, irgendwo anders zu arbeiten als bei der B._____ AG. Diese subjektive Wertung des Versicherten habe aus fachpsychiatri- scher Sicht als überwindbar zu gelten und sei deshalb bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht zu berücksichtigen (IV-act. 71 S. 18). Diese Be- urteilung stimmt mit jener der behandelnden Psychiaterin, Dr. med. H._____, überein, die den Beschwerdeführer im IV-Arztbericht vom 3. Ok- tober 2013 in einer körperlich angepassten Tätigkeit als zu 100 % arbeits- fähig einstufte (IV-act. 63) und diese Auffassung gegenüber dem begut- achtenden Psychiater auf telefonische Nachfrage hin am 6. November 2013 bestätigte (IV-act. 71 S. 14). Ergänzend hielt sie damals fest, dem Versicherten gehe es derzeit wieder viel besser. Die Medikamente hätten ihm sehr geholfen und er sei nicht mehr depressiv. Die Firma sei das Le- ben des Versicherten. Zurzeit sei er im Rahmen beruflicher Wiederein- gliederungsmassnahmen dort zu rund 50 % arbeitstätig (IV-act. 71 S. 14 f.). Diese fachärztlichen Stellungnahmen belegen, dass der Beschwerde- führer aufgrund seiner psychischen Beschwerden nicht in voraussichtlich
21 - dauerhafter Weise in seiner Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt war. Insoweit Dr. med. G._____ die 100%ige Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers im Arztbericht vom 30. November 2012 auf dessen psychische Be- schwerden zurückführt, erweist sie sich daher aus versicherungsmedizini- scher Sicht als nicht massgebend. dd)Inwiefern die körperlichen Beschwerden den Beschwerdeführer im No- vember 2012 in der Ausübung einer körperlich leichten Tätigkeit in einem Umfang von mehr als 50 % beeinträchtigt haben, begründet Dr. med. G._____ im Arztbericht vom 30. November 2012 (IV-act. 32) nicht. Des- halb ist es ausgeschlossen, die von ihm bescheinigte Arbeitsunfähigkeit unter Ausklammerung der psychischen Beschwerden festzulegen, um auf diese Weise auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer lei- densadaptierten Tätigkeit schliessen zu können. Der Arztbericht vom