VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI U 16 86 5. Kammer VorsitzMeisser RichterInAudétat, Moser Aktuarin ad hocLenz URTEIL vom 20. Februar 2017 in der Streitsache A._____, Beschwerdeführer gegen Gebäudeversicherung des Kantons Graubünden, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. et oec. Pius Fryberg, Beschwerdegegnerin betreffend Elementar-/Gebäudeschaden
2 - 1.Die Liegenschaft Nr. 1430 in X._____ ist in Stockwerkeigentum aufgeteilt. Alleineigentümer der beiden einzigen Stockwerkeinheiten S51546 und S51547 mit einer Wertquote von je 500/1000 ist A.. 2.Am 18. August 2016 informierte A. die Gebäudeversicherung des Kantons Graubünden (nachfolgend GVG), dass er auf der Terrasse ein Stück Dachziegel gefunden habe, welches vom Dach im Bereich der dort befindlichen Sonnenkollektoranlage heruntergefallen sei. Er habe dann noch weitere beschädigte Ziegel gesehen. Im Jahr 2011 habe er die Son- nenkollektoranlage zur Erzeugung von Warmwasser für total Fr. 34'460.95 bauen lassen. Im schneereichen Winter 2013/2014 seien je- weils grosse Schneemengen auf den Kollektoren lawinenartig abgegan- gen. Dabei seien offenbar Dachziegel beschädigt worden. Die Ersteller der Anlage seien zum Schluss gekommen, dass diese Schneeabrutsche die Ursache der beschädigten Dachziegel sein müssten. Sie würden nun eine Sanierungslösung ausarbeiten. 3.Am 22. August 2016 lehnte die GVG das Eintreten auf den Schadenfall ab, da der Schaden gemäss der Schadenmeldung von A._____ vor mehr als zwei Jahren eingetreten sei. Entschädigungsansprüche, die nicht in- nerhalb von zwei Jahren seit Eintritt des Ereignisses geltend gemacht werden, seien verwirkt. 4.Gegen diesen Entscheid erhob A._____ am 26. August 2016 bei der GVG Einsprache. Er stellte sich auf den Standpunkt, dass die Schäden erst im Winter 2015/2016 entstanden seien, da er sie ansonsten bei seinen jährli- chen Kontrollen entdeckt hätte. Die GVG habe die Schäden deshalb zu übernehmen. 5.Am 16. September 2016 hielt die GVG an ihrer Ablehnungsverfügung fest und wies die Einsprache von A._____ ab. Vertreter der GVG hätten am
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7 - wird. Nicht innert zwei Jahren angemeldete Ansprüche sind verwirkt (Art. 33 Abs. 1 GebVG). Soweit der Beschwerdeführer mit seiner Aussa- ge, er habe den Schaden erst in seinen Sommerferien im Juli 2016 mel- den können, geltend macht, es sei für den Beginn der Verwirkungsfrist auf den Zeitpunkt der Schadenskenntnis abzustellen, geht er fehl. Denn wie die Beschwerdegegnerin zu Recht anführt, ist nicht der Zeitpunkt der Schadenskenntnis, sondern der Zeitpunkt des Schadenseintrittes mass- gebend. Eine solche Auslegung ergibt sich insbesondere aus dem bis zum 31. Dezember 2010 geltenden Gebäudeversicherungsgesetz. Des- sen Art. 38 hält fest, dass "Entschädigungsansprüche, die nicht innerhalb von zwei Jahren seit Eintritt des Schadenereignisses geltend gemacht werden, verwirkt [sind]." (Hervorhebungen hinzugefügt). Die Botschaft zum neuen Art. 33 GebVG hält fest, dass "[...] Schäden verwirkt sein [sol- len], welche nicht innert zwei Jahren gemeldet werden, was Art. 38 des geltenden Gesetzes entspricht" (vgl. Botschaft der Regierung an den Grossen Rat, Heft Nr. 11/2009-2010, 471 ff., S. 498). Aus diesem Verweis auf aArt. 38 GebVG folgt, dass es für die Frage, ob ein allfälliger An- spruch des Beschwerdeführers verwirkt ist, nicht auf den Zeitpunkt der Kenntnisnahme des Schadens ankommt, sondern auf dessen Eintritt. b)Auch wenn der Beschwerdeführer richtigerweise festhält, dass heute niemand mehr sagen kann, wann der Schaden effektiv eingetreten ist, sprechen gute Gründe dafür, den Schadenseintritt im Winter 2013/2014 anzunehmen. Der Beschwerdeführer stellte sich zunächst in seiner Scha- densmeldung vom 18. August 2016 auf den Standpunkt, dass der Scha- den im Winter 2013/14 eingetreten ist, bevor er dann in der Einsprache behauptet, der Schaden sei erst im Winter 2015/2016 eingetreten. Damit ging auch der Beschwerdeführer zunächst vom Schadenseintritt im Win- ter 2013/2014 aus, wobei die Äusserung der ersten Stunde auch die wahrscheinlichere ist. Zudem gibt der Beschwerdeführer selbst an, dass der Winter 2013/2014 ausserordentlich schneereich war (vgl. Beschwerde
8 - vom 6. Oktober 2016 S. 2; vgl. auch den Bericht des SLF "Wetter, Schneedecke und Lawinengefahr in den Schweizer Alpen" für das hydro- logische Jahr 2013/14 in beschwerdegegnerischer Beilage [Bg-act.] 7 S. 8). In den folgenden beiden Wintern fiel denn auch merklich weniger Schnee (vgl. die Berichte des SLF "Wetter, Schneedecke und Lawinenge- fahr in den Schweizer Alpen" für das hydrologische Jahr 2014/15 sowie für das hydrologische Jahr 2015/16 [Bg-act. 8]). Zudem sah sich der Be- schwerdeführer offenbar nur in diesem Winter genötigt, die Dachtraufe von Schnee und Eis zu befreien (vgl. Rechnung für die Dachschneeräu- mung vom 4. Februar 2014 in Bf-act. 7). Demnach ist davon auszugehen, dass der Schaden im Winter 2013/2014 eingetreten und ein allfälliger An- spruch des Beschwerdeführers nach Art. 33 Abs. 1 GebVG zum Zeitpunkt der Schadensmeldung am 18. August 2016 verwirkt ist. c)Selbst wenn es sich anders verhielte, ist festzuhalten, dass die Beweislast dafür, dass der Anspruch noch nicht verwirkt ist, beim Beschwerdeführer liegt: Im öffentlichen Recht gilt der allgemeine Rechtsgrundsatz, wonach jede Partei das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen hat, die aus ihr Rechte ableitet. Bleibt ein Sachverhalt unbewiesen, fällt der Entscheid somit zu Ungunsten jener Partei aus, die daraus Rechte ableiten wollte (vgl. ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, All- gemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl., Zürich 2016, N 988; vgl. auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-1072/2014 vom 8. März 2016 E.1.3). Die Einhaltung einer Verwirkungsfrist hat zu beweisen, wer geltend macht, rechtzeitig gehandelt zu haben. Der Beschwerdeführer hat damit insbesondere den Beginn der Verwirkungsfrist – d.h. den Eintritt des Schadensereignisses – zu beweisen. Diesen Nachweis vermochte er in- dessen offensichtlich nicht zu erbringen, weshalb auch aus diesem Grund zu seinen Ungunsten die Verwirkung nach Art. 33 Abs. 1 GebVG anzu- nehmen ist.
9 - 5.Selbst wenn – wie der Beschwerdeführer behauptet – die Verwirkung nach Art. 33 Abs. 1 GebVG nicht eingetreten wäre, wäre seine Be- schwerde abzuweisen, wie nachfolgend dargelegt wird. a)Art. 2 VOzGebVG zählt einige der nicht versicherten Gefahren in der Elementarschadenversicherung auf. Keine Elementarschäden sind nach Art. 2 Abs. 1 lit. c VOzGebVG insbesondere Schäden, die auf Abrutschen von Schnee und Eis von Dächern ohne geeignete Rückhaltevorrichtungen zurückzuführen sind. Der Beschwerdeführer macht nun geltend, dass Art. 2 Abs. 1 lit. c VOzGebVG bei Sonnenkollektoren nicht angewendet werden dürfe. Die drei Elemente der Anlage seien absichtlich so weit un- ten angeordnet worden, dass eine Schneerückhaltung gar nicht möglich sei. Der Schnee müsse ja jeweils so rasch als möglich abrutschen kön- nen, ansonsten kein Strom erzeugt werde. Der abrutschende Schnee falle 2 m tiefer auf die Terrasse und gefährde niemanden. Ausserdem sei das Projekt von der Gemeinde X._____ und dem Kanton Graubünden bewil- ligt worden. Dies bedeute, dass die Sonnenkollektoren auch ohne Schneerückhaltevorrichtungen den kantonalen Vorschriften entsprechen würden. b)Der vorliegend eingetretene Schaden stellt gemäss Art. 2 Abs. 1 lit. c VO- zGebVG keinen entschädigungsberechtigten Elementarschaden dar, weil unbestritten keine Rückhaltevorrichtungen für Eis und Schnee existieren. Das Argument des Beschwerdeführers, mit einer Rückhaltevorrichtung würde der Schnee auf den Kollektoren liegen bleiben, ist nicht stichhaltig, könnten doch die Kollektoren und die Rückhaltevorrichtung übereinander so angeordnet werden, dass der Schnee unterhalb der Kollektoren aufge- halten wird. Bei der Montage der Sonnenkollektoren im Jahr 2011 hat man die Kollektoren möglichst nahe der Dachtraufe platziert, statt sie möglichst weit zum Giebel hinauf zu nehmen und eine Rückhaltevorrich- tung zu montieren. Dass – wie der Beschwerdeführer behauptet – die An-
10 - lage von der Gemeinde X._____ und dem Kanton Graubünden bewilligt worden ist, ändert nichts daran, dass es sich mangels Rückhaltevorrich- tung um keinen Elementarschaden handelt. Im Übrigen vermag der Be- schwerdeführer nicht glaubhaft darzulegen, dass die Anlage kein Sicher- heitsproblem birgt. Es könnten sich nämlich Personen auf der Terrasse aufhalten und von einem plötzlichen Schnee- und Eisrutsch überrascht und getroffen werden. Da es sich nach dem Gesagten beim vorliegenden Schaden um eine nicht versicherte Gefahr in der Elementarschadenversi- cherung handelt (Art. 2 Abs. 1 lit. c VOzGebVG), ist die Beschwerde auch aus diesem Grund abzuweisen.