Hearing complaint rejected for lack of decisive violation

BVerwG 4 BN 19/13, 4 BN 19/13 (4 BN 39/12)Bverwg / 4. Abteilung04.04.2013Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Bundesverwaltungsgericht dismissed the applicants' hearing complaint under § 152a VwGO. It held that no decisive violation of the right to be heard was shown. The Senate had dealt with the relevant objections concerning nearby retail stores, the alleged lack of findings on an improvement in emissions, and the claimed divergence from prior case law. The remaining submissions were either irrelevant or insufficiently substantiated. The complaint therefore did not justify reopening the proceedings.

Omnilex-Regeste

§ 152a VwGO; hearing complaint only succeeds if the complainant substantiates a decisive violation of the right to be heard. The court need not expressly address every submission if it has in fact taken it into account or if the argument is beside the point. A mere disagreement with the court’s evaluation of the evidence or with its treatment of prior case law does not establish a Gehörsverstoß. A precedent’s concrete subsumption result may not be recast into a general legal rule unless the cited decision actually formulates such a rule.

Gesamter Gesetzestext

BVerwG — 4 BN 19/13, 4 BN 19/13 (4 BN 39/12), Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-04-04

Aktenzeichen: 4 BN 19/13, 4 BN 19/13 (4 BN 39/12)

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 152a VwGO, § 47 VwGO

Spruchkörper: 4. Senat

Titelzeile

Zur Vorbelastungsverursachung eines Ausschlusses von grundlegenden Alternativplanungen

Orientierungssatz

Die gegen diese Entscheidung erhobene Verfassungsbeschwerde hat das Bundesverfassungsgericht mit Beschluss vom 20.06.2014 - 1 BvR 1592/13 - nicht zur Entscheidung angenommen.

Gründe

1 Die Anhörungsrüge bleibt ohne Erfolg. Die Antragsteller legen nicht dar, dass der Senat ihren Anspruch auf rechtliches Gehör in entscheidungserheblicher Weise verletzt hat. Sie haben daher keinen Anspruch nach § 152a Abs. 1 VwGO auf Fortsetzung des Verfahrens.

2 Die Antragsteller werfen dem Senat vor, eine Gehörsrüge übergangen zu haben. Sie hatten moniert, dass der Verwaltungsgerichtshof die Versorgungslage durch drei Märkte mit jeweils 800 qm Verkaufsfläche unberücksichtigt gelassen habe, und daraus einen "Verstoß gegen die Aufklärungspflicht - gegebenenfalls auch unter dem Gesichtspunkt des Verstoßes gegen den Anspruch auf rechtliches Gehör -" abgeleitet (Beschwerdebegründung S. 18). Der Senat hat zu der Aufklärungsrüge Stellung genommen (Beschlussabdruck Rn. 21). Die Gehörsrüge hat er zur Kenntnis genommen, aber nicht gesondert beschieden, weil sie ersichtlich neben der Sache liegt. Der Verwaltungsgerichtshof hat die drei Einzelhandelsbetriebe in der Nähe des Plangebiets nicht "unberücksichtigt" gelassen, sondern hat sich ihnen im Rahmen der Thematik gewidmet, ob trotz ihrer Existenz die Erweiterung des Lebensmittelmarktes im Planbereich noch zur Sicherung der verbrauchernahen Grundversorgung geboten ist (UA S. 45).

3 Der Senat hat dem angefochtenen Urteil nicht die Feststellung entnehmen können, dass die Antragsteller in absehbarer Zeit auf eine Verbesserung der derzeitigen Immissionssituation hoffen könnten, wenn die umstrittene Planung unterbliebe (BA Rn. 9). Dem halten die Antragsteller zu Unrecht entgegen, die vermisste Feststellung habe der Verwaltungsgerichtshof auf den Seiten 7, 9 und 16 des Normenkontrollurteils getroffen. Auf Seite 7 hat der Verwaltungsgerichtshof den Inhalt eines Schreibens der Antragsgegnerin an die Antragsteller, auf den Seiten 9 und 16 Prozessvortrag der Antragsteller wiedergegeben.

4 Die Antragsteller rügen, dass der Senat entscheidungserhebliches Beschwerdevorbringen zur Divergenzrüge nicht berücksichtigt habe. Die Kritik ist unberechtigt. Der Senat hält daran fest, dass sein Urteil vom 5. Juli 1974 - BVerwG 4 C 50.72 - (BVerwGE 45, 309) keinen Rechtssatz des Inhalts enthält, ein Ausschluss von grundlegenden Alternativplanungen wie im Fall der vorab festgelegten Standortwahl müsse eine Vorbelastung verursachen, welche ein sachgerechtes Abwägen auch unter Berücksichtigung entgegenstehender Interessen generell ausschließt (BA Rn. 15). Die Antragsteller weisen auch in der Anhörungsrüge den behaupteten Rechtssatz nicht nach, sondern deuten das (insoweit in BVerwGE 45, 309 nicht abgedruckte) Ergebnis der Subsumtion des Sachverhalts unter zuvor formulierte Rechtssätze eigenständig in einen Rechtssatz um.

5 Auf den weiteren Vortrag der Antragsteller geht der Senat nicht ein, weil er entweder unsubstantiiert ist oder nicht den Anforderungen an seine Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit genügt.

Schlagwörter

hearing complaintright to be heardplanning lawalternative planningsubstantiationprecedent

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the hearing complaint under § 152a VwGO showed a decisive violation of the right to be heard

Extrahierter Entscheid

No decisive violation was shown; the complaint did not justify reopening the proceedings.

Extrahierte Begründung

The Senate had addressed the relevant objections, considered the hearing-related point, and the remaining submissions were either beside the point or insufficiently substantiated.

Kernrechtsfrage

Whether the Senate had overlooked the complaint that three nearby retail businesses were ignored

Extrahierter Entscheid

No. The lower court had not ignored those businesses; it dealt with them in assessing whether the planned market expansion was still necessary for local supply.

Extrahierte Begründung

The hearing complaint merely repeated an argument already taken into account in the reasoning on the duty to investigate and did not reveal an omission relevant under Art. 103(1) GG and § 152a VwGO.

Kernrechtsfrage

Whether the Senate overlooked decisive factual findings about an expected improvement in the emissions situation

Extrahierter Entscheid

No. The cited pages of the lower-court judgment only reproduced correspondence and party submissions, not a finding supporting the applicants' position.

Extrahierte Begründung

The alleged factual finding could not be derived from the passages relied upon by the applicants.

Kernrechtsfrage

Whether the cited precedent created a general rule that exclusion of alternative planning necessarily causes a pre-burden making proper balancing impossible

Extrahierter Entscheid

No such general rule exists in the cited decision.

Extrahierte Begründung

The applicants transformed the result of a prior subsumption into an abstract legal rule; the precedent does not support the asserted proposition.

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