Non-admission complaint against land consolidation judgment dismissed

BVerwG 9 B 29/10Bverwg / Division 917.03.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Bundesverwaltungsgericht dismissed the complainants’ non-admission complaint against an OVG judgment in a land consolidation dispute. It held that the alleged procedural defects were insufficiently substantiated and, in any event, unfounded because the lower court had dealt with the criticized issues and no further ex officio clarification was required. The Court also rejected the constitutional objection that no factual second instance exists, and it found no divergence ground based on an alleged inconsistency with another decision of the same court.

Omnilex-Regeste

§ 132 Abs. 2 Nr. 3, § 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO; Art. 19 Abs. 4 GG, Art. 103 Abs. 1 GG, § 86 Abs. 1, § 108 Abs. 1 Satz 2 VwGO: A non-admission complaint alleging procedural defects must identify the specific defect in a substantively and formally sufficient manner; a mere criticism of the lower court’s assessment of evidence or legal application does not establish a revisable procedural error. The duty to clarify the facts ex officio is breached only if further evidence-taking would have had to present itself to the court. Art. 19 Abs. 4 GG does not guarantee a second factual instance. A divergence ground exists only for deviation from the courts enumerated in § 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO; inconsistency with another decision of the same court is irrelevant.

Gesamter Gesetzestext

BVerwG — 9 B 29/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-03-17

Aktenzeichen: 9 B 29/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: Art 19 Abs 4 GG, § 139 FlurbG, § 132 Abs 2 Nr 3 VwGO

Vorinstanz: vorgehend Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz, 11. November 2009, Az: 9 A 10584/09, Urteil

Spruchkörper: 9. Senat

Titelzeile

Rechtsmittel gegen Entscheidung des Flurbereinigungsgerichts

Gründe

1 Die Beschwerde kann keinen Erfolg haben.

2 1. Die behaupteten Verfahrensmängel (§ 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO) sind nicht in der von § 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO geforderten Weise geltend gemacht bzw. liegen nicht vor.

3 Soweit die Beschwerde beanstandet, das Flurbereinigungsgericht habe sich nicht in der gebotenen Weise mit bestimmten Punkten des Klägervortrags auseinandergesetzt, geht dies an der Begründung des angefochtenen Urteils vorbei. Vielmehr hat sich das Flurbereinigungsgericht mit sämtlichen (auch) in dem von den Klägern vorgelegten Gutachten des Sachverständigen Dipl. Ing. agr. K. angeführten Kritikpunkten, nämlich mit der (angeblichen) Ungleichwertigkeit der Abfindung wegen der Hängigkeit der Abfindungsgrundstücke (Gutachten S. 5 f.; UA S. 10 Mitte), mit dem Gebot der Ausweisung möglichst großer Grundstücksflächen und einem vermeintlich unzureichenden Zusammenlegungsverhältnis (Gutachten S. 7, UA S. 10 f.) sowie mit der Erschließung der Abfindungsgrundstücke (Gutachten S. 8, UA S. 11 ff.) ausführlich befasst. Ein Verstoß gegen den Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG, § 108 Abs. 2 VwGO) bzw. das gerichtliche Begründungsgebot (§ 108 Abs. 1 Satz 2 VwGO) ist daher auch nicht ansatzweise aufgezeigt. Soweit die Beschwerde kritisiert, das Flurbereinigungsgericht sei Beweisangeboten der Kläger nicht nachgegangen, und damit der Sache nach einen Verstoß gegen die gerichtliche Aufklärungspflicht rügt (§ 86 Abs. 1 VwGO), wird nicht - wie erforderlich - dargetan, um welche konkreten Beweisangebote es sich handelt, dass bereits im Verfahren vor dem Flurbereinigungsgericht ein förmlicher Beweisantrag gestellt worden sei (ausweislich des Protokolls über die mündliche Verhandlung ist dies nicht geschehen) bzw. warum sich dem Flurbereinigungsgericht von Amts wegen eine weitere Sachaufklärung hätte aufdrängen müssen und welche Erkenntnisse die von der Beschwerde vermisste Beweiserhebung, namentlich eine Ortsbesichtigung, erbracht hätte (vgl. dazu Beschluss vom 19. August 1997 - BVerwG 7 B 261.97 - Buchholz 310 § 133 <n.F.> VwGO Nr. 26 S. 14 f. = NJW 1997, 3328). Gerade mit Blick auf die Hängigkeit der Abfindungsflächen ist dem angefochtenen Urteil vielmehr zu entnehmen (UA S. 10 Mitte), dass sich das Flurbereinigungsgericht aufgrund seiner fachkundigen Besetzung (vgl. § 139 FlurbG) aufgrund der aus den vorgelegten Karten ersichtlichen Höhenlinien und der Erörterung in der mündlichen Verhandlung in der Lage gesehen hat, die Frage einer etwaigen Ungleichwertigkeit der Landabfindung auch ohne eine Ortsbesichtigung zu beurteilen.

4 2. Soweit die Beschwerde - ohne dies einem Revisionszulassungsgrund zuzuordnen - kritisiert, dass Entscheidungen des Flurbereinigungsgerichts nur mit der Revision bzw. einer Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision angefochten werden können, mithin keine Überprüfung des Urteils des Flurbereinigungsgerichts in tatsächlicher Hinsicht erfolgt, begegnet dies keinen verfassungsrechtlichen Bedenken. Die Rechtsschutzgarantie des Art. 19 Abs. 4 GG erfordert keinen Instanzenzug (vgl. Beschluss vom 4. Februar 1971 - BVerwG 4 B 53.70 - Buchholz 424.01 § 139 FlurbG Nr. 5 S. 9 m.w.N.). Soweit die Beschwerde weiter beanstandet, das angefochtene Urteil verstoße gegen das Gebot, möglichst große Grundstücke auszuweisen (§ 44 Abs. 3 Satz 1 FlurbG), erschöpft sie sich in einer Kritik an der Rechtsanwendung des Flurbereinigungsgerichts im konkreten Fall, ohne dies einem der Revisionszulassungsgründe des § 132 Abs. 2 VwGO zuzuordnen.

5 3. Ohne revisionsrechtliche Relevanz ist schließlich, dass die Beschwerde beanstandet, das Urteil des Flurbereinigungsgerichts stehe, soweit es um den einzuhaltenden Grenzabstand gehe, in Widerspruch zu einer anderen Entscheidung desselben Gerichts. Eine Divergenzrevision kommt nur bei einer Abweichung von Entscheidungen der in § 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO aufgeführten Gerichte in Betracht.

Schlagwörter

land consolidationprocedural defectduty to clarifyright to be heardnon-admission complaintdivergenceconstitutional protection of legal remedy

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the alleged procedural defects justify admitting the complaint under § 132(2) No. 3 VwGO

Extrahierter Entscheid

The alleged defects were neither properly substantiated nor present.

Extrahierte Begründung

The complaint did not identify concrete evidentiary motions or explain why further ex officio fact-finding or a site inspection was necessary; the lower court had addressed the criticized points in detail.

Kernrechtsfrage

Whether the absence of a factual second instance violates Art. 19(4) GG or § 44(3) sentence 1 FlurbG

Extrahierter Entscheid

No constitutional objection arises from the limited review structure.

Extrahierte Begründung

Art. 19(4) GG does not guarantee an appellate instance, and the criticism of the land allocation assessment concerned only application of law in the individual case.

Kernrechtsfrage

Whether an alleged conflict with another decision of the same court establishes a divergence ground

Extrahierter Entscheid

No divergence ground was shown.

Extrahierte Begründung

A divergence complaint requires deviation from one of the courts listed in § 132(2) No. 2 VwGO; differing decisions of the same court are irrelevant.

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