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BVerwG 1 B 27/17, 1 B 27/17 (1 C 13/17) ΓÇó Leave to appeal granted due to subsequent divergence
BVerwG 1 B 27/17, 1 B 27/17 (1 C 13/17)Bverwg / 1. Abteilung08.06.2017Granted
The Federal Administrative Court admitted the defendant’s revision in an asylum case. It held that a later judgment of the same court established a subsequent divergence from the Saarland Higher Administrative Court’s legal view. The divergence concerned the scope of the determination under § 31(3) sentence 1 AsylVfG in inadmissible asylum cases and whether the absence of findings on national deportation bans automatically rendered a deportation order or warning unlawful. Since revision was already admissible on that ground, the court did not address the remaining objections.
§ 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO; subsequent divergence as ground for admission of revision; in cases of inadmissible asylum applications under § 29 Abs. 1 Nos. 1–4 AsylG, the determination under § 31(3) sentence 1 AsylG / former AsylVfG concerning § 60(5) and (7) AufenthG relates to the destination state of the removal, not the state of origin. A deportation order under § 34a AsylG or deportation warning under § 35 AsylG is not unlawful merely because the administrative decision omits an express finding on national deportation bans. For admission under the divergence ground, it suffices that the challenged judgment can be understood as applying a contrary abstract legal proposition; once this ground exists, further complained-of errors need not be examined.
Entscheidungsdatum: 2017-06-08
Aktenzeichen: 1 B 27/17, 1 B 27/17 (1 C 13/17)
ECLI: ECLI:DE:BVerwG:2017:080617B1B27.17.0
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 31 Abs 3 S 1 AsylVfG 1992, § 34a AsylVfG 1992, § 35 AsylVfG 1992, § 60 Abs 7 AufenthG, § 60 Abs 5 AufenthG, § 132 Abs 2 Nr 2 VwGO, § 133 Abs 3 S 3 VwGO
Vorinstanz: vorgehend Oberverwaltungsgericht des Saarlandes, 10. Januar 2017, Az: 2 A 317/16, Urteilvorgehend Verwaltungsgericht des Saarlandes, 1. September 2016, Az: 3 K 1206/16, Urteil
Spruchkörper: 1. Senat
Revisionszulassung; nachträgliche Divergenz; Rechtswidrigkeit einer Abschiebungsanordnung bzw. -androhung
1 Die Beschwerde der Beklagten ist zulässig und begründet. Die Revision ist nach § 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO wegen nachträglicher Divergenz zuzulassen.
2 Mit Beschluss vom 3. April 2017 - 1 C 9.16 - hat der Senat entschieden, dass die nach § 31 Abs. 3 Satz 1 AsylG zu treffende Feststellung, ob die Voraussetzungen des § 60 Abs. 5 oder 7 AufenthG vorliegen, sich in Fällen unzulässiger Asylanträge nach § 29 Abs. 1 Nr. 1 bis 4 AsylG nicht auf den Herkunftsstaat des Asylbewerbers, sondern auf den Zielstaat der Überstellung bzw. Abschiebung bezieht und eine Abschiebungsanordnung nach § 34a AsylG bzw. eine Abschiebungsandrohung nach § 35 AsylG nicht allein deswegen rechtswidrig ist, weil in dem Bescheid die gemäß § 31 Abs. 3 Satz 1 AsylG vorgesehene Feststellung zu nationalen Abschiebungsverboten nach § 60 Abs. 5 und 7 AufenthG fehlt. Von diesem Rechtssatz weicht das Urteil des Oberverwaltungsgerichts ab. Ihm lässt sich ein Rechtssatz des Inhalts entnehmen, dass die in einem Bescheid, der einen Asylantrag als unzulässig ablehnt, enthaltene Abschiebungsandrohung schon dann rechtswidrig ist, wenn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge der Beklagten keine Feststellung über das Vorliegen bzw. Nichtvorliegen der nationalen Abschiebungsverbote nach § 60 Abs. 5 oder 7 AufenthG getroffen hat. In Bezug auf diese Frage hatte die Beschwerde der Beklagten die erhobene Grundsatzrüge auch in einer den Anforderungen des § 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO entsprechenden Weise begründet; die Voraussetzungen einer Revisionszulassung unter dem Gesichtspunkt nachträglicher Divergenz (s. BVerwG, Beschluss vom 6. April 2009 - 10 B 62.08) liegen mithin vor.
3 Ist die Revision in dem Umfange, in dem die Berufung der Beklagten zurückgewiesen worden ist, bereits aus diesem Grunde zuzulassen, bedürfen die weiterhin von der Beklagten erhobenen Rügen keiner Bescheidung.