Revision admissible due to fundamental question on belated reasoning

BVerwG 2 B 45/16, 2 B 45/16 (2 C 51/16)Bverwg / 2. Abteilung27.10.2016Granted

Zusammenfassung

The Federal Administrative Court granted the defendant’s complaint and allowed revision. It held that the question whether the lack of reasoning for the overall rating in a checkbox-based service appraisal may be cured during court proceedings is of fundamental importance under § 132(2) No. 1 VwGO. The court emphasized that its prior case law requires a textual overall reasoning, but had not yet expressly resolved whether such reasoning can be added after the administrative process has ended. Divergent appellate case law made clarification in revision necessary.

Regest

§ 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO; fundamental importance of the question whether the missing reasoning for the overall assessment of a checkbox-based service appraisal may be supplied in judicial proceedings. A legal question is of fundamental importance if it is open in the court’s own case law, is capable of general clarification, and its resolution is relevant to the outcome of the dispute. Where earlier case law requires a textual justification of the overall grade but does not expressly decide whether a post hoc cure is permissible, and where divergent higher-court decisions exist, revision must be admitted for clarification; cf. consid. 1-3.

Gesamter Gesetzestext

BVerwG — 2 B 45/16, 2 B 45/16 (2 C 51/16), Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-10-27

Aktenzeichen: 2 B 45/16, 2 B 45/16 (2 C 51/16)

ECLI: ECLI:DE:BVerwG:2016:271016B2B45.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 132 Abs 2 Nr 1 VwGO

Vorinstanz: vorgehend Bayerischer Verwaltungsgerichtshof, 10. Mai 2016, Az: 6 BV 14.1885, Urteilvorgehend VG München, 29. Juli 2014, Az: M 21 K 12.2457

Spruchkörper: 2. Senat

Titelzeile

Nachholen der Begründung des Gesamturteils im verwaltungsgerichtlichen Verfahren; Revisionszulassung

Gründe

1 Die Revision der Beklagten ist zuzulassen, weil die mit der Nichtzulassungsbeschwerde aufgeworfene Frage, ob die fehlende Begründung des Gesamturteils einer im Ankreuzverfahren erstellten dienstlichen Beurteilung im verwaltungsgerichtlichen Verfahren nachgeholt werden kann, grundsätzliche Bedeutung im Sinne von § 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO hat.

2 Im Urteil vom 17. September 2015 - 2 C 27.14 - (BVerwGE 153, 48 Rn. 30 und 32) hat der erkennende Senat zwar bereits geklärt, dass das Gesamturteil einer im Ankreuzverfahren erstellten dienstlichen Beurteilung in der Regel einer textlichen Begründung bedarf. Nur so werde erkennbar, wie das Gesamturteil aus den Einzelbewertungen hergeleitet und welches Gewicht den einzelnen bestenauswahlbezogenen Gesichtspunkten gegeben worden ist. In der Entscheidung ist auch festgestellt worden, dass nur durch eine Begründung die Einhaltung gleicher Maßstäbe gewährleistet und das Gesamturteil einer gerichtlichen Überprüfung zugeführt werden könne. Angesichts dieser Bezugnahme auf die nachfolgende Gerichtskontrolle und den Hinweis, dass der Beamte in die Lage versetzt werden solle, die Erfolgsaussichten gerichtlicher Rechtsschutzmöglichkeiten beurteilen zu können, liegt der Ausschluss einer Nachholung nach Abschluss des Verwaltungsverfahrens zwar nahe.

3 Ausdrücklich in dem aufgezeigten Sinne entschieden worden ist die Frage in der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts indes noch nicht. Im Hinblick auf die jüngere obergerichtliche Rechtsprechung, die teils eine Nachholung im verwaltungsgerichtlichen Verfahren für zulässig gehalten hat (vgl. OVG Lüneburg, Beschluss vom 12. April 2016 - 5 ME 14/16 - juris Rn. 39 oder OVG Bautzen, Urteil vom 26. April 2016 - 2 A 36/15 - juris Rn. 34, a.A. aber das angefochtene Berufungsurteil des VGH München vom 10. Mai 2016 - 6 BV 14.1885 - juris Rn. 22), bedarf es deshalb einer Klärung in einem Revisionsverfahren (vgl. § 127 Nr. 1 BRRG).

4 Die Streitwertfestsetzung für das Beschwerdeverfahren folgt aus § 47 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 3, § 52 Abs. 2 GKG; die vorläufige Festsetzung des Streitwerts für das Revisionsverfahren beruht auf § 63 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 47 Abs. 1 Satz 1, § 52 Abs. 2 GKG.

Schlagwörter

service appraisaloverall assessmentreasoningrevision admissibilityfundamental importancecheckbox procedurejudicial review