Revision allowed on zoning plan emission limits and timing

BVerwG 4 BN 38/15, 4 BN 38/15 (4 CN 6/16)Bverwg / 4. Abteilung14.07.2016Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Administrative Court allowed the complaint and granted leave to appeal on the basis of fundamental importance. It held that the questions whether a zoning plan may limit the use of fossil fuels by a specific CO2 threshold under § 9(1) No. 23(a) BauGB, and whether § 5(2) BImSchG bars such planning rules, are worthy of clarification. The court further held that the questions remained decisive despite an earlier publication defect in the plan, because the municipality had cured the defect by republishing the unchanged plan, which must be taken into account in the revision stage.

Omnilex-Regeste

§ 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO; revision admissibility after renewed promulgation of an unchanged zoning plan; questions concerning emission-related planning restrictions and § 5 Abs. 2 BImSchG. A complaint is well founded where the case raises clarifiable questions of fundamental importance. Decisiveness is not negated because the lower court also relied on a publication defect that has meanwhile been cured by renewed promulgation of the same plan; a legal change resulting from the republished plan must be considered by the court of revision in the same way as by the lower court if it were deciding anew (consid. 2). The healing of the publication defect is likewise relevant in the non-admission complaint procedure. Provisional value determination follows the GKG provisions cited (consid. 3).

Gesamter Gesetzestext

BVerwG — 4 BN 38/15, 4 BN 38/15 (4 CN 6/16), Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-07-14

Aktenzeichen: 4 BN 38/15, 4 BN 38/15 (4 CN 6/16)

ECLI: ECLI:DE:BVerwG:2016:140716B4BN38.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 132 Abs 2 Nr 1 VwGO, § 9 Abs 1 Nr 23 Buchst a BauGB, § 5 Abs 2 BImSchG

Vorinstanz: vorgehend Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, 29. Juli 2015, Az: 3 S 2492/13, Urteil

Spruchkörper: 4. Senat

Titelzeile

Revisionszulassung; Immissionsschutz im Bebauungsplan; maßgeblicher Zeitpunkt für Revisionsentscheidung

Gründe

1 Die gemäß § 132 Abs. 1, § 133 Abs. 1 bis 3 VwGO zulässige Beschwerde ist begründet. Die Revision ist wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtssache nach § 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO zuzulassen. Das Revisionsverfahren kann zur weiteren Klärung der Fragen beitragen, ob Festsetzungen eines Bebauungsplans, die bestimmen, dass die Verwendung fossiler Energieträger nur zulässig ist, wenn deren spezifische CO2-Emissionen einen bestimmten Wert nicht überschreiten, von der Rechtsgrundlage des § 9 Abs. 1 Nr. 23 Buchst. a BauGB gedeckt sind, und inwieweit solchen Festsetzungen gegebenenfalls auch die Sperrwirkung des § 5 Abs. 2 BImSchG entgegenstehen kann.

2 Entgegen der Auffassung der Antragstellerinnen sind die aufgeworfenen Fragen entscheidungserheblich. Die Entscheidungserheblichkeit ist insbesondere nicht unter Hinweis darauf zu verneinen, dass der Verwaltungsgerichtshof die Feststellung der Gesamtunwirksamkeit des streitgegenständlichen Bebauungsplans auch darauf gestützt hat, dass die Festsetzung von Emissionskontingenten in Nr. 1.1.3 der textlichen Festsetzungen an einem Verkündungsmangel leide, weil der Plangeber nicht sichergestellt habe, dass sich die Planunterworfenen vom Inhalt der in der Festsetzung in Bezug genommenen DIN-Vorschrift verlässlich und in zumutbarer Weise Kenntnis verschaffen können. Denn die Antragsgegnerin hat den Verkündungsmangel inzwischen behoben. Sie hat die Planurkunde nach Verkündung des angegriffenen Normenkontrollurteils um einen Hinweis Nr. 8 ergänzt, wonach "die für die Prüfung der planungsrechtlichen Zulässigkeit maßgebliche DIN 45691 (vgl. Textteil II.1.1.3) ... an der Stelle bei der Stadt eingesehen werden (kann), an der der Bebauungsplan zu jedermanns Einsicht bereitgehalten wird." Der ergänzte und ansonsten inhaltsgleiche Bebauungsplan wurde am 1. September 2015 neu ausgefertigt, am 10. September 2015 im Amtsblatt der Antragsgegnerin erneut bekannt gemacht und rückwirkend zum 13. Dezember 2012 in Kraft gesetzt. Davon hat sich der Senat anhand der seitens der Antragsgegnerin vorgelegten Unterlagen (neu ausgefertigte Planurkunde; Nachweis der Neubekanntmachung) überzeugt. Mit der Neubekanntmachung des Bebauungsplans ist eine Rechtsänderung eingetreten, die vom Revisionsgericht in gleicher Weise zu berücksichtigen ist, wie sie die Vorinstanz berücksichtigen müsste, wenn sie jetzt entschiede (stRspr, siehe z.B. BVerwG, Urteil vom 29. Januar 2009 - 4 C 16.07 - BVerwGE 133, 98 Rn. 11 m.w.N.). Das gilt im Fall eines zur Fehlerbehebung erneut in Kraft gesetzten, inhaltlich aber unveränderten Plans auch dann, wenn die Rechtsänderung - wie hier - den Prüfungsgegenstand des Normenkontrollverfahrens betrifft (BVerwG, Urteil vom 21. Oktober 1999 - 4 CN 1.98 - Buchholz 310 § 47 VwGO Nr. 136 S. 21; vgl. auch Urteil vom 26. November 2003 - 9 C 6.02 - BVerwGE 119, 245 <248>). Die Heilung des Bekanntmachungsmangels ist auch im Verfahren der Nichtzulassungsbeschwerde nach § 133 VwGO zu berücksichtigen. Denn die Entscheidungserheblichkeit der von der Beschwerde aufgeworfenen Rechtsfragen kann im Beschwerdeverfahren nicht unter Hinweis darauf verneint werden, dass Gründe für die Zulassung der Revision hinsichtlich des von der Vorinstanz beanstandeten Bekanntmachungsfehlers nicht geltend gemacht worden sind, wenn in der Revisionsentscheidung die fehlerfreie Neubekanntmachung des Bebauungsplans zugrunde gelegt werden müsste. Aus den Beschlüssen des Bundesverwaltungsgerichts vom 15. Oktober 1968 - 3 B 73.68 - (BVerwGE 30, 266 <267>), vom 23. April 1969 - 3 B 84.68 - (ZLA 1969, 198), vom 30. März 2005 - 1 B 11.05 - (Buchholz 310 § 132 Abs. 2 Ziff. 1 VwGO Nr. 32) und vom 30. Juni 2015 - 3 B 47.14 - (juris) folgt nichts anderes, denn diese Entscheidungen betrafen Fallkonstellationen, die hier nicht vorliegen.

3 Die vorläufige Streitwertfestsetzung für das Revisionsverfahren beruht auf § 47 Abs. 1 Satz 1, § 52 Abs. 1 und § 63 Abs. 1 Satz 1 GKG.

Schlagwörter

revision admissibilityfundamental importancezoning planemission limitspublication defectcure of defectlegal changetiming of review

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether revision should be allowed for fundamental importance under § 132(2) No. 1 VwGO regarding emission-related zoning-plan provisions.

Extrahierter Entscheid

Yes. The complaint raises questions that warrant clarification in revision, namely whether a zoning-plan rule limiting the use of fossil fuels by specific CO2 emissions is covered by § 9(1) No. 23(a) BauGB and whether § 5(2) BImSchG may preclude such a rule.

Extrahierte Begründung

The questions are capable of further clarification and are legally relevant to the validity of the plan provisions.

Kernrechtsfrage

Whether the questions remain decisive despite the lower court's alternative reliance on a publication defect that was later cured by renewed promulgation.

Extrahierter Entscheid

Yes. The subsequent correction and renewed publication created a legal change that the revision court must take into account; the cured defect does not remove decisiveness.

Extrahierte Begründung

The court held that the republished, otherwise unchanged plan must be assessed as it would stand at the time of the appellate decision. Heilung of the publication defect is relevant even in the non-admission complaint procedure.

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