Hearing complaint and request for reconsideration inadmissible

BFH IX S 3/17Bfh / Division 907.04.2017Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

After the BFH had dismissed the plaintiffs' non-admission complaint in IX B 138/16 without giving reasons, the plaintiffs filed a hearing complaint and a request for reconsideration. The BFH held that the hearing complaint did not adequately show a violation of the right to be heard, because omitting reasons under § 116(5) sentence 2 second half-sentence FGO does not imply that the court failed to consider the parties' submissions. The request for reconsideration was also inadmissible, as the plaintiffs did not substantiate any grave breach of procedural rights or any decision without legal basis. The plaintiffs were ordered to bear the costs of the hearing complaint.

Omnilex-Regeste

§ 133a FGO; right to be heard and reconsideration after a non-admission complaint decision: An Anhörungsrüge is inadmissible unless the application substantiates a hearing violation within the meaning of Art. 103(1) GG, which is not the case where the BFH lawfully dispenses with reasons under § 116(5) sentence 2 second half-sentence FGO; such omission does not, by itself, indicate that the court failed to consider the parties' submissions (consid. 3–4). A reconsideration request is only admissible, if at all, upon a substantiated showing of grave procedural or fundamental-rights defects or of a decision manifestly lacking any legal basis; mere general assertions are insufficient (consid. 5–7). Costs of the hearing complaint follow the applicable court-fee tariff (consid. 8).

Gesamter Gesetzestext

BFH — IX S 3/17, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-04-07

Aktenzeichen: IX S 3/17

ECLI: ECLI:DE:BFH:2017:B.070417.IXS3.17.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 133a Abs 1 S 1 Nr 2 FGO, § 133a Abs 2 S 5 FGO, § 133a Abs 4 S 1 FGO, Art 19 Abs 4 GG, Art 103 Abs 1 GG, § 116 Abs 5 S 2 Halbs 2 FGO

Vorinstanz: vorgehend BFH, 21. Februar 2017, Az: IX B 138/16, Beschlussvorgehend FG Köln, 26. Oktober 2016, Az: 7 K 1228/15, Beschluss

Spruchkörper: 9. Senat

Titelzeile

Anhörungsrüge und Gegenvorstellung

Leitsatz

  1. NV: Bei der Entscheidung über eine Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision kann nach Maßgabe der Voraussetzungen des § 116 Abs. 5 Satz 2 2. Halbsatz FGO von einer Begründung des Beschlusses abgesehen werden. Eine hierauf gestützte Handhabung gibt keinen Anlass zu der Annahme, der BFH habe das Vorbringen der Beteiligten nicht erwogen und deshalb den Anspruch der Beteiligten auf rechtliches Gehör i.S. von Art. 103 Abs. 1 GG verletzt.

  2. NV: Eine zulässige Gegenvorstellung erfordert eine substantiierte Begründung, dass die angegriffene Entscheidung auf einer gravierenden Verletzung von Verfahrensgrundrechten beruht oder jeglicher gesetzlicher Grundlage entbehrt.

Tenor

Die Anhörungsrüge und die Gegenvorstellung der Kläger gegen den Beschluss des Bundesfinanzhofs vom 21. Februar 2017 IX B 138/16 werden als unzulässig verworfen.

Die Kosten des Verfahrens hinsichtlich der Anhörungsrüge haben die Kläger zu tragen.

Tatbestand

1 I. Der Senat hat mit Beschluss vom 21. Februar 2017 IX B 138/16 die wegen Nichtzulassung der Revision erhobene Beschwerde der Kläger, Beschwerdeführer und Rügeführer (Kläger) verworfen und hierbei nach § 116 Abs. 5 Satz 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) von einer Begründung seiner Entscheidung abgesehen.

2 Gegen diesen Beschluss haben die Kläger eine Anhörungsrüge und Gegenvorstellung erhoben. Sie bringen vor, ihr rechtliches Gehör sei entscheidungserheblich verletzt worden. Ihre Nichtzulassungsbeschwerde sei zulässig gewesen. Eine Entscheidung ohne Begründung sei allein deshalb ergangen, um ein lästiges Verfahren in missbräuchlicher Weise zu erledigen. Dies verletze Art. 19 Abs. 4 des Grundgesetzes (GG), Art. 6 und 13 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten und Art. 47 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union.

Entscheidungsgründe

3 II. 1. Die Anhörungsrüge der Kläger ist unzulässig. Ihr Vortrag ist nicht geeignet, eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör darzulegen (§ 133a Abs. 4 Satz 1 i.V.m. § 133a Abs. 2 Satz 5 und Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 FGO).

4 Bei der Entscheidung über eine Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision ist der Bundesfinanzhof (BFH) --wie im Verfahren IX B 138/16 geschehen-- nach Maßgabe der Voraussetzungen des § 116 Abs. 5 Satz 2 2. Halbsatz FGO befugt, von einer Begründung seines Beschlusses abzusehen. Da eine hierauf gestützte Handhabung insbesondere keinen Anlass zu der Annahme gibt, der BFH habe das Vorbringen der Beteiligten nicht erwogen, vermag sie auch nicht den Anspruch der Beteiligten auf rechtliches Gehör i.S. von Art. 103 Abs. 1 GG zu verletzen (vgl. zuletzt BFH-Beschluss vom 29. Juli 2014 I S 8/14, BFH/NV 2015, 39).

5 2. Die zeitgleich von den Klägern erhobene Gegenvorstellung ist nicht statthaft.

6 Selbst wenn man davon ausgeht, dass eine Gegenvorstellung statthaft sein kann (vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 5. November 2013 1 BvR 2544/12, Neue Juristische Wochenschrift 2014, 681, unter II.3.), wäre sie allenfalls dann zulässig, wenn substantiiert dargelegt würde, die angegriffene Entscheidung beruhe auf schwerwiegenden Grundrechtsverstößen oder erscheine unter keinem denkbaren Gesichtspunkt vertretbar und entbehre jeder gesetzlichen Grundlage (vgl. BFH-Beschluss vom 11. September 2013 I S 14, 15/13, BFH/NV 2014, 50).

7 Dem wird die Gegenvorstellung nicht gerecht. Die Kläger machen keinen solchen qualifizierten Rechtsfehler substantiiert geltend. Vielmehr behaupten sie lediglich pauschal und ohne weitere Begründung eine Verletzung ihrer Grundrechte.

8 3. Die Kostenpflicht für das Rügeverfahren ergibt sich aus Nr. 6400 des Kostenverzeichnisses zum Gerichtskostengesetz --GKG-- (Anlage 1 zu § 3 Abs. 2 GKG). Es fällt eine Festgebühr von 60 € an. Die Gegenvorstellung ergeht hingegen gerichtsgebührenfrei, da für das Verfahren betreffend einer Gegenvorstellung kein Gebührentatbestand vorgesehen ist.

Schlagwörter

hearing complaintright to be heardnon-admission complaintreconsideration requestcostsinadmissibility

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the hearing complaint against the BFH order of 2017-02-21 was admissible and substantiated a violation of the right to be heard.

Extrahierter Entscheid

The hearing complaint was inadmissible because the submission did not sufficiently show a violation of the right to be heard.

Extrahierte Begründung

The BFH may omit reasons in a non-admission complaint decision under § 116(5) sentence 2 second half-sentence FGO. Using that procedure does not indicate that the court ignored the parties' submissions or violated Art. 103(1) GG.

Kernrechtsfrage

Whether the contemporaneous request for reconsideration was statutorily admissible.

Extrahierter Entscheid

The request for reconsideration was not admissible.

Extrahierte Begründung

Even assuming reconsideration can be available in principle, it requires a substantiated showing of grave fundamental-rights violations or a decision wholly lacking any legal basis. The plaintiffs only made general, unsubstantiated allegations.

Kernrechtsfrage

Who bears the costs of the hearing complaint proceedings.

Extrahierter Entscheid

The plaintiffs must bear the costs of the hearing complaint proceedings.

Extrahierte Begründung

Costs follow from the court fee schedule for hearing complaint proceedings.

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