Memory against court costs after failed hearing complaint

BFH I E 3/14Bfh / 1. Abteilung21.10.2014Dismissed

Zusammenfassung

The BFH rejected the debtor’s memory against a EUR 60 cost assessment for an unsuccessful hearing complaint. It held that the memory was procedurally admissible without mandatory representation, but only objections to the cost bill itself are relevant and no error in the fee calculation or improper case handling existed. The court further held that court costs from proceedings conducted by the debtor without the insolvency administrator’s knowledge or consent are not insolvency estate liabilities and may be assessed against the debtor personally. No costs were reimbursed.

Regest

§ 66 GKG; court memory against a cost assessment is confined to objections to the cost bill itself, in particular the itemization, amount, or value in dispute, and cannot be used to attack the merits of the underlying procedural handling; § 55 Abs. 1 Nr. 1 InsO; court costs incurred in proceedings pursued by the debtor without the knowledge and consent of the insolvency administrator do not constitute estate liabilities and remain chargeable to the debtor personally. The memory proceedings before the BFH are not subject to mandatory representation under § 66 Abs. 5 GKG in conjunction with procedural law (consid. 2-4).

Gesamter Gesetzestext

BFH — I E 3/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-10-21

Aktenzeichen: I E 3/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 66 GKG, § 55 Abs 1 Nr 1 InsO

Spruchkörper: 1. Senat

Titelzeile

Erinnerung; Gerichtskosten; Masseverbindlichkeit

Leitsatz

NV: Die Gerichtskosten eines vom Gemeinschuldner ohne Wissen des Insolvenzverwalters betriebenen finanzgerichtlichen Verfahrens gehören nicht zu den Masseverbindlichkeiten gem. § 55 Abs. 1 Nr. 1 InsO .

Tatbestand

1 I. Der I. Senat hat mit Beschluss vom 4. Juni 2014 I S 5/14 die Anhörungsrüge gegen den Beschluss vom 3. Februar 2014 I S 23/13 (PKH), mit dem der Antrag des Kostenschuldners und Erinnerungsführers (Erinnerungsführer) auf Gewährung von Prozesskostenhilfe abgelehnt worden ist, verworfen. Die Kostenstelle des Bundesfinanzhofs (BFH) hat mit Kostenrechnung vom 4. Juli 2014 KostL …/14 die Gerichtskosten für das Anhörungsrügeverfahren mit 60 € angesetzt. Hiergegen wendet sich die Erinnerung, mit der u.a. die fehlerhafte ("schlampige") Sachbehandlung geltend gemacht wird.

2 Die Vertreterin der Staatskasse (Erinnerungsgegnerin) hat vorgetragen, dass eine unrichtige Sachbehandlung nicht erkennbar sei. Sie beantragt, die Erinnerung zurückzuweisen.

Entscheidungsgründe

3 II. Die Erinnerung ist zurückzuweisen.

4 1. Über die Erinnerung ist nach § 1 Abs. 5, § 66 Abs. 6 Satz 1 des Gerichtskostengesetzes (GKG) durch den Einzelrichter zu entscheiden.

5 2. Die vom Erinnerungsführer persönlich eingelegte Erinnerung ist zulässig. Anträge und Erklärungen im Erinnerungsverfahren können nach § 66 Abs. 5 GKG zu Protokoll der Geschäftsstelle abgegeben werden; demgemäß besteht nach § 78 Abs. 3 der Zivilprozessordnung i.V.m. § 155 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung insoweit auch vor dem BFH kein Vertretungszwang (BFH-Beschlüsse vom 29. Juni 2010 XI E 1/10, BFH/NV 2010, 2087; vom 20. August 2012 I E 2/12, BFH/NV 2013, 46).

6 3. In der Sache bleibt die Erinnerung jedoch ohne Erfolg. Mit der Erinnerung können nur Einwendungen erhoben werden, die sich gegen die Kostenrechnung selbst, d.h. gegen den Ansatz und die Höhe einzelner Kosten oder gegen den Streitwert richten (BFH-Beschluss vom 29. Oktober 2009 X E 22/09, BFH/NV 2010, 447). In dieser Hinsicht weist die angegriffene Kostenrechnung keinen den Erinnerungsführer belastenden Rechtsfehler auf. Die angesetzte Festgebühr (60 €) ergibt sich aus Nr. 6400 des Kostenverzeichnisses zum GKG (Anlage 1 zu § 3 Abs. 2 GKG). Anhaltspunkte für eine unrichtige Sachbehandlung sind auch unter Berücksichtigung des Vortrags des Erinnerungsführers nicht ersichtlich (§ 21 GKG).

7 4. Entgegen den Erläuterungen des Erinnerungsführers sind die Gerichtskosten auch ihm gegenüber festzusetzen. Zwar wurde über sein Vermögen bereits am … April 2012 das Insolvenzverfahren eröffnet. Da er jedoch die gerichtlichen Verfahren ohne Kenntnis und Zustimmung der Insolvenzverwalterin geführt hat, gehören auch die hierdurch ausgelösten Gerichtskosten nicht zu den Masseverbindlichkeiten i.S. von § 55 Abs. 1 Nr. 1 der Insolvenzordnung (BFH-Urteil vom 18. Mai 2010 X R 11/09, BFH/NV 2010, 2114; BFH-Beschluss vom 2. Mai 2013 V E 2/13, nicht veröffentlicht).

8 5. Die Entscheidung ergeht gerichtsgebührenfrei. Kosten werden nicht erstattet (§ 66 Abs. 8 GKG).

Schlagwörter

court costsmemoryinsolvency estate liabilityfixed feelegal aidrepresentation requirement