No appeal against FG cost order; hearing complaint not recharacterized

BFH X B 94/14Bfh / Division 1002.10.2014Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The taxpayers challenged an FG order allocating costs against them after their application for suspension of enforcement became moot following set-off by the tax office. The BFH held the complaint inadmissible because cost disputes are not appealable under § 128(4) sentence 1 FGO. Although a hearing complaint under § 133a FGO can be the proper remedy against a surprise cost order, the court refused to recharacterize the filed and expressly designated complaint, especially since it relied on substantive rather than procedural grounds. Costs of the BFH proceedings were imposed on the taxpayers.

Omnilex-Regeste

§ 128 Abs. 4 Satz 1 FGO; § 133a FGO; cost orders under § 138 FGO are not subject to complaint, and a surprise cost decision is to be challenged by hearing complaint only. A pleading expressly designated by counsel as a complaint is in principle not to be recharacterized as a hearing complaint, particularly where it is not founded on an alleged denial of the right to be heard but on substantive objections. The admissibility obstacle applies irrespective of the merits of the underlying cost allocation; costs follow the outcome under § 135 Abs. 2 FGO.

Gesamter Gesetzestext

BFH — X B 94/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-10-02

Aktenzeichen: X B 94/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 128 Abs 4 S 1 FGO, § 133a FGO

Vorinstanz: vorgehend Finanzgericht Rheinland-Pfalz, 16. Juni 2014, Az: 6 V 2536/13, Beschluss

Spruchkörper: 10. Senat

Titelzeile

Rechtsschutzmöglichkeiten gegen eine Kostenentscheidung des FG

Leitsatz

  1. NV: Eine Beschwerde gegen eine nach § 138 FGO vom FG getroffene Kostenentscheidung ist gemäß § 128 Abs. 4 Satz 1 FGO nicht statthaft.

  2. NV: Statthafter Rechtsbehelf gegen eine überraschende Kostenentscheidung ist die Anhörungsrüge nach § 133a FGO.

  3. NV: Die Umdeutung eines von einem Prozessbevollmächtigten erhobenen und ausdrücklich als "Beschwerde" bezeichneten Rechtsbehelfs in eine Anhörungsrüge ist grundsätzlich nicht möglich. Dies gilt jedenfalls dann, wenn der Rechtsbehelf nicht mit einer Gehörsverletzung des FG, sondern mit materiell-rechtlichen Erwägungen begründet wird.

Tatbestand

1 I. Die Antragsteller und Beschwerdeführer (Antragsteller) beantragten beim Finanzgericht (FG) die Aussetzung der Vollziehung (AdV) der Einkommensteuernachzahlung 2011. In materiell-rechtlicher Hinsicht ging es dabei um die Gewährung eines Investitionsabzugsbetrags für eine Photovoltaikanlage, in verfahrensrechtlicher Hinsicht um die Rechtzeitigkeit der Einspruchseinlegung.

2 Während des laufenden Verfahrens rechnete der Antragsgegner und Beschwerdegegner (das Finanzamt --FA--) die Einkommensteuerrückstände mit anderweitigen Steuerguthaben der Antragsteller auf. Die Rückstände, für die die AdV begehrt worden war, wurden dadurch vollständig getilgt. Im Anschluss daran erklärten die Beteiligten den Rechtsstreit über die AdV in der Hauptsache für erledigt.

3 Das FG legte mit dem angefochtenen Beschluss vom 16. Juni 2014 die Kosten des Verfahrens gemäß § 138 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) den Antragstellern auf. Zur Begründung führte es aus, nach Vornahme der Aufrechnung durch das FA bestünden in Bezug auf die Einkommensteuer 2011 keine Rückstände mehr. Nach Erhebung der Beschwerde fertigte die Berichterstatterin des FG einen --offenbar nicht den Beteiligten zur Kenntnis gegebenen-- Aktenvermerk, in dem es heißt, der Aussetzungsantrag der Antragsteller hätte nach summarischer Prüfung keinen Erfolg gehabt. Eine Begründung hierfür ist den Akten nicht zu entnehmen.

4 Die Antragsteller beantragen sinngemäß, den angefochtenen Beschluss aufzuheben und die Kosten des vor dem FG geführten Verfahrens dem FA aufzuerlegen.

Entscheidungsgründe

5 II. Die Beschwerde ist unzulässig.

6 Sie ist nicht statthaft, weil gemäß § 128 Abs. 4 Satz 1 FGO in Streitigkeiten über Kosten die Beschwerde nicht gegeben ist (ausführlich hierzu Beschluss des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 30. November 2005 VIII B 181/05, BFHE 211, 37, BStBl II 2006, 188).

7 Zwar käme als statthafter Rechtsbehelf gegen eine überraschende Kostenentscheidung grundsätzlich die Anhörungsrüge (§ 133a FGO) in Betracht. Bei einem von einem Prozessbevollmächtigten erhobenen Rechtsbehelf, der ausdrücklich als "Beschwerde" bezeichnet wird, ist eine Umdeutung jedoch grundsätzlich ausgeschlossen (vgl. BFH-Beschluss vom 18. Februar 2014 XI B 140/13, BFH/NV 2014, 879, Rz 15 ff.). Hinzu kommt, dass die Antragsteller ihre "Beschwerde" nicht mit einer Gehörsverletzung des FG, sondern mit materiell-rechtlichen Erwägungen ("trifft die Ursache den Antragsteller nicht") begründen.

8 Die Kostenentscheidung beruht auf § 135 Abs. 2 FGO.

Schlagwörter

cost decisioninadmissibilityhearing complaintrecharacterizationtax procedurestay of enforcementsettled case

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether a complaint lies against the FG's cost order under § 138 FGO.

Extrahierter Entscheid

No. A complaint is not available in costs disputes under § 128(4) sentence 1 FGO.

Extrahierte Begründung

The challenged order concerned costs only, so the statutory bar on complaints applied.

Kernrechtsfrage

Whether the filing can be treated as a hearing complaint under § 133a FGO.

Extrahierter Entscheid

No. A pleading expressly labeled as a complaint by counsel is generally not recharacterized as a hearing complaint, especially where it is based on substantive arguments rather than an asserted hearing violation.

Extrahierte Begründung

The court treated the statutory hearing complaint as the proper remedy for surprise cost orders, but reclassification was excluded here because the submission was designated as a complaint and did not invoke denial of the right to be heard.

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