Short-term lodging under VAT exemption; revision not admitted

BFH V B 37/14Bfh / 5. Abteilung23.09.2014Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The BFH rejected the complaint against denial of leave to appeal in a VAT case involving the exemption for short-term lodging. It held that the taxpayer had not shown a qualifying divergence, because the argument concerned only the FG's interpretation of the agreements and its factual assessment. The FG had correctly proceeded from the established criterion that the landlord's intention, inferred from external circumstances, is decisive, and its finding that the rooms were held for short-term lodging was binding. The asserted risk of repetition of an incorrect decision did not justify admission of the revision. Costs were imposed on the complainant.

Omnilex-Regeste

§ 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 FGO; § 4 Nr. 12 Satz 2 UStG: Divergence requires a decisive, conflicting legal proposition in the appealed judgment and in the cited comparator decision concerning the same legal question and comparable facts. Mere criticism of the lower court's interpretation of agreements or its factual weighing does not establish divergence. Whether rooms are held available for short-term lodging depends not on the actual duration of use but on the landlord's intention, ascertainable from the external circumstances in their totality; the appraisal of those circumstances is primarily a matter for the FG and binds the BFH in revision absent procedural error or violation of experience rules (consid. 7-9). The abstract risk that an allegedly incorrect decision might recur is insufficient to admit revision (consid. 10).

Gesamter Gesetzestext

BFH — V B 37/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-09-23

Aktenzeichen: V B 37/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 4 Nr 12 S 2 UStG 2005, UStG VZ 2005, § 115 Abs 2 Nr 2 Alt 2 FGO, § 116 Abs 3 S 3 FGO, § 118 Abs 2 FGO

Vorinstanz: vorgehend FG München, 29. Januar 2014, Az: 3 K 2013/11, Urteil

Spruchkörper: 5. Senat

Titelzeile

(Begriff der kurzfristigen Beherbergung von Fremden i.S.d. § 4 Nr. 12 Satz 2 UStG - Keine Revisionszulassung wegen bloßer Wiederholungsgefahr einer unzutreffenden Entscheidung)

Leitsatz

  1. NV: Entscheidend für die Frage, ob ein Unternehmer Wohn- und Schlafräume zur kurzfristigen Beherbergung von Fremden i.S.v. § 4 Nr. 12 Satz 2 UStG bereithält, ist nicht die tatsächliche Dauer der Vermietung, sondern die aus den äußeren Umständen ableitbare diesbezügliche Absicht des Vermieters .

  2. NV: Diese ist durch das FG durch die Würdigung einer Vielzahl von Kriterien zu ermitteln .

Gründe

1 Die Beschwerde ist unbegründet und deshalb durch Beschluss zurückzuweisen (§ 116 Abs. 5 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung --FGO--).

2 1. Die Revision ist nicht zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung zuzulassen.

3 a) Eine Divergenz i.S. des § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO ist anzunehmen, wenn das Finanzgericht (FG) mit einem das angegriffene Urteil tragenden und entscheidungserheblichen Rechtssatz von einem ebensolchen Rechtssatz einer anderen Gerichtsentscheidung abgewichen ist. Das angefochtene Urteil und die vorgebliche Divergenzentscheidung müssen dabei dieselbe Rechtsfrage betreffen und zu gleichen oder vergleichbaren Sachverhalten ergangen sein (Beschluss des Bundesfinanzhofes --BFH-- vom 2. Juni 2014 III B 153/13, BFH/NV 2014, 1377). Die voneinander abweichenden Rechtssätze müssen sich aus dem angefochtenen Urteil des FG und der Divergenzentscheidung unmittelbar und mit hinreichender Deutlichkeit ergeben. Es reicht nicht aus, wenn der Beschwerdeführer den abweichenden Rechtssatz selbst durch Auslegung aus der vorgeblichen Divergenzentscheidung entwickelt (BFH-Beschluss vom 12. Dezember 2013 III B 55/12, BFH/NV 2014, 575).

4 b) Die von der Klägerin und Beschwerdeführerin (Klägerin) behauptete Divergenz zu den BFH-Urteilen vom 20. August 2009 V R 21/08 (BFH/NV 2010, 473, BFH/NV 1999, 84), vom 6. August 1998 V R 26/98 (BFH/NV 1999, 84), vom 25. Januar 1996 V R 6/95 (BFH/NV 1996, 583); zum BFH-Beschluss vom 11. März 1998 V B 125/97 (BFH/NV 1998, 1007) und zum Urteil des FG Berlin vom 28. März 2000 5 K 5402/98 (Entscheidungen der Finanzgerichte --EFG-- 2000, 895) liegt nicht vor.

5 aa) Zum Beschluss des BFH in BFH/NV 1998, 1007 und zum Urteil des FG Berlin in EFG 2000, 895 hat die Klägerin keine divergierenden Rechtssätze herausgearbeitet. Soweit sie abweichende Rechtssätze selbst durch Auslegung aus der vorgeblichen Divergenzentscheidung entwickelt, reicht dies nicht aus (BFH-Beschluss in BFH/NV 2014, 575).

6 bb) Das FG hat seinem Urteil auch keinen tragenden und entscheidungserheblichen Rechtssatz zugrunde gelegt, der von einem ebenfalls tragenden Rechtssatz in den BFH-Urteilen in BFH/NV 2010, 473, BFH/NV 1999, 84 und in BFH/NV 1996, 583 abweicht.

7 Entscheidend für die Frage, ob eine kurzfristige oder eine auf Dauer angelegte Überlassung von Räumen i.S. von § 4 Nr. 12 Satz 2 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) vorliegt, ist nicht die tatsächliche Dauer der Vermietung, sondern die aus den äußeren Umständen ableitbare diesbezügliche Absicht des Vermieters (ständige Rechtsprechung, z.B. BFH-Urteile in BFH/NV 1996, 583; vom 21. September 1989 V R 170/84, BFH/NV 1990, 532; vom 27. Oktober 1993 XI R 69/90, BFH/NV 1994, 744).

8 Von diesen Grundsätzen ist das FG ausdrücklich ausgegangen. Das FG hat lediglich die "Belegvereinbarungen" zwischen der Klägerin und der Stadt X dahingehend ausgelegt, dass es sich hierbei nicht um Mietverträge handele, sondern um Rahmenvereinbarungen, an die sich erst die Mietverträge zwischen der Klägerin und den Obdachlosen anschlossen. Im Hinblick auf diese Mietverträge ist das FG auf der Grundlage der Würdigung einer Vielzahl von Kriterien zu dem Ergebnis gelangt, dass die Klägerin die Räume zur kurzfristigen Beherbergung von Fremden bereit gehalten hat. Das FG hat dabei u.a. gewürdigt, dass die Mietverträge nur mündlich geschlossen wurden, dass sie kurzfristig begründet und täglich gekündigt werden konnten, dass sich das Entgelt nach den Aufenthaltstagen der Bewohner berechnete und nicht Räume, sondern lediglich Betten zur Nutzung überlassen wurden. An diese tatsächliche Würdigung wäre der BFH in einem Revisionsverfahren nach § 118 Abs. 2 FGO gebunden, da sie --soweit ersichtlich-- verfahrensfehlerfrei zustande gekommen ist, nicht gegen allgemeine Erfahrungssätze oder Denkgesetze verstößt und wenn auch nicht zwingend, so doch möglich ist (vgl. BFH-Beschluss vom 11. November 2013 XI B 99/12, BFH/NV 2014, 366). Im Übrigen hat der BFH u.a. in dem von der Klägerin selbst geltend gemachten (angeblichen) Divergenzurteil in BFH/NV 1996, 583 insbesondere zu der Frage, ob die Absicht des Vermieters auf eine kurzfristige oder eine auf Dauer angelegte Überlassung von Räumen i.S. des § 4 Nr. 12 Satz 2 UStG gerichtet ist, ausgeführt, dass die Gesamtumstände maßgeblich sind und dass die Gewichtung der jeweiligen Sachverhaltselemente (Abgrenzungskriterien) als Teil der tatsächlichen Würdigung Aufgabe des FG ist.

9 cc) Im Kern macht die Klägerin keine Divergenz geltend, sondern eine fehlerhafte Vertragsauslegung durch das FG. Das kann nicht zur Revisionszulassung führen (BFH-Beschluss vom 13. Dezember 2012 X B 209/11, BFH/NV 2013, 722). Dasselbe gilt für Angriffe gegen die materiell-rechtliche Richtigkeit auch unter Heranziehung einer etwaig nicht sachgerecht angewandten höchstrichterlichen Rechtsprechung (BFH-Beschluss vom 7. August 2014 IX B 43/14, nicht veröffentlicht).

10 dd) Auch der Hinweis der Klägerin auf die Wiederholungsgefahr einer unzutreffenden Entscheidung reicht für die Zulassung der Revision wegen § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO nicht aus (BFH-Beschluss vom 4. Juni 2014 X B 95/13, BFH/NV 2014, 1355).

11 2. Die Kostenentscheidung beruht auf § 135 Abs. 2 FGO.

Schlagwörter

VAT exemptionshort-term lodgingdivergencerevision admissibilityfactual findingscontract interpretationcosts

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether revision should be admitted for divergence under § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 FGO

Extrahierter Entscheid

No admissible divergence was shown; the complaint mainly attacked the lower court's interpretation and fact-finding.

Extrahierte Begründung

A divergence requires a decisive legal proposition in the FG judgment that departs from a likewise decisive proposition in another decision on the same legal question. The taxpayer did not identify such conflicting propositions and instead disputed the FG's contractual interpretation and factual assessment, which cannot justify admission.

Kernrechtsfrage

Whether the FG misapplied § 4 Nr. 12 Satz 2 UStG when assessing short-term lodging

Extrahierter Entscheid

The FG applied the correct standard: the decisive factor is the landlord's objectively inferable intention from the external circumstances, not the actual duration of the lease.

Extrahierte Begründung

The FG evaluated multiple criteria—oral agreements, daily terminability, daily-based remuneration, and provision of beds rather than rooms—and permissibly concluded that the rooms were held available for short-term lodging. Such factual assessment is binding in revision absent procedural defects or manifest error.

Kernrechtsfrage

Whether the alleged risk of repetition of an incorrect decision justified revision admission

Extrahierter Entscheid

No; the mere possibility that an incorrect decision may be repeated does not satisfy the statutory grounds for admission.

Extrahierte Begründung

The court held that repetition risk is insufficient under § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 FGO.

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