Costs after mootness in revision over child benefit claim

BFH III R 26/13Bfh / 3. Abteilung18.02.2014Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The BFH dealt with costs after both parties declared the child-benefit dispute moot in revision. The claimant had limited his request in revision to differential child benefit for June to December 2008, which the family benefits office then fully granted. The BFH held that revision costs were governed by Section 138(1) FGO, not Section 138(2) FGO, and imposed them on the respondent. It also decided the first-instance costs separately and split them equally, because the claimant had pursued broader relief below. The request for a declaration of necessary counsel participation was held inadmissible in revision.

Omnilex-Regeste

§ 143 Abs. 1 i.V.m. § 138 Abs. 1 FGO; Kostenentscheidung bei übereinstimmender Erledigungserklärung in einer Verpflichtungsklage auf Kindergeldfestsetzung: Für das Revisionsverfahren gilt nicht § 138 Abs. 2 FGO, sondern § 138 Abs. 1 FGO. Erklären die Beteiligten den Rechtsstreit nach Erlass eines Abhilfebescheids übereinstimmend für erledigt, hat der BFH über die Kosten des gesamten Verfahrens zu entscheiden; bei gegenüber der Vorinstanz eingeschränktem Rechtsbegehren sind jedoch getrennte Kostenaussprüche für Revision und Klageverfahren zulässig und geboten. Der Antrag nach § 139 Abs. 3 Satz 3 FGO betrifft die Kostenfestsetzung und ist im Revisionsverfahren unzulässig, weil hierfür das Gericht des ersten Rechtszugs zuständig ist.

Gesamter Gesetzestext

BFH — III R 26/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-02-18

Aktenzeichen: III R 26/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 143 Abs 1 FGO, § 138 Abs 1 FGO, § 138 Abs 2 FGO

Vorinstanz: vorgehend FG Düsseldorf, 13. Mai 2013, Az: 15 K 2892/12 Kg, Urteil

Spruchkörper: 3. Senat

Titelzeile

Kostenentscheidung im Falle der Erledigung der Hauptsache bei Einschränkung des Verpflichtungsbegehrens im Revisionsverfahren

Leitsatz

  1. NV: Erklären die Beteiligten in einem Revisionsverfahren, dessen Gegenstand eine Verpflichtungsklage gegen die Ablehnung einer Kindergeldfestsetzung bildet, nach Ergehen eines Abhilfebescheids die Hauptsache übereinstimmend für erledigt, richtet sich die Entscheidung über die Kosten des Revisionsverfahrens nicht nach § 143 Abs. 1 i.V.m. § 138 Abs. 2 FGO, sondern nach § 143 Abs. 1 i.V.m. § 138 Abs. 1 FGO .

  2. NV: Hat der Kläger im Klageverfahren einen weitergehenden Antrag als im Revisionsverfahren verfolgt, entscheidet der BFH nach einer im Revisionsverfahren erfolgten übereinstimmenden Erklärung der Hauptsacheerledigung zwar über die Kosten des gesamten Verfahrens, jedoch mit getrennten Kostenaussprüchen für das Revisionsverfahren und das Klageverfahren .

Gründe

1 I. Die Familienkasse … der Bundesagentur für Arbeit ist aufgrund eines Organisationsaktes (Beschluss des Vorstands der Bundesagentur für Arbeit Nr. 21/2013 vom 18. April 2013 gemäß § 5 Abs. 1 Nr. 11 des Finanzverwaltungsgesetzes, Amtliche Nachrichten der Bundesagentur für Arbeit, Ausgabe Mai 2013, S. 6 ff., Nr. 2.2 der Anlage 2) im Wege des gesetzlichen Parteiwechsels in die Beteiligtenstellung der Agentur für Arbeit A --Familienkasse B-- eingetreten (s. dazu Beschluss des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 3. März 2011 V B 17/10, BFH/NV 2011, 1105, unter II.A.).

II.

2 1. Der Kläger und Revisionskläger (Kläger) sowie die Beklagte und Revisionsbeklagte (Familienkasse) haben übereinstimmend den Rechtsstreit in der Hauptsache für erledigt erklärt. Dadurch ist das angefochtene Urteil des Finanzgerichts (FG) einschließlich der darin enthaltenen Kostenentscheidung gegenstandslos geworden. Der Senat hat nur noch über die Kosten des gesamten Verfahrens zu entscheiden.

3 a) Die Entscheidung über die Kosten des Revisionsverfahrens richtet sich nach § 143 Abs. 1 i.V.m. § 138 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO), da Gegenstand des Verfahrens eine gegen den Ablehnungsbescheid der Familienkasse gerichtete Verpflichtungsklage war (BFH-Beschluss vom 16. November 2005 VII R 2/05, BFH/NV 2006, 353). Unter Berücksichtigung des bisherigen Sach- und Streitstands und des Umstands, dass der Kläger sein Begehren im Revisionsverfahren auf das Differenzkindergeld für die Monate Juni 2008 bis Dezember 2008 beschränkt hat und die Familienkasse diesem Begehren in vollem Umfang stattgegeben hat, entspricht es billigem Ermessen, der Familienkasse die Kosten in vollem Umfang aufzuerlegen.

4 b) Der Senat hat darüber hinaus auch über die Kosten des Klageverfahrens zu befinden, weil das Urteil des FG durch die Erledigung der Hauptsache gegenstandslos geworden ist (BFH-Urteil vom 21. April 1989 IV R 40/88, BFH/NV 1990, 182, m.w.N.). Die Entscheidung richtet sich nach § 138 Abs. 1 FGO. Sie kann schon deshalb nicht der Entscheidung über die Kosten des Revisionsverfahrens entsprechen, weil der Kläger im Klageverfahren ungemindertes Kindergeld für Januar bis Dezember 2008 begehrt und damit einen weiter gehenden Antrag als im Revisionsverfahren verfolgt hat. Da die Streitwertminderung im Zeitpunkt der Revisionseinlegung eingetreten ist, ist der Sachlage zutreffend Rechnung getragen, wenn für das Revisions- und das Klageverfahren der Kostenausspruch getrennt erfolgt (BFH-Urteil in BFH/NV 1990, 182, m.w.N.).

5 Da der Kläger nach dem Ergebnis der Hauptsacheerledigung im Hinblick auf sein im Klageverfahren verfolgtes Begehren zu knapp 50 % obsiegt hat, entspricht eine hälftige Teilung der Kosten des Klageverfahrens billigem Ermessen.

6 2. Der Antrag, die Zuziehung des Bevollmächtigten für das Vorverfahren für notwendig zu erklären (§ 139 Abs. 3 Satz 3 FGO), ist im Revisionsverfahren unzulässig. Die Entscheidung nach § 139 Abs. 3 Satz 3 FGO gehört sachlich zum Kostenfestsetzungsverfahren; zuständig ist deshalb das Gericht des ersten Rechtszuges, im Streitfall das FG (Senatsurteil vom 26. August 2010 III R 47/09, BFHE 230, 563, BStBl II 2011, 589).

Schlagwörter

cost allocationmootnessrevisionchild benefitobligation actionseparate cost ordersinadmissibilitycost taxation

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

How are costs allocated in the revision after the main proceedings become moot in an obligation action concerning child benefit?

Extrahierter Entscheid

The costs of the revision are allocated under Section 143(1) in conjunction with Section 138(1) FGO, and the family benefits office bears them in full.

Extrahierte Begründung

Because the case was an obligation action against refusal of child-benefit assessment, the special rule of Section 138(2) FGO did not apply. Given the procedural history and the full success of the narrowed request in revision, it was equitable to charge the respondent with the revision costs.

Kernrechtsfrage

How are the costs of the first-instance proceedings allocated after mootness in revision, where the claimant had sought broader relief below than on revision?

Extrahierter Entscheid

The BFH also decided the costs of the first-instance proceedings under Section 138(1) FGO separately, and split those costs equally.

Extrahierte Begründung

The first-instance judgment became moot once the main case was resolved. A separate cost order was required because the claimant had sought full child benefit for the whole year below, but only differential child benefit for part of the year on revision; the claimant prevailed only about half in the first instance.

Kernrechtsfrage

Is the request to declare the joinder of counsel in the preliminary proceedings necessary admissible on revision?

Extrahierter Entscheid

No. The request is inadmissible in revision because the matter belongs to the cost-taxation procedure and the first-instance court has jurisdiction.

Extrahierte Begründung

The determination under Section 139(3) sentence 3 FGO is substantively part of the cost-fixing procedure, so competence lies with the court of first instance, not the BFH.

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