Refusal to adjourn hearing violated right to be heard

BFH IX B 71/13Bfh / Division 905.11.2013Remanded

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The BFH upheld the non-admission complaint and found a procedural defect because the Fiscal Court of Münster heard and decided the case despite a timely request to postpone the hearing based on the illness of plaintiff 1. The illness was supported by a medical certificate and was not presented at the last minute. The prior judgment was set aside and the case remitted for a new hearing and decision, with costs to be decided by the lower court.

Omnilex-Regeste

Art. 103 Abs. 1 GG, § 96 Abs. 2 FGO, § 227 ZPO, § 155 FGO; denial of the right to be heard when a court holds an oral hearing and decides the case despite a timely motion to postpone the hearing for substantial reasons. Illness constitutes a substantial reason. If the request is not made at the last minute and is supported by a medical certificate, the court must ordinarily adjourn the hearing or at least invite supplementary submissions; otherwise the judgment is afflicted by a procedural defect under § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO and is to be set aside and remitted under § 116 Abs. 6 FGO (consid. 1-4).

Gesamter Gesetzestext

BFH — IX B 71/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-11-05

Aktenzeichen: IX B 71/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 115 Abs 2 Nr 3 FGO, § 96 Abs 2 FGO, Art 103 Abs 1 GG, § 227 ZPO

Vorinstanz: vorgehend FG Münster, 9. April 2013, Az: 11 K 3448/09 EZ, Urteil

Spruchkörper: 9. Senat

Titelzeile

Nichtzulassungsbeschwerde, Terminverlegung

Leitsatz

NV: Einem Verfahrensbeteiligten wird rechtliches Gehör versagt, wenn das Gericht mündlich verhandelt und in der Sache entscheidet, obwohl er einen Antrag auf Terminverlegung gestellt und dafür erhebliche Gründe geltend gemacht hat.

Gründe

1 1. Die Nichtzulassungsbeschwerde, mit der die Kläger und Beschwerdeführer (Kläger) die Verletzung des Rechts auf Gehör geltend machten, ist begründet. Sie führt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zurückverweisung des Rechtsstreits an das Finanzgericht (FG) zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (§ 116 Abs. 6 der Finanzgerichtsordnung --FGO--). Das angefochtene Urteil beruht auf einem Verfahrensmangel i.S. von § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO; es verletzt den Anspruch des Klägers zu 1 auf rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes; § 96 Abs. 2 FGO, § 119 Nr. 3 FGO).

2 Einem Verfahrensbeteiligten wird rechtliches Gehör versagt, wenn das Gericht mündlich verhandelt und in der Sache entscheidet, obwohl er einen Antrag auf Terminsverlegung gemäß § 155 FGO i.V.m. § 227 Abs. 1 der Zivilprozessordnung (ZPO) gestellt und dafür erhebliche Gründe geltend gemacht hat. Das FG ist in einem solchen Falle verpflichtet, den anberaumten Verhandlungstermin zu verlegen (z.B. Beschluss des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 1. Februar 2002 II B 38/01, BFH/NV 2002, 938, m.w.N.). Zu den erheblichen Gründen i.S. von § 155 FGO i.V.m. § 227 ZPO gehört auch die Erkrankung des Beteiligten.

3 Nach diesen Grundsätzen durfte das FG den Terminsverlegungsantrag der Kläger nicht ablehnen. Der Kläger zu 1 hat den Terminsverlegungsantrag durch den Hinweis auf seine Erkrankung sowie durch Vorlage der diese Erkrankung bestätigenden Bescheinigung dargelegt. Da dies am Tag vor der anberaumten mündlichen Verhandlung geschah, hätte das FG, wenn ihm die Begründung für eine Terminsverlegung nicht ausreichend erschien, den Kläger zur Ergänzung seines Vortrags auffordern müssen; höhere Anforderungen an die Darlegung und (ggf.) Glaubhaftmachung des Antragstellers gelten nur bei einem "in letzter Minute" gestellten Antrag (BFH-Beschluss vom 10. März 2005 IX B 171/03, BFH/NV 2005, 1578, unter 1.a), der im Streitfall nicht gegeben ist (so auch BFH-Beschluss vom 15. Februar 2013 IX B 178/12, BFH/NV 2013, 762), zumal das Fax des Klägers zu 1 bereits am frühen Morgen des ersten Arbeitstags nach Ausstellen des ärztlichen Attests und am Vortag der anberaumten Verhandlung beim FG einging. Hinzu kommt, dass die grundsätzliche Art der Erkrankung des Klägers zu 1 dem Gericht bekannt war und dieser auch noch den telefonischen Kontakt mit dem Gericht gesucht hat.

4 2. Der Senat hält es für sachgerecht, gemäß § 116 Abs. 6 FGO die Vorentscheidung wegen des Verfahrensfehlers aufzuheben und den Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zurückzuverweisen. Diesem wird auch die Kostenentscheidung nach § 143 Abs. 2 FGO übertragen.

Schlagwörter

right to be heardpostponement of hearingillnessprocedural defectremandtax procedure

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the refusal to postpone the hearing violated the complainant's right to be heard and constituted a procedural defect.

Extrahierter Entscheid

Yes. Because the complainant substantiated illness with a medical certificate in time, the fiscal court had to adjourn the hearing or invite further clarification.

Extrahierte Begründung

A party is denied the right to be heard if the court proceeds with an oral hearing and decides the case despite a timely adjournment request based on substantial reasons. Illness is such a reason. The request was made the day before the hearing and was not a last-minute filing; the court therefore had to accommodate it or seek clarification.

Kernrechtsfrage

What consequence follows from the procedural defect in the lower court judgment?

Extrahierter Entscheid

The BFH set aside the prior judgment and remitted the case to the fiscal court for a new hearing and decision.

Extrahierte Begründung

Under § 116 Abs. 6 FGO, a judgment affected by such a procedural error is to be annulled and remanded for reconsideration. Costs were also left to the lower court.

Setzen Sie Ihre Recherche in ChatGPT oder Claude fort

Verbinden Sie Omnilex, um den Rechtskorpus über Ihren KI-Assistenten zu durchsuchen.