Non-admission complaint over hereditary waiver payments dismissed

BFH VIII B 157/12Bfh / Division 826.03.2013Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Fiscal Court dismissed the tax office’s non-admission complaint against a judgment of the Finanzgericht Nürnberg. It held that the legal issue was already settled: a pre-inheritance hereditary and compulsory share waiver agreement is an inheritance-law arrangement and not subject to income tax. Whether a payment under such an agreement contains an interest component depends on the individual facts; the tax office merely challenged the tax court’s assessment of the evidence. The court also stressed that, when a judgment rests on multiple independent grounds, the complaint must establish an admissible reason for each ground. Costs were imposed on the tax office.

Omnilex-Regeste

§ 115 Abs. 2 FGO; non-admission complaint against a judgment supported by multiple independent grounds; requirements for admission and settled case law on hereditary and compulsory share waiver agreements. A complaint is inadmissible as a vehicle for mere criticism of the substantive correctness of the appealed judgment. Where the lower court decision rests on several autonomous reasons each supporting the operative part, a ground for admission must be substantiated for each reason; otherwise the complaint cannot succeed. A pre-inheritance hereditary and/or compulsory share waiver is, as an inheritance-law contract, gratuitous in civil and tax law and does not, as such, give rise to income tax liability. Whether a payment made under such an agreement contains interest is a question of the individual case and depends on whether it constitutes remunerated capital use under § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG.

Gesamter Gesetzestext

BFH — VIII B 157/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-03-26

Aktenzeichen: VIII B 157/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 20 Abs 1 Nr 7 EStG 2002, § 115 Abs 2 FGO

Vorinstanz: vorgehend FG Nürnberg, 8. Oktober 2012, Az: 3 K 668/12, Urteil

Spruchkörper: 8. Senat

Titelzeile

Erb- und Pflichtteilverzichtsvertrag - Nichtzulassungsbeschwerde gegen Urteil mit Doppelbegründung

Leitsatz

  1. NV: Es ist höchstrichterlich geklärt, dass der vor Eintritt des Erbfalls erklärte Erbverzicht und/oder Pflichtteilsverzicht ein erbrechtlicher --bürgerlich-rechtlich wie steuerrechtlich unentgeltlicher-- Vertrag ist, welcher der Regulierung der Vermögensnachfolge dienen soll und nicht der Einkommensteuer unterliegt .

  2. NV: Ob Zahlungen aufgrund eines solchen Vertrages einen Zinsanteil enthalten, ist eine Frage des Einzelfalls und daran zu messen, ob der Zahlung eine Kapitalüberlassung gegen Entgelt i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG zugrunde liegt .

Gründe

1 Die Beschwerde ist unbegründet. Entgegen der Auffassung des Beklagten und Beschwerdeführers (Finanzamt --FA--) hat die Beschwerdebegründung weder eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung aufgeworfen noch deutlich gemacht, dass eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Sicherung der Einheitlichkeit der Rechtsprechung erforderlich ist.

2 Mit Entscheidungen vom 20. November 2012 VIII R 57/10 (juris) und vom 9. Februar 2010 VIII R 43/06 (BFHE 229, 104, BStBl II 2010, 818) ist höchstrichterlich geklärt, dass der vor Eintritt des Erbfalls erklärte Erb- und/oder Pflichtteilsverzicht ein erbrechtlicher --bürgerlich-rechtlich wie steuerrechtlich unentgeltlicher-- Vertrag ist, welcher der Regulierung der Vermögensnachfolge dienen soll und nicht der Einkommensteuer unterliegt. Ob Zahlungen aufgrund eines solchen Vertrages einen Zinsanteil enthalten, ist eine Frage des Einzelfalls und daran zu messen, ob der Zahlung eine Kapitalüberlassung gegen Entgelt i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 7 des Einkommensteuergesetzes (EStG) zugrunde liegt. Das Finanzgericht (FG) hat seine Entscheidung auf der Grundlage der vorzitierten Rechtsprechung getroffen und ist nach Würdigung der Gesamtumstände des Einzelfalls zu dem Schluss gekommen, eine Kapitalüberlassung gegen Entgelt i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG sei nicht gegeben. Wenn das FA sich gegen diese Auffassung des FG wendet, erhebt es im Ergebnis Einwendungen gegen die materielle Richtigkeit des angefochtenen Urteils. Ein Revisionszulassungsgrund wird damit nicht dargelegt, denn das prozessuale Rechtsinstitut der Nichtzulassungsbeschwerde dient nicht dazu, allgemein die Richtigkeit finanzgerichtlicher Urteile zu gewährleisten.

3 Auf die ferner mit der Beschwerdeschrift für grundsätzlich bedeutsam erachtete Frage, ob die Ertragsbesteuerung für den Fall zurücktreten muss, dass tatbestandlich ein und derselbe Vorgang sowohl der Einkommensteuer als auch der Schenkungssteuer unterliegt, kommt es daher nicht an. Denn ist das Urteil des FG --wie hier-- auf mehrere Begründungen gestützt, von denen jede für sich allein das Entscheidungsergebnis trägt, so muss mit der Beschwerde für jede dieser Begründungen ein Zulassungsgrund i.S. von § 115 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) schlüssig dargelegt werden (ständige Rechtsprechung, vgl. BFH-Beschlüsse vom 5. November 1998 VIII B 18/98, BFH/NV 1999, 513; vom 12. Mai 2000 IV B 74/99, BFH/NV 2000, 1133; vom 16. Juli 2001 V B 44/01, BFH/NV 2001, 1620; Gräber/ Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., § 116 Rz 28). Diese Voraussetzungen erfüllt die Beschwerde --wie vorstehend dargelegt-- nicht.

4 Die Kostenentscheidung beruht auf § 135 Abs. 2 FGO.

Schlagwörter

income taxinheritance waivercompulsory share waiverinterest componentnon-admission complaintmultiple groundscase lawcosts

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the hereditary and compulsory share waiver agreement was taxable as income under § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG because the payment contained interest.

Extrahierter Entscheid

The complaint did not show a ground for admission; the tax court correctly treated the pre-inheritance waiver agreement as an inheritance-law settlement not subject to income tax, and the question of any interest component was an individual case assessment.

Extrahierte Begründung

The legal question was already settled by highest-court case law. The tax office merely attacked the substantive correctness of the tax court's assessment that no compensated capital transfer existed.

Kernrechtsfrage

Whether admission was required because the same transaction might also be subject to gift tax.

Extrahierter Entscheid

This did not matter, because the tax court judgment was independently supported by multiple grounds and the complaint failed to challenge each of them with a valid admission ground under § 115 Abs. 2 FGO.

Extrahierte Begründung

Where a judgment rests on several independent reasons, each supporting the outcome, the complaint must establish a reason for admission for each ground.

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