Payroll tax liability assessed by tax class VI

BFH VI B 9/12Bfh / 6. Abteilung18.09.2012Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Fiscal Court dismissed the claimant’s complaint against non-admission of revision. It held that the claimant had not properly substantiated either the fundamental importance of the case, a need for legal development, a serious procedural defect, or a particularly grave error in applying the law. The court confirmed its existing case law that payroll tax liability is to be computed according to tax class VI even if no tax card was presented and no withholding was performed. It also held that a liability notice may be addressed to a foreign-law company under the name and form it uses in business dealings, as long as the addressee is identifiable.

Omnilex-Regeste

§ 115 Abs. 2 Nr. 1 und 3 FGO; § 116 Abs. 3 Satz 3 FGO: The admissibility of a complaint seeking leave to appeal on grounds of fundamental importance or procedural defect requires substantiated identification of a specific, reviewable legal question and of the need for clarification. Questions already settled by BFH case law are not in need of clarification absent new arguments. A particularly grave error in the application of revisable law justifying leave under § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 FGO exists only where the lower court’s decision is objectively arbitrary or plainly untenable. For payroll tax liability under § 42d Abs. 1 Nr. 1 EStG 1997, the tax is to be assessed according to tax class VI even if no wage tax card was submitted and no withholding occurred. A liability notice may be addressed to a foreign-law company in the name and form it uses in commerce, provided the addressee is sufficiently identifiable under the definiteness requirement of § 119 AO.

Gesamter Gesetzestext

BFH — VI B 9/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-09-18

Aktenzeichen: VI B 9/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 42d Abs 1 Nr 1 EStG 1997, § 115 Abs 2 FGO

Vorinstanz: vorgehend Hessisches Finanzgericht, 1. Dezember 2011, Az: 10 K 2311/03, Urteil

Spruchkörper: 6. Senat

Titelzeile

Lohnsteuerhaftung

Leitsatz

  1. NV: Die der Haftung zugrunde gelegte Lohnsteuer ist auch dann nach der Steuerklasse VI zu bemessen, wenn weder eine Lohnsteuerkarte vorgelegt worden ist noch der Arbeitgeber überhaupt eine Lohnversteuerung vorgenommen hat .

  2. NV: Ein Haftungsbescheid ist an eine nach ausländischem Recht gegründete Kapitalgesellschaft unter dem Namen und in der Form zu richten, die diese sich selbst im Geschäftsverkehr beimisst .

Gründe

1 Die Nichtzulassungsbeschwerde bleibt ohne Erfolg. Die Klägerin und Beschwerdeführerin (Klägerin) hat weder die grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache noch einen Verfahrensmangel in der vom Gesetz gebotenen Form dargelegt (§ 116 Abs. 3 Satz 3 i.V.m. § 115 Abs. 2 Nrn. 1 und 3 der Finanzgerichtsordnung --FGO--). Die Voraussetzungen der Zulassung gemäß § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO sind nicht gegeben.

2 1. Die Darlegung des Zulassungsgrundes der grundsätzlichen Bedeutung wie der Rechtsfortbildung verlangt eine substantielle Darlegung der Klärungsbedürftigkeit einer hinreichend bestimmten Rechtsfrage, die im konkreten Streitfall voraussichtlich auch klärungsfähig ist. Dazu ist auszuführen, dass die Beurteilung der aufgeworfenen Rechtsfrage von der Klärung einer zweifelhaften oder umstrittenen Rechtslage abhängig ist. Hierzu muss sich die Beschwerde insbesondere mit der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) und den Äußerungen im Schrifttum auseinandersetzen. Darüber hinaus ist auf die Bedeutung der Klärung der konkreten Rechtsfrage für die Allgemeinheit einzugehen (Gräber/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., § 116 Rz 26, 32, m.w.N.).

3 Diesen Anforderungen entspricht die Beschwerdebegründung nicht. Die Klägerin hat zwar abstrakte Rechtsfragen formuliert. Sie hat jedoch zur Klärbarkeit dieser Fragen in einem Revisionsverfahren keine ausreichende Stellung bezogen.

4 2. Die unter II. der Beschwerdebegründungsschrift gestellten Fragen sind zudem nicht klärungsbedürftig. Eine Rechtsfrage ist nämlich nicht klärungsbedürftig, wenn sie bereits durch die Rechtsprechung des BFH hinreichend geklärt ist und keine neuen Gesichtspunkte erkennbar sind, die eine erneute Prüfung und Entscheidung dieser Frage durch den BFH erforderlich machen. Davon ist hier auszugehen.

5 Nach der Rechtsprechung des Senats ist die der Haftung nach § 42d Abs. 1 Nr. 1 des Einkommensteuergesetzes zugrunde gelegte Lohnsteuer auch dann nach der Steuerklasse VI zu bemessen, wenn weder eine Lohnsteuerkarte vorgelegt worden ist noch der Arbeitgeber überhaupt eine Lohnversteuerung vorgenommen hat (Senatsentscheidungen vom 12. Januar 2001 VI R 102/98, BFHE 194, 372, BStBl II 2003, 151; vom 29. Juli 2009 VI B 99/08, BFH/NV 2009, 1809). An dieser Rechtsprechung hält der Senat fest.

6 3. Ebenfalls nicht klärungsbedürftig ist die Frage, "ob das Finanzamt auch einen Haftungsbescheid an eine nach ausländischem Recht gegründete Kapitalgesellschaft unter dem Namen und in der Form richten kann, die diese sich selbst im Rechtsverkehr beimisst". Denn nach der Rechtsprechung des BFH ist geklärt, dass das Finanzamt berechtigt ist, Prüfungsanordnungen an eine nach ausländischem Recht gegründete Kapitalgesellschaft unter dem Namen und in der Form zu richten, die sie sich selbst im Geschäftsverkehr beimisst (BFH-Beschluss vom 23. September 2009 I B 95/09, BFH/NV 2010, 233). Nach Auffassung des Senats gilt für einen Haftungsbescheid nichts Anderes. Maßgeblich ist im Hinblick auf das Bestimmtheitserfordernis des § 119 der Abgabenordnung, dass sich aus dem Bescheid ergibt, gegen wen er sich richtet. Für die Wirksamkeit des Bescheids ist es dagegen nicht erforderlich, dass es sich um den richtigen Steuer- bzw. Haftungsschuldner handelt. Zwar macht die Adressierung eines Abgabebescheids an einen nicht existierenden Abgabeschuldner den Bescheid regelmäßig nichtig (Klein/ Brockmeyer/Ratschow, AO, 11. Aufl., § 119 Rz 20). Soweit die Klägerin insoweit jedoch ihre eigene Rechtsfähigkeit in Zweifel zieht, rügt sie im Ergebnis einen materiell-rechtlichen Fehler des Finanzgerichts (FG), der grundsätzlich nicht zur Zulassung der Revision führt.

7 4. Die Revision ist auch nicht wegen besonders schwerwiegender Fehler des FG bei der Auslegung revisiblen Rechts zuzulassen (§ 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO). Dies ist nur geboten, wenn das Urteil des FG objektiv willkürlich ist oder auf sachfremden Erwägungen beruht und unter keinem denkbaren Gesichtspunkt rechtlich vertretbar, also greifbar gesetzwidrig und somit geeignet ist, das Vertrauen in die Rechtsprechung zu beschädigen (vgl. dazu z.B. BFH-Beschlüsse vom 12. Mai 2011 IX B 121/10, BFH/NV 2011, 1391; vom 10. August 2011 X B 100/10, BFH/NV 2011, 2098; vom 16. August 2011 III B 155/10, BFH/NV 2012, 48; vom 17. August 2011 X B 225/10, BFH/NV 2011, 2083, und vom 5. September 2011 X B 144/10, BFH/NV 2012, 3).

8 Für das Vorliegen dieser Voraussetzungen ergeben sich aus der Beschwerdebegründung keine Anhaltspunkte. Zwar mag die angefochtene Entscheidung aus Sicht der Klägerin fehlerhaft sein. Einen sogenannten qualifizierten Rechtsanwendungsfehler vermögen die genannten Mängel jedoch nicht zu begründen. Die Klägerin macht insoweit lediglich einfache materiell-rechtliche Fehler geltend.

9 5. Schließlich hat die Klägerin keinen Verfahrensmangel (§ 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO) entsprechend § 116 Abs. 3 FGO dargelegt.

Schlagwörter

payroll tax liabilitytax class VInon-admission complaintfundamental importanceprocedural defectdefiniteness of noticeforeign-law company

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the complaint showed a ground for admission based on fundamental importance or need for legal development.

Extrahierter Entscheid

The complaint did not sufficiently substantiate a need for clarification of a specific, reviewable legal question.

Extrahierte Begründung

A successful complaint must address the contested legal question, its need for clarification, and the relevant case law and scholarship; the claimant did not do so.

Kernrechtsfrage

Whether payroll tax liability may be calculated under tax class VI even without a tax card or any payroll tax withholding by the employer.

Extrahierter Entscheid

Yes; the liable payroll tax is also to be determined under tax class VI in that situation.

Extrahierte Begründung

This question was already settled by prior BFH case law, which the Senate expressly followed.

Kernrechtsfrage

Whether a liability assessment may be addressed to a foreign-law company under the name and form it uses in business dealings.

Extrahierter Entscheid

Yes; the tax authority may address the assessment in the name and form used by the company in commerce, and the requirement of definiteness is satisfied if the addressee is identifiable.

Extrahierte Begründung

The BFH treated the settled rule on audit orders as applicable to liability assessments as well; any challenge to the company’s legal capacity was a substantive-law objection, not a ground for admission.

Kernrechtsfrage

Whether the Federal Fiscal Court should admit revision because of a particularly grave legal error by the fiscal court.

Extrahierter Entscheid

No; only objectively arbitrary or clearly untenable errors justify admission under this ground, and none was shown.

Extrahierte Begründung

The claimant alleged only ordinary substantive-law errors, not a qualified and trust-damaging misuse of the law.

Kernrechtsfrage

Whether a procedural defect was sufficiently pleaded.

Extrahierter Entscheid

No procedural defect was adequately set out.

Extrahierte Begründung

The complaint failed to meet the statutory pleading requirements for asserting a procedural error.

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