projekte
BFH IX S 15/10 ΓÇó Representation requirement also applies to in camera motions
BFH IX S 15/10Bfh / Division 906.04.2011Inadmissible
The plaintiff personally applied for an in camera review under Section 86(3) FGO concerning refusal of access to tax files and copies. The FG referred the matter to the BFH. The BFH held that mandatory representation before it extends to all procedural acts initiating proceedings, including a motion under Section 86(3) FGO. Because the motion was not filed by an authorised representative, it was inadmissible.
§ 62 Abs. 4 Satz 2 FGO i.V.m. § 86 Abs. 3 FGO; the mandatory representation requirement before the BFH covers every procedural act that commences BFH proceedings, including a motion for in camera review under Section 86(3) FGO. A personally filed motion is inadmissible unless submitted by a representative entitled to act before the BFH; the requirement is not limited to ordinary appeals or complaints but applies to any initiating application.
Entscheidungsdatum: 2011-04-06
Aktenzeichen: IX S 15/10
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 62 Abs 4 S 2 FGO, § 86 Abs 3 FGO
Spruchkörper: 9. Senat
(Vertretungszwang für einen Antrag auf In camera-Verfahren gem. § 86 Abs. 3 FGO)
NV: Der Vertretungszwang gilt auch für einen Antrag gemäß § 86 Abs. 3 FGO .
1 I. Die Beteiligten streiten im Hauptsacheverfahren über die Rechtmäßigkeit eines Bescheides über die einheitliche und gesonderte Feststellung von Besteuerungsgrundlagen einer Erbengemeinschaft, an der der Kläger und Antragsteller (Kläger) beteiligt ist.
2 Im Zuge des finanzgerichtlichen Verfahrens hat der Kläger beim Finanzgericht (FG) persönlich beantragt, gemäß § 86 Abs. 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zu prüfen, ob "die Verweigerung der antragsgemäßen Vorlage" bestimmter Steuerakten "zum Zwecke der Einsichtnahme" und die "Verweigerung beantragter Ablichtungen aus eingesehenen Gerichts- und Steuerakten" rechtmäßig sei.
3 Das FG hat den Antrag dem Bundesfinanzhof (BFH) vorgelegt.
4 II. Der Antrag ist unzulässig.
5 Vor dem BFH muss sich jeder Beteiligte, sofern es sich nicht um eine juristische Person des öffentlichen Rechts oder um eine Behörde handelt, durch einen Rechtsanwalt, Steuerberater, Steuerbevollmächtigten, Wirtschaftsprüfer oder vereidigten Buchprüfer als Bevollmächtigten vertreten lassen; zur Vertretung berechtigt sind auch Gesellschaften i.S. des § 3 Nr. 2 und 3 des Steuerberatungsgesetzes, die durch solche Personen handeln (§ 62 Abs. 4 FGO).
6 Der Vertretungszwang gilt für alle Prozesshandlungen, durch die ein Verfahren vor dem BFH eingeleitet wird (§ 62 Abs. 4 Satz 2 FGO) und mithin auch für einen Antrag gemäß § 86 Abs. 3 FGO (Stiepel in Beermann/Gosch, FGO § 86 Rz 47; Kopp/Schenke, VwGO, 16. Aufl. 2009, § 67 Rz 27 betr. vergleichbaren Vorlage-Antrag gemäß § 99 Abs. 2 VwGO). Im Streitfall ist die Beschwerde nicht von einer zur Vertretung berechtigten Person oder Gesellschaft eingelegt worden; der Kläger ist hierauf durch Schreiben vom 19. Oktober 2010 hingewiesen worden.