Stay of proceedings denied due to inadmissible revision

BFH III R 30/09Bfh / 3. Abteilung29.12.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The BFH dismissed the revision as inadmissible because the statement of reasons was filed one day late after expiry of the statutory two-month period. No extension or reinstatement had been requested, and no basis for ex officio reinstatement existed. The claimant also sought a stay of proceedings, but this failed because a stay by agreement under § 155 FGO i.V.m. § 251 ZPO requires the respondent’s consent, which was absent. A stay under § 74 FGO was likewise denied because such a stay presupposes the possibility of a merits decision, which the court lacked due to the inadmissible revision.

Omnilex-Regeste

§ 74 FGO; stay of proceedings presupposes that the court can still conduct a merits review. If the revision is already inadmissible, the court is barred from deciding the preliminary legal question and a stay under § 74 FGO is excluded. A procedural suspension under § 155 FGO i.V.m. § 251 ZPO furthermore requires corresponding motions by both parties; the unilateral request of one party is insufficient. Late filing of the reasons for revision after expiry of the time limit renders the revision inadmissible absent timely request for extension or reinstatement (consid. 1-4).

Gesamter Gesetzestext

BFH — III R 30/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-12-29

Aktenzeichen: III R 30/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 74 FGO

Vorinstanz: vorgehend FG Düsseldorf, 17. Februar 2009, Az: 10 K 501/08 Kg, Urteil

Spruchkörper: 3. Senat

Titelzeile

Aussetzung des Verfahrens

Leitsatz

NV: Eine Aussetzung des Verfahrens nach § 74 FGO kommt nicht in Betracht, wenn dem Senat wegen Unzulässigkeit der Revision eine Sachentscheidung über die vorgreifliche Rechtsfrage verwehrt ist .

Gründe

1 Die Revision ist unzulässig und deshalb durch Beschluss zu verwerfen (§ 124 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. § 126 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung --FGO--).

2 1. Nach § 120 Abs. 2 Satz 1 Halbsatz 1 FGO ist die Revision innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung des vollständigen Urteils zu begründen. Das Urteil des Finanzgerichts, in dem dieses die Revision zugelassen hat, wurde dem Prozessbevollmächtigten des Klägers und Revisionsklägers (Kläger) am 5. März 2009 zugestellt. Damit lief die Revisionsbegründungsfrist nach § 54 Abs. 2 FGO i.V.m. § 222 Abs. 1 der Zivilprozessordnung (ZPO) und § 187 Abs. 1, § 188 Abs. 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs mit Ablauf des 5. Mai 2009 ab. Die erst am 6. Mai 2009 bei dem Bundesfinanzhof (BFH) eingegangene Revisionsbegründung war daher verspätet. Es wurde auch weder ein Antrag auf Verlängerung der Revisionsbegründungsfrist nach § 120 Abs. 2 Satz 3 FGO noch ein Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nach § 56 FGO gestellt. Da sich dem Vorbringen des Klägers auch nicht entnehmen lässt, dass er ohne Verschulden an der Einhaltung der Frist zur Begründung der Revision verhindert war, kann Wiedereinsetzung auch nicht von Amts wegen gewährt werden.

3 2. Das vom Kläger beantragte Ruhen des Verfahrens (§ 155 FGO i.V.m. § 251 ZPO) ist schon deshalb nicht möglich, weil dies übereinstimmende Anträge des Klägers und der Beklagten und Revisionsbeklagten (Familienkasse) voraussetzt, die Familienkasse das Ruhen des Verfahrens aber nicht beantragt hat.

4 Auch eine Aussetzung des Verfahrens nach § 74 FGO --etwa im Hinblick auf das Vorabentscheidungsersuchen des Senats vom 21. Oktober 2010 III R 5/09 BFHE 231, 183-- kommt nicht in Betracht. Die Voraussetzungen dieser Vorschrift sind zwar auch dann erfüllt, wenn der Gerichtshof der Europäischen Union mit Fragen zur Auslegung des Gemeinschaftsrechts befasst ist, von deren Beantwortung die Entscheidung des Rechtsstreits abhängig ist (z.B. BFH-Urteil vom 3. September 2008 XI R 54/07, BFHE 222, 153, BStBl II 2009, 499). Ein Verfahren darf aber nach § 74 FGO nur dann ausgesetzt werden, wenn es zu einer Sachprüfung führen kann. Eine Aussetzung des Verfahrens nach § 74 FGO kommt daher nicht in Betracht, wenn, wie hier, dem Senat wegen Unzulässigkeit der Revision eine Sachentscheidung über die vorgreifliche Rechtsfrage verwehrt ist (z.B. Senatsbeschluss vom 9. August 2001 III R 58/99, BFH/NV 2002, 49; BFH-Urteil vom 20. September 1989 X R 8/86, BFHE 158, 205, BStBl II 1990, 177).

Schlagwörter

revision deadlineinadmissibilitystay of proceedingsEU preliminary rulingreinstatementprocedural consent

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the revision was admissible despite late filing of the statement of reasons

Extrahierter Entscheid

The revision was inadmissible because the reasons were filed after expiry of the two-month deadline and no extension or reinstatement was sought or warranted ex officio.

Extrahierte Begründung

The deadline expired on 2009-05-05; the reasons reached the BFH only on 2009-05-06. No extension request under § 120(2) FGO and no reinstatement request under § 56 FGO was filed.

Kernrechtsfrage

Whether the proceedings should be stayed pending other proceedings or an EU preliminary ruling

Extrahierter Entscheid

A stay was not possible because a stay under § 74 FGO requires the possibility of a merits review, which was absent due to the inadmissibility of the revision; the requested suspension of proceedings also lacked the opposing party's consent.

Extrahierte Begründung

Ruhen under § 155 FGO i.V.m. § 251 ZPO requires joint requests; the Family Benefits Office did not request it. A stay under § 74 FGO is excluded if the court cannot decide the matter on the merits.

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