Insolvency renders tax complaint against correction order moot

BFH IV B 11/09Bfh / 4. Abteilung10.11.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The BFH held that opening insolvency interrupted the complaint proceedings against the FG’s correction order, but the insolvency administrator became involved ex officio because of the statutory power to administer the estate. Since the tax claims based on the profit-allocation assessments were entered in the insolvency table without objection by the administrator, the creditors, and also the debtor, the underlying dispute over claims against the estate became moot. Because there was no joint settlement declaration and no fictitious settlement under § 138 Abs. 3 FGO, an isolated cost order was unavailable. The complaint was therefore dismissed as inadmissible.

Omnilex-Regeste

§ 240 ZPO i.V.m. § 155 FGO, § 80 InsO; § 178 Abs. 1 Satz 1, Abs. 3 InsO, §§ 184, 201, 257 InsO; mootness of tax proceedings against the insolvency estate after uncontested table entry: With the opening of insolvency, proceedings are interrupted, yet the insolvency administrator is automatically involved in pending proceedings by virtue of office and without a separate assumption declaration. If a tax claim is entered in the insolvency table without objection by the administrator, the creditors and the debtor, the entry has the effect of a final judgment; disputes concerning claims directed against the insolvency estate then become moot, including complaints against a correction order under § 107 FGO. In the absence of a mutual settlement declaration or a statutory fiction under § 138 Abs. 3 FGO, a separate cost decision is excluded and the appeal is to be dismissed as inadmissible.

Gesamter Gesetzestext

BFH — IV B 11/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-11-10

Aktenzeichen: IV B 11/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 107 FGO, § 138 FGO, § 155 FGO, § 80 InsO, § 178 InsO, § 184 InsO, § 201 InsO, § 257 InsO, § 240 ZPO, § 128 Abs 1 FGO

Vorinstanz: vorgehend FG Nürnberg, 15. Dezember 2008, Az: VI 321/2006, Beschluss

Spruchkörper: 4. Senat

Titelzeile

Beteiligung des Insolvenzverwalters am Beschwerdeverfahren kraft Amtes - Ende der Unterbrechung des Beschwerdeverfahrens - Erledigung der Hauptsache bei nicht widersprochenen Einkommensteuerforderungen

Leitsatz

NV: Wird der Eintragung der auf Gewinnfeststellungsbescheiden beruhenden Einkommensteuerforderungen in die Insolvenztabelle nicht widersprochen, tritt bezüglich der Rechtsstreitigkeiten, die die gegen die Insolvenzmasse gerichteten Steuerforderungen betreffen (hier: Beschwerde gegen Berichtigungsbeschluss nach § 107 FGO), die Erledigung der Hauptsache ein .

Tatbestand

1 I. Der Kläger hat gegen die Gewinnfeststellungsbescheide 2001 und 2002 Klage erhoben. Mit Beschluss vom 15. Dezember 2008 hat das Finanzgericht (FG) den am 11. Dezember 2008 verkündeten Tenor seines Urteils nach § 107 der Finanzgerichtsordnung (FGO) berichtigt. Der Beschluss wurde vom Kläger mit der am 29. Dezember 2008 und damit fristgerecht (§ 129 FGO) erhobenen Beschwerde angefochten; das FG hat der Beschwerde nicht abgeholfen. Am … März 2009 ist über das Vermögen des Klägers das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Die auf den Gewinnfeststellungsbescheiden beruhenden rückständigen Einkommensteuerforderungen wurden vom Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt --FA--) angemeldet und von der Insolvenzverwalterin (Frau Rechtsanwältin X) --Beschwerdeführerin-- anerkannt. Auf das Schreiben des Senatsvorsitzenden vom 5. Juli 2010 hat das FA die Hauptsache mit Schriftsatz vom 2. August 2010 für erledigt erklärt. Die Beschwerdeführerin hat sich --mit einem gleichfalls am 2. August 2010 verfassten Schriftsatz-- dahin eingelassen, dass sie nicht Partei des Rechtsstreits sei und --da dessen Aufnahme von ihr nicht veranlasst worden sei-- auch keine Prozesserklärung abgeben werde. Mit weiterem Schreiben der Geschäftsstelle des beschließenden Senats wurde der Beschwerdeführerin die Erledigungserklärung des FA zur Kenntnisnahme übersandt; ein Hinweis gemäß § 138 Abs. 3 FGO wurde nicht erteilt. Die Beschwerdeführerin hat sich hierauf nicht mehr geäußert.

Entscheidungsgründe

2 II. Die Beschwerde ist unzulässig und deshalb zu verwerfen.

3 1. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Klägers ist nicht nur das Beschwerdeverfahren gemäß § 128 Abs. 1 i.V.m. § 107 FGO unterbrochen (§ 240 der Zivilprozessordnung i.V.m. § 155 FGO), sondern auch die Beschwerdeführerin aufgrund ihres Rechts, die Insolvenzmasse zu verwalten und hierüber zu verfügen (§ 80 der Insolvenzordnung --InsO--), an dem anhängigen Beschwerdeverfahren kraft Amtes beteiligt worden (Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 7. März 2006 VII R 11/05, BFHE 212, 11, BStBl II 2006, 573, zu II.4.). Entgegen ihrer Einlassung ist letztere Rechtswirkung nicht an die Erklärung des Insolvenzverwalters zur Aufnahme des unterbrochenen Verfahrens gebunden.

4 2. Da die Eintragung der auf den angefochtenen Gewinnfeststellungsbescheiden beruhenden Einkommensteuerforderungen in die vom Insolvenzverwalter zu führende Tabelle (Insolvenztabelle) mangels Widerspruchs des Insolvenzverwalters und der Insolvenzgläubiger wie ein rechtskräftiges Urteil wirkt (§ 178 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. Abs. 3 InsO), tritt jedenfalls dann, wenn --wie vorliegend-- auch der Schuldner der Feststellung zur Insolvenztabelle nicht widersprochen hat (vgl. §§ 178 Abs. 1 Satz 2, 184, 201, 257 InsO), bezüglich der Rechtsstreitigkeiten, die die gegen die Insolvenzmasse gerichteten Steuerforderungen betreffen, die Erledigung der Hauptsache ein (Schumacher in MünchKommInsO, 2. Aufl., § 178 Rz 89; BFH-Urteil in BFHE 212, 11, BStBl II 2006, 573, zu II.6.). Dies betrifft nicht nur das Verfahren betreffend die Nichtzulassung der Revision (vgl. hierzu Beschluss vom heutigen Tage in der Rechtssache IV B 18/09, sondern gleichermaßen auch das gegen einen Berichtigungsbeschluss gemäß § 107 FGO anhängige Beschwerdeverfahren (vgl. BFH-Beschluss vom 18. August 1992 V B 209/91, BFH/NV 1993, 479; Gräber/ Stapperfend, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., § 107 Rz 6).

5 3. Folge hiervon ist nicht nur, dass die Unterbrechung des Beschwerdeverfahrens endet (Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 2. Februar 2005 XII ZR 233/02, Zeitschrift für das gesamte Insolvenzrecht 2005, 372), sondern darüber hinaus auch, dass dann, wenn --wie im anhängigen Verfahren-- die Beteiligten den Rechtsstreit nicht übereinstimmend für erledigt erklären und auch die Voraussetzungen für eine nach § 138 Abs. 3 FGO fingierte Erledigungserklärung nicht vorliegen (dazu Gräber/ Ratschow, a.a.O., § 138 Rz 1, Rz 20), eine isolierte Kostenentscheidung gemäß § 138 Abs. 1 FGO ausgeschlossen (BFH-Beschluss vom 4. Juli 1986 VII B 134/85, BFHE 147, 110, BStBl II 1986, 752) und die Beschwerde --aufgrund des nunmehr fehlenden Rechtsschutzbedürfnisses-- als unzulässig zu verwerfen ist (vgl. Beschluss vom heutigen Tage in der Rechtssache IV B 18/09, m.w.N.).

Schlagwörter

insolvencymootnesstax claimtable entrycomplaint inadmissibleprocedural interruptioncorrection order

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the bankruptcy opening interrupted the complaint proceedings and whether the insolvency administrator became involved ex officio.

Extrahierter Entscheid

The complaint proceedings were interrupted by the opening of insolvency, and the insolvency administrator became involved in the pending proceedings by operation of law.

Extrahierte Begründung

Under § 240 ZPO in conjunction with § 155 FGO and § 80 InsO, the debtor’s pending tax appeal is interrupted, but the administrator is automatically involved because of the power to administer the estate; no separate assumption declaration is required.

Kernrechtsfrage

Whether the complaint became moot after the tax claims were entered in the insolvency table without objection.

Extrahierter Entscheid

Yes. Because the claims were entered in the insolvency table without objection by the administrator, creditors, and debtor, the dispute concerning the estate-directed tax claims became moot.

Extrahierte Begründung

An uncontested entry in the insolvency table has the effect of a final judgment under § 178 InsO; for disputes about tax claims against the estate, this leads to mootness of the pending proceedings, including a complaint against a correction order under § 107 FGO.

Kernrechtsfrage

Whether a separate cost decision under § 138 FGO remained possible.

Extrahierter Entscheid

No separate cost decision was excluded because the case was not jointly declared settled and no fictitious settlement declaration under § 138 Abs. 3 FGO applied.

Extrahierte Begründung

Once the main matter has become moot, but the parties have not agreed on settlement and the statutory fiction does not apply, the complaint must be dismissed as inadmissible; an isolated cost order is not available.

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