Non-admission complaint rejected: no surprise decision from rapporteur's view

BFH XI B 67/09Bfh / Division 1123.11.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The BFH rejected the taxpayer's non-admission complaint against the FG Baden-Württemberg judgment. It held that no fundamental importance existed, no divergent case law was shown, and no procedural defect was sufficiently substantiated. The court further stated that merely alleging incorrect tax liability, limitation, or evidentiary assessment does not establish an admission ground. The complaint was therefore unsuccessful, and the court gave no further reasoning under § 116 Abs. 5 sentence 2 FGO.

Omnilex-Regeste

§ 115 Abs. 2 Nr. 1–3 FGO; admission of revision on non-admission complaint; no surprise decision if the FG departs in its final judgment from the rapporteur’s view expressed in an oral discussion, provided the alleged statement is not established by the record and the legal question is otherwise clarified. A divergence requires a genuine conflicting legal principle of the FG, not merely a different result. Procedural defects must be specifically substantiated and their possible causal relevance to the decision shown; mere assertions of incorrect substantive law application, limitation, or evidence assessment do not constitute admission grounds.

Gesamter Gesetzestext

BFH — XI B 67/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-11-23

Aktenzeichen: XI B 67/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 115 Abs 2 Nr 1 FGO, § 116 Abs 5 S 2 FGO

Vorinstanz: vorgehend Finanzgericht Baden-Württemberg, 12. Februar 2009, Az: 3 K 268/00, Urteilnachgehend BFH, 7. Februar 2011, Az: XI S 29/10, Beschluss

Spruchkörper: 11. Senat

Titelzeile

Nichtzulassungsbeschwerde: Abweichung des FG von einer zuvor geäußerten Auffassung des Berichterstatters

Leitsatz

NV: Es ist bereits geklärt, dass grundsätzlich keine unzulässige Überraschungsentscheidung vorliegt, wenn das FG in der abschließenden Entscheidung von der Rechtsauffassung des Berichterstatters abweicht, die dieser im Erörterungstermin geäußert hat .

Gründe

1 Die Beschwerde der Klägerin und Beschwerdeführerin (Klägerin) hat keinen Erfolg. Die Voraussetzungen für eine Zulassung der Revision wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtssache nach § 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) oder wegen des Erfordernisses einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung nach § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO oder wegen eines Verfahrensmangels gemäß § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO liegen nicht vor oder sind nicht entsprechend den Anforderungen des § 116 Abs. 3 Satz 3 FGO dargelegt worden.

2 1. Die Sache hat keine grundsätzliche Bedeutung i.S. des § 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO.

3 Soweit die Klägerin die grundsätzliche Bedeutung daraus herzuleiten sucht, dass der Berichterstatter des entscheidenden Senats des Finanzgerichts (FG) im Erörterungstermin zum Ausdruck gebracht habe, die Klage werde Erfolg haben, während der Senat des FG die Klage anschließend abgewiesen habe, so ergibt sich die behauptete Äußerung des Berichterstatters nicht aus der Niederschrift zu dem Erörterungstermin.

4 Im Übrigen ist in der Rechtsprechung geklärt, dass grundsätzlich keine unzulässige Überraschungsentscheidung vorliegt, wenn das FG in der abschließenden Entscheidung von der Rechtsauffassung des Berichterstatters abweicht, die dieser im Erörterungstermin geäußert hat (vgl. z.B. BFH-Beschlüsse vom 10. August 2009 III B 205/08, Zeitschrift für Steuern und Recht 2009, R1024; vom 18. September 2009 IV B 140/08, BFH/NV 2010, 220).

5 2. Die Revision kann auch nicht zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung nach § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO zugelassen werden.

6 Die behauptete Divergenz zu dem BFH-Urteil vom 21. Mai 1971 V R 117/67 (BFHE 102, 174, BStBl II 1971, 540) liegt nicht vor. Das FG ist entgegen der Ansicht der Klägerin nicht von dem Rechtssatz "Die Arbeitsgemeinschaft kann keine Unternehmerin sein, wenn die tatsächliche Durchführung des Vertrages durch die Gesellschafter der Arbeitsgemeinschaft erfolgt" ausgegangen.

7 3. Auch eine Revisionszulassung wegen eines Verfahrensmangels nach § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO scheidet aus.

8 Wird die Nichtzulassungsbeschwerde auf einen solchen Mangel gestützt, so bedarf es hierfür eines Vortrags der Tatsachen, die den Mangel schlüssig ergeben. Außerdem muss dargelegt werden, dass die angefochtene Entscheidung --ausgehend von der insoweit maßgebenden materiell-rechtlichen Auffassung des FG-- auf dem geltend gemachten Verfahrensmangel beruhen kann, sie also ohne den Verfahrensmangel möglicherweise anders ausgefallen wäre (ständige Rechtsprechung des BFH, vgl. z.B. Beschluss vom 19. Mai 2008 V B 29/07, BFH/NV 2008, 1501, unter III. A., m.w.N.).

9 Die zahlreichen von der Klägerin als Verfahrensmängel gerügten Fehler sind entweder keine Verfahrensmängel i.S. von § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO oder sie wurden nicht entsprechend den vorstehenden Anforderungen dargelegt oder sie liegen offensichtlich nicht vor.

10 4. Mit dem Vorbringen, das FG habe zu Unrecht die Steuerschuldnerschaft der Klägerin bejaht, es sei entgegen der Auffassung des FG Festsetzungsverjährung eingetreten und das FG habe Fehler bei der Beweiswürdigung begangen, macht die Klägerin keinen Zulassungsgrund i.S. von § 115 Abs. 2 FGO geltend. Denn eine etwaige fehlerhafte Rechtsanwendung im Einzelfall gehört nicht zu den dort aufgezählten Zulassungsgründen.

11 5. Gemäß § 116 Abs. 5 Satz 2 FGO wird von einer weiteren Begründung abgesehen, weil sie nicht geeignet ist, zur Klärung der Voraussetzungen beizutragen, unter denen eine Revision zuzulassen ist.

Schlagwörter

non-admission complaintfundamental importancedivergenceprocedural defectsurprise decisiontax liabilitylimitationevidence assessment

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether revision should be allowed for fundamental importance based on the rapporteur's alleged oral view at the hearing.

Extrahierter Entscheid

No. The alleged remark was not reflected in the hearing record, and it is established that no impermissible surprise decision exists merely because the FG departs in its final judgment from the rapporteur's earlier view.

Extrahierte Begründung

The complaint did not show a novel question of law; the asserted factual basis was unsupported by the minutes, and the legal issue had already been clarified in case law.

Kernrechtsfrage

Whether revision should be allowed to secure uniform case law due to an alleged divergence from BFH case law.

Extrahierter Entscheid

No divergence was shown. The FG did not adopt the legal proposition attributed to it by the complainant.

Extrahierte Begründung

The complaint misread the FG judgment and therefore failed to establish a conflicting legal rule.

Kernrechtsfrage

Whether revision should be allowed for alleged procedural defects.

Extrahierter Entscheid

No. A non-admission complaint based on procedural error requires substantiated facts showing the defect and that the decision may have been different without it; this was not done here.

Extrahierte Begründung

The alleged errors were either not procedural defects, not sufficiently substantiated, or obviously absent.

Kernrechtsfrage

Whether alleged errors in tax liability, limitation, and evidence assessment constitute grounds for admission.

Extrahierter Entscheid

No. Such assertions amount only to alleged erroneous application of law in the individual case and are not statutory grounds for admission.

Extrahierte Begründung

§ 115 FGO lists only specific admission grounds; simple substantive error review is excluded.

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