Hamburg gaming machine tax remains applicable despite unconstitutionality

BFH II B 30/10Bfh / 2. Abteilung17.08.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The BFH rejected the non-admission complaint against the FG Hamburg judgment concerning Hamburg gaming machine tax. It held that the Constitutional Court's decision on § 4(1) SpStG was binding and expressly allowed continued application until the statute expired. The claimant's argument that the law applied worldwide was incompatible with constitutional interpretation principles. The equal-treatment objection regarding the exemption for Hamburg's casino did not justify revision and had already been answered in prior case law.

Omnilex-Regeste

§ 31 Abs. 1 BVerfGG; Art. 105 Abs. 2a GG; Art. 3 Abs. 1 GG; continued application of a provision declared unconstitutional and territorial interpretation of a Land tax statute. The BFH is bound by the tenor of the Federal Constitutional Court's decision, including an express transitional authorization of continued applicability despite a finding of incompatibility with the Basic Law. A provision of Land tax law is, where possible, to be interpreted in conformity with the Constitution; an interpretation extending its territorial scope beyond the Land's territory is inadmissible if it contradicts the systematics and constitutional limits of Länder legislation. Once the constitutional court has definitively permitted temporary further application, an equality objection directed at the exempted comparator need not be examined again if the issue has been settled and prior case law has already rejected it.

Gesamter Gesetzestext

BFH — II B 30/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-08-17

Aktenzeichen: II B 30/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: Art 3 Abs 1 GG, Art 105 Abs 2a GG, § 31 Abs 1 BVerfGG, § 4 Abs 1 SpStG HA

Vorinstanz: vorgehend FG Hamburg, 2. Februar 2010, Az: 2 K 232/09, Urteil

Spruchkörper: 2. Senat

Titelzeile

Anwendbarkeit des Hamburgischen Spielgerätesteuergesetzes trotz Verfassungswidrigkeit

Leitsatz

  1. NV: Das Hamburgische Spielgerätesteuergesetz ist bis zu seinem Außerkrafttreten auch insoweit anwendbar, als das BVerfG seine Verfassungswidrigkeit festgestellt hat .

  2. NV: Der Geltungsbereich des Hamburgischen Spielgerätesteuergesetzes beschränkt sich auf das Gebiet Hamburgs .

Tatbestand

1 I. Das Finanzgericht (FG) wies die von der Klägerin und Beschwerdeführerin (Klägerin) gegen die Festsetzung von Spielgerätesteuer nach dem Hamburgischen Spielgerätesteuergesetz (SpStG) für die Zeiträume Dezember 2000 bis Juli 2001, September 2001 bis Februar 2002, Mai bis Juli 2002, September 2002 bis Juni 2003 und August 2003 bis Dezember 2004 erhobene Klage unter Hinweis auf den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) vom 4. Februar 2009 1 BvL 8/05 (BVerfGE 123, 1) ab. Eine erneute Vorlage an das BVerfG sei nicht erforderlich. Der Landesgesetzgeber habe seine Gesetzgebungskompetenzen nicht deshalb überschritten, weil der Geltungsbereich des SpStG nicht ausdrücklich auf das Gebiet der Freien und Hansestadt Hamburg beschränkt worden sei. Es liege auch keine verfassungswidrige Ungleichbehandlung mit der von der Spielgerätesteuer befreiten Hamburger Spielbank vor.

2 Die Klägerin stützt die Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision auf § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO). Das SpStG sei verfassungswidrig, weil es seinen Geltungsbereich nicht auf Hamburg beschränke, sondern auf die gesamte Welt erstrecke. Die Ungleichbehandlung der Spielgerätebetreiber mit den durch das SpStG weltweit von der Spielgerätesteuer befreiten Spielbanken sei ebenfalls verfassungswidrig.

Entscheidungsgründe

3 II. Die Beschwerde ist, sofern sie überhaupt den Begründungsanforderungen des § 116 Abs. 3 Satz 3 FGO entspricht, unbegründet. Ein Grund für die Zulassung der Revision nach § 115 Abs. 2 FGO liegt nicht vor.

4 1. Das BVerfG hat mit dem Beschluss in BVerfGE 123, 1, zwar § 4 Abs. 1 SpStG für unvereinbar mit Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG) erklärt, aber im Tenor der Entscheidung weiter ausgeführt, die Vorschrift bleibe für den Zeitraum bis zum Außerkrafttreten des SpStG am 1. Oktober 2005 weiter anwendbar. In Abschn. C. I. 1. des Beschlusses führte das BVerfG aus, die Gesetzgebungskompetenz der Freien und Hansestadt Hamburg für den Erlass des SpStG ergebe sich aus Art. 105 Abs. 2a Satz 1 GG. Die Spielgerätesteuer gehöre zu den herkömmlichen örtlichen Verbrauch- und Aufwandsteuern. An diese Beurteilung ist der Bundesfinanzhof (BFH) nach § 31 Abs. 1 des Gesetzes über das Bundesverfassungsgericht (BVerfGG) gebunden. Das BVerfG ist in dem Beschluss offensichtlich davon ausgegangen, dass sich der Geltungsbereich des SpStG auf das Gebiet der Freien und Hansestadt Hamburg beschränkt, obwohl dies im Gesetz nicht ausdrücklich erwähnt wird. Die Ansicht der Klägerin, das SpStG sei so zu verstehen, dass sich sein Geltungsbereich unter Missachtung der der Gesetzgebung der Länder gezogenen räumlichen Grenzen nicht nur auf das Gebiet Hamburgs, sondern auf die gesamte Welt erstrecke, entspricht nicht den allgemein anerkannten Grundsätzen über die Auslegung von Gesetzen, zu denen insbesondere der Grundsatz der verfassungskonformen Gesetzesauslegung rechnet (vgl. z.B. BVerfG-Beschluss vom 22. September 2009 2 BvL 3/02, BFH/NV 2009, 2119, unter B. 2. a; Drüen in Tipke/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, § 4 AO Rz 238 f.; Wernsmann in Hübschmann/Hepp/ Spitaler, § 4 AO Rz 280 f.; Pahlke/Koenig/Pahlke, Abgabenordnung, 2. Aufl., § 4 Rz 104 f.). Lässt eine Norm mehrere Deutungen zu, von denen nur eine zu einem verfassungsmäßigen Ergebnis führt, so ist diejenige Auslegung geboten, die mit dem Grundgesetz in Einklang steht (BFH-Urteile vom 21. Oktober 1997 IX R 29/95, BFHE 184, 466, BStBl II 1998, 142, und vom 14. Dezember 2006 III R 27/03, BFHE 215, 442, BStBl II 2007, 332, unter II. 4. a, jeweils m.w.N.).

5 2. Da das BVerfG mit dem Beschluss in BVerfGE 123, 1, trotz des festgestellten Gleichheitsverstoßes die befristete weitere Anwendung des § 4 Abs. 1 SpStG zugelassen hat, kommt es aufgrund der nach § 31 Abs. 1 BVerfGG bindenden Wirkung des Beschlusses auf die von der Klägerin aufgeworfene Frage, ob die Befreiung der Hamburger Spielbank von der Spielgerätesteuer mit Art. 3 Abs. 1 GG vereinbar ist, nicht mehr an. Im Übrigen hat der BFH bereits wiederholt entschieden, dass insoweit kein Verstoß gegen den allgemeinen Gleichheitssatz vorliegt (Beschluss vom 21. Februar 1990 II B 98/89, BFHE 160, 61, BStBl II 1990, 510, unter B. 2. a; Urteil vom 26. Juni 1996 II R 47/95, BFHE 180, 497, BStBl II 1996, 538, unter II. 3. c cc; ebenso zur Befreiung des Aufwands, der der Spielbankabgabe unterliegt, von der Hamburger Spielvergnügungsteuer BFH-Beschlüsse vom 1. Februar 2007 II B 51/06, BFH/NV 2007, 987, unter II. 5., und vom 27. November 2009 II B 75/09, BFH/NV 2010, 692, unter II. 2. b ee). Die Frage ist also bereits geklärt.

Schlagwörter

gaming machine taxconstitutional conformityterritorial scopeequalitybinding effectnon-admission complaint

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the Hamburg Gaming Machine Tax Act could still be applied despite the Constitutional Court's finding of unconstitutionality.

Extrahierter Entscheid

Yes. The Constitutional Court expressly allowed continued application of § 4(1) SpStG until the Act ceased to have effect, and the BFH was bound by that ruling.

Extrahierte Begründung

Under § 31(1) BVerfGG the BFH is bound by the Constitutional Court's tenor and reasoning. The prior decision left the provision applicable for the transitional period.

Kernrechtsfrage

Whether the act was invalid because its territorial scope allegedly extended beyond Hamburg.

Extrahierter Entscheid

No. The court treated the statute as limited to Hamburg's territory in a constitutionally conforming interpretation.

Extrahierte Begründung

Statutes must be interpreted in line with the Constitution where possible. Reading the act as worldwide in scope would contradict established interpretive principles and the constitutional limits on Länder legislation.

Kernrechtsfrage

Whether the exemption of Hamburg's casino from the gaming machine tax violated equality.

Extrahierter Entscheid

No further review was required; in any event, the issue had already been settled against the claimant's view.

Extrahierte Begründung

Because the Constitutional Court permitted temporary continued application of § 4(1) SpStG, the equality objection no longer affected the case. Prior BFH case law also rejected a comparable equality challenge.

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