Waiver of objection to omitted witness examination

BFH V B 6/10Bfh / 5. Abteilung08.06.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The BFH dismissed the complainant’s non-admission complaint against the FG Cologne judgment. It held that no qualifying divergence was shown, because the cited BFH precedent concerned a non-comparable case. The complaint of omitted witness evidence failed because the complainant waived the objection by arguing the case without raising the issue at the hearing, especially since no witness had been summoned and the omission was recognizable. The alleged violation of the file record under § 96 FGO was insufficiently substantiated. A ground of fundamental importance raised only after expiry of the complaint period was disregarded.

Omnilex-Regeste

§ 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 FGO, § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO; revision admissible only upon a divergence in a decisive legal question on comparable facts, or upon a properly substantiated procedural defect. A complaint of omitted evidence is forfeited if the party conducts the oral hearing without timely objection, provided the omission was recognizable; if no witness is summoned, the party must object in the hearing or explain why objection was impossible. A violation of § 96 FGO requires precise designation of disregarded file contents, with page references, and a showing of materiality and causal relevance. Grounds for admission raised only after expiry of the statutory complaint period are not considered.

Gesamter Gesetzestext

BFH — V B 6/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-06-08

Aktenzeichen: V B 6/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 94 FGO, § 96 FGO, § 155 FGO, § 165 ZPO, § 295 ZPO, § 115 Abs 2 Nr 3 FGO

Vorinstanz: vorgehend FG Köln, 7. Dezember 2009, Az: 8 K 1089/07, Urteil

Spruchkörper: 5. Senat

Titelzeile

Rügeverzicht: Beantragte Zeugeneinvernahme

Leitsatz

NV: Wird zur mündlichen Verhandlung kein Zeuge geladen, ist für den Kläger erkennbar, dass das FG die beantragte Zeugeneinvernahme nicht beabsichtigt. Erfolgt keine Rüge in der mündlichen Verhandlung, liegt ein Verzicht auf den Verfahrensmangel des Übergehens eines Beweisantrags vor.

Gründe

1 Die Beschwerde hat keinen Erfolg.

2 1. Die Voraussetzungen für eine Zulassung der Revision zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (§ 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 der Finanzgerichtsordnung --FGO--) liegen nicht vor.

3 Die Zulassung einer Revision nach § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 FGO erfordert, dass das Finanzgericht (FG) bei gleichem oder vergleichbarem festgestelltem Sachverhalt in einer entscheidungserheblichen Rechtsfrage eine andere Rechtsauffassung vertritt als der Bundesfinanzhof (BFH), der Gemeinsame Senat, der Gerichtshof der Europäischen Union, ein anderes oberstes Bundesgericht oder ein anderes FG (BFH-Beschlüsse vom 14. Oktober 2009 IX B 105/09, BFH/NV 2010, 443; vom 28. September 2009 IV B 99/08, BFH/NV 2010, 167).

4 Der Kläger und Beschwerdeführer (Kläger) stützt seine Beschwerde auf eine Abweichung vom Urteil des BFH vom 25. Mai 2004 VII R 29/02 (BFHE 205, 539, BStBl II 2005, 3), räumt dabei aber selbst ein, dass dieses Urteil keinen vergleichbaren Fall betrifft, so dass eine Revisionszulassung nach § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 FGO nicht in Betracht kommt.

5 2. Auch soweit der Kläger die Nichterhebung angebotener Beweise als Verfahrensfehler (§ 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO) geltend macht, hat die Beschwerde keinen Erfolg.

6 Insoweit hat der Kläger sein Rügerecht durch rügelose Verhandlung zur Sache (siehe Sitzungsprotokoll; zu dessen erhöhter Beweiskraft § 94 FGO i.V.m. § 165 der Zivilprozessordnung --ZPO--) und damit durch bloßes Unterlassen einer rechtzeitigen Rüge verloren (§ 155 FGO i.V.m. § 295 ZPO); auch fehlt der Vortrag, dass die Nichterhebung des angebotenen Beweises in der mündlichen Verhandlung gerügt wurde oder weshalb diese Rüge nicht möglich war (vgl. BFH-Beschluss vom 15. März 2007 IX B 234/06, BFH/NV 2007, 1179). Wurde --wie im Streitfall-- zur mündlichen Verhandlung kein Zeuge geladen, ist für den Kläger erkennbar, dass das FG die beantragte Zeugeneinvernahme nicht beabsichtigt; wird dies in der mündlichen Verhandlung nicht gerügt, liegt ein Verzicht auf den Verfahrensmangel des Übergehens eines Beweisantrags vor (vgl. BFH-Beschlüsse vom 28. September 2005 XI B 134/04, BFH/NV 2006, 314, und vom 20. September 2007 IX B 54/07, BFH/NV 2008, 30). Darüber hinaus hat der Kläger auch nicht dargelegt, inwiefern sich aus der (unterlassenen) Beweiserhebung auf der Grundlage der Rechtsauffassung des FG eine andere Entscheidung hätte ergeben können (BFH-Beschluss vom 22. August 2006 V B 86/05, BFH/NV 2006, 2289).

7 3. Schließlich liegt entgegen der Auffassung des Klägers auch kein Verstoß gegen den klaren Inhalt der Akten und gegen § 96 Abs. 1 Satz 1 FGO vor.

8 Die Rüge eines "Verstoßes gegen den (klaren) Inhalt der Akten" kann dahin zu verstehen sein, dass hiermit die Nichtbeachtung des § 96 Abs. 1 Satz 1 erster Halbsatz FGO geltend gemacht wird, wonach das Gericht nach seiner freien, aus dem Gesamtergebnis des Verfahrens gewonnenen Überzeugung entscheidet. Nach § 96 Abs. 1 Satz 1 FGO ist das FG verpflichtet, den Inhalt der ihm vorliegenden Akten vollständig und einwandfrei zu berücksichtigen (BFH-Beschlüsse vom 4. Februar 2003 VI B 70/02, BFH/NV 2003, 798; vom 21. Juni 2004 VII B 167/03, BFH/NV 2005, 62). Die schlüssige Rüge eines Verfahrensmangels wegen Nichtberücksichtigung des Inhalts der Akten (§ 96 FGO) erfordert, unter genauer Angabe der jeweiligen Schriftstücke und Seitenzahlen aus den Akten sich ergebende wesentliche Tatumstände zu benennen, die das FG nicht berücksichtigt hat und darzulegen, dass die Entscheidung unter Zugrundelegung der materiell-rechtlichen Auffassung des FG auf der Nichtberücksichtigung dieser Aktenteile beruhen kann (vgl. BFH-Beschlüsse vom 21. September 2000 XI B 13/99, BFH/NV 2001, 200; vom 29. April 2004 V B 43/03, BFH/NV 2004, 1303, und vom 18. August 2006 IV B 101/05, BFH/NV 2007, 202). Auch diesen Anforderungen entspricht die Beschwerde nicht.

9 4. Der erst nach Ablauf der Beschwerdefrist (§ 116 Abs. 3 Satz 1 FGO) geltend gemachte Zulassungsgrund der grundsätzlichen Bedeutung (§ 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO) war nicht zu berücksichtigen (z.B. BFH-Beschluss vom 24. April 2007 X B 169/06, BFH/NV 2007, 1504).

Schlagwörter

non-admission complaintwaiver of objectionwitness evidencefile contentprocedural defectdivergencefundamental importance

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether revision should be allowed for divergence in case law under § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 FGO.

Extrahierter Entscheid

No divergence warranting revision was shown, because the cited BFH judgment did not concern a comparable case.

Extrahierte Begründung

A departure requires a comparable factual situation and a conflicting legal view on a decisive question; that was not demonstrated.

Kernrechtsfrage

Whether the alleged failure to hear evidence constituted a procedural defect under § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO.

Extrahierter Entscheid

The procedural complaint failed because the right to object was forfeited by failing to object at the oral hearing, and no impossibility of objection was shown.

Extrahierte Begründung

No witness had been summoned, so the complainant could recognize that the court did not intend to hear the requested witness; without a timely objection, there is waiver under § 295 ZPO via § 155 FGO.

Kernrechtsfrage

Whether there was a violation of the clear content of the file and § 96 Abs. 1 Satz 1 FGO.

Extrahierter Entscheid

No sufficient substantiation of a file-content violation was made.

Extrahierte Begründung

Such a complaint requires precise identification of omitted file materials and explanation of materiality and causation for the judgment; these requirements were not met.

Kernrechtsfrage

Whether the later-raised ground of fundamental importance could be considered.

Extrahierter Entscheid

It could not be considered because it was raised after expiry of the complaint period.

Extrahierte Begründung

A ground for admission raised only after the deadline is procedurally irrelevant.

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