No revision on misapprehended facts or denied evidence-taking

BFH IX B 198/09Bfh / Division 919.05.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Fiscal Court dismissed the complaint against the Thuringian Fiscal Court judgment. It held that the complainant's submission on a supposedly deviating post-separation cost-sharing agreement only attacked the tax court's assessment of facts and law, which cannot establish fundamental significance. The alleged failure to investigate ex officio also failed because the hearing record showed an extensive discussion, no evidentiary motion was made, and any objection was waived by proceeding without timely protest.

Omnilex-Regeste

§ 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO; § 76 Abs. 1 FGO; § 155 FGO i.V.m. § 295 ZPO; admissibility of revision and waiver of procedural defects. A complaint for admission of revision is insufficient where it merely contests the factual assessment and substantive legal application of the tax court under the guise of fundamental significance. A procedural complaint based on omitted ex officio investigation requires a substantiated showing of a violation of the duty to investigate; it is waived if the party, represented by counsel, does not request evidence or timely object despite the recognisable intention that no further evidentiary measures will be taken outside the hearing. The probative value of the hearing record may confirm that the matter was fully discussed and that no waiver-defeating objection was raised (consid. 4-5).

Gesamter Gesetzestext

BFH — IX B 198/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-05-19

Aktenzeichen: IX B 198/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 76 Abs 1 FGO, § 115 Abs 2 Nr 1 FGO, § 115 Abs 2 Nr 3 FGO, § 116 Abs 3 S 3 FGO, § 165 ZPO, § 295 ZPO

Vorinstanz: vorgehend Thüringer Finanzgericht, 17. September 2009, Az: II 943/06, Urteilnachgehend BFH, 5. Oktober 2010, Az: IX S 7/10, Beschluss

Spruchkörper: 9. Senat

Titelzeile

Fehlerhafte Rechtsanwendung - Sachaufklärungsrüge

Leitsatz

  1. NV: Legt der Kläger - anders als das FG - seinen Ausführungen auch für die Zeit nach der Trennung der Eheleute eine steuerrechtlich anzuerkennende abweichende (stillschweigende) Vereinbarung unter diesen zugrunde, rügt er insoweit lediglich eine (vermeintlich) fehlerhafte Tatsachenwürdigung und Rechtsanwendung durch das FG, also die materielle Unrichtigkeit des Urteils; damit kann indes die Zulassung der Revision nicht erreicht werden.

  2. NV: Ein Verstoß gegen die Sachaufklärungspflicht als (verzichtbaren) Verfahrensmangel in Gestalt des Unterlassens der Amtsermittlung ist nicht gegeben, wenn ausweislich des Sitzungsprotokolls "die Sach- und Rechtslage mit den Beteiligten eingehend erörtert" wurde, ohne dass ein Beweisantrag gestellt oder der Kläger auf ihn oder anderweitige Aufklärungsmaßnahmen hingewirkt hätte, obwohl spätestens aufgrund der Ladung erkennbar war, dass das FG eine mögliche Beweiserhebung oder weitere Aufklärungsmaßnahmen außerhalb der mündlichen Verhandlung nicht durchzuführen beabsichtigte.

Gründe

1 Die Beschwerde hat keinen Erfolg. Es ist bereits zweifelhaft, ob ihre Begründung den Darlegungsanforderungen des § 116 Abs. 3 Satz 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) entspricht; jedenfalls sind die vom Kläger und Beschwerdeführer (Kläger) geltend gemachten Zulassungsgründe nicht gegeben.

2 1. Für die vom Kläger behauptete grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache fehlt es schon an einer Auseinandersetzung mit den in Rechtsprechung und Literatur vertretenen Ansichten zu der den Streitfall betreffenden, von den zivilrechtlichen Beteiligungsverhältnissen abweichenden Kostentragung unter den (ehemaligen) Eheleuten (vgl. etwa Urteile des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 23. November 2004 IX R 59/01, BFHE 208, 203, BStBl II 2005, 454; vom 20. Januar 2009 IX R 18/07, BFH/NV 2009, 1247; Blümich/Heuermann, § 21 EStG Rz 66 ff.).

3 Auch hat die Rechtssache keine grundsätzliche Bedeutung i.S. von § 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO; denn die vom Kläger aufgeworfene Rechtsfrage ist durch die o.a. Rechtsprechung geklärt. Im Übrigen legt der Kläger --anders als das Finanzgericht (FG)-- seinen Ausführungen auch für die Zeit nach der Trennung der Eheleute eine steuerrechtlich anzuerkennende abweichende (stillschweigende) Vereinbarung unter diesen zugrunde. Insoweit rügt der Kläger lediglich eine (vermeintlich) fehlerhafte Tatsachenwürdigung und Rechtsanwendung durch das FG, also die materielle Unrichtigkeit des Urteils; damit kann indes die Zulassung der Revision nicht erreicht werden (vgl. BFH-Beschlüsse vom 24. September 2008 IX B 110/08, BFH/NV 2009, 39; vom 29. Juni 2009 IX B 74/09, juris, unter 1.). Zudem betrifft das vom Kläger angeführte Urteil des Bundesgerichtshofs vom 27. November 1996 XII ZR 43/95 (Zeitschrift für das gesamte Familienrecht 1997, 487) einen anderen Fall; davon geht auch das FG aus ("... im Streitfall keine Anwendung ...").

4 2. Soweit der Kläger eine Verletzung der Sachaufklärungspflicht (§ 76 Abs. 1 FGO) als (verzichtbaren) Verfahrensmangel in Gestalt des Unterlassens einer Amtsermittlung rügt, ist dieser Verstoß nicht gegeben. Ausweislich des Sitzungsprotokolls (zu dessen Beweiskraft s. § 94 FGO i.V.m. § 165 der Zivilprozessordnung --ZPO--) wurde "die Sach- und Rechtslage mit den Beteiligten eingehend erörtert", ohne dass ein Beweisantrag gestellt oder der Kläger auf ihn oder anderweitige Aufklärungsmaßnahmen hingewirkt hätte, obwohl spätestens aufgrund der Ladung erkennbar war, dass das FG eine mögliche Beweiserhebung oder weitere Aufklärungsmaßnahmen außerhalb der mündlichen Verhandlung nicht durchzuführen beabsichtigte. Gleichwohl hat der --in der mündlichen Verhandlung vor dem FG fachkundig vertretene-- Kläger rügelos zur Sache verhandelt und damit sein Rügerecht durch bloßes Unterlassen einer rechtzeitigen Rüge verloren (§ 155 FGO i.V.m. § 295 ZPO; vgl. BFH-Beschluss vom 27. August 2008 IX B 207/07, BFH/NV 2008, 2022, m.w.N.).

5 Auch fehlt der Vortrag, dass die Nichterhebung der angebotenen Beweise in der mündlichen Verhandlung gerügt wurde oder weshalb diese Rüge nicht möglich war (vgl. BFH-Beschluss vom 15. März 2007 IX B 234/06, BFH/NV 2007, 1179).

6 Im Übrigen ergeht der Beschluss nach § 116 Abs. 5 Satz 2 FGO ohne weitere Begründung.

Schlagwörter

revision admissionfundamental significanceduty to investigatewaiverevidence-takingtax procedure

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the case had fundamental significance justifying admission of revision under § 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO.

Extrahierter Entscheid

No; the complaint did not engage with the case law and literature, and the legal question was already clarified. A challenge to the tax court's factual assessment and legal application cannot justify revision admission.

Extrahierte Begründung

The court treated the argument as an attack on the correctness of the judgment, not on an unresolved legal question.

Kernrechtsfrage

Whether the tax court violated its duty to investigate by not taking further evidence.

Extrahierter Entscheid

No; the record showed that the facts and law were thoroughly discussed, no evidentiary motion was made, and the complainant waived any objection by proceeding without timely protest.

Extrahierte Begründung

A waivable procedural defect is lost if the party, represented by counsel, fails to object in time despite recognizing that no further evidence would be taken outside the hearing.

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