Non-acceptance of complaint over foreign child-rearing pension credits

BVerfG 1 BvR 2740/16Bverfg / 1. Senat 1. Kammer06.03.2017Inadmissible

Zusammenfassung

The Federal Constitutional Court refused to accept a constitutional complaint challenging the refusal to grant pension credits for child-rearing outside the EU. It held that the complaint was insufficiently substantiated under § 23(1) sentence 2 and § 92 BVerfGG. On the merits, the Court saw no reason to depart from its settled case law that, as a rule, only child-rearing in Germany counts for statutory pension purposes; the CJEU's Reichel-Albert judgment did not create a constitutional entitlement to recognition of child-rearing in a third state. Alleged arbitrariness and procedural-rights violations were not adequately shown.

Regest

§ 23 Abs. 1 S. 2, § 92 BVerfGG; Art. 3 Abs. 1 GG, Art. 21 AEUV, § 56, § 307d SGB VI; non-acceptance of a constitutional complaint concerning pension credit for child-rearing abroad. A constitutional complaint is inadmissible where the asserted fundamental-right violations are not substantiated with reference to the applicable constitutional standards and the challenged decisions. The Court reaffirms that, under its settled case law, child-rearing periods are in principle relevant for statutory pension law only where the child is raised in Germany, the habitual residence serving as the system-consistent connecting factor for inclusion in the national social insurance scheme. The CJEU's free-movement case law does not establish a constitutional right to recognition of child-rearing in a third state. Mere disagreement with the lower courts and unparticularized allegations of arbitrariness or procedural defects do not meet the requirements for admission.

Gesamter Gesetzestext

BVerfG — 1 BvR 2740/16, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2017-03-06

Aktenzeichen: 1 BvR 2740/16

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2017:rk20170306.1bvr274016

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: Art 3 Abs 1 GG, § 23 Abs 1 S 2 BVerfGG, § 92 BVerfGG, Art 21 AEUV, § 56 SGB 6, § 307d SGB 6

Vorinstanz: vorgehend BSG, 29. September 2016, Az: B 13 R 24/16 BH, Beschlussvorgehend Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, 20. April 2016, Az: L 2 R 495/15, Urteilvorgehend SG Hannover, 30. September 2015, Az: S 13 R 371/15, Gerichtsbescheid

Spruchkörper: 1. Senat 1. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Zum Ausschluß der rentenrechtlichen Anrechnung von Kindererziehungszeiten im Ausland (Festhaltung am Kammerbeschluss vom 02.07.1998, 1 BvR 810/90, NJW 1998, 2963) - kein Anlass zur Abweichung aufgrund des Urteils des EuGH vom 19.07.2012 (C-522/10 - Reichel-Albert -) - zudem keine Verletzung von Verfahrensgrundrechten

Tenor

Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.

Gründe

1 Die Verfassungsbeschwerde betrifft die Berücksichtigung von Entgeltpunkten in der gesetzlichen Rentenversicherung wegen der Erziehung von Kindern außerhalb der Europäischen Union.

2 Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen. Annahmegründe im Sinne von § 93a Abs. 2 BVerfGG liegen nicht vor; die Verfassungsbeschwerde ist unzulässig. Die behaupteten Grundrechtsverletzungen sind nicht hinreichend substantiiert und damit nicht den Anforderungen aus § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG entsprechend dargetan.

3 Soweit die Beschwerdeführerin es in der Sache als verfassungswidrig beanstandet, dass eine Kindererziehungszeit nach § 56 Sozialgesetzbuch Sechstes Buch (SGB VI) beziehungsweise der Zuschlag nach § 307d SGB VI, also die sogenannte Mütterrente, nicht gewährt wird, fehlt es namentlich an einer Auseinandersetzung mit den vom Bundesverfassungsgericht zur Berücksichtigung von im Ausland zurückgelegten Kindererziehungszeiten bereits entwickelten und von den Fachgerichten zutreffend herangezogenen Maßstäben. So hat es das Bundesverfassungsgericht in einer Entscheidung der 2. Kammer des Ersten Senats (Beschluss vom 2. Juli 1998 - 1 BvR 810/90 -, NJW 1998, S. 2963 <2964>) ausdrücklich gebilligt, dass grundsätzlich nur die Kindererziehung im Inland rentenrechtlich relevant ist, da der gewöhnliche Aufenthalt einer Person im jeweiligen Staatsgebiet systemgerechter Anknüpfungspunkt für die mitgliedschaftliche Einbeziehung in nationale Sozialversicherungssysteme ist (vgl. außerdem Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 30. Dezember 1999 - 1 BvR 809/95 -, NZA 2000, S. 391 <392>, und BVerfGK 13, 406 <407>).

4 Die europarechtlich fundierte und namentlich mit Blick auf die in Art. 21 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union verbürgte Personenfreizügigkeit begründete Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes in der Rechtssache Reichel-Albert (EuGH, Urteil vom 19. Juli 2012 - C-522/10 -, ZESAR 2012, S. 483), auf die sich die Beschwerdeführerin bezieht, gibt keinen Anlass, von dieser Rechtsprechung abzuweichen; ein verfassungsrechtlicher Anspruch auf die rentenrechtliche Berücksichtigung der Erziehung in einem Drittstaat besteht nicht.

5 Daher stellen sich auch die fachgerichtlichen Entscheidungen keineswegs als willkürlich oder unverständlich dar; auch die behaupteten Verletzungen von Verfahrensgrundrechten sind nicht hinreichend dargetan.

6 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

7 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Schlagwörter

constitutional complaintadmissibilitysubstantiationpension lawchild-rearing periodsforeign residenceequal treatmentfree movementprocedural rights