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BVerfG 1 BvR 1723/14 ΓÇó Constitutional complaint inadmissible for lack of substantiation and exhaustion
BVerfG 1 BvR 1723/14Bverfg / 1. Senat 1. Kammer23.12.2016Inadmissible
The Federal Constitutional Court did not accept the constitutional complaint for decision. It held that the complainant had not sufficiently substantiated alleged violations of effective judicial protection or the right to be heard with respect to the Federal Social Court's refusal to admit the appeal, and had not adequately shown exhaustion of remedies for the lower-court judgments and administrative notices. The complaint also failed to engage with the Court's case-law on compulsory accident insurance for part-time or hobby farmers. The lower courts' view on the lack of cost privilege was not arbitrary.
§ 23 Abs. 1 Satz 2, § 92, § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG; subsidiarity and substantiation of a constitutional complaint after a procedurally unsuccessful non-admission appeal in social-court proceedings. A constitutional complaint is generally inadmissible where an available legal remedy capable of curing the alleged constitutional violation failed for procedural reasons, unless the complainant substantially sets out the prior submissions and makes it plausible that the constitutional issue was presented to the competent court. For challenges to earlier decisions and administrative acts, proper exhaustion of legal remedies must be shown in a substantiated manner. A mere blanket reference to prior written submissions does not suffice. In addition, a complaint alleging equal-treatment or arbitrariness violations must engage with the Court's established case-law and address the decisive doctrinal standards; otherwise, it lacks the required substantiation. The assessment of cost privilege under § 183 sentence 3 SGG is not arbitrary merely because the dispute concerns compulsory insurance as a self-employed agricultural operator.
Entscheidungsdatum: 2016-12-23
Aktenzeichen: 1 BvR 1723/14
ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2016:rk20161223.1bvr172314
Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss
Normen: Art 3 Abs 1 GG, § 23 Abs 1 S 2 BVerfGG, § 90 Abs 2 S 1 BVerfGG, § 92 BVerfGG, SGB 7, § 160a Abs 2 S 3 SGG, § 183 S 3 SGG
Vorinstanz: vorgehend BSG, 13. Februar 2014, Az: B 2 U 263/13 B, Beschlussvorgehend Landessozialgericht Rheinland-Pfalz, 28. August 2013, Az: L 4 U 163/12, Urteilvorgehend SG Koblenz, 30. Mai 2012, Az: S 2 U 143/10, Urteil
Spruchkörper: 1. Senat 1. Kammer
Nichtannahmebeschluss: Zur Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde bei Zurückweisung eines Rechtsmittels im fachgerichtlichen Verfahren (hier: Nichtzulassungsbeschwerde im sozialgerichtlichen Verfahren) aus prozessualen Gründen - mangelnde Darlegungen zum Vortrag im fachgerichtlichen Verfahren, unzureichende Substantiierung einer Grundrechtsverletzung
Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.
1 Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen. Annahmegründe nach § 93a Abs. 2 BVerfGG liegen nicht vor. Die Verfassungsbeschwerde ist unzulässig.
2 Soweit der Beschwerdeführer sich gegen den Beschluss des Bundessozialgerichts wendet, hat er eine Verletzung des Rechts auf effektiven Rechtsschutz oder eine Verletzung des Rechts auf rechtliches Gehör nicht entsprechend der Anforderungen aus § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG dargetan.
3 Hinsichtlich der Entscheidungen des Landessozialgerichts und des Sozialgerichts sowie der Bescheide der Beklagten des Ausgangsverfahrens hat er die ordnungsgemäße Erschöpfung des Rechtswegs (§ 90 Abs. 2 BVerfGG) nicht hinreichend substantiiert vorgetragen.
4 Eine Verfassungsbeschwerde ist in der Regel unzulässig, wenn ein an sich gegebenes Rechtsmittel - hier die Beschwerde wegen der Nichtzulassung der Revision -, durch dessen Gebrauch die behaupteten Grundrechtsverstöße hätten ausgeräumt werden können, aus prozessualen Gründen erfolglos bleibt (vgl. BVerfGE 16, 124 <127>; 74, 102 <113 f.>; 128, 90 <99>; BVerfGK 1, 222 <223>). Dabei ist es verfassungsrechtlich unbedenklich, die Beschreitung des Rechtswegs von der Erfüllung bestimmter formaler Voraussetzungen abhängig zu machen (vgl. BVerfGE 10, 264 <267 f.>; 128, 90 <99>). Dies gilt insbesondere für die Begründungs-, Darlegungs- und Bezeichnungserfordernisse im Verfahren vor den Revisionsgerichten (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 18. Dezember 1991 - 1 BvR 1411/91 -, SozR 3-1500 § 160a Nr. 7; Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 11. September 2008 - 1 BvR 1616/05 -, juris, Rn. 6).
5 Auch wenn die Verwerfung einer Nichtzulassungsbeschwerde als solche nicht in jedem Falle ausreicht, um von der Unzulässigkeit auch der nachfolgenden Verfassungsbeschwerde auszugehen, muss ein Beschwerdeführer daher in der Verfassungsbeschwerde seinen Vortrag im Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren jedenfalls im Wesentlichen mitteilen, so dass für das Bundesverfassungsgericht nachvollziehbar wird, ob die Nichtzulassungsbeschwerde offenbar unzulässig war und ob der Beschwerdeführer die verfassungsrechtliche Problematik zumindest der Sache nach dem Rechtsmittelgericht unterbreitet hat. Das ist hier nicht geschehen. Selbst wenn man aber die pauschale Bezugnahme auf den zur Begründung der Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundessozialgericht eingereichten Schriftsatz ausreichen lassen wollte, so würde aus diesem doch nur deutlich, dass das Bundessozialgericht zu Recht davon ausgegangen ist, dass das Vorbringen dort den Darlegungsanforderungen im Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren ersichtlich nicht genügt hat.
6 Im Übrigen hat der Beschwerdeführer eine mögliche Grundrechtsverletzung nicht hinreichend substantiiert dargetan. Namentlich hat er sich hinsichtlich seiner Einbeziehung in die gesetzliche Unfallversicherung nicht mit den vom Bundesverfassungsgericht bereits entwickelten Maßstäben hinsichtlich der Pflichtversicherung von Nebenerwerbs- oder Hobbylandwirten auseinandergesetzt (vgl. BVerfGE 44, 70 <89 ff.>; 51, 257 <265 ff.>; BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 16. September 1986 - 2 BvR 357/85 -, SozR 5850 § 1 Nr. 12; Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 4. Dezember 2002 - 1 BvR 2170/97 -, SozR 3-5420 § 2 Nr. 3
7 Die Annahme der Fachgerichte, der Beschwerdeführer sei im Ausgangsverfahren nicht kostenprivilegiert im Sinne von § 183 Sozialgerichtsgesetz (SGG), erweist sich angesichts des Umstandes, dass er sich vorliegend gegen die Einbeziehung in die Unfallversicherung als landwirtschaftlicher Unternehmer wandte, und der Regelung in § 183 Satz 3 SGG jedenfalls nicht als willkürlich.
8 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.
9 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.