Rejection of interim constitutional relief for lack of subsidiarity

BVerfG 2 BvQ 38/16Bverfg / 2. Senat 2. Kammer11.08.2016Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The applicant, held in forensic psychiatric detention, requested an interim constitutional order requiring treatment in a hospital. The Federal Constitutional Court rejected the request because the applicant had not first pursued the available specialist court remedies under the Prison Act provisions cited by the Court. The Court further held that no exceptional urgency justifying bypassing that subsidiary route was shown. The order is final and not subject to appeal.

Omnilex-Regeste

§ 32 Abs. 1 BVerfGG; subsidiarity of constitutional interim relief and exhaustion of specialized court remedies under § 90 Abs. 2 BVerfGG: Interim relief before the Federal Constitutional Court is available only where it is urgently required to avert serious disadvantages, prevent imminent violence, or for another important reason in the public interest. Even in preliminary constitutional proceedings, the principle of subsidiarity applies. Constitutional interim relief may therefore not be used as a substitute for, or anticipation of, specialist court protection. It presupposes that available fachgerichtlicher Eilrechtsschutz has been exhausted, unless waiting would be unreasonable because a severe or irreparable disadvantage would otherwise ensue (consid. 3-5).

Gesamter Gesetzestext

BVerfG — 2 BvQ 38/16, Ablehnung einstweilige Anordnung

Entscheidungsdatum: 2016-08-11

Aktenzeichen: 2 BvQ 38/16

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2016:qk20160811.2bvq003816

Dokumenttyp: Ablehnung einstweilige Anordnung

Normen: § 32 Abs 1 BVerfGG, § 90 Abs 2 S 2 BVerfGG, § 109 StVollzG, § 138 Abs 3 StVollzG

Spruchkörper: 2. Senat 2. Kammer

Titelzeile

Ablehnung eines Antrags auf Erlaß einer eA, mit der die Verlegung eines im Maßregelvollzug untergebrachten Straftäters begehrt wird – zur Subsidiarität des verfassungsgerichtlichen Eilrechtsschutzes

Tenor

Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung wird abgelehnt.

Gründe

1 Der im Maßregelvollzug untergebrachte Antragsteller beantragt, einstweilig anzuordnen, dass er in einem Krankenhaus behandelt werde, und rügt Missstände in der forensischen Psychiatrie.

2 Die Voraussetzungen für den Erlass einer einstweiligen Anordnung liegen nicht vor.

3 Nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kann das Bundesverfassungsgericht im Streitfall einen Zustand durch einstweilige Anordnung vorläufig regeln, wenn dies zur Abwehr schwerer Nachteile, zur Verhinderung drohender Gewalt oder aus einem anderen wichtigen Grund zum gemeinen Wohl dringend geboten ist. Zwar ist nicht erforderlich, dass zum Zeitpunkt der Antragstellung im Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes bereits ein Verfassungsbeschwerdeverfahren in der Hauptsache anhängig ist (vgl. BVerfGE 105, 235 <238>; 113, 113 <119 f.>; stRspr). Jedoch gilt auch im vorgelagerten verfassungsgerichtlichen Eilrechtsschutzverfahren der Grundsatz der Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde (vgl. § 90 Abs. 2 BVerfGG). Der Erlass einer einstweiligen Anordnung nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kommt daher nur in Betracht, wenn der Antragsteller bestehende Möglichkeiten, fachgerichtlichen Eilrechtsschutz zu erlangen, ausgeschöpft hat (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 30. März 2009 - 2 BvQ 18/09 -, juris; Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 13. Februar 2013 - 1 BvQ 2/13 -, juris; Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 23. Oktober 2013 - 2 BvQ 42/13 -, juris; Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 24. März 2014 - 1 BvQ 9/14 -, NVwZ 2014, S. 882).

4 Der Antragsteller hat den ihm nach §§ 138 Abs. 3, 109 ff. StVollzG offenstehenden fachgerichtlichen Rechtsweg, soweit es seinem Vortrag zu entnehmen ist, noch nicht beschritten.

5 Dass ihm ein Zuwarten bis zu einer fachgerichtlichen (Eil-)Entscheidung unzumutbar wäre, weil ihm ein schwerer oder unabwendbarer Nachteil entstünde (vgl. § 90 Abs. 2 BVerfGG), ist vor dem Hintergrund, dass bei Prüfung der Voraussetzungen des § 32 Abs. 1 BVerfGG ein strenger Maßstab zugrunde zu legen ist (vgl. BVerfGE 87, 107 <111>; BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 24. März 2014 - 1 BvQ 9/14 -, NVwZ 2014, S. 882), nicht ersichtlich. Das Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes vor dem Bundesverfassungsgericht ist - anders als der vorläufige Rechtsschutz im fachgerichtlichen Verfahren - nicht darauf angelegt, möglichst lückenlos vorläufigen Rechtsschutz zu bieten (vgl. BVerfGE 94, 166 <216>; BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 11. März 1999 - 2 BvQ 4/99 -, NJW 1999, S. 2174; Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 24. März 2014 - 1 BvQ 9/14 -, NVwZ 2014, S. 882). Erst recht nicht ist das Verfahren nach § 32 Abs. 1 BVerfGG darauf angelegt, das fachgerichtliche Verfahren vorwegzunehmen (vgl. BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 24. März 2014 - 1 BvQ 9/14 -, NVwZ 2014, S. 882).

6 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Schlagwörter

constitutional interim reliefsubsidiarityexhaustion of remediesforensic psychiatryspecialist court protectionurgent relief

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether an interim constitutional order under § 32(1) BVerfGG should be issued.

Extrahierter Entscheid

No interim order was to be issued because the statutory requirements were not met.

Extrahierte Begründung

The Court applied a strict standard and held that constitutional interim relief is subsidiary. The applicant had not shown that available specialist court interim remedies under §§ 109 ff. and 138(3) StVollzG had been exhausted, nor that waiting for a specialist court decision would cause an intolerable severe or unavoidable disadvantage.

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