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BVerfG 2 BvR 1402/13 ΓÇó Constitutional complaint inadmissible for lack of subsidiarity
BVerfG 2 BvR 1402/13Bverfg / 2. Senat 3. Kammer07.07.2016Inadmissible
The Federal Constitutional Court did not admit the constitutional complaint. It noted substantial constitutional concerns about the administrative court's characterization of an eight-month detention and associated physical abuse of a Tamil suspected of LTTE involvement as still proportionate. However, the complaint was inadmissible because the complainant had not raised the alleged deviation from higher-court precedent in the leave-to-appeal proceedings and had not filed an Anhörungsrüge. The merits therefore remained unresolved.
Art. 90 Abs. 2 S. 1, Art. 93d Abs. 1 S. 3 BVerfGG; subsidiarity of the constitutional complaint and exhaustion of remedies: A complaint is inadmissible if the complainant could and should have raised the decisive constitutional grievance in prior instance proceedings, in particular an alleged divergence from supreme-court case law in the appeal-admission stage and, where applicable, by hearing complaint. Even serious constitutional doubts regarding the assessment of alleged severe ill-treatment may remain unexamined where the subsidiarity requirement is not met.
Entscheidungsdatum: 2016-07-07
Aktenzeichen: 2 BvR 1402/13
ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2016:rk20160707.2bvr140213
Dokumenttyp: Kammerbeschluss ohne Begründung
Normen: Art 16a Abs 1 GG, § 90 Abs 2 S 1 BVerfGG, § 93d Abs 1 S 3 BVerfGG, § 1 Abs 1 Nr 1 AsylVfG 1992, § 60 Abs 1 S 1 AufenthG 2004
Vorinstanz: vorgehend Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, 28. Mai 2013, Az: 3 A 1665/12.A, Beschlussvorgehend VG Arnsberg, 11. Juni 2012, Az: 11 K 1559/11.A, Urteil
Spruchkörper: 2. Senat 3. Kammer
Nichtannahmebeschluss mit Tenorbegründung: Unzulässigkeit der Verfassungsbeschwerde wegen Subsidiarität - erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken gegen angegriffene asylrechtliche Entscheidung zur Frage der politischen Verfolgung eines Tamilen
Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen. Zwar bestehen erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken gegen das angegriffene Urteil des Verwaltungsgerichts (Art. 16a Abs. 1 GG), weil es eine achtmonatige Internierung eines der Arbeit für die "LTTE" (Liberation Tigers of Tamil Eelam) Verdächtigen in Sri Lanka als Teil einer "Hilfsaktion zur Vermeidung einer humanitären Notlage" und die während dieser Zeit erfolgten Misshandlungen - Stock- und Gewehrkolbenschläge unter anderem in den Genitalbereich - als das zum Zwecke der Strafverfolgung und Terrorismusabwehr angemessene Maß noch nicht überschreitende Behandlung bewertet. Die Vorstellung eines "angemessenen" Maßes körperlicher Misshandlung ist dem Grundgesetz fremd und kann der zitierten Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwGE 111, 334 ff.) nicht entnommen werden. Ob es Gründe gibt, die es rechtfertigen, die (unterstellte) massiv menschenrechtswidrige Behandlung des Beschwerdeführers trotz Anknüpfung an dessen tamilische Volkszugehörigkeit ausnahmsweise nicht als politische Verfolgung zu bewerten (vgl. BVerwG, Urteil vom 25. Juli 2000 - 9 C 28/99 -, juris, Rn. 16), kann jedoch offen bleiben. Der Beschwerdeführer hat es nämlich versäumt, die darin liegende Abweichung von der höchstrichterlichen Rechtsprechung im Berufungszulassungsverfahren geltend zu machen. Er hat auch die im Rahmen seiner Gehörsrüge erforderliche Anhörungsrüge nicht erhoben, so dass die Verfassungsbeschwerde unzulässig ist.
Diese Entscheidung ist unanfechtbar.