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BVerfG 2 BvR 1664/15 ΓÇó Constitutional complaint inadmissible for failure to exhaust legal remedies
BVerfG 2 BvR 1664/15Bverfg / 2. Senat 2. Kammer22.03.2016Inadmissible
The Federal Constitutional Court declined to admit a constitutional complaint by a detainee who wanted a declaration that the prison’s refusal to escort him to his mother’s funeral violated his rights. The Court held that the complaint was inadmissible because he had not exhausted the ordinary legal remedy available under § 119a(1) sentence 1 StPO. A declaratory application to the Amtsgericht was considered reasonable and not obviously futile, particularly since his related request for escort to the funeral had succeeded there. The complaint was therefore not accepted for decision.
§ 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG; exhaustion of remedies in constitutional complaint proceedings; declaratory application under § 119a Abs. 1 Satz 1 StPO as part of the legal remedy path. A complainant seeking a declaration that prison authorities violated fundamental rights by refusing an escort must first pursue the declaratory remedy before the competent ordinary courts. Exhaustion is not dispensed with merely because the underlying measure appears constitutionally questionable. A declaratory application is not unreasonable where it is not obviously futile, in particular if a related application had already been successful before the Amtsgericht (consid. 2–3).
Entscheidungsdatum: 2016-03-22
Aktenzeichen: 2 BvR 1664/15
ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2016:rk20160322.2bvr166415
Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss
Normen: GG, § 90 Abs 2 S 1 BVerfGG, § 119a Abs 1 S 1 StPO
Spruchkörper: 2. Senat 2. Kammer
Nichtannahmebeschluss: Feststellungsantrag gem § 119a Abs 1 S 1 StPO als Teil des Rechtswegs iSd § 90 Abs 2 S 1 BVerfGG - Unzulässigkeit der Verfassungsbeschwerde mangels Rechtswegerschöpfung
1 Der untersuchungsgefangene Beschwerdeführer begehrt die Feststellung, dass ihn die Weigerung der Justizvollzugsanstalt, ihn - einem Beschluss des Amtsgerichts entsprechend - zur Beerdigung seiner Mutter auszuführen, in Grundrechten verletzt hat.
2 Die Voraussetzungen, unter denen eine Verfassungsbeschwerde zur Entscheidung anzunehmen ist (§ 93a Abs. 2 BVerfGG), sind nicht erfüllt. Die Verfassungsbeschwerde hat keine grundsätzliche verfassungsrechtliche Bedeutung. Ihre Annahme ist auch nicht zur Durchsetzung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG genannten Rechte des Beschwerdeführers angezeigt. Zwar begegnet die Weigerung der Anstaltsleitung, den amtsgerichtlichen Beschluss umzusetzen, erheblichen verfassungsrechtlichen Bedenken. Die Verfassungsbeschwerde ist aber nach § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG unzulässig, weil der Beschwerdeführer mit seinem Feststellungsbegehren den fachgerichtlichen Rechtsweg nicht beschritten hat.
3 Die Möglichkeit, die begehrte Feststellung im fachgerichtlichen Verfahren zu erreichen, stand dem Beschwerdeführer nach § 119a Abs. 1 Satz 1 StPO offen (vgl. Schmitt, in: Meyer-Goßner/Schmitt, StPO, 58. Auflage 2015, § 119a Rn. 8; Wankel, in: KMR-Kommentar StPO, Stand: August 2015, § 119a Rn. 1; Gärtner, in: Löwe-Rosenberg, StPO, 26. Auflage 2014, § 119a Rn. 4; Schultheis, in: Karlsruher Kommentar zur StPO, 7. Auflage 2013, § 119a Rn. 3, § 119 Rn. 82). Sich vor Erhebung der Verfassungsbeschwerde mit einem Feststellungsantrag an das Amtsgericht zu wenden, war dem Beschwerdeführer auch zumutbar. Insbesondere war ein Feststellungsantrag nach § 119a Abs. 1 Satz 1 StPO nicht offensichtlich aussichtslos, denn der auf Ausführung des Beschwerdeführers zur Beerdigung seiner Mutter gerichtete Verpflichtungsantrag hatte vor dem Amtsgericht Erfolg gehabt.
4 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.
5 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.