Interim relief denied for lack of substantiated serious disadvantage

BVerfG 2 BvQ 1/16Bverfg / 2. Senat 2. Kammer14.01.2016Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Constitutional Court rejected a prisoner's application for interim relief concerning provisional dental treatment. The applicant wanted the Landgericht to be compelled to act quickly, but the Court held that he had not substantiated the prerequisite of a serious disadvantage under § 32 Abs. 1 BVerfGG. Because the prison had offered a transitional prosthesis and the applicant did not explain the specific harm from the lack of a permanent prosthesis, the application was denied. The decision is final and non-appealable.

Omnilex-Regeste

§ 32 Abs. 1 BVerfGG; interim constitutional relief requires substantiated demonstration of a serious disadvantage if the order is not issued. The applicant must concretely set out the threatened harm and why it cannot be averted by available provisional measures. If the asserted impairment is not specifically explained, and an offered transitional measure could compensate the situation, the application is inadmissible or unfounded and must be rejected (consid. 2-3).

Gesamter Gesetzestext

BVerfG — 2 BvQ 1/16, Ablehnung einstweilige Anordnung

Entscheidungsdatum: 2016-01-14

Aktenzeichen: 2 BvQ 1/16

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2016:qk20160114.2bvq000116

Dokumenttyp: Ablehnung einstweilige Anordnung

Normen: § 32 Abs 1 BVerfGG, §§ 56ff StVollzG, § 56 StVollzG, § 58 S 2 Nr 2 StVollzG

Spruchkörper: 2. Senat 2. Kammer

Titelzeile

Ablehnung des Erlasses einer eA mangels substantiierter Darlegung eines drohenden schweren Nachteils: provisorische zahnmedizinische Behandlung eines Strafgefangenen bei bevorstehender Haftentlassung

Gründe

1 Unabhängig von der Frage, ob der Antrag des Antragstellers, das Landgericht zu verpflichten, unter Achtung von Art. 19 Abs. 4 GG auch im beschleunigten Verfahren zu handeln, einer Regelung durch einstweilige Anordnung des Bundesverfassungsgerichts zugänglich ist (zur Unzulässigkeit eines solchen Begehrens vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 6. Juni 2013 - 2 BvQ 26/13 -, juris) oder vielmehr als Antrag auf vorläufige Sicherung des im Verfahren vor dem Fachgericht verfolgten materiell-rechtlichen Anspruchs auszulegen ist (vgl. BVerfG, a.a.O.; BVerfGK 4, 19 f.), liegen die Voraussetzungen für den Erlass einer einstweiligen Anordnung nach § 32 Abs. 1 BVerfGG nicht vor.

2 Ein Antrag nach § 32 Abs. 1 BVerfGG ist nur zulässig, wenn die Vorausset-zungen für den Erlass einer einstweiligen Anordnung substantiiert dargelegt sind. Die Zulässigkeit eines Antrags nach § 32 Abs. 1 BVerfGG setzt die substantiierte Darlegung voraus, dass bei Nichtergehen einer einstweiligen Anordnung ein schwerer Nachteil droht (vgl. BVerfG, Beschlüsse der 1. Kammer des Ersten Senats vom 25.Oktober 2006 - 1 BvQ 30/06 -, juris, und vom 17. November 2006 - 1 BvQ 33/06 -, juris).

3 Dem genügt die Antragsbegründung nicht. Der strafgefangene Antragsteller benötigt eine Prothese im Unterkiefer-Frontzahnbereich. Da diese zahnmedizinische Behandlung nach Auskunft des behandelnden Zahnarztes bis zu der voraussichtlichen Haftentlassung des Antragstellers am 26. Februar 2016 nicht mehr abgeschlossen werden kann, bot die Justizvollzugsanstalt dem Antragsteller die Behandlung mittels eines Übergangsprovisoriums an. Dies lehnte er ohne weitere Begründung ab. Der Antragsteller hat nicht substantiiert dargelegt, inwieweit er durch die fehlende Anfertigung einer Prothese beeinträchtigt ist und weshalb etwaige Beeinträchtigungen nicht durch die Anfertigung eines Übergangsprovisoriums hätten ausgeglichen werden können.

4 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Schlagwörter

interim reliefserious disadvantageconstitutional complaintprisonerdental treatmentprovisional measure

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether interim relief under § 32 Abs. 1 BVerfGG should be granted to secure provisional dental treatment for a prisoner before imminent release.

Extrahierter Entscheid

Interim relief was refused because the application did not substantiate that a serious disadvantage would arise without the order.

Extrahierte Begründung

An application under § 32 Abs. 1 BVerfGG requires a substantiated showing of the prerequisites for interim relief, especially that a serious disadvantage threatens absent the order. Here, the applicant failed to explain how the lack of a permanent prosthesis would impair him and why any impairment could not be compensated by the offered transitional prosthesis.

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