Constitutional complaint inadmissible for lack of legal interest

BVerfG 1 BvR 3460/13Bverfg / 1. Senat 3. Kammer09.11.2015Inadmissible

Zusammenfassung

The Federal Constitutional Court did not admit the constitutional complaint. Although it voiced doubts about the compatibility of the social-law remedy structure with effective judicial protection and about the application of the benefit-exclusion rules to a student, it held that the complaint lacked a continuing legal interest after the complainant had finished school. No repetition risk existed, so the case was not examined on the merits.

Regest

Art. 19 Abs. 4 GG, § 90 BVerfGG; constitutional complaint after loss of original burden: legal interest in a decision survives only exceptionally. After the challenged measure has ceased, admissibility requires either that a constitutional question of fundamental importance would otherwise remain unresolved or that a concrete risk of repetition justifies declaratory review (consid. 2). Absent such circumstances, especially where the factual situation has changed irreversibly, the complaint is inadmissible. The Court may then refrain from further reasoning under § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG.

Gesamter Gesetzestext

BVerfG — 1 BvR 3460/13, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2015-11-09

Aktenzeichen: 1 BvR 3460/13

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2015:rk20151109.1bvr346013

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: Art 19 Abs 4 GG, § 90 BVerfGG, § 3 ErreichbAnO, § 7 Abs 4a SGB 2 vom 20.07.2006, § 86b SGG

Vorinstanz: vorgehend Hessisches Landessozialgericht, 10. Oktober 2013, Az: L 6 AS 675/13 B ER, Beschlussvorgehend SG Kassel, 27. September 2013, Az: S 8 AS 196/13 ER, Beschluss

Spruchkörper: 1. Senat 3. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Rechtsschutzgarantie und Versagung sozialgerichtlichen Eilrechtsschutzes bei Leistungsausschluss gem § 7 Abs 4a SGB II aF (juris: SGB 2) - Unzulässigkeit der Verfassungsbeschwerde bei Wegfall der Beschwer und fehlendem Rechtsschutzinteresse mangels Wiederholungsgefahr

Gründe

1 Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen.

2 Zwar bestehen Zweifel, ob es mit der Rechtsschutzgarantie vereinbar ist, die Beschwerdeführerin auf nachfolgenden Rechtsschutz gegen einen etwaigen Leistungsentzug wegen nicht genehmigter Ortsabwesenheit im Sinne des § 7 Abs. 4a SGB II a.F. in Verbindung mit § 3 Erreichbarkeitsanordnung zu verweisen. Auch die Anwendung dieser Rechtsvorschriften auf sie als Schülerin erscheint schon nach den Ausführungen des Landessozialgerichts zweifelhaft. Der Verfassungsbeschwerde fehlt es jedoch an einem Rechtsschutzinteresse. Dies besteht bei nachträglichem Wegfall der Beschwer fort, wenn anderenfalls die Klärung einer verfassungsrechtlichen Frage von grundsätzlicher Bedeutung unterbliebe und ein schwerwiegender Grundrechtseingriff gerügt wird oder die beschwerdeführende Person unter dem Gesichtspunkt der Wiederholungsgefahr ein anerkennenswertes Interesse an der Feststellung hat, ob die angegriffene Maßnahme verfassungsgemäß war (vgl. BVerfGE 91, 125 <133>; 97, 298 <308>; 103, 44 <58 f.>; 119, 309 <317>). Diese Voraussetzungen liegen nicht vor. Insbesondere besteht keine Wiederholungsgefahr, nachdem die Beschwerdeführerin die Schule beendet hat.

3 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

4 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Schlagwörter

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