Constitutional complaint inadmissible for insufficient substantiation

BVerfG 1 BvR 2572/15Bverfg / 1. Senat 3. Kammer29.10.2015Inadmissible

Zusammenfassung

The Federal Constitutional Court refused to accept a constitutional complaint lodged by the speaker of a prisoner association concerning alleged obstruction of union activity in a prison. It held that the complaint was manifestly inadmissible because it was insufficiently substantiated: the applicant did not describe the concrete prison measures, the specific activities allegedly hindered, or the exhaustion of legal remedies and timeliness requirements. As a result, the simultaneously requested interim relief became moot.

Regest

Art. 9 Abs. 3 GG; §§ 23 Abs. 1 S. 2, 92 BVerfGG; admissibility of a constitutional complaint alleging interference with prison-based trade-union activity. A constitutional complaint is inadmissible if it does not set out with sufficient precision the challenged measures, the specific impairment of the asserted freedom, and the procedural prerequisites, in particular exhaustion of remedies, any exception thereto, and compliance with the one-month period. The mere invocation of a collective of prisoners as a ‘union’ does not dispense with the duty of substantiation. If the complaint is not accepted for decision, an accompanying application for interim relief becomes moot (consid. 1–5).

Gesamter Gesetzestext

BVerfG — 1 BvR 2572/15, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2015-10-29

Aktenzeichen: 1 BvR 2572/15

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2015:rk20151029.1bvr257215

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: Art 9 Abs 3 GG, § 23 Abs 1 S 2 BVerfGG, § 92 BVerfGG, StVollzG

Spruchkörper: 1. Senat 3. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Verfassungsbeschwerde gegen Behinderung der Tätigkeit einer "Gefangenengewerkschaft" durch JVA mangels hinreichender Substantiierung unzulässig

Tenor

Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen und damit erledigt sich zugleich der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung.

Gründe

I.

1 Die Verfassungsbeschwerde des Sprechers einer Verbindung von Strafgefangenen, die die Behinderung seiner Betätigung für diese Verbindung in einer Justizvollzugsanstalt zum Gegenstand hat, ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil die Annahmevoraussetzungen nach § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vorliegen.

2 Weder kommt der Verfassungsbeschwerde grundsätzliche Bedeutung zu (§ 93a Abs. 2 Buchstabe a BVerfGG) noch ist ihre Annahme zur Durchsetzung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG genannten Rechte des Beschwerdeführers angezeigt (§ 93a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG). Die Verfassungsbeschwerde hat keine Aussicht auf Erfolg.

3 Unbeschadet der Frage, ob sich Vereinigungen von Gefangenen, die sich als Gewerkschaft bezeichnen, und deren Mitglieder auf die Koalitionsfreiheit aus Art. 9 Abs. 3 GG berufen können, ist die Verfassungsbeschwerde offensichtlich unzulässig, weil sie nicht den gesetzlichen Bestimmungen der § 23 Abs. 1 Satz 2 Halbsatz 1, § 92 BVerfGG entsprechend begründet ist. Der Beschwerdeführer hat nicht in ausreichendem Maß dargelegt, welchen konkreten Maßnahmen der Justizvollzugsanstalt er unterlegen hat und welche gewerkschaftlichen Aktivitäten im Einzelnen hierdurch behindert worden sind. Gänzlich unterlassen hat der Beschwerdeführer Ausführungen zur Rechtswegerschöpfung oder zu deren ausnahmsweiser Entbehrlichkeit im Sinne von § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG sowie zur Wahrung der Monatsfrist nach § 93 Abs. 1 BVerfGG.

4 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

II.

5 Mit der Nichtannahme wird der Eilantrag gegenstandslos (§ 40 Abs. 3 GOBVerfG).

6 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Schlagwörter

constitutional complaintadmissibilitysubstantiationprisontrade union freedominterim reliefexhaustion of remediestime limit