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BVerfG 2 BvR 1956/13 ΓÇó Non-admission: legal protection lost; mail withholding in prison
BVerfG 2 BvR 1956/13Bverfg / 2. Senat 2. Kammer03.12.2014Inadmissible
The Federal Constitutional Court did not admit the constitutional complaint for decision. It held that the complaint lacked fundamental constitutional significance and that legal protection had lapsed. The Court nevertheless noted that the lower decisions appeared to understate the constitutional standards governing restrictions on incoming mail addressed to prisoners. It referred to the prisoner’s freedom of communication, the statutory framework of the Bavarian Prison Act, and the requirement of concrete indications of a real risk to treatment success before mail may be withheld.
§ 90 BVerfGG, § 93a Abs. 2 BVerfGG; non-admission of a constitutional complaint due to loss of legal protection: If the complainant’s need for legal protection has ceased and the complaint lacks fundamental constitutional significance, the complaint is not admitted. Even where the Court refrains from deciding the merits, it may indicate that restrictions on incoming correspondence addressed to prisoners under Art. 31 Abs. 1 BayStVollzG and Art. 34 Abs. 1 No. 1 BayStVollzG require concrete indications of a real danger to the success of treatment and are subject to proportionality; the inmate’s personality development carries greater weight the less concrete the alleged danger (consid. 1-2).
Entscheidungsdatum: 2014-12-03
Aktenzeichen: 2 BvR 1956/13
ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2014:rk20141203.2bvr195613
Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss
Normen: § 90 BVerfGG, § 31 Abs 1 StVollzG, Art 31 Abs 1 StVollzG BY, Art 34 Abs 1 S 1 StVollzG BY
Vorinstanz: vorgehend OLG München, 6. August 2013, Az: 4 Ws 91/13 (R), Beschlussvorgehend LG Landshut, 5. Juni 2013, Az: StVK 731/12, Beschluss
Spruchkörper: 2. Senat 2. Kammer
Nichtannahmebeschluss: Wegfall des Rechtsschutzbedürfnisses - Zu den verfassungsrechtlichen Vorgaben bzgl des Anhaltens von an Strafgefangene gerichtete Schreiben (§ 31 StVollzG; Art 34 StVollz BY)
1 Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen, da ihr keine grundsätzliche verfassungsrechtliche Bedeutung zukommt und dies zur Durchsetzung der Grundrechte des Beschwerdeführers nicht angezeigt ist (vgl. § 93a Abs. 2 BVerfGG). Das Rechtsschutzbedürfnis des Beschwerdeführers ist entfallen (vgl. BVerfGE 56, 99 <106>; 106, 210 <214>; 119, 309 <317>).
2 Indes lassen die mit der Verfassungsbeschwerde angegriffenen Entscheidungen besorgen, dass der Bedeutung und Tragweite der Grundrechte des Beschwerdeführers nicht hinreichend Rechnung getragen worden ist. Die verfassungsrechtlichen Maßstäbe für die Zulässigkeit von Beschränkungen eingehender Schreiben, die an Strafgefangene gerichtet sind, ergeben sich aus Art. 2 Abs. 1 GG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG (BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 29. Juni 1995 - 2 BvR 2651/94, juris; vgl. auch BVerfGE 41, 329 <331>). Dem Gefangenen steht grundsätzlich die verfassungsrechtlich geschützte Freiheit zu, mit Personen außerhalb der Anstalt zu kommunizieren. Der bayerische Gesetzgeber hat das Recht auf Schriftwechsel einfachgesetzlich in Art. 31 Abs. 1 BayStVollzG normiert. Beschränkungen dieses Rechts dürfen nur nach Maßgabe der Art. 31 ff. BayStVollzG vorgenommen werden. So kann gemäß Art. 34 Abs. 1 Nr. 1 BayStVollzG ein an einen Gefangenen gerichtetes Schreiben angehalten werden, wenn die Aushändigung an den Gefangenen die Erfüllung des Behandlungsauftrags im Sinne des Art. 2 Satz 2 BayStVollzG gefährden würde. Als Eingriff in die grundrechtlich gewährleistete Freiheit des Gefangenen setzt dies indes konkrete Anhaltspunkte für eine reale Gefährdung des Behandlungserfolgs voraus (vgl. BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 29. Juni 1995 - 2 BvR 2651/94, juris). Außerdem ist der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu beachten, wobei der Persönlichkeitsentfaltung des Gefangenen umso größeres Gewicht zukommt, je weniger konkret im Einzelfall die anzunehmende Gefährdung ist (BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 29. Juni 1995 - 2 BvR 2651/94, juris; vgl. auch BVerfGE 57, 170 <177>).
3 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.
4 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.