No fault for postal delay in reinstatement proceedings

BVerfG 1 BvR 3031/13Bverfg / 1. Senat 3. Kammer16.01.2014Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Constitutional Court did not admit a constitutional complaint against the dismissal of an appeal for late submission of the appeal reasoning. It held that the Saxon Regional Labour Court could reasonably find that the complainant had not made it credible that counsel had posted the decisive letter in time. The Court added that delays in postal delivery by Deutsche Post AG cannot be attributed as fault in reinstatement proceedings, because parties may generally rely on ordinary postal transit times; however, the decision did not depend on that point because the timely posting itself was not proven.

Omnilex-Regeste

Art. 2(1) in conjunction with Art. 20(3) GG; § 236(2) sentence 1 ZPO; reinstatement and credibility of timely posting of a pleading: a court may require convincing substantiation that the document was actually posted in time. Eidesstattliche assurances of third parties that merely render an insertion plausible, without relating to the concrete act of posting, need not suffice. By contrast, delays in ordinary postal transit by Deutsche Post AG are not attributable to the party as fault in reinstatement proceedings; addressees may rely on the normal postal running times established by the postal operator’s organisational arrangements (consid. 2-3).

Gesamter Gesetzestext

BVerfG — 1 BvR 3031/13, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2014-01-16

Aktenzeichen: 1 BvR 3031/13

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: Art 2 Abs 1 GG, Art 20 Abs 3 GG, ArbGG, § 236 Abs 2 S 1 ZPO

Vorinstanz: vorgehend Sächsisches Landesarbeitsgericht, 14. Oktober 2013, Az: 3 Sa 343/13, Beschlussvorgehend Sächsisches Landesarbeitsgericht, 15. August 2013, Az: 3 Sa 343/13, Beschluss

Spruchkörper: 1. Senat 3. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Keine Zurechnung verzögerter Postbeförderung zulasten der betroffenen Partei im Wiedereinsetzungsverfahren - hier: Wiedereinsetzungsgrund der rechtzeitigen Aufgabe zur Post nicht glaubhaft gemacht

Gründe

1 Die Verfassungsbeschwerde, die die Verwerfung einer Berufung wegen Versäumung der Berufungsbegründungsfrist betrifft, ist nicht zur Entscheidung anzunehmen (§ 93a Abs. 2 BVerfGG), weil sie unbegründet ist.

2 1. Eine Verletzung von Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 20 Abs. 3 GG oder Art. 103 Abs. 1 GG liegt nicht vor. Das sächsische Landesarbeitsgericht hat noch vertretbar angenommen, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen ihres Antrags auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nicht glaubhaft gemacht habe, dass ihr Verfahrensbevollmächtigter die entscheidende Sendung rechtzeitig in den Briefkasten eingeworfen habe. Ein Gericht muss insbesondere eidesstattliche Versicherungen Dritter, die einen Einwurf zwar plausibel erscheinen lassen, aber sich gerade nicht auf diesen beziehen, nicht genügen lassen.

3 2. Soweit das Landesarbeitsgericht allerdings hilfsweise auch das Vorliegen von Wiedereinsetzungsgründen verneint hat, ist dies mit den Anforderungen an Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 20 Abs. 3 GG nicht mehr vereinbar. Im Rahmen der Anwendung der verfahrensrechtlichen Vorschriften über die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand, dürfen Verzögerungen der Briefbeförderung durch die Deutsche Post AG nicht als Verschulden angerechnet werden. Bürgerinnen und Bürger dürfen darauf vertrauen, dass die nach den organisatorischen und betrieblichen Vorkehrungen der Post für den Normalfall festgelegten Postlaufzeiten eingehalten werden. Insofern durfte die Beschwerdeführerin darauf vertrauen, dass ihr - unterstellt am Freitag, 19. Juli 2013 gegen 15:00 Uhr eingeworfener - Brief sein Ziel am Montag, 22. Juli 2013 erreichen wird (vgl. BVerfGE 40, 42 <45>; 62, 334 <337>; Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 11. Juni 1993 - 1 BvR 1240/92 -, juris, Rn. 12; Beschluss der 4. Kammer des Zweiten Senats vom 14. Mai 2000 - 2 BvR 1557/98 -, juris, Rn. 4). Da der Einwurf selbst jedoch nicht glaubhaft gemacht worden ist, beruht die Entscheidung aber nicht auf diesem Verstoß.

4 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

5 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Schlagwörter

reinstatementdeadlinepostal delaycredibilityconstitutional complaintlabour procedure

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the constitutional complaint should be admitted for decision.

Extrahierter Entscheid

The complaint was not admitted because it was unfounded.

Extrahierte Begründung

The challenged decision did not violate constitutional guarantees in the refusal of reinstatement on the facts established by the labour court.

Kernrechtsfrage

Whether delayed postal delivery may be attributed to the party as fault in reinstatement proceedings.

Extrahierter Entscheid

Postal delays by Deutsche Post AG cannot be counted as fault when assessing reinstatement.

Extrahierte Begründung

Parties may rely on normal postal transit times; however, this error did not affect the result because the timely mailing itself was not made credible.

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